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Ich weiß nicht mehr genau, wann mir Doris Megger und ihr Label Curvesstyle das erste Mal im Internet begegnete. Aber es ist schon eine ganze Weile her, vier oder fünf Jahre vielleicht?! Woran ich mich aber mehr als deutlich erinnere: Wie froh ich war, endlich ein Plussize-Label gefunden zu haben, das „proppere” Frauen – wie mich – nicht nur irgendwie anzog, sondern sie ganz offensichtlich schöner machen wollte. Ja, ich fühlte mich erstmals ernst genommen mit meinen Röllchen und Rundungen.


Doris Megger, Modedesignerin für große Größen

Doris Megger, Modedesignerin für Plussize-Mode

Zwischenzeitlich sind natürlich einige Anbieter nachgezogen, Gott sei dank, und das Angebot an schöner und modischer Plussize-Mode hat deutlich zugenommen. Dennoch: Doris Megger bleibt für mich die Visionärin in Sachen Plussize. Ich liebe ihren farbenfrohen, extravaganten Stil, der so gar nichts hat von den dunkelblau-unauffälligen Zelten, in die rundere Frauen gerne mal gesteckt werden. Nicht zuletzt habe ich ihr auch meine Lieblingsjeans „Olivia” zu verdanken, die ich im Laufe der letzten Jahre schon mehrfach nachgeordert habe. Weil sie tatsächlich die einzige Jeans mit Stretch ist, die mir nicht bereits nach 30 Minuten Tragen ausgedehnt vom Leibe fällt. Oder innerhalb kürzester Zeit zwischen den Beinen durchgescheuert ist. (Liebe Doris Megger, bitte bitte bitte niemals aus dem Programm nehmen, ja? :-))

Heute nun habe ich Doris Megger im Interview ...


Liebe Frau Megger, Sie selbst tragen Größe 38 – und entwerfen Mode für Frauen in größeren Größen. Das erstaunt mich ein wenig. Was ist Ihr persönlicher Plussize-Motivator?

Doris Megger: Als ich vor 25 Jahren anfing Mode zu machen, produzierte ich meine Kollektion bis Größe 44. Natürlich war es auch damals schon nicht leicht, sich als Newcomer im Markt zu etablieren. Als meine Außendienstmitarbeiter mich immer wieder explizit nach größeren Größen fragten, sah ich das Potenzial einer Plussize-Linie als Türöffner um im Einzelhandel Fuß zu fassen. Qualitativ hochwertige Fashion jenseits einer Größe 44 zu finden, war damals fast unmöglich. Ich fing dann an, selbst Mode für kurvige Frauen zu entwerfen. Ich habe, kurz gesagt, die Zeichen der Zeit erkannt und daraus mein Geschäftsmodell gemacht.

Doris Megger: die Kollektion für Herbst und Winter 2015/2016


Mein Motivator sind bis heute die leuchtenden Augen meiner Kundinnen, wenn sie endlich etwas finden, das passt und klasse aussieht. Es ist immer wieder eine Herausforderung, die Schnittführung so zu gestalten, dass sie an Frauen in Größe 42 und 54 gleichermaßen gut aussieht. Genau dieser Herausforderung stelle ich mich immer wieder gerne.


In den letzten zwei, drei Jahren hat sich die Branche ja durchaus gewandelt, es gibt mittlerweile einige Labels und Shops mit modischem, trendigen Plussize-Chic. Sie aber sind schon seit 2007 am Markt und haben Ihre erste Kollektion zu Zeiten vorgestellt, als Plussize noch „Übergröße“ hieß, modisches Brachland war und sich auf dunkelblaue Zelte beschränkte. Wie kam es dazu?

Doris Megger: 2007 begann für mich eine neue Ära. Zu dem Zeitpunkt blickte ich auf 16 Jahre Erfahrung mit Übergrößenmode mit drei drei eigenen Geschäften zurück – und befand mich an einem Wendepunkt. Ich spürte die Veränderungen im Markt: Bis dahin war es kaum gelungen, jüngere modische Frauen in Geschäfte für „Übergrößen“ zu bekommen.


