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„Das Leben ist völlig überbewertet“, sagte der Hauptdarsteller gestern in meiner aktuellen amerikanischen Lieblingsserie – kurz bevor er erschossen wurde.

Was er meinte, war das Leben neben der Arbeit. Freizeit, Hobbies, Nichtstun und all so was. Und auch wenn ich nicht das Leben eines Workaholics in Chicago lebe und keinen Bourbon zum Mittagessen trinke. Auch wenn mein Leben ganz anders und die Geschichte fiktional ist – der Satz blieb hängen.

Das Leben ist völlig überbewertet?! Ich sehe das anders. Komplett anders.

Sonnenaufgang im Ampertal

Jeder Tag ist ein neuer Tag. (Fotos: Susanne Ackstaller)


Ich glaube im Gegenteil, dass wir das Leben – das wirkliche Leben, nicht den Alltag, nicht die Arbeit, nicht die Verpflichtungen – völlig unterbewerten. Oder sagen wir: Nicht wirklich schätzen. Und vor allem: viel zu wenig nutzen. Wir stehen auf, setzen uns an den Schreibtisch, fahren unsere Kinder von A nach B. Wir kochen, essen, putzen, kaufen ein. Zwischendrin einer kleiner Wochenendausflug, ein- oder zweimal im Jahr geht’s in den Urlaub. Und schon ist wieder ein Jahr vorbei. Wieder sind wir ein Jahr älter. Was bleibt ist die Verwunderung, wie schnell die Zeit vergeht.

Ich denke viel darüber nach – über das Leben und über seine Vergänglichkeit. Nicht erst seit kurzem und oder seit ich mich dem 50sten nähere. Nein, ich hatte immer schon, selbst als 20-Jährige, das Empfinden, dass meine Lebenszeit viel zu kurz ist, dass ich sorgsam mit ihr umgehen muss, sie nicht verschwenden darf. Dass mein Leben wertvoll ist und dass ich es gut nutzen sollte.

Diese Erkenntnis ist die eine Seite – die Umsetzung eine ganz andere. Auch bei mir überwiegen Routine und Alltagstrott. Aufstehen, anziehen, arbeiten, ausziehen, ins Bett. Am Wochenende ausschlafen. Abends mal ins Kino oder mit Freunden essen. That’s it. Mehr oder weniger.


Sonnenaufgang im Ampertal


Reicht das für ein Leben, auf das man mit 80 gerne und zufrieden zurückblickt? Ich weiß es nicht. Immerhin habe ich Gott sei dank einen Beruf, der mich erfüllt und der mir einerseits viel Freiheit lässt, mich aber andererseits auch ständig beschäftigt. „Selbst und ständig” ist leider wahr. Dennoch versuche ich weniger Zeit vor dem Monitor und mehr im analogen Leben zu verbringen. Ich reise gerne und relativ viel, versuche die Welt, auch die Natur, intensiv wahrzunehmen. Ich gehe immer achtsamer mit meinem Körper um. Gleichzeitig bleibt vieles, was ich gerne oder mehr machen würde, nach wie vor auf der Strecke: wieder mehr lesen. Mehr Kunst. Mehr Kultur. Mehr alte Freunde treffen. Mehr Besonderes im Leben.Hatte ich mir das nicht Ende des letzten Jahres sogar öffentlich hier im Blog vorgenommen? Nun, viel davon ist nicht passiert. Es gibt ja auch immer tausend mehr oder weniger gute Gründe dafür, nichts zu tun und alles zu belassen.

Andererseits ist jeder Tag ein neuer Tag. Ein Neubeginn. Jeden Tag kann man alles ändern. Ganz neu anfangen, im Kleinen wie im Großen. Wir müssten es nur einfach tun. ICH müsste es tun. Du vielleicht auch.

