mode-lifestyle
 

Es war letzte Woche, ich war erst gegen 8 Uhr aufgestanden, drehte das Radio an, während ich mir Kaffee kochte. Die Meldungen waren bedrückend wie immer: Flüchtlinge erstickt, ertrunken, angezündet. Der tägliche Horror. Ich schaltete das Radio wieder aus, setzte mich an den Schreibtisch, las dieses Blogposting noch mal Korrektur, drückte auf „Veröffentlichen“.

Es fühlte sich falsch an.

Nicht zum ersten Mal fragte ich mich, ob dieses Blog, das ich mit so viel Herzblut schreibe, derzeit meinen eigenen Wert- und Moralvorstellungen entspricht. Ob es richtig sein kann, über Mode, Kosmetik, Reisen zu schreiben – während „draußen“ die Welt brennt. Ob ich mich über Taschen, Schuhe, Klamotten überhaupt noch freuen, geschweige denn sie hier zum Thema machen darf! Und vor allem: Ob ich meine Zeit nicht sinnstiftender nutzen sollte!


Liebe

Gilt auch fürs Lächeln ...


Dieser Gewissenskonflikt ist nicht neu, tatsächlich begleitet er mich schon seit ich auf Texterella schreibe. Immer schon und immer wieder frage mich, ob meine Bloginhalte irgendeinen „Wert“ haben. Etwas, das bleibt. Oder ob ich hier ausschließlich oberflächliches, irrelevantes Blablabla absondere, das niemandem nützt oder die Welt durch das Befeuern von Konsum womöglich sogar noch schlechter macht. „Ist ja nur ein Lifestyle-Blog ...“ – wie oft habe ich das schon gehört, manchmal sogar selber gedacht. Dieser Zwiespalt ist auch der Grund, warum ich regelmäßig über nachhaltige oder nachdenkliche Themen schreibe, und vor allem über die kleinen, nicht-materiellen Dinge, die das Leben schöner machen. So sehr ich Mode und Beauty-Themen liebe, so sehr ich mich für schöne Schuhe und innovative Anti-Aging-Kosmetik begeistern kann – es soll in meinem Blog nicht nur darum gehen!

Dieser Balanceakt hat über all die Jahre ganz gut funktioniert. In den letzten Wochen musste ich mich allerdings anstrengen, um das Gleichgewicht zu halten. Kurz gesagt fällt es mir derzeit sehr schwer, über meine üblichen, „leichten“ Themen zu schreiben. Natürlich stimmt der Einwand: Das Leid, von dem wir ständig hören und lesen, ist nichts Neues. Es war schon lange da, nur ist es erst jetzt vor unserer Haustür gelandet, sodass wir nicht mehr wegsehen und es auch nicht mehr verdrängen können. Im Grunde hat sich nicht viel geändert, die Not ist nur näher gekommen. So gesehen fehlt meinen Blog womöglich schon viel länger die Daseinsberechtigung?!

Und dennoch finde ich, dass auch diese schlimmen Zeiten ein Lächeln verdient haben. Und ein bisschen Leichtigkeit. Wie meinte meine liebe Kollegin Ruth, die ja sehr viele wahre Dinge sagt: „Wer nie unbeschwert ist, kann auch den Rest nicht ertragen.“ Das stimmt. Und deshalb will ich Texterella auch weiterhin mit schönen Dingen füllen. Nicht nur, aber auch. Mit Dingen, die wir nicht unbedingt brauchen, die nicht Lebensinhalt sein sollten, die einfach nur Spaß machen, Freude bereiten, uns gut tun, ein bisschen Kraft geben.

Auch ein Lächeln kann die Welt verbessern, ein bisschen wenigstens. Davon bin ich überzeugt.

 

 

 
Susanne Ackstaller, Montag, 31. August 2015, 00:56 Uhr
Kommentare: 10 | Aufrufe: 2741 | Kategorie: Lifestyle, Leben, | Tags: politikmeinunglebenin eigener sache
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Kommentare

  • Liebe Alle,

    vielen Dank! Ich bin 1. sehr froh, dass ihr texterella lest und 2. dass ihr die Mischung mögt, auch mit mehr Flüchtlingsgedanken ... Damit seid ihr genau die Leserinnen, die ich mir wünsche!!

    <3

    Susi
    am Mittwoch, 02. September 2015 um 11:50 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wenn ich einen Modeblog lese, heisst es ja nicht, ich lese nur Modeblogs - wenn ich Freude an schönen Dingen habe, heisst es ja nicht, ich sehe alles rosa - wenn Du über Strandmode und Dirndl blogst, heisst es ja nicht, Du blogst nicht auch über Freundschaft, Entschleunigung oder Achtsamkeit ! Alles zu seiner Zeit !

