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Es gibt nicht wenige Menschen, die sich bereits mit Anfang 50 auf ihre Rente freuen. Mir ist das ehrlich gesagt ziemlich fremd (dazu arbeite ich viel zu gerne und habe auch noch viel zu viele Pläne) – und meiner heutigen Interviewpartnerin wohl auch.

Karin Austmeyer ist 60. Mit 55 – also zu einem Zeitpunkt, an dem andere langsam in die Altersteilzeit hinübergleiten – hat sie noch mal ganz neu begonnen. Als ihr Mann schwer erkrankte und sie das gemeinsame Unternehmen aufgeben mussten, hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht und arbeitet heute erfolgreich als Webdesignerin. Pünktlich zu ihrem 60sten dann weiterer Neustart: Karin hebt mit ihrem Blog Sweet Sixty das erste Lifestyle-Blog für Frauen ab 60 aus der Taufe. „Ich wollte Frauen ab 60 im Internet eine eigene Plattform geben – und außerdem zeigen, dass wir noch lange nicht zum alten Eisen gehören!“ Das finde ich aber auch!


Karin Austmeyer 2015

Karin Austmeyer, 60.

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Ich mag Mode und liebe schöne Kleider. In meiner Jugend gab es für mich allerdings ein großes Problem. Die 60er-Jahre waren die Zeit von Twiggy. Das Ideal war eine Figur wie die heutigen Magermodells mit möglichst wenig bis gar keinem Busen. Ich war das genaue Gegenteil. Klein gewachsen (1,56 Meter) und mit einem üppigen Busen ausgestattet. Die modischen Schnitte waren sehr eng und figurbetont. Wenn ich bei einer Bluse die Knöpfe schließen konnte, hingen die Schulternähte auf der Mitte der Oberarme. Andererseits hatte man keine Wahl. Es gab nicht die Auswahl, die es heute gibt. Die Alternative waren Mutti- bzw. Oma-Klamotten.

Heute haben wir eine viel größere Auswahl an Kleidung und so viele Möglichkeiten – das macht Spaß. 

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Ich würde meinen Modestil als klassisch mit einem leichten Hang zum verspielt-romantischen bezeichnen. Mit den Jahren weiß man natürlich, was zu einem passt bzw. was man tragen kann. Da sich leider die Figur mit dem Alter ändert (man muss das Essen manchmal nur ansehen und schon wieder ist ein Pfund drauf), kann ich nicht all das tragen, was mir gefällt. So liebe ich elegante, figurbetonte Kleider, komme mir darin aber immer wie Presswurst vor.


Karin Austmeyer 1973

Der neue Ford Capri. Posing im Jahr 1973 ...

Da ich mein Büro in unserer Wohnung habe, muss ich mich allerdings schwer disziplinieren, um nicht zu „verschlampen”. Morgens schnell bequeme Jogginghosen oder Leggins anziehen, ein weites Shirt drüber, das ist ja so einfach.

Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Richtige Vorbilder hatte ich nie. Am meisten gefiel mir die Mode Anfang/Mitte der 90er Jahre. Denver Clan und Dallas waren angesagt, und damit schicke Kleider und Kostüme mit leichten Schulterpolstern. Alles war sehr weiblich. Die breiteren Schultern hatten den Vorteil, dass sie eine schmale Taille zauberten, auch da wo keine war. Der Stil war für mich einfach wunderbar.

Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Eine Pepitajacke aus dem Jahr 1996! Ich habe die Jacke geliebt, weil sie, wie ich bis heute finde, genau zu mir passte und mir fantastisch stand. Aus der gleichen Zeit stammt ein Trenchcoat von Wallis London mit sehr breiten Schultern. Ein wunderschönes Teil, für das ich immer viele Komplimente bekommen habe. Den Mantel gibt es immer noch in meinem Kleiderschrank. Ich habe es bis heute nicht übers Herz gebracht, ihn weg zu schmeißen – obwohl ich ihn 15 Jahre nicht mehr getragen habe.


Karin Austmeyer im Garten 2015

... und im Jahr 2015.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

„Wahre Schönheit kommt von innen”. Dieser Spruch gewinnt in den letzten Jahren für mich immer mehr an Wahrheit. Mit dem Älterwerden muss man sich mit einigen, nicht so schönen Gegebenheiten abfinden. Um so wichtiger ist es, sich selbst trotzdem zu mögen und Spaß am Leben zu haben. Das strahlt man dann auch aus. 

Schon als junge Frau habe ich mir vorgenommen, in Würde alt zu werden und niemals an mir ‘rumschnibbeln zu lassen. Heute, angesichts immer schwerer werdender Augenlider und Wangen, die so langsam die Erdanziehung zu spüren bekommen, ist das nicht mehr so einfach. Aber noch halte ich durch. 

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Kosmetik bzw. schöne Cremes mag ich schon sehr. Trotz aller Versprechen der Kosmetikindustrie habe ich bis heute dennoch kein wirkliches Mittel gegen Falten oder das Erschlaffen der Haut gefunden. Doch das Gefühl gepflegt zu sein, ist mir wichtig.

Karin Austmeyer im Ballonkleid

Ein Sahnetörtchen in Hellblau. (1988)


Manchmal denke ich dann aber: Vielleicht haben die Cremes ja doch gewirkt. Wer weiß, wie ich aussähe, hätte ich nur Wasser und Seife benutzt.

