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Ich kann mich noch gut erinnern, als ich Eva Engelken zum ersten Mal traf: In München, im August 2005, bei einem Netzwerktreffen mit schreibenden Kolleginnen. Ich war gespannt gewesen auf diese Frau, die die Juristerei für den Wirtschaftsjournalismus (ausgebildet beim Handelsblatt) an den Nagel gehängt hatte ... Und dann stand sie da: Groß. Blond. Schlank. Eine herbe Schönheit. Eine Frau, bei der man automatisch mindestens zweimal hinguckt.

Inzwischen sind einige Jahre vergangen. Wir haben mehrere Male bei Seminar-Wochenenden ein Zimmer geteilt, viele gute Gespräche geführt, Eva hat ein drittes Kind bekommen. Nach einer kurzen Babypause und einem einem beruflichen Abstecher in einer renommierten Kommunikationsagentur hat sie sich vor drei Jahren als Klartext-Expertin und Kommunikationsberaterin für Juristen selbstständig gemacht. Und noch ein (zweites) Buch geschrieben: Klartext für Anwälte.

Eine Powerfrau? Zweifellos. Und ein Model-Talent, wie die Fotos zeigen ... :-)



Volljuristin und Kommunikationsberaterin: Eva Engelken, 41.

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Mit 17 hatte ich null Modegeschmack, habe aber Leute bewundert, die ihn offensichtlich hatten. Die sahen in dem, was sie trugen, halt schick aus. Als ich dann vorsichtig begann, selber Geld für Kleidung auszugeben, dachte ich immer, meine Kleidung müsse modisch sein, damit ich gut aussehe.


2005: Ich liebe dieses Bild! Und den Hosenanzug auch! :-)

Erst ganz allmählich habe ich begriffen, dass Kleidung einfach nur perfekt passen muss, damit ich gut aussehe. Heißt bei meiner Größe von 1,84 Meter: Das Hosenbein sollte nicht am Schienbein enden und die Jackentaille nicht auf Höhe des Brustkorbs klemmen. Und vor allem: Die Kleidung muss zu mir und meiner Figur passen, nicht umgekehrt. Wenn ein Kleid an mir bescheuert aussieht, liegt das nicht an mir, sondern am falschen Schnitt.

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Als ich mir für dieses Interview die alten Fotos angeguckt habe, dachte ich: Damals warst du zwar schlanker, aber dein Geschmack war eindeutig schlechter, bzw. für typgerechtes Styling hattest du weder Zeit noch Geld noch Sinn. Entsprechend verlief meine Geschmacksentwicklung in Sachen Kleidung von schlecht bis gut sitzend. Oder von unförmig bis figurbetont. Woran ich mich noch gut erinnere: dass ich Kommilitonen grauenhaft fand, die schon im ersten Semester Jura mit Einheitsperlenohrstecker und Barbourjacke rumgerannt sind.


Apropos unförmig ... ;-)


Ich glaube, Jugendliche wachsen heute mit viel mehr Anleitung in Sachen modischem Styling auf, als ich und meine Artgenossen vor 20, 25 Jahren. Die können schon mit Anfang 20 perfekt sagen, was für einen Stil sie bevorzugen. Ich dagegen weiß das selbst mit Anfang 40 immer noch nicht! Vermutlich irgendwas mainstream-konservatives, mein Modegeschmack ist nicht sehr innovativ. Trägt alle Welt Schlaghosen, finde ich sie spätestens zwei Jahre später auch schön. Ansonsten wechselt der Stil mit der Tageslaune. Zum Glück kann ich die wiederum umgekehrt mit meiner Kleidung beeinflussen: Verkleide ich mich als erfolgreiche Businessfrau, fange ich irgendwann an, mich auch wie eine solche zu fühlen.

Konsequent bin ich nur mit meiner Liebe für Einfarbiges und meiner Ablehnung von Pastellfarben und Blümchenmustern. Ich bin ja keine Tapete.

Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Also, Doris Day war es bestimmt nicht. Um taillierte Röcke mit Petticoat zu tragen, braucht frau eine Wespentaille. Dann schon eher Lara Croft. Deren Kombi aus militärgrünem Shirt, Hotpants und Doc-Martens passt zwar nicht zum Büro, aber zu fast allen anderen Lebenslagen. Oder Uma Thurman in „Kill Bill”. Ihren gelbschwarzen Catsuit finde ich bis heute modisch wegweisend. In der Provinz, wo ich bis zum Abitur aufgewachsen bin, waren allerdings höchstens die örtlichen Heavymetalbands stilprägend. Aber da ich in Sachen Mode damals noch nicht sehr empfänglich war, hat das nicht viel geschadet.

Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

In der Juraausbildung: Meinen Talar als Staatsanwältin. Sexy, figurfreundlich und leicht waschbar.

