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Seien wir mal ehrlich: Essen ist das neue Rauchen. Was auch immer wir uns in den Mund schieben – es macht krank. Dabei spreche ich nicht mal von den „bösen“ Klassikern süß, fett und alkoholisch, nicht von Torte, Chips und Rotwein. Nein, auch ganz normale Nahrungsmittel sollen uns immer häufiger schaden.


Und nun ist selbst das Frühstück ins Visier der Food-Polizei geraten. Das Frühstück! Die Mahlzeit, die uns über Jahrzehnte als die wichtigste und gesündeste des Tages verkauft wurde – ja, genau die ist nach einer neuen Studie eine Krankheitsfalle. Dabei waren Honig, Marmelade, selbst Fruchtsaft ohnehin schon längst gestrichen. Die treiben ja den Blutzuckerspiegel hoch und machen uns früher oder später zu Diabetikern. Spiegelei? Bloß nicht – man denke ans Blutfett! Milch im Kaffee? Um Himmels willen! Milch ist doch nicht für uns, sondern für Kälber bestimmt! Und wenn doch: Ist die eigentlich laktosefrei? Superfood ins Müsli? Unsinn, alles nur Lug und Trug und sowieso mit Pestiziden verseucht. Jogurt? Gut, aber nur die Soja-Variante. Oder noch besser: auf Lupinen-Basis. Denn Soja ... was war noch mal mit Soja?! Nicht mal Avocados darf man mehr essen, weil ... ach, egal.

Wem bis jetzt noch nicht der Appetit vergangen ist, dem schlägt vielleicht das Mittagessen auf den Magen. Denn hier geht’s mit dem Foodshaming munter weiter. Weizen, Milchprodukte, Kohlenhydrate, Fleisch sowieso. Alles macht krank oder ist unmoralisch. Was auch immer man essen möchte: Es gibt immer jemanden, der das ungesund oder verwerflich findet. Vielleicht sollten wir einfach gar nichts mehr essen? Aber das ist – zumindest auf Dauer – ja auch keine Lösung. Zumindest keine gesunde.

Versteht mich nicht falsch: Ich finde viele Bedenken mehr als berechtigt! Wir essen zu viel Fleisch. Wir fördern eine ausbeuterische Milchindustrie. Wir garnieren im Januar unser Dessert mit Erdbeeren und importieren Nahrungsmittel anstatt regionales und saisonales Obst und Gemüse zu essen. Aber mal davon abgesehen: Könnten wir uns nicht alle ein bisschen entspannen – anstatt bei jedem Bissen ein schlechtes Gewissen zu haben und Panik zu schieben?

Ich wär’ dafür.

 
Susanne Ackstaller, Freitag, 03. Februar 2017, 06:00 Uhr
Kommentare: 6 | Aufrufe: 1918 | Kategorie: Lifestyle, Essen & Wohnen, Fitness & Gesundheit, | Tags: meinungessen
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Kommentare

  • Wundervoll, liebe Susanne! Spricht mir aus der Genießer-Seele…

    Uschi aus Aachen
    am Dienstag, 07. Februar 2017 um 17:36 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • ENDLICH!! Ich frage mich täglich, wie es Generationen von Menschen geschafft haben, zu überleben. Heute sind Bananen ( das Lebensmittel ist austauschbar ) gesund, morgen werden sie als Dickmacher, ungesund etc verbannt. Heute wird schon Babies der angeborene Satt- und Essinstinkt abtrainiert. So etwas ist, glaube ich, nur in einer Luxus- und Überflussgesellschaft möglich. Ich kann es auch nicht mehr hören: low carb, no carb, abgerechnet wird am Strand. Da wundern wir uns über all die Esstörungen und Diätwahne. Ich denke, wer selber kocht, normal isst und das mit Genuss , im Sitzen und ohne Reue, wer auch mal über die strenge schlägt und Süsses nicht verbannt, wer zu sich nimmt, was ihm mundet und guttut, der macht mehr richtig als das, was all die Ernährungsexperten uns ausreden wollen. Leben und genießen wir doch einfach, alles und in Maßen, denn uns geht es gut und wir haben die Vielfalt. Und es gibt nichts schöneres, als individuell und man selbst zu sein