Doris Megger: die Kollektion für Herbst und Winter 2015/2016


Meine Läden damals waren Multilabel-Stores, in denen ich neben meiner eigenen Blusenkollektion jede bekannte Marke führte. Aber das war mir zu wenig, der Markt gab mir nicht das, was ich brauchte, um mein Konzept neu auszurichten. Ich fand keine passformgerechte, schöne Mode für meine Kundinnen.

Deshalb vollzog ich einen Cut: Ich schloss meine drei Läden und eröffnete einen neuen. 350 Quadratmeter Doris Megger: In diesen Store floss all meine Erfahrung und eine Vision, wie ein innovatives Konzept für die nächste Generation Plussize aussehen könnte. Das war der Anfang von Curvesstyle und der Beginn einer großen Love Story: weibliche Kurven interpretiert mit meinen Augen und meinem Anspruch an tragbare Mode!


Wohin, denken Sie, geht der Trend? Wird chice Plussize-Mode tatsächlich irgendwann so normal, dass wir vielleicht gar keine Spezial-Stores mehr brauchen? Das wäre ja eigentlich wünschenswert.

Doris Megger: Für mich ist es nicht das Problem von Plussize-Mode ja/nein. Für mich ist es vielmehr ein Passformproblem von androgyn zu kurvig, egal in welcher Größe. Mein Busen und meine Schulterbreite finden in italienischen Designermode auch nicht statt, es sei denn, ich kaufe alles größer, was wiederum der Passform nicht zugute kommt. Wünschenswert wäre, dass die unterschiedlichen Körperformen von Frauen in der Mode abgebildet würden. Dann müssten wir nicht mehr von „normaler“ Mode und Plussize-Mode reden, sondern nur von unterschiedlichen Passformen.


Doris Megger: die Kollektion für Herbst und Winter 2015/2016


Meine Blogger-Kollegin Ulrike Bartos hat einen tollen Artikel zum Thema Plussize geschrieben: „Wampe wird jetzt Trend.“ Dabei geht es darum, dass Frauen mit etwas mehr Po und Models mit (leichten) Rundungen jetzt als der neue Kurven-Trend gehypt werden – während die BRIGITTE die Normalfrau als Model ja wieder abgeschafft hat, die Werbung uns zum Beach Body auffordert und die Diät-Branche boomt wie eh und je. Lange Rede, kurzer Sinn: Wie ernst darf man den Wonnenrollen-Trend denn tatsächlich nehmen?

Doris Megger: Der Trend wurde meines Erachtens von Bloggerinnen kreiert und von ihnen und ihren Fans vorangetrieben. Es gibt neue Anbieter im Plussize-Bereich, aber ob sich dieser Trend tatsächlich im Einzelhandel bzw. bei Designern und Herstellern langfristig durchsetzt und somit auch monetär rechnet, bleibt wirklich abzuwarten.


Was ist für Sie als Designerin die größte Herausforderung beim Entwerfen von Plussize-Mode?

Doris Megger: Design für kurvige Frauen ist nur wirkungsvoll, wenn das Design und die Passform eine Einheit sind. Die Passform ist der unsichtbare, aber sehr wichtige Teil meiner Kollektion. Kein Modell funktioniert an Frauen von Größe 42 bis 54 ohne perfekte Passform. Die Passform ist unsichtbar, aber spürbar, wenn ein Look perfekt sitzt. Dann hat der Style eine ganz eigene Energie, auch und gerade deshalb, weil die Trägerin sich absolut wohl fühlt.


Doris Megger: die Kollektion für Herbst und Winter 2015/2016


Ich bezeichne mich immer als „reale Designerin”: Auf dem Seerosenblatt sitzen und nach Inspirationen suchen, ist nicht mein Ding. Mein Inspirationsquelle ist mein Store in Düsseldorf, wo ich bewusst im Einzelhandel mitbediene, um dadurch ein noch besseres Kundenverständnis zu erlangen.

