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Indre Zetzsche kenne ich von diversen Blogst-Konferenzen. Dort moderierte sie in den letzten Jahren die große Abschlussdiskussion, und das mit einer Souveränität und Kompetenz, die mich immer sehr beeindruckt hat. Umso mehr überraschte und freute es mich, als sie mich im Frühjahr um ein Interview für ihr (sehr erfolgreiches!) „Lifestyle-Blog mit Tiefgang“ M i Ma bat. Meine Zusage schloss ich mit den Worten, sie möge aber bitte Bescheid geben, wenn sie dann irgendwann 40 würde.

„Oh, ich bin schon 42!“, antwortete Indre. Bäm!


Indre Zetsche, 2015

Indre Zetzsche, 42.


Und so ist sie heute hier. Ich freue mich sehr, besonders auch, weil Indre auf ein Leben zurückblickt, das nicht immer geradlinieg verlief und – nach herkömmlichen Maßstäben – „normal” war. „Nach einer turbulenten Jugend wurde ich mit 20 recht früh Mutter – und damit quasi über Nacht erwachsen. Recht bald stellten der Kindsvater und ich fest, dass wir zwar leidlich gute Eltern, aber kein gutes Paar abgaben ...“  Vater und Sohn blieben im heimatlichen Wendland, Indre ging nach Berlin (wo sie immer noch lebt), machte dort das Abi, studierte Kulturwissenschaften – und probte das „Wochenend-Mama-Dasein“. „Es kam mir damals gar nicht in den Sinn, dass ich etwas ‚Unnormales’ tat. Meine Naivität mutet aus heutiger Sicht geradezu erstaunlich an!“

Später lernte Indre auch die Herausforderungen als Alleinerziehende kennen („Aus dieser Zeit stammt mein unerschütterlicher Pragmatismus.“) und nach der Geburt ihrer Tochter im Jahr 2008 auch das Elternsein einer älteren, berufstätigen und gemeinsam erziehenden Mutter.  „Würde man mich fragen, welches Mutter sein das Bessere ist – ich wüsste es nicht.“

Indre Zetzsche bei ihrer ersten Lesung 2014

Lesung über das wundersame Haus in der Bülowstraße 90 (2014; Foto: Nicola Holtkamp)


Und sonst? Ist Indre studierte Kulturwissenschaftlerin, leidenschaftliche Beraterin für strategische Kommunikation, Business Director in einer Kommunikationsagentur, Rednerin, Referentin, Moderatorin (u. a. auf der Blogst und der re:publica) – und heute hier im Montagsinterview. Danke, Indre!

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Es gibt Momente, da ist es mir gleich, wie ich aussehe, und ich wünschte mir manches Mal mehr von dieser Gleichgültigkeit, denn mein Verhältnis zur (Kleider)Mode ist seit jeher ein angespanntes. Dabei könnte es – davon bin ich überzeugt – so leicht und spielerisch und schön sein. Doch wenn die schönsten Kleider beim Anblick in den Spiegel nur noch blöd aussehen, ist das irgendwie frustrierend. Mich „gut zu kleiden“ ist und bleibt daher eine Herausforderung für mich.

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich mit knapp unter 1,60 Meter jenseits der Normgröße liege. Vieles finde ich an sich schön – aber eben nicht an mir.

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Da ich nicht wusste, ob die Richtung, die ich bevorzuge, ein Stil ist, habe ich grad mal einen Test gemacht. Demnach habe ich einen minimalistischen Stil – damit kann ich mich ganz gut identifizieren. ;-)


Indre Zetzsche mit 15

„Sweet Fifteen” (1987)


Mein modisches Bewusstsein erwachte so mit zwölf Jahren. Damals kamen gerade die ersten Sweatshirts auf und ich wollte unbedingt eines haben. In meinem kleinen Dorf gab es nur ein einziges Bekleidungsgeschäft. Nicht gerade „top oft the Pop“, aber sie hatten ein echt cooles Shirt: Azurblau mit pinkfarbenem Dreieck und Nieten. Meine Mutter hat es mir gekauft und ich war stolz! Danach habe ich mir meine Kleider allein gekauft, meistens Second Hand.

