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Viele Jahre lang war Yoga für mich etwas für leicht esoterisch angehauchte Grüntee-Trinker mit selbstgeklöppelten Socken und einem Faible für Bachblüten. Jaja, es lebe das gepflegte Vorurteil! Dann lernte ich Antje Ritter kennen und mein Bild geriet ein wenig ins Wanken. Allerdings dauerte es noch weitere zehn Jahre, bis ich meine erste Yoga-Stunde besuchte. Und sofort verliebt war. Und das obwohl ich Kaffee trank, für Meditation wenig Nerv hatte und Kopfweh mit einer Doppeldosis Ibuprofen bekämpfte.

Seit einem Jahr mache ich nun Yoga, mal klassisches Yoga mit einer richtig tollen, weiß gekleideten Yoga-Lehrerin, mal „Fitness-Yoga” mit schnelleren, dynamischeren Abläufen.

Mittlerweile finde ich, viel mehr Menschen sollten Yoga machen. :-) Weil es so gut tut (und eine gute Figur macht). Weil es entspannt. Ja, weil es großherziger und friedlicher macht. Wenn ich aus der Yoga-Stunde komme, bin ich tatsächlich im Reinen mit mir. Erstaunlich. Besonders liebe ich Yoga auch für einen Satz, den uns die Yoga-Lehrerin immer mit auf den Weg gibt: „Mögen alle Wesen glücklich sein.” Ein „Sport”, der der Welt diesen Gedanken mitgibt, kann nur gut sein.

Natürlich bin ich immer noch eine ganz große Anfängerin. Deshalb habe ich meine liebe Freundin Antje, die bereits seit 15 Jahren Yoga macht, um ein Interview gebeten. Um dir Yoga näher zu bringen.



Antje Ritter macht seit 15 Jahren Yoga.


Antje kennst du vielleicht schon von meinem ersten Montagsinterview. Sie ist Texterin, Lektorin, Übersetzerin und hat außerdem im letzten Jahr ihre Ausbildung zur Gestalttherapeutin abgeschlossen. Zu der alten Villa, in der sie ihre Praxis hat, gehört auch eine Fabrik. Dort sind die tollen Bilder entstanden.


Wie bist du eigentlich zum Yoga gekommen?

Ich habe eigentlich seit der 11. Klasse „was mit Tanzen“ gemacht, also zuerst Jazz Dance und Ballett, dann später sehr lange Modern Dance. Das war hartes Training, da ich an einer Schule trainierte, in der ansonsten angehende Musicalstars Unterricht nahmen, ich war also immer die Schlechteste und nach zwei Stunden schweißgebadet. Dann zog eine neue Mitbewohnerin in meine WG, die Ashtanga Yoga praktizierte. Das ist eine sehr dynamische Yogaform, bei der man zwischen den einzelnen Haltungen jeweils einen Sonnengruß ausführt. Man ist also die ganze Zeit in Bewegung, kombiniert die einzelnen Bewegungen stets mit dem Atem, der hier auch ein besonderer ist, nämlich der sogenannte Ujjayi-Atem. Ich war fasziniert von dieser neuen Art, mich zu bewegen und vertiefte mich ins Üben.



Mit der Zeit lernt man, dass der Atem mindestens genauso wichtig ist wie die Haltungen. Und dann fängt Yoga eigentlich erst richtig an. Es gibt beim Ashtanga eine ganz bestimmte Abfolge von Haltungen, die wunderbar aufeinander aufbauen. Insgesamt gibt es drei verschiedene Serien, ich habe vor allem die erste und Teile der zweiten geübt. Meine Mitbewohnerin zeigte mir zu Hause die gesamte erste Serie und wir übten oft gemeinsam. Als sie zwei Jahre später auszog, übte ich alleine weiter. Es verging ein weiteres Jahr, bevor ich dann schließlich eine Lehrerin aufsuchte, die wunderbare Claudia Kohse in Hamburg.

Von da an ging ich mindestens einmal pro Woche zum Unterricht und habe dort auch Hand- und Kopfstand gelernt – nie hätte ich geglaubt, das einmal zu können! Inzwischen hatte ich das Tanzen aufgegeben und widmete mich ganz dem Yoga.



Mit den Jahren hat sich mein Stil verändert, ich mache nicht mehr reines Ashtanga Yoga, sondern suche mir immer die Übungen aus verschiedenen Richtungen raus, die mir gerade gut tun. Ich habe zum Beispiel eine Folge für den Rücken, eine weitere für den Bauch, eine ruhigere für abends, etwas Kraftvolleres für den Morgen ... Mindestens genauso wichtig wie das Yoga selbst ist inzwischen das Sitzen danach. Ich betrachte Yoga heute als Vorbereitung des Körpers und des Geistes (durch die Konzentration während des Übens) für das Stillsitzen während der Meditation.


