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Meine Abendspaziergänge … Auf Instagram gibt es fast jeden Tag einen Schnappschuss.

Auch wenn ich schon seit 20 Jahren auf dem Land lebe – und ich meine damit wirklich Land – so fühle ich mich der Natur erst durch meine abendlichen Spaziergänge wirklich verbunden. Das Licht, der Geruch, die Geräusche, der Wechsel der Jahreszeiten … niemals war all das so nah. So direkt. So spürbar.



Ich spüre aber auch mehr als früher, wie schnell die Zeit vorbeigeht: Da, wo gerade noch junges Grün spross, wird jetzt schon wieder geerntet. Wo man eben um 9 Uhr abends noch im T-Shirt laufen konnte, da ist es jetzt um halb 8 schon etwas kühl. So schön ist die Natur – aber auch so vergänglich. Manchmal werde ich fast melancholisch und sehe im Wandel der Natur mein eigenes Leben: Bin ich noch im Sommer meines Lebens? Oder ist es schon Frühherbst?

Wie schnell die letzten Jahre, ja, Jahrzehnte doch vergangen sind. Und wie schnell wohl auch die nächsten vergehen werden. Ein bisschen erschrecke ich bei dieser Vorstellung. Älter werden ist nichts für Feigling. Das ist wahr. Und ebenso wahr ist: Ich habe Angst vor dem Älter und Alt werden. Nicht vor der Zahl – die ist mir (fast) egal. Nein, es ist der zunehmende Mangel an Möglichkeiten, den die Jahre irgendwann mit sich bringen. Klar, theoretisch kann man mit 60 noch mal studieren, die wahre Berufung als Öko-Bauer entdecken oder irgendwas anderes ganz neu anfangen ... praktisch aber ist man doch irgendwann ziemlich auf ein Leben festgelegt.

Natürlich frage ich mich, wie ich „das Beste“ aus meinem Leben machen kann. Doch gleichzeitig wiederstrebt mir dieser Optimierungswahn, diese Effizienzbetrachtung auch wieder: Intensiver leben. Mehr erleben. Mehr lernen. Noch mehr machen. Mehr Reisen. Mehr Hobbies. Mehr erfahren. Mehr mitnehmen. Mehr mehr mehr.

Ist das der richtige Weg? Die richtige Methode gegen die Vergänglichkeit? Oder lieber doch einfach vor sich hinleben, auf die Gefahr hin, dass man sich mit 85 fragt, ob man nicht mehr – oder ganze anderes – aus all den Jahren hätte machen können?

Ich weiß es nicht.

Wie siehst du das? Machst du dir auch solche Gedanken? Oder lebst du „einfach in den Tag hinein”?

 
Susanne Ackstaller, Dienstag, 19. August 2014, 22:34 Uhr
Kommentare: 8 | Aufrufe: 2618 | Kategorie: Lifestyle, Meinungen,
 

Kommentare

  • Wir können es nicht wissen, was das Leben uns bringt und deswegen gibt es keine universelle Methode, wie man leben soll um später nichts zu bereuen. Das Leben zerstört alle meinen Pläne und ich muss einfach vor mich hin leben. Ich habe mich daran gewöhnt und versuche mich mit meinen Hobbys (moderne Kunst, Literatur, Musik) so viel wie möglich zu beschäftigen. Wenn mein Leben keinen Sinn hat, macht es zumindest Spaß.

    Olivia
    am Dienstag, 16. Dezember 2014 um 14:16 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Manchmal ist es vielleicht gar nicht das Alter, bei mir war es die Lebenssituation. Erst durchlebte Krisen erinnerten mich daran, dass das Leben JETZT stattfindet.

    Ich bin dankbar dafür!

    Sonnenschein
    am Samstag, 23. August 2014 um 18:37 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susanne,

    ich kenne solche Fragen. Und ich glaube, dass es uns guttun kann, sie uns zu stellen. Weil sie uns zu uns selbst führen können, zu dem, was wir sind/sein wollen, was wir wirklich brauchen.

    Dieses „sollte ich nicht dies oder das…?” rührt aus meiner Sicht daher, dass wir es angesichts einer Unzahl an Rezepten für ein „richtiges” Leben immer schwerer haben, unser eigenes inneres Wissen zu spüren. (Hier, was ich darüber denke: http://konflikte-entfalten.de/8-tipps-fuer-die-kritische-auswahl-von-coaches-beraterinnen-therapeutinnen/ )

    Ich habe immer wieder mal über unser „Ver-rücktsein"geschrieben. Damit meine ich ein entfernt sein von uns selbst, das dazu führt, dass wir utopischen Heilsversprechen auf den Leim gehen. Egal ob die Glück, Authentizität, Erfüllung, Erfolg, Erleuchtung oder anders heißen.

