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Gefühlt kenne ich Ulrike Bergmann schon ewig. Zumindest mein ganzes Internetleben lang. Immer wieder fiel ihr Name, wenn es um das Thema Veränderung und neue Ziele ging. Ich kenne einige Frauen, die von ihr in Phasen der Neuorientierung – zumeist beruflich, aber durchaus auch privat – gecoacht wurden. Als Die Mutmacherin ermutigt sie Menschen, ihren Wünschen und Träumen einen Raum zu geben und zeigt ihnen, wie sie ihren eigenen Weg finden, diese auch zu verwirklichen.

Mut zu Veränderungen – das ist Ulrikes Thema. Vielleicht weil ihr Leben selbst durch viele Veränderungen geprägt war? Mit einem Militärpfarrer als Vater zog sie schon früh hinaus in die Welt und ging einige Jahre in Lissabon zur Schule. Nach dem Abitur in Mühldorf am Inn (oje!) studierte sie in Augsburg Jura, machte nach ihrem Examen bei einem großen internationalem Rückversicherer Karriere und arbeitete ein Jahr in der Zweigniederlassung in New York City. Nach vierzehn Jahren der Cut: Sie kündigte, nahm sich eine zwei Jahre lange Auszeit in Seattle und machte sich dann als Beraterin selbstständig. Mit 57 hat sie zum zweiten Mal geheiratet – und ist durch Selbstständigkeit und Ehe nun auch ein wenig sesshafter geworden.

„Auch wenn ich an der Schwelle zum ‘Rentenalter’ stehe, habe ich noch viel vor” - was für eine großartige Ansage! Gerade hat Ulrike ihr viertes Buch beendet und plant nun weitere spannende Angebote rund um ihre Lieblingsthemen „Mutig und leicht den eigenen Weg gehen“ und „Entspannt selbständig“.



Ulrike Bergmann, 61.


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Meine Einstellung ist heute sehr entspannt. Wobei: Das war im Grunde immer schon so. Da bei uns zu Hause das Geld knapp war, hat mich meine Mutter in unsägliche, selbstgenähte Kleider gesteckt. Die hatten zwar möglicherweise einen modischen Schnitt, doch Farbe und Material war alles andere als modern. Meiner Erinnerung nach waren es vor allem düstere Farben, wie Grau- und Grüntöne, kariert oder in Pfeffer-und-Salz. Einem Teil von mir kam das entgegen, denn ich wollte um keinen Preis auffallen.


Schülerin in Lissabon: Auffallen? Lieber nicht!

Als ich in der Lissaboner Zeit über ein kleines Budget verfügte und endlich selber entscheiden konnte, war mir vor allem wichtig, dass ich damit möglichst viele Teile erstand, die ich miteinander kombinieren konnte.

Später haben mich Frauenzeitschriften wie Brigitte inspiriert: Da habe ich dann geschaut, was davon in den Läden tatsächlich zu haben war. Doch auch hier bin ich vor allem meinen eigenen Vorstellungen gefolgt.

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Ich bin eher der sportlich-legere Typ und das zeigt sich auch schon lange in meiner Kleidung. Während meiner Angestelltenjahre gab es im Unternehmen eine bestimmte Kleiderordnung, der ich mich jedoch nur zum Teil unterordnete. Statt wie viele andere im grauen oder blauen Kostüm aufzutreten, liebte ich es farbenfroher. Da ich ohnehin häufig die einzige Frau war, spielte es auch keine Rolle, dass ich damit aus dem Einheitsbrei der Blau-Grauen herausfiel.


Sportliche Eleganz im Business. (2001)

Als Münchnerin gehörte das Dirndl zur Grundausstattung. Ich habe sie viele Jahre gerne getragen und mir auch einige davon selber geschneidert. Kürzlich habe ich mir nach 20 Jahren Abstinenz wieder eines gekauft.

