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Nein, ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Wenn ich mal 67 bin, will ich zumindest ein bisschen so sein wie Friederike Schmitz: lebenserfahren und dabei jung geblieben, neuen Dingen zugewandt, aktiv, immer noch berufstätig - und dabei wunderwunderschön! Ja, Friederike zu treffen nimmt einem jede Angst vor dem Älterwerden, vor Falten und grauen Haaren ...

Ursprünglich war Friederike Lehrerin für Deutsch und politische Bildung. Doch nach zwei Jahren Curriculumentwicklung im Kultusministerium Baden-Württemberg, nach diversen Jahren Lehrerdasein in Stuttgart, auf dem Land (Eifel) und schließlich an einer deutschen Schule in Buenos Aires (wo sie mit Mann und drei Kindern sieben Jahre verbrachte) hat sich Friederike ent-beamten (!) lassen. Seit bald 20 Jahren ist sie nun freie Lektorin, hat mit unterschiedlichsten Menschen und Texten zu tun – und findet diesen Beruf überaus belebend und beglückend (wenn auch unter „ent-beamteten” Rentenaspekten verrückt ;-)).

Ob ihre unglaubliche Ausstrahlung an diesem bunten Leben liegt?

Ich freue mich außerordentlich, dass sie meine Fragen beantwortet hat - danke dafür, liebe Friederike!

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert? Welche Stilrichtung bevorzugst du?

Ich hab mich schon immer am liebsten einfarbig oder Ton in Ton angezogen und Akzente durch Blusen, Tücher, Schmuck (Halbedelsteinketten aus Brasilien / Silberschmuck aus Mexiko) und Gürtel (argentinische Gaucho-Gürtel) gesetzt; gern auch durch Hüte und Mützen.


Hast du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Meine Lieblingsklamotten trage ich durchaus 20 und mehr Jahre; halt so lang, wie sie leben. Mein allerliebstes Kleid (ein warmes Altrosa, Samt- und Baumwolljeansstoffbahnen, tränchenzerdrück) war schließlich zerschlissengerissen und durch keinen Trick der Welt mehr zu reparieren.

Letzten Sommer habe ich in Berlin ein ähnliches, schilfgrünes Mantelkleid entdeckt – ich liebe es und habe es dieser Tage auf der Buchmesse getragen. Allerdings muss ich mich dauernd selbst dran erinnern, dass Leinen edel knittert.

Zurück zu den Lieblingsklamotten: Vor zwei Jahren suchte ich bei einem Haus-/Privatverkauf eine Seidenjacke „für fein“. Was dort hing, war aber nicht klassisch, sondern grauslig bieder. Mein Mann entdeckte einen Gehrock aus blauem Baumwollstrickstoff, hielt ihn mir hin und sagte: „Zieh mal an.“ Ich fand das Teil eher peinlich (es erinnerte mich an Gaddafi und seine Fantasieuniformen) – aber sobald ich es anhatte, fühlte ich mich ganz vergnügt. Allerdings trug ich mich tagelang mit dem Gedanken, es zurückzugeben. Der Kommentar meines Sohnes „Oh, Muttern im Schaffneroutfit!“ brachte es auf den Punkt. Doch inzwischen trage ich es recht häufig – wenn ich nicht weiß, was ich anziehen soll, und meine anderen Dinge mir auf einmal so langweilig vorkommen; etwa der edlere Strickmantel, der nur marineblau ist und sonst nix. Dennoch werde ich ihn natürlich behalten, bis er zerfällt (wohl erst nach mir!).

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert?

Mit Mitte 40? Oder um die 50? Immer mal wieder war ich ziemlich entsetzt über die Veränderungen, die mir da geschahen. Dauernd ging mir der Begriff „Matrone“ durch den Kopf ((Ma|t|ro|ne, die; -, -n lat. (ältere, ehrwürdige Frau, Greisin; abwertend für (ältere) korpulente Frau) © Duden)), und ich musste daran arbeiten, mir nicht vor allem die abwertende Bedeutung anzuheften. „Besser so als noch schlimmer“, eines meiner Mottos, half schließlich auch hier. Von da an habe ich (noch mehr als schon vorher) die inneren Werte gepflegt: Fleiß, Zuverlässigkeit, Zuwendung; kritikfähig und dudenfest sein … ;-)

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ ...

Nee. Das wäre mir zu trocken.

... oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Bei Cremes setze ich seit Ewigkeiten auf Gertraud Gruber, seit Kurzem verwende ich wieder die Hautcreme von Weleda, die ich schon aus Kindertagen kenne. Sie wird übrigens ebenfalls in England vertrieben (wo meine Tochter lebt) und heißt dort wie hier „Hautcreme Skin Food“. Skin Food, das gefällt mir – ich möchte nicht mehr hundert diverse Cremes für die hundert diversen Zonen haben (Handcreme, Nagelbettcreme, Tagescreme, Nachtcreme, Anti-Falten-Creme, Fußcreme, Cellulitiscreme, Augencreme etc. pp.), sondern möglichst eine für alles. Nivea-Creme und Nivea-Milk mag ich auch.