    Doris
    am Dienstag, 01. September 2015 um 22:08 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Hallo liebe Susi,

    ich kann dir nur beipflichteten. Seit Wochen mache ich mir Gedanken darüber, und um so mehr ich in die Flüchtlingsproblematik hier in Berlin involviert werde, um so weniger kann ich in die eine oder andere Richtung etwas sagen. Alle Lösungen sind richtig, so lange unser Bauch nicht protestiert; Schweigen, viel zum Thema, Leichtigkeit. Ich finde deinen Weg sehr authentisch und gut!

    annton
    am Dienstag, 01. September 2015 um 11:57 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ja, die Nachrichtenlage in diesen Tagen und auch in den letzten Jahren ist schlecht. Man hat das Gefühl, dass die Welt allmählich zugrunde geht - Kriege, Naturkatastrophen, vieles davon selbst verschuldet. Man fragt sich, ob die Menschheit nicht genug Probleme hat, um wenigstens auf das Gegenseitige Töten etc. zu verzichten. Aber anscheinend ist das nicht so. Religiöse Wahnvorstellungen stacheln alles noch an und man fragt sich, wie sinnvoll Religion überhaupt ist und ob wir ohne nicht besser fahren würden.

    Und gerade deswegen sollte man an den wenigen positiven Dingen festhalten und daher möchte ich Dich ermutigen, mit all diesen Dingen weiterzuschreiben!

    Gerhard
    am Dienstag, 01. September 2015 um 10:20 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi,
    Bitte mach „genau so” weiter ...dein Blog bringt mich zum nach Denken, mitfreuen, mitfühlen, zum Lachen und regt mich in Bezug auf die Flüchtlingssituation zum mitmachen/helfen an!
    Ich wünsche dir /mir/ uns ganz viel Liebe und Lachen,
    auch in schlimmen Zeiten
    Birgit

    Birgit
    am Montag, 31. August 2015 um 18:41 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi,

    ich lese Dein Blog seit etwa anderthalb Jahren und denke, dass er tatsächlich jegliche Daseinsberechtigung hat. Du bist mit Deinen Bedenken nicht allein, immer wieder lese ich von Zweifeln, ob es „richtig” ist, über Mode und Schönheit in diesen Zeiten zu bloggen. Allerdings ist es bei Dir so, dass Deine Posts eben genau über das oberflächliche Schönsein und schöner Schein hinausgehen.
    Und was heißt schon richtig oder falsch, wenn Du Menschen erreichst, die durch Deine Worte nachdenklich werden und vielleicht angeregt, etwas zu tun, das anderen hilft?
    Ich jedenfalls werde Dich sehr gern weiterhin lesen und lächeln. Und natürlich im Flüchtingsheim in der Nachbarschaft Sachen spenden und die Bewohner soweit ich kann unterstützen.

    Liebe Grüße
    Barbara

    Barbara
    am Montag, 31. August 2015 um 14:10 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi,
    gerade weil auf vielen Kanälen berechtigt über all das Elend gerade sehr viel geschrieben, gesprochen, berichtet wrd, finde ich persönlich deinen Blog und die anderen, die sich mit Reisen, Essen und Mode beschäftigen, so wichtig. Die Seele braucht Futter, das schmeckt. Ein Lächeln gibt Kraft.
    Wann ich welche Informationen zu mir nehme, entscheide ich selbst. Wichtig ist nur, dass sie alle da sind.
    Herzlich, Dörte

    Dörte Behrmann
    am Montag, 31. August 2015 um 11:37 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Hallo Susi,
      genau deshalb liebe ich Deinen Blog.
      Weil er nicht oberflächlich ist, weil er mitfühlt mit den Menschen, die Hilfe brauchen.
      Mach bitte weiter so.
      Alles Gute
      romy

      romy
      am Montag, 31. August 2015 um 13:19 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Hallo Susi,
    genau darüber habe ich gestern Abend im Bett nachgedacht… vor allem, weil auf vielen Blogs das Thema mittlerweile auch starke Beachtung findet. Zwischen Taschen und Mode wenigestens irgendwie kurz Stellung zu nehmen gehört aktuell bei vielen dazu.

    Ich habe mich entschieden, das Thema auf meinem Blog nicht aufzugreifen, weil ich es seltsam finden würde zwischen Culottes ;) und Taschen darüber zu schreiben. Ich helfe einfach hier vor Ort bei mir - da gibt es ein Aufnahmelager in der Nähe.
    Mode ist eben das eine und Helfen das andere. Das eine schließt das andere zum Glück nicht aus - es gehört beides zu mir, nur in „unterschiedlichen Reaitäten”.

    GLG aus der EDELFABRIK Chrissie

    Chrissie
    am Montag, 31. August 2015 um 09:52 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Hi Chrissie,

      ja, ich verstehe das - aber ich würde mir trotzdem wünschen, dass (vor allem!) die reichweitstarken Blogs ihre Stimme erheben würden. Mir fällt das natürlich leichter, weil meine Mischung sowieso „bunter” ist. Da kann man das leichter integrieren, das stimmt schon!

      Alles Liebe!

      Susi
      am Mittwoch, 02. September 2015 um 11:51 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

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