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Hast du es schon bemerkt? Ein neuer Trend macht sich breit: Endlich dürfen wir sein und uns mögen, wie wir sind. Juhuu und hurra.

Stars bekennen sich zu ihrem wahren Gesicht – ohne Make-up, Haarteil und falsche Wimpern. Oder zu ihren ach-so-üppigen Rundungen. Kosmetik-Brands werben gar mit richtigen Frauen. Selbst Magazine haben es zumindest zeitweise schon mit der „echten” Schönheit von Laien-Models versucht. Allenortens werden Frauen plötzlich ermuntert, ihren Körper doch gefälligst endlich zu lieben. So wie er ist. Punkt.

Ja, die Bekenntnis zum echten Ich ist gerade ziemlich angesagt. Und man kann damit auch richtig gute PR machen. (Und gut Geld verdienen obendrein.) Was kein Wunder ist: Es tut schon irgendwie gut zu wissen, dass wir doch alle im selben Boot sitzen. Ob Hollywood oder Kirchdorf an der Amper, ob Actrice oder Texterin: Auf der Waage und vor dem Spiegel scheinen die Probleme dann doch dieselben zu sein. Mit zunehmendem Alter sowieso. Zugleich ist so ein bisschen vom Podest holen (lassen) einfach ziemlich gut für die Sympathiewerte.



Die Verzerrung unserer Realität. Leider immer noch Realität.


Aber mal ehrlich: Was hat sich für uns Frauen durch die Neue Echtheit denn tatsächlich geändert? Ich will nicht ungeduldig erscheinen, aber produzieren Modelabels ihre Klamotten denn nun auch für die angesagte Üppigkeit und damit endlich durch die Bank ab der deutschen Durchschnittsgröße 42? Können wir Magazine durchblättern, ohne uns zu fühlen wie Quasimodo in Übergröße? Oder angesichts – all der Teenie-Models – wie kurz vor dem Ableben? (Notiz an die Magazinmacher: Frauen jenseits der 35/40 sind übrigens keine Randgruppe, sondern stellen das Gros der weiblichen Bevölkerung.) Und wann ist endlich Schluss mit dem Bikini-Diäten-Bombardement vor der Sommersaison, wo wir unsere Rundungen doch bitte endlich lieben sollen!? 

Oder anders gefragt: Wann wird die Authentizitäts-PR endlich Wirklichkeit? Und wann dürfen wir uns endlich tatsächlich schön fühlen und mögen – genauso wie wir sind?

Ein wenig erscheint es mir fast so, als würden die Lifestyle-Macher in Unternehmen und Medien uns in Realität ganz gerne unsicher, klein, dick und hässlich halten, um mit ihren Kampagnen dann richtig groß – und edel und glaubwürdig und gut! – ‘raus zu kommen.

Aber das ist jetzt sicher ganz arg böse gedacht.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 04. August 2014, 16:02 Uhr
Kommentare: 6 | Aufrufe: 2517 | Kategorie: Lifestyle, Meinungen,
 

Kommentare

  • Ich wünsche mir viel mehr echte Kampagnen mit älteren Models, es gibt mittlerweile ein paar wenige tolle wie z.B. aktuell Charlotte Rampling für NARS oder die 62-jährige Jacky O’Shaughnessy für American Apparel.
    Ein ganz hervorragender Blog zum Thema ist übrigens Alyson’s http://thatsnotmyage.blogspot.de/ aus London.