Was fasziniert dich an Yoga?

Was mich von Anfang an sehr faszinierte, war, dass Yoga mehr ist als „nur“ Training, da es auch den Geist mit einbezieht und eigentlich eine Lebenshaltung ist. Ganz bewusst übt man, bei sich zu sein, auf seinen Körper zu achten, überhaupt achtsamer zu sein.

Ich habe das Gefühl, wirklich etwas für mich zu tun, wenn ich Yoga praktiziere, oder auch, wenn ich danach in Stille sitze. Ich bin entspannter und irgendwie großherziger, wenn ich das regelmäßig tue. Die Wertigkeiten rücken wieder an die richtige Stelle, mir wird bewusst, dass Leistung nicht alles ist, was zählt. Selbst, wenn der ganz normale Alltag dann seinen Lauf nimmt, habe ich das zumindest einmal am Tag gespürt, und das tut gut.


Und die Wirkung, die das Üben auf den Körper, seine Kraft und Dehnbarkeit hat, habe ich ja schon erwähnt: Ich fühle mich einfach besser, wenn ich das Gefühl habe, mein Körper ist stark und lebendig. Ich gebe ihm die Gelegenheit, sich zu bewegen und seine Fähigkeiten zu entfalten, statt den ganzen Tag nur im Sitzen zu verbringen.


Hast du eine Lieblingsübung? (Oder nennt es sich „Stellung”?)

Es heißt Asana, Haltung ;).

Ich mache sehr gerne Kopfstand, auch die Baumhaltung mag ich sehr (auf einem Bein stehen, das andere angewinkelt, Fuß an die Innenseite des Standbeins gestellt, Arme über dem Kopf, Hände zusammen – eine Haltung, die Ruhe und Erdverbundenheit fördert, ebenso wie den Gleichgewichtssinn) und das Krokodil (eine Drehhaltung, bei der man auf dem Rücken liegt und die Beine abwechselnd langsam nach links und nach rechts kippen lässt, die Schultern bleiben am Boden. Der Name kommt von der großen Dehnbarkeit der Krokodile in Beckenbereich und Schwanz). Ach, eigentlich mag ich fast alle Übungen gern.


Wann machst du Yoga? Allein oder in einer Gruppe? Unter Anleitung?

Meistens mache ich morgens Yoga.

Angefangen habe ich ja alleine, das ging gut, weil ich mich Jahre zuvor schon sehr mit meinem Körper und Tanz beschäftigt hatte, ansonsten würde ich immer empfehlen, einen Kurs zu besuchen. Jahrelang habe ich dann Yoga in einer Gruppe praktiziert und würde das auch sehr gerne wieder tun, sobald die Umstände es erlauben. Seit drei Jahren übe ich allein zu Hause. Ich habe einen Raum, in dem ich übe. Dazu gehört, dass ich mir eine Kerze und (ungiftiges) Räucherwerk anzünde. Ich bemühe mich, jeden Morgen zu üben, außer am Wochenende, und wenn ich das tue, fühle ich mich viel wohler, ich spüre meinen Körper mehr, nehme einzelne Muskelpartien zum Beispiel viel mehr wahr, habe das Gefühl, meinen Körper viel besser zu kennen, und das fühlt sich sehr gut an.



Seit einigen Monaten gönne ich mir ein Abonnement bei yogaeasy.de. Für 16 Euro im Monat kann man dort so viele Videos anschauen, wie man möchte. Die Lehrerinnen und Lehrer, die dort „unterrichten“, sind durch die Bank renommiert und sehr erfahren. Man kann also zu Hause verschiedene Yogarichtungen ausprobieren und sich inspirieren lassen durch neue Übungen und die persönliche Haltung unterschiedlicher Lehrerinnen und Lehrer.


Was zieht man zu Yoga am besten an? ;-)

Ich empfehle bequeme, atmungsaktive und dehnbare Kleidung. Hauptsache, nichts zwickt und zwackt, vor allem nicht am Bauch. Wichtig finde ich, dass man etwas trägt, das nicht hochrutscht und den Rücken bzw. die Mitte freigibt. Es ist angenehmer, wenn auch bei Dehn- und Über-Kopf-Übungen alles schön warm verpackt ist. Lange hatte ich einen „Catsuit“, da konnte nichts verrutschen. Dicke Socken und eine Decke für die Entspannung, die zu jeder Übungssequenz dazugehört, sind auch zu empfehlen.


Was würdest du Anfängerinnen raten?