    Nicole
    am Freitag, 03. Februar 2017 um 15:03 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Hallo Susanne, wie recht du hast!!! Und auch - wie immer - so nett geschrieben. Mir geht dieser Ernährungswahn auch extrem auf die Nerven. Alles in Maßen war, ist und bleibt wohl das richtige Credo. Dabei auf Regionalität und gute Bedingungen für Mensch und Tier zu achten ist auch mir wichtig. Aber es erschließt sich mir nicht, warum ein Sojajoghurt mit viel Wasser und Chemie und verschwindend geringem Sojaanteil gesünder sein soll als ein 1,5 % Joghurt aus Milch, warum ich Laxtose oder Gluten weglassen soll, wenn ich keine dahingehende Unverträglichkeit habe und warum ich den Kuchen ohne Ei backen soll….(Liste könnte endlos erweitert werden). Herzliche Grüße

    Heike
    am Freitag, 03. Februar 2017 um 10:42 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke dafür, dass du das Thema hier aufnimmst. In meiner täglichen Arbeit treffe ich immer wieder auf Menschen,die das Gefühl fürs gute Essen verloren haben. Wer z.B. eine diagnostizierte (!) Laktoseintoleranz hat, der kann halt nicht mehr alle Milchprodukte essen. Damit kann man sich dann arrangieren. Aber warum soll ich auf Gluten verzichten, wenn es nicht nötig ist? Dieses ganzen „Rat"geber, was uns allen eine „Wampe” verpasst, die füllen doch nur die Taschen von Autoren und Verlagen. In der Beratung merke ich,dass viele Klienten verunsichert sind, was sie überhaupt noch essen dürfen. Durch die Informationsflut ist das gefühl für das,was dem eigenen Körper gut tut,verloren gegangen. Da müssen wir aber wieder hin. Wer das alleine nicht schafft, kann sich auch in disem Bereich professionelle Unterstützung holen.

    Susanne
    am Freitag, 03. Februar 2017 um 09:45 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Hallo Susi, du sprichst mir aus dem Herzen, gerade in der Foodblogger-Szene hat man oft das Gefühl, es gäbe überhaupt kein *normales* Essen mehr. Kaum jemand der nicht irgendwelche Ungereimtheiten mit sich herumträgt, wobei ich mich manchmal frage, wie echt sind denn all diese Unverträglichkeiten wirklich. Gerade Menschen, die tatsächlich unter Einschränkungen leiden werden dann gerne in den großen Topf der Pseudobetroffenen geworfen und nicht ernst genommen. Ja, es gibt sie die BloggerInnen die Veganismus predigen und munter ihr Lammkottlettchen verspeisen, weil man doch nicht auf Genuss verzichten möchte. Dazu könnte ich noch viele andere Beispiele nennen. Und dann predigen uns genau solche Blogger und andere Medien, was wir alles falsch machen und lassen sollten. Dass der durchschnittliche Konsument verwirrt ist, wundert mich nicht. Liebe Grüße aus Salzburg, Claudia

    Claudia Braunstein
    am Freitag, 03. Februar 2017 um 08:27 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Hallo Susanne, welch herrlicher Artikel von Dir, nachdem ich gerade die Rezensionen des Buches über somatische Intelligenz von Thomas Frankenbach las, nachdem ich diesen Tipp gestern beim Lesen im Wartezimmer fand.
    Ich glaube auch, dass wir entspannter mit dem Thema Essen umgehen sollten.
    Da wäre so mancher Abend mit Kohlehydraten angenehmer, als sich in Gegenwart der low carb-Fraktion fast schon komisch vorzukommen, weil man Lust auf Nudeln hat!
    Möge es einem gelingen!
    Herzliche Grüße
    Christiane

    Christiane
    am Freitag, 03. Februar 2017 um 08:11 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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