    LG
    Annette | Lady of Style

    Annette
    am Mittwoch, 06. August 2014 um 12:12 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susanne,

    danke für diesen Artikel! Ich erkenne diesen Trend ehrlich gesagt nicht. Zumindest nicht in Taten, eher in wohlklingenden Lippenbekenntnissen. Und nachdem ich mich vor 16 erfolgreich aus einer handfesten Essstörung herausgearbeitet habe, kaufe ich aus Protest keine „klassischen” Frauenzeitschriften mehr. Ich glaube, dass viele Frauen das „perfekte” Aussehen mit dem „perfekten” Glück verwechseln. Und zu viele Medien sind aus finanziellen Gründen auch daran interessiert, dass es so bleibt. Und wenn ich mir die Heerschar an erfolgreichen Beauty-UTuberinnen so anschaue, macht es mich manchmal richtig traurig, dass viele dieser tollen Mädels sämtliche Klischees bedienen. Für mich sind Aussehen und Mode etc. eine schöne Nebenbeschäftigung. Ich musste die Erfahrung machen, dass es Wichtigeres gibt.  Und mit „musste” meine ich, dass ich z. B. die Ursachen meiner Essstörung begreifen und mich damit auseinandersetzen musste um wieder ganz gesund zu werden. Heute esse ich wieder, wie Kinder essen, ohne mir Gedanken über mein Gewicht zu machen. Und diese innere Freiheit ist mit keinem Aussehen der Welt zu bezahlen!
    Liebe Grüße
    Simone

    Simone
    am Dienstag, 05. August 2014 um 11:25 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ja, klar. Wir müssen an uns arbeiten und uns selber mögen. Sonst wird das alles nix.

    Mich stört aber tatsächlich die Diskrepanz in den Medien: diese Pseudo-Echtheits-Kampagnen - und daneben die ewig selben Models, jung, überschlank, perfekt. Das ärgert mich langsam. Weil diese Kampagnen, die ich anfangs toll fand, einfach nicht mehr glaubwürdig finde.

    Susi
    am Dienstag, 05. August 2014 um 11:03 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi,
    wir dürfen uns schon jetzt schön fühlen und mögen in unserer Haut, die Diäten ignorieren, mit unseren Lachfalten um die Wette lächeln, unsere Cellulite-Schenkel mit einem nonchalanten Schulterzucken ignorieren. Inwieweit wir uns von den Medien beeinflußen lassen, liegt an uns selber. Ich hatte früher ja auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich den „falschen” Kaffee kredenzt oder das „nicht korrekte” Waschmittel verwendet habe.
    Ärgerlich ist nur, da gebe ich Dir unumwunden recht, dass Mode nicht für uns gemacht wird, sondern für große Kinder.
    Einen Bikini zu finden in Größe 42 der meine Rundungen betont und nicht bloßstellt, war ein schwieriges Unterfangen.
    Liebene Gruß
    Sabine

    Sabine
    am Montag, 04. August 2014 um 22:42 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Echt sein müssen wir schon selbst. Und an der Seele arbeiten. Ist die Seele gesund, kann uns kein Pickel was anhaben. Deshalb: Seele füttern und streicheln. Themen, die von außen aufgezwängt werden, hinterfragen (warum macht eine bestimmte Jeansgröße glücklicher als eine andere, und warum ist ein Pigmentfleck eigentlich der Weltuntergang); Dinge, die man nicht ändern kann, gut sein lassen… sowas eben. Seele füttern und einfach echt sein.

    Liebe Grüße
    Ruth

    Ruth
    am Montag, 04. August 2014 um 21:51 Uhr

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  • Liebe Susi,
    die Frage nach dem „wann” hängt sicher auch ein bisschen von uns selber ab. Wann fangen wir endlich an, nicht nur davon zu reden, dass wir uns so mögen sollten, wie wir sind, sondern es auch wirklich zu tun? Wann werden wir endlich aufhören, jüngere, schlankere, schönere, modischere Frauen zu beneiden und stattdessen das wertschätzen, was wir zu bieten haben. Was mich betrifft: ich bin noch LÄNGST nicht am Ziel, aber ich habe mich auf den Weg gemacht!
    Ich will mich unbedingt so mögen, wie ich bin. Danke für diesen tollen Post!
    Bianca

    Bianca / Kleidungs-Stück
    am Montag, 04. August 2014 um 21:20 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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