Aber, TUSCH: Die Möglichkeiten moderner Produkte entdecke ich gerade für meine Haare! Mein Leben lang habe ich unter diesen dünnen Fisseln gelitten (die Zeiten mit Dauerwelle hatten andere Nachteile) – und ich bin jetzt geradezu erleichtert. Die modernen Sprays und Gels und Volumenpuder plustern echt mehr auf als die Haarfestiger früherer Zeiten. Ich experimentiere lustvoll herum (auch ein wenig ängstlich, denn blöd verklebt mag ich mich auch nicht anfühlen): John Frieda, Luxurious Volume; Paul Mitchell, Thicken up; „got2b“ von Schwarzkopf.

Welche ist deine Lieblingsmarke?

In früheren Zeiten: Bogner, diese klassisch-sportliche Linie. Ist mir inzwischen meist zu teuer – und hat einen Schickimicki-Touch bekommen. Jetzt gucke ich mich manchmal bei Privatverkäufen um, auch in guten Second-Hand-Läden, dort fand ich ein Windsor- und ein Strenesse-Kostüm, einen Blazer und ein Hemdblusenkleid von Joseph Janard, eine Sommerjacke von Windsor.  ?  Eine Zeit lang habe ich mir Dinge schneidern lassen, aber leider sieht an mir spießig aus, was in den Illustrierten schick war.


Mitte 30. Am Strand von Punta del Este in Uruguay.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Drei.

1. Sonne. Leider hat man mir in diesem Sommer in der Hautklinik eröffnet, dass ich mein Quantum für dieses Leben aufgebraucht habe.

2. Liebe, Verliebtsein (verblüffenderweise auch immer wieder mal frisch in den mir Angetrauten), Interesse an anderen und intensiven, herzlichen Austausch.

3. Wenn alles zu viel ist: Rückzug. Möglichst zwei, drei Mal im Jahr. An einen Ort mit weitem Blick, himmlischer Ruhe und guter Luft – und als Proviant eine große Ikea-Tasche voller Obst, Gemüse, Kartoffeln, Hirse, Joghurt und Nussmus. Wenn ich Hunger habe, darf ich mir daraus was kochen, nix sonst – d. h., es gibt in dieser Zeit keinen Zucker, kein Weißmehl, keinen Wein. Dann beruhigt sich mein Solarplexus, der Zeiger der Waage wandert nach links. Ich setze mich auf diese Weise wieder auf die richtige = eine ruhigere Schiene (nach den üblichen Flummiball-Zeiten, in denen ich durch die Gegend flippe, mal hierhin, mal dorthin: alte Mutter, drei Enkel, Mann, Autoren und Kunden, Freunde). Klar, dieses Sichausklinken geht erst, seit die Kinder groß sind.


Auf der Buchmesse 2012 am ARTE-Stand: ein Vortrag über das Sterben.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Auch drei.

1. Besser so als noch schlimmer.

2. Take it easy, but face it.

3. Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen. – Diesen Spruch kenne ich natürlich seit dem Konfirmationsunterricht, habe ihn damals aber nicht verstanden. Früher fand ich das Glauben (an eine bessere Welt! An das Gute im Menschen!) und das Hoffen (dass sich etwas so und nicht anders entwickeln möge!) wichtiger als das Lieben (Liebe war doch eh da). Doch die dem Alter entsprechende Haltung ist wohl: Dinge und Entwicklungen ansehen und (staunend) zur Kenntnis nehmen; sie nehmen, wie sie sind und wie sie für andere stimmen. Dingen, Situationen und Menschen mit Offenheit und Großzügigkeit begegnen; sich an ihnen freuen. So verstehe ich die Liebe, von der Paulus spricht.

Danke für deine spannenden und weisen Antworten, Friederike!

***

Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hier: Click and enjoy!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 05. November 2012, 08:59 Uhr
Kommentare: 22 | Aufrufe: 5419 | Kategorie: Frauen ab 40/50/60, Interviews,
 

Kommentare

  • Was für eine beeindruckende Frau Du doch bist, Friederike. Schön, das auch mal schwarz auf weiß zu lesen.
    Heike

    Recherchemeisterin
    am Montag, 01. Juli 2013 um 12:04 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Denke immer wieder an unsere allererste Begegnung in diesem Restaurant am Bahnhof (Dreieich?). Da war sofort (bei uns beiden) das Gefühl von Vertrautheit, von langem Kennen. Schön, dich auch von dieser (neuen) Seite kennenzulernen. :-)

    Snezana
    am Montag, 12. November 2012 um 12:12 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • @José Danke! Ich habe es korrigiert!

    @Friederike Meine Antworten kommen auch noch ... irgendwann! :)

    Susi
    am Montag, 12. November 2012 um 12:07 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Nette Vorstellung, tolle Frau!