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

* Eine gute 24-Stunden-Creme, ohne die ich innerhalb von zwei bis drei Tagen aussehen würde wie ein Fisch, so schuppig.
* Augenpflege, damit die Knitterfältchen sich nicht noch mehr eingraben können.
* Einen Lippenstift, denn damit sieht man immer frisch aus.

Wenn du dir ein (noch nicht existierendes) Produkt von der Kosmetikbranche wünschen dürftest: Welches wäre das?

Eine Creme, die wirklich liftet. Dabei geht es weniger um Falten, die finde ich an mir nicht so schlimm, sondern die Haut sollte tatsächlich straffer werden. Das verspricht heute zwar fast jede Anti-Aging-Creme – von denen die ich ausprobiert habe, funktionierte leider keine.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?


Nein, ein Schönheitsgeheimnis habe ich nicht.

Am Körper habe ich schon mein Leben lang eine sehr trockene Haut. Das ist mit dem Älterwerden eher noch schlimmer geworden. Deshalb war und ist es mir sehr wichtig, mich nach jedem Duschen und Baden (ich liebe es ein schönes Bad zu nehmen) mit einer guten, reichhaltigen Körpercreme zu pflegen.

Lange gesucht habe ich eine vernünftige Foundation. Nun bin ich bei Even better von Clinique gelandet und sehr zufrieden. Es reflektiert ein wenig und läßt die Haut dadurch jünger erscheinen.

Was würdest du in Sachen Schönheit gerne mal ausprobieren? (Haare rot färben, Botox, falsche Wimpern, Pixie-Schnitt ...)

Hab ich alles, bis auf Botox, ausprobiert. Einen Pixie habe ich jetzt schon viele Jahre. Zwischendurch habe ich andere Frisuren ausprobiert, komme aber immer wieder zu diesem Schnitt zurück.


Karin Austmeyer 1974

Klein und vollbusig: „Den gängigen Idealen entsprach ich nie.” (1974)

Ich färbe meine Haare regelmäßig in meiner früheren Naturfarbe. Schon mit 16 hatte ich die ersten grauen Haare und mittlerweile ist mein Haar schneeweiß. Eigentlich würde ich gerne einmal sehen, wie ich mit weißen Haaren aussehe. Ehrlich gesagt, ich traue mich nicht, das Färben sein zu lassen. Wahrscheinlich sehe ich damit um einiges älter aus. Simon, mein Friseur (ein ganz junger Mann) fände es einfach super, wenn ich die Haare weiß lassen würde. Vielleicht probiere ich es zum Winter hin einmal aus. Färben kann man ja wieder, wenn es nicht gefällt.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Egal, was passiert: „Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden”.

Danke, liebe Karin, fürs Dabeisein – und dafür, dass du uns zeigst, dass man immer jung genug ist, um neu anzufangen. Und: Ich liebe dein Mantra.

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 01. Juni 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 6 | Aufrufe: 4072 | Kategorie: Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: montagsinterviewmodekarin austmeyerinterviewfrauen ab 60beautyanti-agingälter werden
Das könnte auch interessant sein:
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Silke R. Plagge.
Frauen ab 50: Das Montagsinterview mit Karin Buhl.
Das Montagsinterview mit Esther Langmaack.
 

Kommentare

  • Das ist wieder eine ganz großartige Dame, liebe Susi. Und dieses Mal kenne ich den dazugehörigen Blog sogar schon… und ich finde ihn wunderbar. Die Themenvielfalt lässt auf eine facettenreiche Frau schließen, mit der ich sehr gerne mal einen Nachmittag „verratschen” wollen würde. Und dieser Eindruck bestätigt sich durch Dein Interview. Ich ziehe meinen Hut vor so viel Courage und hoffe, mit sechzig eine ebenso kluge, interessante und mutige Frau zu sein.
    Vielen Dank für das Interview,
    herzlicher Gruß - Conny

    Conny
    am Dienstag, 02. Juni 2015 um 21:18 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Hallo Conny,
      vielen Dank für deine netten Komplimente. Über das „verratschen” sollten wir gelegentlich einmal reden.
      Liebe Grüße
      Karin

      Karin
      am Montag, 08. Juni 2015 um 10:50 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Es ist einfach klasse, dass unsere Altersgruppe, egal ob 40, 50 oder 60+ so aktiv ist und es immer mehr ältere Bloggerinnen gibt. Ein unheimlich abwechslungsreicher Blog, klasse!

    Mein 80er Kleid war übrigens aus schwarzem Samt mit Knallpink - aber die Schleife vorne war genauso groß ;-)

    LG
    Annette | Lady of Style

    Annette
    am Dienstag, 02. Juni 2015 um 21:09 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Hallo Annette,
      freut mich, dass du meinen Blog magst. Deinen Blog mag ich auch. Du hast einen Stil, der mir liegt.
      LG Karin

      Karin
      am Montag, 08. Juni 2015 um 11:00 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Wie schön, dass die Montagsinterview Reihe wieder aufgenommen wurde und dann auch gleich mit so einer starken und mutigen Frau. Mit 55 nochmal neu Durchstarten, das nimmt mit ein wenig von meiner Angst, auf 60 zuzugehen. Und Karins Mantra sollten wir uns jeden Morgen aufsagen.
    LG Cla

    Cla von Glam up your Lifestyle
    am Dienstag, 02. Juni 2015 um 12:21 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Hi Cla,
      Angst muß man wirklich vor keinem Alter haben und wenn man gesund ist, schafft man alles.
      LG Karin

      Karin
      am Montag, 08. Juni 2015 um 10:58 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

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