    Wenn wir uns auf uns selbst besinnen, dann wissen wir genau, was für uns richtig ist.

    Und ich habe erkennt, dass für mich ein Weniger sehr viel mehr Glück beinhaltet als dieses ewige mehrmehrmehr (Schönheit, Abenteuer, Dinge…). Hier mehr dazu: http://konflikte-entfalten.de/weniger-ist-mehr-was-sonst-blogparade-von-schoebitz-petraschuseil-teil-1/

    Danke für deinen Impuls!
    Herzlich!
    ina

    ina machold
    am Mittwoch, 20. August 2014 um 10:38 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • .......und noch was, habs grad vergessen:

    Der Film „Wir sind die Neuen” ist ganz wunderbar zu diesem Thema. Ja, auch melancholisch und teilweise beängstigend, wenn man weiterdenkt….....
    aber auch sooooo witzig, leicht, locker und mit einfach großartigen 60-Jährigen!

    ANGUCKEN!!! :-)

    Bettina Stackelberg
    am Mittwoch, 20. August 2014 um 09:12 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Guten Morgen, Susanne!

    Nächstes Jahr werde ich 50 und ja…..ich mache mir auch solche Gedanken. Nicht ständig, aber ab und zu. Und diese Gedanken haben eine ganz ähnliche Farbe wie Deine.

    Was mir an manchen Tagen zu schaffen macht, ist die schwindende Freiwilligkeit bzw. echte Wahlmöglichkeit: Früher habe ich mich mit meinem Körper wenig beschäftigt, es sei denn, ich habe ihn eingecremt, beim Sport oder Sex gespürt oder mir nach dem Sommerurlaub wohlwollend die Bräune betrachtet.
    Heute beschäftige ich mich öfter mal unfreiwillig mit meinem Körper - weil der Rücken schmerzt, ich nach 2 Wochen ohne Yoga unfassbar steif geworden bin oder die Lieblingshose eng wird.
    Früher hatte ich das Gefühl, irgendwie zu jeder Altersgruppe oder Gesellschaftsschicht dazugehören zu können, wenn ich es will.
    Heute sehe ich, manchmal liebevoll wohlwollend, manchmal melancholisch und einsam, dass die 20-Jährigen wirklich sehr weit weg sind.
    Früher hätte ich jederzeit mit genügendem Ehrgeiz locker für den Marathon trainieren können. Heute würde es ein Übermaß an Anstrengung bedeuten.

    Noch finde ich meinen Körper wunderschön - und bin manchmal am Boden zerstört und verzweifelt, weil ihn so kein Mann zu sehen und zu fühlen bekommt.
    Noch liebe ich meine blond-graugesträhnten Haare - ich merke aber, dass sie strohiger werden.

    Vor einer Einsamkeit, die noch zunimmt, hätte ich geradezu lebensbedrohliche Angst.

    Und das Älterwerden hat andererseits so große Vorteile - Vorteile, die sich unter einem Begriff bündeln lassen:

    GELASSENHEIT!

    Ein unschätzbares Gut, von dem ich mit 20 oder 30 nur träumen konnte. In jeder 3-4 Coachingstunde, wenn Klientinnen mal wieder 20 Jahre jünger sind als ich und mir ihre Probleme und Gedanken dazu schildern, denke ich: Oh Gott, das kenn ich soo gut, ich weiß so genau, wie scheisse sich das anfühlt - danke, dass das vorbei ist bei mir!!

    Ich bin gelassener, muss mir und der Welt nicht mehr viel beweisen. Ich habe die Souveränität, locker dazu zu stehen, dass ich so verdammt viel nicht kann. Und wenn eine ehrgeizige Freundin dann sagt: „Hey, das kannst Du doch lernen, raff dich auf!” (Steuererklärung machen, Reifen wechseln, was weiß ich noch alles)...
    Dann antworte ich: „Ja, wenn ich wollte, könnte ich - denn ich bin ein verdammt schlaues Mädchen. ABER ICH HABE KEINE LUST!” Und gottlob noch genug Geld, mir meinen wunderbaren Steuerberater und meine Werkstätte leisten zu können.

    Früher quälten mich hier viel mehr diese Gewissensbisse und Gedanken àla „Eigentlich müsst ich das doch können…”
    Nö, muss ich nicht. Ich kann dafür rasend gut kochen, verdammt gut Bücher schreiben und habe einen sehr grünen Daumen. So!