Einen tollen Satz hat meine Freundin Ruth vor kurzem gesagt, wenn auch in einem anderen Kontext:

Neben der Frage „Was könnte passieren, wenn ich es tue?” sollte man sich auch immer die Frage stellen „Was kann nicht passieren, wenn ich es lasse?“

Ja, was kann alles nicht passieren, wenn wir alles immer so lassen und machen und leben, wie es war. Und wir nie unsere Routine und unseren Trott verlassen.

Ich wünsch dir ein tolles Wochenende! Mach was daraus! :-)

 
Susanne Ackstaller, Freitag, 24. April 2015, 13:02 Uhr
Kommentare: 11 | Aufrufe: 2607 | Kategorie: Lifestyle, Leben, Meinungen, | Tags: sinnleben ist jetztlebengedanken
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Dieses eine wunderbare Leben.
 

Kommentare

  • Liebe Susi,
    Du triffst mal wieder den Nagel auf den Kopf! Ich habe festgestellt, dass sich alle Frauen in meinem Umkreis genau die selben Fragen stellen.
    Dennoch denke ich, dass wir in unserer Wohlstandsgesellschaft an unseren eigenen Anforderungen scheitern: Wir wollen nicht so viel kochen, putzen, bügeln, im Büro sitzen…
    Wir möchten aber alle schöne Wohnungen, ein Haus mit Garten, viel Kleidung, gut Essen, erreichbar und online sein, ...
    Ansprüche runterschrauben - und schon hat man mehr Zeit, könnte ein Ausweg sein. Könnte. So viel zur Theorie…
    Ich halte es mit dem schönen Spruch der Romanfigur Anne Shirley: „Es gibt immer ein Morgen - frei von Fehlern.”
    LG, Sonja

    Sonja
    am Dienstag, 28. April 2015 um 22:18 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Liebe Sonja,

      du hast natürlich recht - ohne Alltag geht es nicht. :-) Dennoch glaube ich, kann jeder von uns noch ein bisschen mehr aus seinem Leben „rausholen”. Ohne dass man die Ansprüche runterschrauben müsste.

      Ich war mit den Kids zum Beispiel am Sonntag in München im Ägyptischen Museum. Das war überhaupt nicht teuer (die Kinder waren frei und mein Eintritt kostete 1 (!!) Euro wegen Sonntag) - alles was ich tun musste, war meinen HIntern hochzukriegen. Das ist bei mir oft der Punkt, dass mich der Alltag so erschöpft, dass ich für auf die (eigentlich) schönen Dinge gar keine Lust mehr habe. Bzw. mich nicht aufraffen kann. Und dann lieber auf der Couch Ami-Serien gucke. ;-)))

      DAS IST DOOF! Das mag ich nicht, eigentlich!


      LG!, Susi.

      PS: Der Spruch ist toll!!

      Susi
      am Mittwoch, 29. April 2015 um 18:34 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • liebe Susanne,
    das ist ein ganz interessantes Thema. Ich denke, man tut gut daran, ab und an mal das persönliche System zu „booten” und zu gucken, ob man noch auf der richtigen Spur ist. Dankenswerter Weise ändert sich ja die Richtung in die man geht im Laufe eines Lebens ... man muss es nur merken!

    Für mich ist Achtsamkeit eine ganz großartige Sache. Wirklich HIER sein. Genussvoll in das Marmeladenbrötchen beissen ohne nebenbei die Mails zu checken ... und beim Zähneputzen nicht „mal eben” den Waschbeckenrand sauber wischen (na, erwischt?!) Manchmal ist weniger mehr. Daran arbeite ich.

    herzlichst Katrin

    Katrin
    am Samstag, 25. April 2015 um 23:36 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Marmeladebrot ohne iphone - ich bin dafür! :)

      Das Waschbecken während des Zähneputzens abwischen, auf die Idee bin ich ehrlich gesagt aber noch nie gekommen! :-D

      Susi
      am Sonntag, 26. April 2015 um 18:38 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi,

    ein zufriedenes Leben zu führen, das ist mein persönliches Ziel. Wenn ich sehe, wie unzufrieden und traurig manche Freunde durchs Leben gehen, möchte ich am liebsten weinen. Deshalb hoffe ich, dass viele Leute deinen Artikel (wieso eigentlich immer „Post”?!) lesen und sich Gedanken machen. Über ihr Leben. Über ihre Zufriedenheit. Über ihr Leben - oh, das sagte ich bereits. Also: ÜBER IHR LEBEN. Das eigene Leben und das der anderen wird völlig unterbewertet. 

