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Ich bin jetzt übrigens auch auf Snapchat. Meine Kinder haben erst ungläubig geguckt, dann mit den Augen gerollt – und mich anschließend natürlich sofort geblockt. Verständlich. Was haben Mütter und andere erwachsene Menschen auch auf Snapchat zu suchen.


Kolumne über Snapchat für die Welt kompakt


Ehrlich gesagt – das habe ich mich in den ersten Tagen auch gefragt. Wer wie ich mit lichtdurchfluteter Instagram-Ästhetik sozialisiert wurde, steht bei der Smartphone-App Snapchat vor einem Rätsel. Wo sind all die reinweißen Wohnungen und fleckenlosen Sofas geblieben? Die farblich sortierten Obst- und Smoothie-Bowls? Die rosa gefilterten Sonnenuntergänge, die menschenleeren Traumstrände? Und – vor allem! – wer verteilt hier wie und wo die Herzchen?

Snapchat ist Instagrams freche Cousine. Die mit den roten Haaren und den Sommersprossen – mit der man besonders viel Spaß hat. Die App ist die unerzogene Seite des makellosen Instagram-Lifestyles. Und das zieht an: Über 200 Millionen Nutzer, zumeist unter 25, streamen in kurzen Frequenzen tagtäglich aus ihrem Leben und produzieren via Smartphone ihre eigene unglamouröse 24/7-Soap. Hier gibt es zerknautschtes Aufwachen statt kunstvoll zerwühltes Leinen, die Morgenzigarette statt Cappuccino mit Milchschaumherz. Wir blicken in unaufgeräumte Küchen, sitzen mit Stars beim Blondieren oder trinken mit Freunden das eine Bier zu viel. Wir gucken zu, wenn Lena gähnt oder Rihanna pöbelt. Ganz ohne Herzen, Likes, begeisterte Kommentare. Dafür mit Augenringen, Falten und Bad Hair Days. Sicherheitshalber alles nur für 24 Stunden – denn dann werden Snapchat-Stories von alleine gelöscht.

Bei Snapchat sind Schmutzecken und Wollmäuse Programm. Von strahlend weißen Instagram-Lofts, gestylten Quinoa-Müslis und Sonnenstrahlenfiltern hat das Internet mittlerweile ja wahrlich genug. Gäbe es Snapchat nicht schon, ehrlich, man müsste es endlich erfinden. Um der Welt zu zeigen, wie die Welt wirklich aussieht.

Zumindest mal für 24 Stunden.

(Die Kolumne erschien heute in der Print- und in der Online-Ausgabe der Welt Kompakt.)

***

Wer noch mehr Kolumnen aus meiner Feder lesen möchte – bitte schön: Hier sind meine gesammelten meine Mode- und Lifestyle-Kolumnen. Viel Spaß!

 
Susanne Ackstaller, Freitag, 11. März 2016, 10:51 Uhr
Kommentare: 3 | Aufrufe: 1909 | Kategorie: Meinungen, Modekolumne, | Tags: snapchatmodekolumnekolumne
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Kommentare

  • Puuuh,
    Danke. Jetzt bin ich echt froh, und weiß warum ich nicht hektisch auch auf Snapchat sein muss. :-)
    Ich liebe dieses quietschsaubere Instagram. Habe es aber auch erst später entdeckt, nachdem die ganzen Lila-Mahlzeiten-Fotografierer in der Versenkung verschwunden waren. Wer weiß was passiert, wenn die Kids auf Snapchat erst Spaß am richtigen Fotografieren finden. ;-)
    Liebe Grüße
    Sandra

    Sandra
    am Freitag, 11. März 2016 um 19:41 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • *räusper* Aber ich möchte anderer Leute Wollmäuse gar nicht sehen. Mir reichen ja meine eigenen. ;) Bin ja ein Fan der „alten” Filmdiven. Audrey, Grace, Marilyn. Was die so anziehend und faszinierend machte, war u.a. sicher auch zu einem Teil die Unerreichbarkeit, die nicht ständige Verfügbarkeit und das Geheimnis, das sie umgab. Und darum werden in 50 Jahren immer noch Bücher über/Poster von Audrey, Grace & Co verkauft werden, während man sich an andere nicht mal mehr erinnert. Glaube ich.

    Ähm… wenn ich je bei Snapchat sein sollte, werde ich diesen Kommentar löschen wollen. ;)

    LG Anna

    Anna
    am Freitag, 11. März 2016 um 13:13 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Ach, ich mag beides, liebe Anna! Aber ich finde es schon erleichternd, dass nicht alle Wohnungen so toll aussehen wie auf Instagram. :-D Und dass nicht jedes Frühstück aus Obst-Bowls auf weißen Tischen besteht.

      Aber natürlich ... fotografiere ich auch schöne Situationen für Instagram. Da passe ich mich dem Stil an. Bin dann halt doch auch Lifestyle-Bloggerin, ne? :-))

      Susi
      am Freitag, 11. März 2016 um 21:02 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

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