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Freitag, 12. Januar 2018 um 06:00 Uhr

Warum ich einen Marathon laufen will, obwohl ich Sport eigentlich hasse.

Am Donnerstag vor einer Woche war ich gerade dabei, mein Geburtstagspost zu schreiben und mit meiner guten Gesundheit zu kokettieren, als ich krank wurde. Das nennt sich wohl Rache des Schicksals. Vielleicht hätte ich beim Schreiben auf Holz klopfen sollen.

Ich bin eher selten krank, deshalb stehe ich immer ein wenig staunend davor, wenn es mich erwischt. Und fassungslos. Es ging quasi minütlich bergab und um Mitternacht wollte ich keinen Rosé Champagner mehr trinken, sondern nur noch ins Bett. Am nächsten Morgen hätte ich die Geburtstagsparty am liebsten abgesagt. Habe ich natürlich nicht, bin ja kein Weichei (was ein Teil des Gesamtproblems ist ...) und für was gibt es Ibuprofen. Viel Ibuprofen.

Tatsächlich überstand ich den Tag gut (vermutlich dieser spezielle Geburtstagsmix aus Endorphinen, Adrenalin und – Schmerzmitteln), genoss das Fest sehr und sah laut meiner Gäste aus wie das blühende Leben selbst.

Bis zum nächsten Morgen. Da war die Show vorbei.

Ich war so malad, so von Kopfschmerz, Schwindel und Übelkeit geplagt, dass mein Mann mich spätabends noch ins Krankenhaus fuhr. Wo dann Gott sei dank nichts festgestellt wurde, außer einer Kreuzung zwischen grippalem Infekt und starker Spannungskopfschmerzen. Oder irgendetwas in der Art.

Was mich die letzten Krankheitstage gelehrt haben:

1. Gesundheit ist nicht selbstverständlich.

Sicher, im Kopf wissen wir das. Aber im Alltag? Schnell ist alles so viel wichtiger als dem Körper etwas Gutes zu tun, sei es Bewegung, gute Ernährung, weniger Alkohol. Noch schnell die eine Mail fertig machen, den Post schreiben, die Wäsche, der Einkauf, das Mittagessen, whatever. Du kennst das. Und ich bin leider ein Role Model für diesen Lebensstil.

2. Disziplin ist zweischneidig.

Einerseits kann ich unglaublich diszipliniert sein – bei meiner Arbeit. Was ich mir hier vornehme, wird auch erledigt, und zwar on time. Und so habe ich mein Lektüre-Posting geschrieben, obwohl ich lieber hätte schlafen sollen, aber ... der Post stand auf dem Redaktionsplan und ich hinkte ohnehin schon hinterher. Bei einem gesunden Lebensstil bin ich andererseits schnell dabei, alle fünf gerade sein zu lassen. Sport? Ja, klar. Aber lieber morgen. Weniger Zucker? Gute Idee. Der Keks ist nur eine Ausnahme. Weniger Alkohol? Ja, stimmt. Aber das Gläschen Rotwein ... ist bestimmt eher gesund. Man kann sich so viel vormachen und belügen und dabei nicht mal rot werden, wenn man in den Spiegel guckt.

3. Sich jung zu fühlen, ist kein Freibrief.

Ich schrieb es erst kürzlich: Ich bin (gefühlt) eine 25-Jährige im Körper eine 52-Jährigen. Und das ist der Punkt. Der Körper ist halt doch nicht mehr alles verzeihende 25! Sondern 52. Nicht, dass ich das bisher nicht bemerkt hätte: Die vielen Treppen in unserem Haus laufe ich nicht mehr so beschwingt auf und ab wie vor einigen Jahren. Überhaupt komme ich sehr schnell außer Puste. Und: Ich bin sehr unbeweglich geworden in letzter Zeit. Alles, weil ich mir viel zu wenig Zeit für regelmäßigen Sport nehme, weil – siehe 1. Trotzdem leistet er mir treue Dienste, mein Körper, aber wie lange noch? Und warum vergesse ich immer, dass mein Körper ein guter, vielleicht sogar mein bester Freund ist – und dass ich auch diese Freundschaft pflegen muss?

Ja, ich habe den Warnschuss gehört. Ich weiß nun, wie es sich anfühlt, eine Woche krank zu sein, schwach und ohne Lebensfreude. Ich würde gerne schreiben, dass nun alles besser wird. Jeden Tag Yoga, nur noch „Clean Food“ und kein Rotwein. Acht Stunden Schlaf, weniger Stress, mehr Lesen. Ja, das würde ich so gerne schreiben – doch ich weiß jetzt schon, dass ich diese guten und lobenswerten Vorsätze nicht halten werde.

Aber was ist die Lösung?

Ich wünschte, ich hätte sie. Vielleicht die berühmten kleinen Schritte: wieder konsequent meine Abendspaziergänge aufnehmen und einmal die Woche Fitness und/oder Yoga. Alkohol nur noch am Wochenende, und Zucker maximal einmal am Tag. Wieder mehr Gemüse (ich liebe es, nur meine Familie nicht so sehr), mehr Vollkorn und noch weniger tierische Produkte. Und weniger Arbeiten – dafür mehr Wochenende. Ach, das gesunde, gute Leben, es schreibt sich so leicht ...

... warum nur ist es in Realität so schwer?

Ich weiß es nicht. Aber was ich weiß, ist, dass kleine Schritte besser sind als keine Schritte. Und dass man mit vielen kleinen Schritten auch einen Marathon bezwingen kann. Dauert halt länger.

Sicher ist eines: Wer nie losgeht, der kommt auch niemals an.

Hast du einen Rat?

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Die Fotos entstanden während unseres Mystery Shootings im September in einer alten Berliner Brauerei.

Foto: Viola Klostermann
Beratung und Art Works: Sibylle Zimmermann

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Freitag, 12. Januar 2018 um 06:00 Uhr