Nach einer kurzen „Popper-Phase“ war ich bis Anfang 30 vor allem von der Subkultur (Punk, Beat, Underground, Indie-Pop) inspiriert: dunkle Farben, androgyne Formen. Mit dem Eintritt ins Berufsleben wurde mein Kleidungsstil „moderater“: erst heller und neutraler, dann (mit zunehmendem Selbstbewusstsein) auch femininer. Ein klein wenig „Underground“ klingt darin immer noch und immer wieder an (zum Beispiel in meiner Vorliebe für Schwarz oder im Undercut).

 

Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Zu meinen wichtigsten, nicht allein mode- und stilbildenden, Vorbildern gehörten (zum Teil bis heute) Patti Smith, Moe Tucker, PJ Harvey und Tilda Swinton.

Patti Smith „entdeckte“ ich mit 14 Jahren in der Plattensammlung der älteren Schwester einer Freundin. Es war das Album „Horses“. Mich sprach nicht nur die Musik an, sondern auch – oder vielleicht vor allem – diese Frau mit dem selbstbewussten Blick im „Herrenlook“ an.


Indre Zetzsche in Amsterdam (1997)

Amsterdam 1997: Mit Motorradstiefeln und Uromas Wolljacke.


Moe Tucker sah ich 1991 oder 1992 das erste Mal auf einem Konzert in Hannover. Die ehemalige Schlagzeugerin von Velvet Underground wirkte so gelassen und cool. Irgendwo zwischen Mann und Frau, Junge und Mädchen. In Bluse und Hose, mit glattem Bob und unbeweglicher Mine. Irgendwie irritierend, irgendwo sympathisch. Das hat mir gefallen.

PJ Harvey trat so um 1996 in mein Leben – und blieb. Ich finde sie einfach großartig. In jeder Hinsicht. Als Frau, als Künstlerin, als Stilikone. Dasselbe gilt auch für Tilda Swinton. Ihr Stil ist mir aktuell am nächsten, obwohl sie nie Mascara trägt und ich immer.

Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Ich habe immer mal wieder Lieblingskleidungstücke. Lange Jahre war es eine alte Armee-Lederjacke, die ich Second Hand ergattert hatte. Und die Wolljacke, die ich von meiner Uroma geerbt hatte. Die habe ich getragen, bis sie buchstäblich auseinander fiel.

Während meiner Studienzeit trug ich sommers wie winters schwarze ein Paar schwarze Motorradstiefel, die ich mir in meinem ersten Berlinjahr in der Oranienstrasse gekauft hatte. Vor rund 4 Jahren habe ich sie aussortiert – und es ist das erste und bisher einzige Mal, dass ich eine Entscheidung dieser Art ein wenig bereue.


Indre Zetzsche Businesslook 2015

Selfie im Businesslook! (2015)


Zurzeit gehören eine schwarze Bluse, ein dunkelblauer Trenchcoat und ein Tuch von Ikou Tschüss zu meinen Lieblingsstücken.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Mein Schönheitsempfinden ist von jeher altersgebunden. Ich kann zwar deutlich jüngere oder ältere Menschen schön finden, „anziehend schön“ aber finde ich – wie ich irgendwann selbst überrascht feststellte – immer nur Menschen, die mir altersmäßig nahe sind. (Vielleicht hat die Evaluation mich einfach nur gekonnt überlistet.)


Indre Zetzsche 2013

Wunderschön! (2013; Foto: Antje Kröger)


Was das Verhältnis von Alter und Schönheit angeht, so glaube ich, dass man sich lösen muss vom Bild der „welkenden Blume“. Jedes Alter hat seine Schönheit. Man muss lernen, sie zu sehen. Für sich allein. Nicht im Vergleich zu anderem.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich bin eher der Wasser-und-Seife-Typ. Aber das hat nichts mit meinem Glauben an die moderne Kosmetiktechnologie zu tun, sondern ist allein der Tatsache geschuldet, dass ich mich damit nicht auch noch befassen kann. Die Zeit neben Vollzeitberuf, Familie, Freunden, Blog und anderen Leidenschaften ist knapp. Da muss ich Prioritäten setzen.