Heute eher Kleider von BOSS und Marc Cain. Beide mag ich ganz gerne, weil meine Figur und deren Schnitte irgendwie gut zusammenpassen. Leider habe ich vor kurzem gelesen, dass Firmengründer Hugo Boss überzeugter Nationalsozialist war und sein Vermögen als Uniformlieferant von Wehrmacht, SS und Hitlerjugend und mit Zwangsarbeitern gemacht hat.



2013: Ein bisschen Posing. Barfuss im Lieblingskleid von BOSS.


Was die heutige Produktion bei BOSS angeht, denke ich, dass sie zumindest einigermaßen fair produzieren lassen - im Gegensatz zu manch anderen Marken. Kriminell finde ich Mode, der ich schon am Preis ansehe, dass auf ihr die Tränen ausgebeuteter Kinder irgendwo in Bangladesh kleben. Ich finde, auf jedes Kleidungsstück gehört ein Fair-Made-Etikett. Und in Läden Warnplakate: „Vorsicht, dieses Kleid wurde von Sklaven produziert.“

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Die wunderschönen Gesichter und Körper bestimmter Models und Schauspielerinnen rauben mir nach wie vor den Atem. Und einen schlanken sportlichen Körper finde ich immer noch erstrebenswert. Andererseits habe ich begriffen, dass es Schönheit jenseits von ästhetischer Perfektion gibt. Je älter frau wird, desto mehr hängt ihre Attraktivität ab von (innerer) Haltung, Lebensfreude, Neugier und Liebe, die aus den Augen strahlt.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Pragmatisch produktgläubig. Um graue Haare verschwinden zu lassen, reicht nun mal kein Wasser und Seife. Auf auf Fotos gut auszusehen, hilft Makeup, und beim Ausgehen auch. Und um schlechte Zähne zu richten, braucht man Geld und einen guten Zahnarzt.


Anfang 20 und sowas von cool! ;-)

Im Alltag reichen dagegen ein pflegendes Shampoo und eine Hautcreme, die gut einzieht. Ob da nun „Antiage3000” oder „No-Name”-netto drauf steht, ist egal. Die wirklich wirksamen Produkte für eine schöne straffe Haut sind sowieso keine Cremes, sondern frische Luft, gute Durchblutung und ein geregelter Hormonhaushalt.

Du bist auf Reisen und hast deinen Waschbeutel vergessen. Welche drei Produkte kaufst du sofort?

Zahnbürste, Hautcreme und eine Karte fürs Schwimmbad.

Ein Besuch im Schwimmbad hilft mehr als drei Kilo Feuchtigkeitsmaske. Und dann vermutlich ein Haargummi. Ich mag lange Haare, aber sie stören mich bei ungefähr allem, wenn sie mir ins Gesicht hängen.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis? Wenn ja, welches?

In Bewegung bleiben. Im Kopf, im Bett und auf dem Mountainbike.

Ich finde, es macht schön, den Körper, in dem man zur Welt gekommen ist, gut zu behandeln; den Muskeln und Gelenken das Vergnügen verschaffen, sich recken und strecken zu dürfen. Ziemlich viele Krankheiten kann man durch Bewegung lindern. Nicht mit Marathon für alle, sondern mit der Bewegung, die einem gut tut. Bei mir ist das seit jeher Wandern und Tanzen, bei anderen vielleicht eine leichte Gymnastik, zur Not im Krankenbett.



Mit 24, Lieblingslederjacke und Lippenstift


Im übertragenen Sinne finde ich, dass Schönheit, oder vielleicht noch mehr Attraktivität, durch geistige Beweglichkeit wächst. Ein Mann oder eine Frau, der oder die vor Wissen oder Lebensweisheit nur so sprüht, ist doch anziehend wie ein Magnet.

Und zum dritten Punkt muss ich wohl nichts sagen. :-) 

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Eher drei.

Aus dem einen hat Geier Sturzflug ein Lied gemacht: Eins kann mir keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben.

Das andere steht in Artikel 2, Absatz 2 Grundgesetz: Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

Und das dritte kommt aus der Bibel und besagt: Nutze die dir anvertrauten Talente.

Danke, liebe Eva, fürs extra Modeln und die spannenden Einblicke! Deinen Plan mit 50plus in die Politik zu gehen und vorher noch einen Roman zu schreiben, begrüße ich übrigens außerordentlich! :-)

***

Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hier: Click and enjoy!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 09. September 2013, 08:59 Uhr
Kommentare: 13 | Aufrufe: 15178 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: stilschönheitpr-fraumodeklartextjuristinintervieweva engelkenanti-agingälter werden
Das könnte auch interessant sein:
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Jutta Bissinger.
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Kommentare

  • Immer wieder interessant und spannend, deine Interviews, liebe Susi! :-) Lara Croft? Liebe Eva, bitte beim nächsten Workshop-Wochenende, ja? Jaaaa???!!! Danke. :-)