Geduld zu haben. Und sich nicht an dem „Können“ der anderen zu messen. Bei sich zu bleiben. Jeder kann in jedem Alter mit Yoga beginnen, man muss nicht gleich mit dem Kopfstand anfangen. Man beginnt genau da, wo man ist, das ist das Schöne am Yoga. Der Körper verändert sich mit dem Üben ganz von selbst.



Ich würde auch verschiedene Yogaschulen ausprobieren, manchmal dauert es etwas, bis man „seine“ Richtung und auch die richtigen Lehrer gefunden hat. Außerdem würde ich empfehlen, etwas über Yoga zu lesen. Das große Yogabuch von Anna Trökes ist ein sehr empfehlenswertes Standardwerk.

Namasté!

***

Danke, liebe Antje, für deine Zeit und deine ausführlichen Antworten! Ich freue mich schon sehr darauf, mir dir bald mal wieder gemeinsam Yoga zu machen! :-)

 
Susanne Ackstaller, Donnerstag, 14. August 2014, 15:06 Uhr
Kommentare: 8 | Aufrufe: 2966 | Kategorie: Lifestyle, Fitness & Gesundheit, | Tags: yoga praktizierenyoga lernenyogameditationgesundheitfitness
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Kommentare

  • Wieso Yoga für Männer, lieber Francisco? Magst Du nicht mit Frauen zusammen Yoga machen? ;) Im Ernst: In meinen Yogaklassen waren immer auch Männer dabei. Vor allem Ashtanga(Vinyasa-Flow-, Power-)-Yoga ist eine Yogarichtung, die sehr kraftvoll ist und die gerade auch Männer anspricht. Also, auf zur nächsten Yogastunde ;)

    Antje
    am Sonntag, 17. August 2014 um 12:53 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Ich finde es gut, wenn Männer - und Frauen -  ihre eigenen Yogamöglichkeiten haben, leider gibt es davon viel zu wenig.
      Nicht alle Männer mögen mit Frauen zusammen Yoga machen und vice versa. Das ist auch nur legitim.
      Und ich denke, es ist anders, mit anderen Männern Yoga zu machen, so wie es anders ist, wenn „Womens only” praktiziert wird. Bei Teenagern fände ich es zum Beispiel absolut super, wenn geschlechtsgetrennte Gruppen existieren würden. Co-ed muss nicht überall sein.

      Gemischte Gruppen gibt es ohnehin in grosser Zahl, also kommt da niemand zu kurz.

      Rose
      am Mittwoch, 17. Februar 2016 um 13:07 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • und immer wieder denke ich ... „vielleicht doch?” - dann wieder: „och ne - viel zu ungeduldig dafür!” ... und wenn ich DANN solche Fotos und die Antworten dazu sehe, dann würde ich eigentlich schon gern ...

    Auf jeden Fall toll, das Interview - und die Bilder sowieso!

    Ganz liebe Grüße an euch!!

    Michaela
    am Samstag, 16. August 2014 um 19:55 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke für das sehr schöne Interview, das mich darin bestärkt hat, meine Suche nach „Yoga für Männer” zu intensivieren.
    LG
    Francisco

    Francisco
    am Freitag, 15. August 2014 um 23:51 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Yoga ist eine wunderbare Sache! Ich habe es jahrelang praktiziert. Dann bin ich umgezogen und das Studio ist zu weit weg. Es ist unendlich schwer, unter den vielen Yogalehrern die/ den richtigen zu finden. Ich habe gerade den vierten Kurs abgebrochen, weil es mir einfach absolut nicht gefallen hat. Wenn man aber erstmal fündig geworden ist, ist Yoga eine ganzheitlich bereichernde Aktivität. Danke für das Interview mit dieser charismatischen Frau!
    Bianca

    Bianca / Kleidungs-Stück
    am Freitag, 15. August 2014 um 16:37 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Das regt einfach an, doch mit Yoga anzufangen! Mich faszinieren die vielen positiven Effekte und ich glaube, jeder der es macht, schwärmt davon.

    Ich habe früher sehr viel Aerobic in der Gruppe gemacht, heute trainiere und laufe ich lieber allein. Aber bei Yoga sollten wohl die Grundlagen unter Anleitung gelernt werden, oder? Ich werde jetzt mal googeln, was es in meiner Gegend gibt.

    Eine tolle Frau (habe das erste Interview nachgelesen) und die Fotos sind wirklich super!
    LG
    Annette | Lady of Style

    Annette
    am Freitag, 15. August 2014 um 11:07 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke, Petra! (Die Fotos haben wir privat gemacht)

    Antje
    am Freitag, 15. August 2014 um 09:30 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Schönes Interview. Schöne Frau. Schöne Fotos (wer hat die gemacht?). Danke!

    Petra
    am Donnerstag, 14. August 2014 um 16:21 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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