Ausdruck von: https://www.texterella.de/mode-text.php/lifestyle/comments/einmal-durchlueften-bitte-was-deine-terrassentuer-mit-angst-und-selbstzweif
Montag, 29. Januar 2018 um 06:00 Uhr

Einmal durchlüften, bitte! Was deine Terrassentür mit Angst und Selbstzweifeln zu tun hat.

Ich bin kein ängstlicher Mensch. Sicher, ich würde nicht Bungee springen, ungesichert klettern und auch nicht Gleitschirm fliegen. Ich fahre vorsichtig Auto und bin immer froh, wenn ich nachts den Schlüssel im Schloss höre und weiß, dass meine Kinder nun sicher daheim sind.

Aber davon abgesehen habe ich schon einiges im Leben gewagt. Mit 15 zog es mich für ein Jahr als Austauschschülerin in die USA. Mit Mitte 20 bin ich, die Städterin, aufs platte Land gezogen, mit Anfang 30 habe ich mich aus einem sicheren Angestelltenverhältnis heraus selbstständig gemacht, mit Ende 30 noch ein drittes Kind gekriegt, obwohl ich bereits zwei gesunde und wunderbare Kinder hatte. Immer habe ich darauf vertraut, dass alles gut werden würde. Und es ist immer gut geworden. Mindestens.

Dennoch kenne ich das Gefühl von Angst (oder ihrer kleinen Schwester, der Unsicherheit) zu gut: bei jedem einzelnen Blogpost, den ich veröffentliche – bei diesem hier sogar ganz besonders! (Werden ihn meine Leserinnen mögen? Oder habe ich nur Unsinn von mir gegeben?) Bei jedem Auftrag, den ich annehme! (Kann ich das wirklich? Oder werde ich mich blamieren?) Ja, bei allem Neuen, das ich unternehme, ist auch immer eine gehörige Portion Angst dabei. Und Selbstzweifel.

Ach, es gibt so viele Dinge, die ich fast nicht getan hätte, so viele Chancen, die ich beinahe nicht ergriffen hätte. Weil ich Angst davor hatte. Vor dem Scheitern, vor Peinlichkeiten, vor Lächerlichkeit. Einen Lifestyle-Blog zu schreiben, obwohl ich Wirtschaftstexterin bin, zum Beispiel. Oder Modekolumnen. Oder Outfit-Fotos von mir zu veröffentlichen. Oder einen Buchvertrag zu unterschreiben. Oder oder oder. Ja, selbst die Fashionweek zu besuchen, hat mir neben all der Vorfreude auch ein klein wenig Angst gemacht.

Geh dorthin, wo deine Angst ist!

Gott sei dank habe ich mich nur selten von dieser Angst einschüchtern lassen. Im Gegenteil: Die Angst war mir sogar Motivation! Eine Herausforderung! Hey, Angst! Lass uns mal gucken, wer von uns beiden die Stärkere ist! Und dann haben wir ein wenig gerangelt – bis die Angst zu Boden ging. Puh.

Irgendwann – und das ist noch gar nicht so lange her – habe ich einen schlauen Satz gelesen: Geh dorthin, wo deine Angst ist. Was nichts Anderes bedeutet, als die eigenen Komfortzone zu verlassen und etwas zu wagen. Etwas, das wir, du und ich, vielleicht schon lange wollen – und uns einfach noch nicht getraut haben. Genau dafür könnte jetzt der richtige Zeitpunkt sein. Nein: Genau dafür ist jetzt der richtige Zeitpunkt.

Wir können das ganze Leben auf der Couch im Wohnzimmer verbringen ...

Natürlich können wir unser ganzes Leben auch innerhalb unserer Komfortzone verbringen und niemals die Couch verlassen, auf der wir es uns so gemütlich gemacht haben. Das ist die sichere und bequeme Variante. Wenn man mit 80 dann auf sein Leben zurückblickt, hat man es immer hübsch komfortabel und warm gehabt. Allerdings hat man auch nie mehr gesehen als das heimische Wohnzimmer. 

Oder man steht auf von der Couch und macht die Terrassentür auf. Kann natürlich sein, dass einem da ein kühles Lüftchen entgegenweht. Ja, vielleicht fröstelt man, will die Tür gleich wieder schließen und sich unter die kuschelige Decke auf der Couch retten. Aber vielleicht atmet man erstmal die frische Luft ein und spürt, wie der Sauerstoff belebt. Und dann sieht man den ewigen Himmel über sich und den weiten Horizont vor sich, und spürt die Unendlichkeit der Chancen und Möglichkeiten, die ein Leben außerhalb des Wohnzimmers der eigenen Komfortzone bietet.

... oder auch mal die Terrassentür aufmachen und Frischluft schnuppern.

Immer wieder stehe ich in meinem Leben an dieser Terrassentür, bei kleinen und großen Entscheidung. Und ja, ich habe sie auch einige Male wieder geschlossen, weil mir die Luft doch zu frisch war. Aber meistens habe ich mich gefreut, wie sehr mich die frische, sauerstoffreiche Luft von draußen belebt.

Für diese Woche habe ich mir übrigens vorgenommen, die Terrassentür einmal wieder ganz weit aufzustoßen. Schon lange habe ich diese Sache im Kopf ... und habe mich bislang einfach nicht getraut, sie endlich anzugehen. Bis mir kürzlich bewusst wurde: Wenn ich nichts wage, werde ich auf jeden Fall scheitern. Nur wer wagt, gewinnt. So einfach – und ja, doch so schwer. Ich weiß.

Hab eine wundervolle Woche und ... vielleicht machst auch du deine Terrassentür ein Stück weit auf. Pläne und Vorhaben können schließlich nur gedeihen, wenn wir ihnen auch eine Chance geben – und die Luft zum Wachsen. Wenn du mir ein bisschen von deiner persönlichen Terrassentür erzählen magst ... ich würde mich außerordentlich freuen!

***

Texterella per Mail abonnieren? Hier geht’s zu meinem Mail-Verteiler!  Nicht vergessen, dass du die Anmeldung noch durch einen Klick bestätigen musst! Selbstverständlich ist dieses Angebot kostenlos und jederzeit kündbar.


Montag, 29. Januar 2018 um 06:00 Uhr