    Zum Thema Fehlerteufel: Punta del Este liegt in Uruguay. Außerdem gibt es etliche deutsche Schulen in Buenos Aires, gemeint ist vermutlich die Deutsche Schule in Villa Ballester.

    Saludos!

    José
    am Montag, 12. November 2012 um 11:59 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Vielen Dank für die üüüberaus freundlichen Worte, die natürlich beides waren: Grund zur Freude UND ein bissi peinlich. Mir fiel dann aber ein, dass Textinen generell seeehr überschwänglich sind (ich sach nur: Anmelden fürs Wend- oder Burgland). ;-)

    Und morgen kommt ein neuer Montag und eine neue Ü40/Ü50/Ü60, die uns zeigt: Is ja gar nich so schlimm, das Altwerden.

    Liebe Susi, wann kommen Deine Antworten auf Deine Fragen?  Bin sehr gespannt!

    Friederike
    am Sonntag, 11. November 2012 um 17:32 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wow! Was für ein super Bild (das obere), was für kluge Worte, was für eine tolle Frau! Aber ich hab einen Tippfehler entdeckt: 67 kann ja wohl nicht stimmen, Friederike?!

    Jutta
    am Mittwoch, 07. November 2012 um 22:52 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Friederike, ich weiß schon, warum ich Dich so mag!

    Annette
    am Dienstag, 06. November 2012 um 02:49 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wie nach jedem dieser Interviews bin ich beeindruckt. Ein Frau toller als die andere!

    Daniela D.
    am Montag, 05. November 2012 um 19:47 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Großartig, liebe Friederike!

    Ines
    am Montag, 05. November 2012 um 15:51 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ach, was fuer ein Glueck, dass ich heute gerade zur rechten Zeit ins Facebook schaute. Fuehlte mich gerade irgendwie alt und zerknittert und da hat mich dieses Interview besonders aufgebaut. Super, alle Achtung, so werd ich’s auch halten. Wenn ich dann auch noch so klasse aussehen koennte wie Friederike, dann… Aber gut. Man muss ja ein Ziel haben ;o))

    Frauke Watson
    am Montag, 05. November 2012 um 15:39 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • @ Friederike: Wow! „Dinge und Entwicklungen ansehen und (staunend) zur Kenntnis nehmen.” - Ich denke auch, dass das ein wichtiger Punkt ist, der einen jung hält: sich die Fähigkeit des Staunens zu erhalten.

    @ Susi: Danke für diese schönen Montags-Interviews, die so viel Zuversicht geben!

    Daniela
    am Montag, 05. November 2012 um 15:22 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ein wunderschönes Interview und Friederike eine wunderschöne Frau, innen wie außen. Immer bereichernd, nicht nur von ihr zu lesen, sondern sie zu kennen und zu treffen. Hoffe dann immer, das gaaaaanz viel von ihrer Haltung, ihrer Schönheit und ihrer Energie auf mich abfärbt.

    Heike V.
    am Montag, 05. November 2012 um 15:08 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ach, Friederike, ich möchte auch so sein wie Du, wenn ich groß bin!

    antje
    am Montag, 05. November 2012 um 14:02 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Tolle FrauSRICHT MIR AUS DER SEELE

    margret
    am Montag, 05. November 2012 um 13:56 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Friederike ist so eine großartige Frau - egal, ob „live und in Farbe” ;-) oder schriftlich, immer hat sie sehr durchdachte Ansichten und Tipps auf Lager, die bei der Entscheidungsfindung sehr hilfreich sind!

    Außerdem - und das kommt, wie ich finde, in diesem sehr sehr schönen Interview auch wirklich raus - ist sie extrem warmherzig und oft (aber nicht immer! ;-) wohltuend gelassen!

    Michaela
    am Montag, 05. November 2012 um 13:40 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Dieses Interview macht richtig Lust aufs Leben mit großen Kindern (und Enkeln) und weckt die Hoffnung, mit den Jahren ebenfalls an Weisheit und Gelassenheit zu gewinnen. Tolle Frau—tolle Antworten!

    Petra
    am Montag, 05. November 2012 um 13:36 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Neue, faszinierende Facetten von Friederike. Und Ausklinken ist ein exzellenter Tipp, den ich mal wieder beherzigen sollte.

    Birgit
    am Montag, 05. November 2012 um 13:25 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wunderbar! Danke, Friederike!

    Lisa
    am Montag, 05. November 2012 um 13:21 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich kenne Friederike aus dem Texttreff und habe sie auf der Buchmesse getroffen. Toll, sie hier noch einmal ganz anders kennenzulernen. Ein tolles Vorbild für andere Frau jenseits der 40 ;-)

    Andrea
    am Montag, 05. November 2012 um 11:37 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ganz tolle Frau!

    Marion
    am Montag, 05. November 2012 um 10:45 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ja, ne? :-)

    Susi
    am Montag, 05. November 2012 um 10:03 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Diese Gelassenheit möchte ich auch haben… Ein tolles Vorbild!

    Uschi Ronnenberg
    am Montag, 05. November 2012 um 09:58 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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