    Das Glück ist auch, dass ich als Coach einen Beruf habe, mit dem ich wirklich alt werden kann. Die über 50-Jährige ist viel glaubwürdiger und wirkt seriöser als die 30-Jährige. Man nimmt mir Impulse, die ich gebe, viel eher ab - weil man mir die eigene Lebenserfahrung dahinter abnimmt.

    Und eine Gabe habe ich auch mitbekommen: Ich habe noch nie etwas bereut oder gehadert nach dem Motto „Hätte ich doch damals dies oder jenes getan/nicht getan/anders gemacht.”

    Nein! Das bleibt mir gottlob erspart. Ich werde also auch in Zukunft nicht sagen: „Ach hätte ich doch mit 40 nochmal ...., jetzt gehts nicht mehr!”

    Und noch etwas wächst mit dem Alter bei mir, neben der Gelassenheit:

    VERTRAUEN!

    Das Vertrauen darauf, dass alles gut ist wie es ist - und gut wird. Die Spiritualität findet mehr Platz in meinem Leben und das ist wunderbar. Loslassen, mich anvertrauen…vertrauen.

    Ich wünsche uns allen, dass wir vertrauen können! Darauf, dass das Gute im Alter überwiegt. Darauf, dass wir die Kraft haben, mit dem weniger Guten oder auch dem Schlimmen gut umgehen zu können. Darauf, dass wir Wege finden, mit vielem umzugehen.

    Puh, das wurd jetzt sehr persönlich. Und ich lasse es trotzdem stehen.

    Danke für diesen Impuls!
    Ich fühl mich Euch, die Ihr schon geschrieben habt hier oder noch schreibt, grad sehr verbunden.

    Herzlichst, Bettina

    Bettina Stackelberg
    am Mittwoch, 20. August 2014 um 09:09 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Das berührt mich sehr, was du schreibst. Dieser latente Anflug von Traurigkeit, der sich in den Eingeweiden eingenistet hat und jede Gelegenheit ergreift hochzukommen.

    Doch im Gegensatz zu dir habe ich nicht das Gefühl, dass die Zeit verfliegt. Ich habe noch nicht herausgefunden, woran das liegt, dass das manche so und manche so empfinden. Und die Vielfalt der Möglichkeiten? Tja. Mir macht da hauptsächlich mein Körper zu schaffen. Ich hätte da noch ein sportliches Ziel, das ich gern erreichen würde. Ob ich das noch schaffe?

    Gleichzeitig genieße ich mein Leben wie kaum zuvor. Ich war noch nie so sehr mit mir selbst zufrieden! Das ist für mich pure Lebensqualität. Und diesbezüglich, also was geistige, psychische und kreative Fähigkeiten anlangt, ist man ja erst ab der Mitte des Lebens so richtig auf Hochtouren! Von wegen Vielfalt der Möglichkeiten :)

    Daniela
    am Mittwoch, 20. August 2014 um 08:08 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Nun bin ich ja noch ein Stückchen älter als Du - und kenne natürlich solche Gedanken auch.

    Als mit einem 13 Jahre älteren Mann Verheiratete sind qua Freundeskreis mehr Aspekte des Alterns in meiner unmittelbaren Nähe, als sie das bei einem gleichaltrigen Mann wären. Ich sehe also überproportional viel, was mir Angst macht - doch ich wehre mich dagegen. Und mache mir bewußt, daß man von den Menschen, die gesund und gutgelaunt altern, viel weniger hört, der Gesamteindruck also verzerrt sein muß.

    Ich habe aber nicht nur Ängste, sondern auch Freude. Daran, daß ich selbst deutlich entspannter bin und besser mit mir selbst befreundet als früher. Ich muß nicht mehr andauernd beweisen, daß ich was kann, was wert bin. Ich muß nicht mehr jede Sau mit durchs Dorf jagen, ich kann besser als früher entscheiden, was mir wichtig ist.

    Neulich hörte ich in einem ansonsten nicht weiter bemerkenswerten Film diesen Satz: „Es ist nicht schlimm, alt zu werden. Alt zu werden hat man sich verdient.” Das hat mir gut gefallen. Das hat Perspektive.

    Uschi aus Aachen
    am Mittwoch, 20. August 2014 um 07:45 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Sehr guter, nachdenklicher post, Susi.
    Eigentlich genau das Gegenteil von „mehr”, nämlich weniger und genau das genießen, worauf es ankommt. „Enjoy the small things in life” hat mir jemand gesagt und genau das ist es, was mich persönlich glücklicher macht als das höher, größer, weiter…

    LG
    Annette | Lady of Style

    Annette
    am Dienstag, 19. August 2014 um 23:13 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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