Ich blicke auf eine langjährige Erfahrung in der Plussize-Mode zurück, aber die wertvollen Gespräche mit meinen Kundinnen bringen mich immer wieder weiter. Die Entwicklung, die meine Mode in den letzten Jahren gemacht hat, ist das Ergebnis. Mein Look ist ein konsequenter Look, der Individualität und die unterschiedlichen Bedürfnisse meiner Kundinnen und ihre unterschiedlichen Körperformen berücksichtigt: Design für anspruchsvolle Frauen, die beste Materialien, Passform und ein „Made in Germany“ zu schätzen wissen, aber auch bereit sind, dafür zu zahlen. Denn eins ist ganz klar: Exklusivität und Luxusaffinität, wie ich sie anbiete, kann man nur über einen gewissen Preis umsetzen.


Doris Megger: die Kollektion für Herbst und Winter 2015/2016


Stolz bin ich darauf, das man eine „Doris-Megger-Frau“ sofort wahrnimmt: Nicht weil sie Plussize trägt, sondern weil ihr Stil einfach unnachahmlich ist.


Was war Ihr schönstes Kundenerlebnis?

Doris Megger: Mir fällt nicht ein bestimmtes Kundenerlebnis ein, sondern viele ähnliche Erlebnisse. Immer wieder sind es die leuchtenden Augen meiner Kundinnen, wenn sie sich in einem Outfit sehen, das wirklich passt und ihre Kurven inszeniert, die mich antreiben und inspirieren. Mein Laden in Düsseldorf ist ein sehr kreativer Ort, wo viel gelacht wird und Frauen sich auch gegenseitig und untereinander beraten. Ich mag diese Lebendigkeit, diese Freude an Mode und am Inszenieren. Und das wird mir von meinen Kundinnen zurückgespiegelt.


Haben Sie noch ein paar Styling-Tipps für Plussize-Frauen?

Doris Megger: Ich liebe Mustermix, je verrückter, desto besser. Ich sage meine Kundinnen immer, dass sie sich trauen sollen, auch mal Sachen zusammen zu bringen, die gemeinhin nicht zusammengetragen werden. Man erkennt das auch an meiner Kollektion. Ich verwende sehr viele auffällige Prints, erfreue mich an fröhlichen Farben. Ich möchte, dass kurvige Frauen sichtbar sind.

Wichtig ist mir auch, dass jede Frau immer sich selbst im Fokus hat. „Das bin ich, das steht mir!“ hat nichts mit der Konfektionsgröße zu tun, sondern damit, das frau zu sich steht und sich so annimmt, wie sie ist.


Vielen Dank für das Interview, Frau Megger! Es war mir eine Freude!

Die Mode von Doris Megger findest du in ihrem Store in Düsseldorf, Schwanenmarkt 25, oder online auf www.dorismegger.com.

***

*Das Interview entstand im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Doris Megger.

 
Susanne Ackstaller, Mittwoch, 23. September 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 3 | Aufrufe: 2651 | Kategorie: Mode, Meinungen, Interviews, Size Plus, | Tags: sizeplusplussizemodedesignerinmodeinterviewgroße größendoris meggercurvesstyle
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Kommentare

  • Liebe Martina,
    danke für das Interesse an unseren Jeans. Wir nennen dir gerne die Innenbeinlänge der von dir gewünschten Jeans. Die Längen variieren pro Größe, von daher schreiben wir es nicht pauschal auf die Website. Kontaktiere mich gerne unter .(Javascript muss aktiviert sein, um diese E-Mail-Adresse zu sehen).
    Beste Grüße
    Janine Kreienbrink
    Vertrieb & Marketing Doris Megger

    Janine Kreienbrink
    am Donnerstag, 24. September 2015 um 12:20 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Deine Jeans ist an Dir wirklich immer sehr schön, liebe Susi! Weil ich auch bei der Beinlänge ein bisschen „plussize” bin, würd’ mich freuen, wenn auf der Webseite bei der Größenangabe auch die Innenbeinlänge der Jeans stehen würde - dann ist gleich klar, ob was wird aus uns, der Jeans und mir. ;-)

    Martina
    am Mittwoch, 23. September 2015 um 18:11 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Ich muss mir meine Jeans immer kürzen lassen. :-) Mir ist sie zu lang - von daher dürfte sie dir passen!

      Susi
      am Mittwoch, 23. September 2015 um 18:14 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

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