Mit dem Schritt in die Selbständigkeit hat sich auch mein Kleidungsstil verändert. Die Kostüme und Kleider verschwanden zunächst im Kleiderschrank und später in Kleidersammlungen. Heute besitze ich kaum mehr Röcke und nur im Sommer trage ich Kleider. Sonst bestimmen Jeans in mehreren Varianten und einige Stoffhosen meinen Stil. Sie lassen sich bestens mit T-Shirts, Pullis oder – eher selten – mit Blusen kombinieren. Dazu noch einige Jacken für einen professionellen Auftritt bei Vorträgen oder Netzwerkveranstaltungen. Da viele meiner Teilnehmenden eher leger in die Coachinggruppen kommen, passe ich mich an.
 
Wichtig ist mir nach wie vor, dass meine Kleidung bequem ist und ich mich darin wohlfühle. Alles, was dem nicht entspricht, gebe ich schnell wieder weg. Was mir auch immer wichtig war: alles muss farblich zusammenpassen. Nicht nur die Kleidung, sondern auch Schuhe und Brille. In den 80er Jahren gab es zum ersten Mal die Möglichkeit, dass man dieselben Gläser in unterschiedliche Gestellrahmen einklicken konnte. In der Zeit hatte ich von den damals modernen Riesenmodellen jede Farbe: von rosa über rot, blau, grün bis farblos. Damit konnte nichts mehr schief gehen. ;-)

Dieses Prinzip gibt es seit einigen Jahren wieder in neuer Form und so besitze ich seit letztem Jahr wieder eine Switch-It-Brille, bislang allerdings nur in zwei Varianten.


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Nein.

Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Farben spielen für mich eine große Rolle. In meiner ersten Farb- und Stilberatung irgendwann in der 80er Jahren entdeckte ich die Farbe Flieder für mich. Ich trug sie in allen Varianten. Mein Lieblingskleid in diesen Jahren war ein leicht ausgestelltes gestreiftes Sommerkleid in blau-grün-violetten Streifen, vorne mit normalem Rundausschnitt und hinten einem tieferen spitzen Ausschnitt. Ich ergänzte es mit einer fliederfarbenen Leinenjacke und einem lila Strohhut. Das war der absolute Hit und brachte mir viele Komplimente ein.

Später hatte ich ein enganliegendes rotes Kleid, das ich sehr liebte und bei vielen Vorträgen trug. Es passte farblich perfekt zu meinem Logo und unterstrich meinen damaligen Unternehmensnamen „Büro für ungewöhnliche Zielerreichung“.


Knallroter Kontrapunkt zum sonstigen Businessgrau.


Doch irgendwann war Schluss damit, und es begann die Zeit der Beerentöne. Zufällig fand ich dazu das farblich passende Auto ;-)

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Da ich nie eine klassische Schönheit war, spielte ich im allgemeinen Schönheitswettbewerb keine große Rolle. Das war zweifellos ein Vorteil, denn so konnte ich mich auf das konzentrieren, was mir wichtig war: Wie schaffe ich es, mit wenig Aufwand gut auszusehen und mir selber zu gefallen? Das ist bis heute so geblieben.


Haare zum Neidisch werden ...(1999)

Ein wichtiger Punkt waren immer meine Haare. Ich habe sehr dickes Haar, das jeder Friseurin begeisterte Bemerkungen entlockt, für mich jedoch nicht immer leicht zu handhaben war. Zudem ist meine Naturfarbe dieses bekannte Straßenköterblond. Lange habe ich mein Haar deshalb mit Strähnchen aufgepeppt, was zugleich auch von den früh vorhandenen grauen Strähnen ablenkte. Als ich 1995 aus den USA zurückkehrte, war ich einige Zeit ganz natürlich grau. Doch dann siegte die Eitelkeit und ich ließ sie dunkel färben. Leider wurden sie mit der Zeit immer dunkler und die Häufigkeit der Friseurbesuche nahm zu. Bis ich 2004 die Nase voll hatte und mich entschied: zurück zur Natur. Da dies nicht auf einmal möglich war, nahm ich meinen Mut zu einem radikalen Schritt zusammen: einmal ganz kurz bitte! Und dann mit bunt-geschecktem Kopf solange in die Öffentlichkeit, bis nach einigen Monaten alles herausgewachsen war.


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Wasser-und-Seife-Typ, mit der Ergänzung, dass ich statt Seife seit Jahren ein Waschgel verwende. Da ich eine Mischhaut habe, ist dies bis heute das einzige, was ich brauche.


