Ausdruck von: http://www.texterella.de/mode-text.php/lifestyle/comments/der-fels-und-ich
Dienstag, 11. Juli 2017 um 06:00 Uhr

Der Fels und ich. Oder: Warum ich trotz Scheitern glücklich bin.

Dass es knapp würde, wusste ich von Anfang an. Aber ich war zuversichtlich. Drei Monate für ein Buch, das musste doch reichen. Dachte ich. Ich hatte ja auch keine Ahnung vom Buchschreiben. Und wusste außerdem noch nicht, dass das Projekt, das ich im Januar ganz flockig angenommen hatte („Irgendwie geht das schon!”), nicht nur groß, sondern seeehr groß sein und mich fast zur Verzweiflung bringen würde. Danach war ich eigentlich urlaubsreif. Aber daran war natürlich nicht zu denken. Nein, ich setzte mich jeden Tag an diesen Schreibtisch, um – zwischen Panik und Fatalismus – wenigstens ein paar Seiten zu schreiben. Mit einer Kollegin (ebenfalls ein leicht panischer Buchschreibeneuling) hatte ich mich via Whatsapp zu einer Art Oh-Gott-wie-kriegen-wir-das-Buch-geschrieben?-Not-Gemeinschaft zusammengefunden. Wir motivierten uns gegenseitig, machten uns Mut. Danke, liebe Dagmar, fürs Dasein! :-*


Der Fels und ich. Wie es sich anfühlt, Aufschub vom Verlag zu bekommen.

Letzten Dienstag machte ich mir selber noch Mut: „Irgendwie geht’s dann ja doch immer.“ Denn so kenne ich mich: Irgendwie kriege ich es immer hin. Oft auf den letzten Drücker, mit viel Adrenalin und Koffein im Blut, ja, manchmal auch mit Hängen und Würgen. Mit Nächten bis 4 Uhr morgens und Augenringen. Aber geschafft. Und pünktlich.

Tja, diesmal nicht. Diesmal habe ich es nicht geschafft.

Am Freitag habe ich den Verlag angerufen, und um Aufschub gebeten. Und mich dabei entsetzlich gefühlt. Wie hatte das passieren können? Ich und Termine nicht halten! Das gab’s ja noch nie. Nun, diesmal doch. Hatte ich zu viel getrödelt? Mir zu viel zugetraut? Hätte ich vielleicht nicht doch und warum habe ich nicht ... so viele Gedanken, so viele Zweifel. Und ja, auch Ängste, die vor allem! Aber irgendwann muss man auch Klartext denken. Und reden. Irgendwann muss man sich einfach eingestehen, was Sache ist. Auch wenn es unangenehm ist.

Der Verlag hat übrigens denkbar gelassen reagiert. Ich solle mir ruhig noch ein paar Wochen mehr Zeit nehmen. Frühherbst würde völlig reichen. Gar kein Problem. Das würde anderen Autoren auch passieren. Ja, es wäre schon fast der Normalfall, dass Abgabetermine verschoben würden.

Puh. PUH!

Erinnerst du dich an einen dumpfen Plumpser am frühen Freitagnachmittag? Das war mein Stein. Nein, mein Fels. Ich war so erleichtert. Streng genommen, nach meinen eigenen Maßstäben, war ich gescheitert – aber es war mir egal. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen. Ich hatte mehr Zeit! Und ich würde wirklich das Beste aus dieser Zeit machen, das Allerbeste!

Am Wochenende aber ... habe ich erst mal nichts gemacht – wirklich nichts! Gar nichts. Mal von dem Post zur Mondscheintasche abgesehen. Aber die ist mir einfach en passant begegnet, das war keine Mühe. Den Beautypost von gestern hatte ich Gott sei dank schon vorbereitet. Und so lag ich auf dem Bett, nickte manchmal kurz ein, kochte zwischendrin. Surfte ein bisschen mit dem iPhone im Internet. Es war ein seltsames Gefühl, nach so vielen stressigen Wochen und Monaten (der Zustand hält im Grunde ja schon seit meinem letzten Sommerurlaub an) nicht am Schreibtisch sitzen zu müssen. Entspannen ist gar nicht so einfach, wenn man es nicht mehr gewöhnt ist.

Aber heute geht’s wieder weiter. Mit dem Schreiben. Am Freitag will ich das erste Kapitel meiner Lektorin schicken. Das ist mein aktuelles Etappen-Ziel. Und das schaffe ich auch.

Einen fabelhaften Dienstag wünsche ich dir! :-*


Dienstag, 11. Juli 2017 um 06:00 Uhr