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Nächste Woche bin ich für ein Wochenende verreist. 36 Stunden Wien.

Und das ist die Geschichte meines Koffers:

Frauen können mit links die Finger ihrer rechten Hand lackieren. Sie verwandeln spröde Strichcodes in charmant bemusterte Pullis. Sie durchschwimmen den Bosporus, erklimmen den Mount Everest. Kinder plus Karriere – sowieso! Aber für den Weekend-Trip im Herbst nur einen Handkoffer packen und mit kleinem Gepäck reisen? Weniger als drei Paar Schuhe für 36 Stunden mitnehmen? Nur einen einzigen Pulli dabei – und keine ein bis drei Alternativen? Unmöglich. Oder sind Sie da etwa anders?

Während der Mann also in Windeseile zwei Paar Socken und frische Wäsche in seine Reisetasche fürs Wochenende schmeißt und nach gefühlten zehn Minuten geschniegelt, gespornt und selbstverständlich fertig gepackt an der Haustür steht, ist mein Koffer immer noch offen. Auch wenn unten schon das Taxi wartet. Habe ich alles dabei? Das Lieblings-Top, falls es wärmer wird, als die Wetter-App behauptet. Den Lieblingspulli (cremefarbener Sommerkaschmir!), falls es kühler wird als erwartet. Ein Shirt extra, falls ich mich bekleckere. Und noch eines, zur Sicherheit. Die neuen Chloé-Stilettos, grundlos und einfach so. Und weil sie so wunderschön samtschwarz sind. Meine Jogginghose, falls mir nach Laufen ist (ist mir zwar nie – aber diesmal vielleicht ja doch?).

Nicht, dass ich nicht wüsste, wie ich meinen Koffer auf Handgepäck-Größe schrumpfen könnte. Nicht, dass ich die Tricks nicht alle kennen würde: Kosmetika in Reisegrößen. Klamotten zum Kombinieren. Kleidung rollen statt falten. Kompressionsbeutel zum platzsparenden Packen. Den Kleinkram in die Schuhe stopfen. Alles klar. Nicht, dass ich nicht wollte!

Es ist mein fehlender Mut zur Lücke, der mir die übervollen Koffer beschert. Mein Hang zum Perfektionismus für alle Eventualitäten, und der gerne auch gleich dreifach. Allen voran aber ist es die Lust auf meine schönsten Dinge. An den schönsten Plätzen der Welt. Und die lässt sich einfach nicht auf einen platzsparenden Layer-Look reduzieren.

Einem Bekannten habe ich mit Blick auf meinen 36-Stunden-Koffer übrigens erzählt, ich verbrächte zwei Wochen in Italien. Er zeigte sich hochbeeindruckt von so viel Minimalismus.

(Die Kolumne erschien am 20. September 2013 in der Printausgabe der WELT Kompakt und ist hier online zu lesen.)

 
Susanne Ackstaller, Freitag, 20. September 2013, 09:50 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 4653 | Kategorie: Modekolumne, Lesen, | Tags: weltnix anzuziehenmodekolumnekolumne
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