Raspelkurz und bunt-gescheckt. (2004)

Du bist auf Reisen und hast deinen Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Das mild schäumende Waschgel von Nivea, ein Zahnreinigungsset und bei einer Geschäftsreise noch Wimperntusche. Wäre es eine Urlaubsreise würde ich stattdessen einen pflegenden Lippenstift nehmen.


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

In meinem Leben schaue ich immer nach vorne und überlege, was an Möglichkeiten in einzelnen Situationen steckt. Das ist wohl der Grund, warum ich von Sorgenfalten verschont geblieben bin. Ich bewege mich viel und gerne an der frischen Luft und genieße jeden schönen Moment. Und ich achte darauf, dass ich viel lache und mich mit positiven Menschen umgebe.


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Mein wichtigstes Mantra, das mich in vielen kritischen Situationen unterstützt, heißt: Alles ist gut – und es kommt etwas Besseres nach.

Liebe Ulrike, danke für deine Zeit, das tolle Mantra und ein bisschen auch fürs Vorbild sein in Sachen „Man ist immer so jung wie man sich fühlt.”

***

Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hier: Click and enjoy!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 02. Dezember 2013, 08:00 Uhr
Kommentare: 6 | Aufrufe: 9526 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: ulrike bergmannschönheitmontagsinterviewmodeinterviewfrauen ab 60die mutmacherin
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Kommentare

  • Das macht Mut, auch für jenseits der 60. Dankeschön, Ulrike und Susanne!

    Lisa
    am Dienstag, 03. Dezember 2013 um 02:48 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • wow, 61! Großartiges Alter - offensichtlich. Danke für dieses tolle Interview, dass Mut und Lust auf die späteren Jahre macht.

    Farbenfreundin
    am Montag, 02. Dezember 2013 um 22:47 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Herzlichen Dank für das Feedback auf mein Montagsinterview. Es war einerseits spannend, in den alten Fotos zu stöbern und darüber Erinnerungen zu aktivieren und andererseits mich auch intensiv mit den Fragen auseinanderzusetzen. Daher an dieser Stelle: herzlichen Dank, liebe Susanne, für Deine Fragen!

    Ulrike Bergmann
    am Montag, 02. Dezember 2013 um 16:44 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wie immer ein wundervolles Montagsinterview! Manchmal gibt es Dinge, Personen oder Sprüche, die genau den Moment treffen und kurz innehalten lassen. So ging es mir mit diesem Montagsinterview mit der „Mutmacherin” Das Interview macht Mut! ...Und genau das habe ich heute gebraucht! Danke dafür!

    Kirsten Hermes
    am Montag, 02. Dezember 2013 um 14:57 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Mutmacherin ... noch eine interessante Frau. Danke für die Inspiration!

    Jette
    am Montag, 02. Dezember 2013 um 14:07 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ein Montagmorgen-Interview, welches die wunderbare Ulrike Bergmann so nahbar und „bunt” zeigt. Gefällt mir sehr und hat mir viel Neues „verraten”. Ich glaube, ich muss glatt nachher mal in meinen eigenen Bilder schauen, wie ich mich optisch über die Jahre so verändert habe….wird sicher lustig!

    In der Tat zeigt das Interview, wie Mode(n) und allgemeine Erwartungshaltungen Menschen ändern. In jungen Jahren machen wir fast alles mit - wir wollen uns selbst ausprobieren und kennen uns noch zu wenig. Dann lassen wir uns business-verbiegen, bis wir endgültig unseren Stil finden. Und dann sehen wir eigentlich immer gut aus, denn wir tragen die Fältchen ebenso mit Würde, wie den grauen Schopf. Und unsere Kleidung ist erfreulicherweise auch in höherem Alter nicht mehr mausgrau oder seniorenbeige - sondern farbig.

    Also: Graue Köpfe und bunte Kleidung - laßt uns die zweite Lebenshälfte regenbogenbunt gestalten!

    Bettina Schöbitz | Respektspezialistin
    am Montag, 02. Dezember 2013 um 11:00 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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