    Snezana
    am Mittwoch, 11. September 2013 um 17:27 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Was, liebe Eva, Du bist schon über 40? Hätte ich nie gedacht! Du bist für mich immer eine WOW-Frau gewesen. Eine Frau, bei der man sofort einfach nur „WOW!” sagen muss. Bleib so!
    Liebe Grüße
    Annette

    Annette
    am Mittwoch, 11. September 2013 um 17:14 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susanne,

    das ist wieder einmal ein außergewöhnlich interessantes Interview mit einer unglaublich beeindruckenden Frau!
    Vor allem der Erkenntnis, dass nicht die weibliche Figur, sondern vielmehr die Schnitte der Kleidung dafür verantwortlich sind, wenn’s mal wieder nicht passt, stimme ich voll und ganz zu. Das Bewusstsein dafür, von wem und unter welchen Bedingungen die Mode gemacht wurde, die Frau kauft, ist ebenfalls vorbildlich!
    Fazit: Voll ins Herz (und den Verstand) getroffen!

    Liebe Grüße von
    Stephanie alias die Modeflüsterin

    Stephanie
    am Dienstag, 10. September 2013 um 19:33 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wo ist hier bitte der „gefällt-mir-außerordentlich-aber-sowas-von”-Button?

    Außerdem ist die BU beim letzten Bild garantiert falsch, denn das kann nicht älter sein als ein paar Wochen. Genau SO habe ich Eva in Erinnerung.

    Wobei auch ich unsere allererste Begegnung nie vergessen werde: Ich ging dieser aufregenden, souveränen, offensichtlich beruflich unglaublich erfolgreichen Frau mit viel Glück und hohen Schuhen gerade mal bis zur Brust ... und sie workshoppte ganz selbstverständlich und überaus freundlich mit mir! Dabei hatten wir zu diesem Zeitpunkt die gemeinsamen geographischen Wurzeln noch nicht einmal entdeckt.

    Ein wunderbares Interview - vielen Dank dafür!

    Michaela Pelz
    am Dienstag, 10. September 2013 um 19:27 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wie herrlich! Wunderbare Antworten einer großartigen Frau. Danke für das Interview. Oh ja, und die frühere Perlen-Ohrring-Abneigung kenne ich auch. Jetzt, mit 40+ finde ich’s allerdings ganz hübsch, nicht wahr?

    Farbenfreundin
    am Dienstag, 10. September 2013 um 17:14 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Die Eva, wie sie leibt und lebt, klug und schön! Danke, das hat wieder einmal viel Spaß gemacht, die Gedanken zu Schönheit, Wirkung und Ausstrahlung aus einer anderen Perspektive zu lesen.

    Heide Liebmann
    am Montag, 09. September 2013 um 15:13 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Hi Eva und Susi,
    schönes Interview! Zu den tollen Bildern müssten wir jetzt nur noch Evas Stimme hören: ebenfalls ebenso herbe wie schön. Das Montagsinterview als Audio-Datei zum Download, das wäre doch was.

    Brigitte Anders
    am Montag, 09. September 2013 um 14:56 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Das peinliche ist, ich trage ein H&M-Shirt auf dem einen Bild, und die sind nicht gerade berühmt dafür, besonders fair produzieren zu lassen.@Susi: Ich muss     dringend auf deinem Blog nach Fairmodenherstellern stöbern.

    Eva
    am Montag, 09. September 2013 um 13:57 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Supersympathisch - vielen Dank :-)

    Angelika B.
    am Montag, 09. September 2013 um 13:24 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • ... eben einfach Eva! Ein wirklich gelungenes Portrait einer echt starken Frau. Und was für Fotos…

    katrin rembold
    am Montag, 09. September 2013 um 11:33 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Also unförmig, liebe Eva, ist da im eigentlichen Sinne nichts. Und du bist auch ohne gelben Catsuit ein Hingucker. Obwohl ich dich gerne mal als Lara Croft sehen würde ... Vielleicht auf der Burg?

    Birgit Heintz
    am Montag, 09. September 2013 um 10:56 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Tolle Frau, tolles Interview! Vielen Dank Euch beiden!
    Und das trifft es auf den Punkt: „Eine herbe Schönheit. Eine Frau, bei der man automatisch mindestens zweimal hinguckt.” So erging es mir im Mai an unserem Workshopwochenende. Eva zog meinen Blick immer wieder auf sich. Keine Ahnung, wie sie das macht! :-)

    Helen Alberding
    am Montag, 09. September 2013 um 10:48 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Da kann ich nur WOW sagen - eine Frau wie du, Eva, wird nicht mal durch Schlabberjeans hässlich und wenn es mit der Politik und dem Roman-Bestseller nix wird, als Senior-Model findest du allemal gute Auftraggeber, wenn dich dein Business allein nicht mehr ausfüllt und die Kinder groß sind. Merci auch für die spannenden Antworten!

    Petra
    am Montag, 09. September 2013 um 10:24 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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