    Liebe Grüße
    Ruth

    Ruth
    am Samstag, 25. April 2015 um 10:26 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Ja, Zufriedenheit ist ganz wichtig. Und das schöne ist: Ich bin ein zufriedener Mensch. Dennoch strebe ich nach „mehr Zeit für Glück und für besondere Momente”. Mein Leben ist gut, wie es ist - aber es geht noch besser, denke ich.

      Liebe Grüße,

      Susi.

      Susi
      am Mittwoch, 29. April 2015 um 18:36 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi, danke für diesen nachdenklichen, wunderbaren Post. Ein toller Ansatz, um nachzudenken ... :-)

    Karma Café
    am Freitag, 24. April 2015 um 17:47 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi, ich kann Deine Gedanken gut nachvollziehen und verstehe Deinen Zweifel, aber darüber nachzudenken was und wieviel jemand versäumt hätte, kostet doch wieder Zeit und Energie. Ich setze diese Wünsche und nicht Erledigtes auf eine Traumliste. So ist es kein Ziel, kein Wunsch mehr sondern ein Traum, den sich jederzeit erfüllen kann.
    Wir denken heute viel zu oft darüber nach, ob wir die Zeit richtig nutzen, etwas richtig gemacht haben oder versäumt haben. Ist nicht das Alltägliche etwas Besonderes? Z.B. die Kinder von A nach B schippern und dabei Zeit mit ihnen verbringen, wieviele können dies nicht weil sie keine Kinder haben können? Ich darf täglich ins Büro (manchmal sehr mühsam und ärgerlich ) aber ich habe noch Arbeit und mache es sehr gerne.  Deine Gedanken haben mich heute dazu gebracht auf die Bremse zu treten. Danke für den tollen Post
    Schönes Wochenende

    Evelin
    am Freitag, 24. April 2015 um 17:34 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Ich weiß, was du meint, liebe Evelin. Und weißt du was: Ich denke, das eine schließt das andere nicht aus. Natürlich bin ich dankbar für meine drei Kindern (also: meistens! :-))) und für meinen Job. Und klar auch Alltag kann manchmal herrlich entspannend sein. Wie froh bin ich, nach Phasen in denen ich viel unterwegs bin, wieder daheim zu sein und einfach NICHTS besonderes zu tun.

      Dennoch: Wir sollten das Besondere im Leben nicht vergessen. Finde ich. Aber das definiert natürlich jeder anders!! Und wenn für dich genau diese Momente, die für mich Alltag sind, besonders sind - dann ist das super!

      Susi
      am Mittwoch, 29. April 2015 um 18:39 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi, da rennst Du bei mir eine offene Türe - ach was sag ich - ein Scheunentor ein… :-) Ich weiß das auch alles, nur zwischen Wissen und Machen liegt manchmal ein ganzes Universum… und manchmal kann etwas Neues zu beginnen, auch heißen, „das Alte” allzu kritisch unter die Lupe zu nehmen…
    Danke für Deine Gedanken… lieber Gruß - Conny

    Conny
    am Freitag, 24. April 2015 um 16:43 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke für deine Gedanken. Ist auch bei mir schon lange Thema. Was mir auch auffällt: Wie viel Lebenszeit wird verplempert mit Kleinigkeiten wie das sich ärgern über Nichtigkeiten,über andere Menschen. Und wie sagt meine Mutter immer:„Nicht ärgern, das gibt Falten.„Also das eigene Leben genießen und sich daran auch immer erinnern(vielleicht auch lassen). :-)

    Susanne
    am Freitag, 24. April 2015 um 16:20 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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