Indre Zetzsche am Ostseestrand 2015

An der Ostsee (Februar 2015).

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Mascara, Rouge, Puder (in der Reihenfolge).

Wenn du dir ein (noch nicht existierendes) Produkt von der Kosmetikbranche wünschen dürftest: Welches wäre das?

Andere haben Ringe unter den Augen, ich habe Balken. Der Grund dafür ist weniger der Schlafmangel als die dünne Haut, die mir meine Großmutter vererbt hat. Ein hautstärkendes Anti-Augenringe-Mittel fände ich daher großartig!

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?


Schönheitsgeheimnisse im engen Sinne habe ich nicht. Ich bewege mich viel und gern (Joggen und Fahrradfahren) und dusche mich immer eiskalt ab. Zumindest mich macht das glücklich und vielleicht auch „jünger“.


Indre Zetsche Fotosession mit 16

Fotosession mit 16 (1987)

 

Was würdest du in Sachen Schönheit gerne mal ausprobieren?


Ich würde mich gerne mal großflächig tätowieren lassen. Werde ich aber niemals tun, weil ich sicher bin, dass ich es nicht mein Leben lang mögen würde. Entweder gefällt mir das Motiv nicht mehr oder seine Form durch nachlassendes Bindegewebe …


Indre Zetzsche: Langhaarig in Portugal (2002)

Langhaarig in Portugal (2002)

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Es ist wie es ist. Mach was draus.


Danke fürs Dabei sein und für deine Antworten, liebe Indre, und danke, dass ich dich näher kennen lernen durfte! Es war mir eine besondere Freude!


***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 11. Mai 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 9 | Aufrufe: 5161 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitmontagsinterviewmodemimakosmetikinterviewindre zetzschefrauen ab 40bloggerinberaterinbeautyälter werden
Das könnte auch interessant sein:
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Dr. Christine Finke.
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Kommentare

  • jetzt lese ich schon lange bei indre auf mima mit und immer wieder blitzen neue facetten auf. schön ist das. und auf einem blog for women, not for girls fühl ich mich sowieso genau richtig aufgehoben.

    mme ulma
    am Dienstag, 19. Mai 2015 um 22:12 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Toll, töllissimo! Besonders die Indre in Portugal mag ich. Gerne gelesen!

    Mama arbeitet
    am Dienstag, 12. Mai 2015 um 14:11 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • eine tolle Frau, die ich alleine schon ihres Aussehens so faszinierend finde… die Geschichte drum herum ist um so spannender…

    martina
    am Montag, 11. Mai 2015 um 21:33 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Total großartiges Interview. Danke für diesen schönen Montagsstart.***

    Anni
    am Montag, 11. Mai 2015 um 11:50 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Yeah! Indre! Ich mag ihren Blog und lese immer gern bei ihr… die ruhige Art gefällt mir, alles etwas relaxter, ruhiger und nicht so kreischig. Damit unterscheidet sie sich von vielen anderen und das ist gut so.
    Und das möge bitte auch genau so bleiben!

    Tolle Reihe übrigens!

    Dicken Gruss und guten Wochenstart….

    ps: die neue wohnung ist der hammer….

    Frau M. vom Zehnten Stock Links
    am Montag, 11. Mai 2015 um 11:18 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Das Interview macht neugierig auf mehr! Da gibt es noch so viel zu erzählen, scheint mir, ich würde nachhaken wollen ...
    So soll das, oder?

    Vielen Dank Euch beiden!
    M

    Minza will Sommer
    am Montag, 11. Mai 2015 um 09:26 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Hallo Minza,

      frag doch einfach :-) Vielleicht antwortet Indre ja?! Ich kann es natürlich nicht versprechen. :-)

      LG!

      Susi
      am Montag, 11. Mai 2015 um 09:29 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

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