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Montag, 16. April 2018 um 06:00 Uhr

Jung sein ist keine Frage des Alters. Ein offener Brief an die Generation Y.

Vor ein paar Tagen stolperte ich in einen (eigentlich sehr charmanten) Podcast von zwei jungen Journalistinnen hinein, die sich unter dem Titel „Hilfe, wir werden alt!“ über das Älterwerden unterhielten. Die eine war 27, die andere 31 – doch wenn man sie so plaudern hörte, hätte man denken können, sie wären schon Anfang 70 und ihr Leben bald vorbei. Es herrschte Endzeitstimmung. Die Themen rankten sich um Augenfalten, Sonnenschäden und ob es wohl schon Zeit für Botox wäre. Es ging um Miniröcke, die ihnen plötzlich zu kurz und deshalb unpassend erschienen, darum, für was es in ihrem Alter schon zu spät sei und dass die Zeit für Partnersuche und Familiengründung nun doch langsam knapp würde („Meine Frauenärztin meinte kürzlich, es würde nun langsam Zeit!“). Jaja, die „gute alte Zeit” war damals, mit Anfang 20.

Jung sein ist keine Frage des Alters.

Natürlich war viel Augenzwinkern dabei, viel Selbstironie und Schmunzeln – aber es schwang auch ehrliche Verzweiflung mit. Am liebsten hätte ich mich live zugeschaltet und diesen tollen, intelligenten, attraktiven, erfolgreichen jungen Frauen zugerufen:

Entspannt euch, ihr Lieben! Es gibt keinen Grund zur Panik!

Erst staunte und schmunzelte ich, dann fühlte ich Mitleid ob dieses Altersstresses, aber nach einer Weile war ich auch ein wenig verärgert: Wenn sich diese zwei Frauen von 27 und 31 Jahren schon für „alt“ hielten – was war dann wohl ich in ihren Augen? Steinalt und mit einem Bein schon im Grab? Pffft! Dann fiel mir noch der Podcast von zwei jungen und recht bekannten Modebloggerinnen ein, die gelegentlich über ihre Mütter sprachen (die wiederum höchstens ein paar Jährchen älter als ich sein können): zwar voller Liebe und mit großer Wertschätzung, aber gleichzeitiger mit einer Attitude, als trügen wir Frauen über 50 Blumenkohldauerwelle und Kittelschürze und wären überhaupt schon jenseits von Gut und Böse.

Liebe jüngere Frauen ...

... wir mögen ein paar Jahrzehnte länger auf dieser Welt sein als ihr, aber im Herzen sind wir so alt – oder eher so jung – wie ihr. Ja, wir haben Falten, aber die meisten davon haben wir uns hart er-lacht (und er-lebt). Und sicher mag es für manches im Leben irgendwann zu spät sein – aber für das allerallermeiste ist es immer noch früh genug. Alter ist in allererster Linie eine Frage der Haltung und des Herzens. Ebenso wenig ist Lebensfreude eine Sache von Jahren, sondern von Einstellung. Vielleicht beruhigt es euch zu wissen, dass Glück mit den Jahren nachweislich und statistisch belegt sogar zunimmt.

Bleibt leidenschaftlich und begeistert!

Hört auf, euch Gedanken zu machen, und genießt euer Leben! Denn nicht die gelebten Jahre, Falten und graue Strähnen machen alt, sondern die Angst davor. Bleibt leidenschaftlich und neugierig, begeistert euch, lacht (auch wenn’s womöglich Lachfalten macht!). Seid offen, geht neue Wege, freut euch übers Leben und über eure gelebten Jahre. Collect moments, not things! Dann müsst ihr euch über Älterwerden keine Gedanken machen ...

PS: Okay, ich gestehe: Ich habe mit Anfang 20 auch gedacht, mit 34 (zur Jahrtausendwende nämlich) wäre ich steinalt. Wie schön, dass ich – nochmals fast 20 Jahre älter – sagen kann: Was. Für. Ein. Unsinn! :D

PPS: Wer sich nun wundert, warum ich Podcasts von 20 Jahre jüngeren Frauen höre: Nun, weil sie mich interessieren. Und weil ich keine Podcasts von 50plus-Frauen kenne. Ja, ein wenig sind wir schon selbst schuld an dem blumenkohldauerwelligen Kittelschürzenruf, der dem Älterwerden voraus eilt.

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Montag, 16. April 2018 um 06:00 Uhr