mode-lifestyle
 

Mit 20 oder 30 hat man das Gefühl, die ganze Welt stehe einem offen. Aber dann, mit zunehmendem Alter, empfindet man sich doch gerne als festgelegt oder auch festgefahren: eben auf dieses eine Leben, das man führt.

Dass man aber nicht nur mit 20 oder 30, sondern auch mit 40 oder 50 (und sicher auch noch später) neu anfangen kann – das zeigt Lisa Graf-Riemann, die ihr Leben in den letzten Jahren kräftig umgekrempelt hat, beruflich wie auch privat. Ihre eigentliche und lebenslange Passion - das literarische Schreiben - hat die frühere Lektorin erst mit um die 50 zu ihrem Beruf gemacht und seit 2010 drei Krimis („Eine schöne Leich“, 2010, „Donaugrab“, 2011, „Hirschgulasch“, 2012) veröffentlicht, der vierte folgt im nächsten Frühjahr. Daneben erschienen auch noch zwei Spanienführer aus der Feder der Romanistin, von der Mitarbeit an diversen Sprach-Lehrwerken ganz abgesehen.

„Die meisten Dinge lernt man erst, wenn man sie tut, nicht, wenn man immer nur davon träumt. Und dann wird man darin auch immer besser. ” – Lisas Kraft und ihr Wille, ihren Traum zu leben, sich auf etwas komplett Neues einzulassen und sich ohne Netz und doppelten Boden ganz auf ihre Stärken zu besinnen, haben mich in den letzten Jahren sehr beeindruckt. Ein wenig ist sie damit für mich auch zum Vorbild geworden (und das ist keine schmeichelnde Übertreibung!). Ich freue mich sehr, dass sie sich zwischen Schreiben und ihren Lesungen Zeit für ein Interview genommen hat ...

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert? Welche Stilrichtung bevorzugst du?

In den 70ern habe ich Schlaghosen, Plateausohlen und Holzfällerhemden getragen. In den 80ern Schulterpolster und Klamotten, die mir heute noch zu groß wären. Dann war ich mit dem Aufziehen von zwei Kindern und dem Aufbau meiner beruflichen Existenz beschäftigt. Das Thema Mode ist dabei etwas in den Hintergrund gerückt. Seit etwa zehn Jahren macht mir Mode wieder viel Spaß und ich probiere auch gern etwas aus. Ballonröcke zum Beispiel. Die habe ich erst mit 50+ zum ersten Mal getragen. Ich bin heute auf jeden Fall mutiger als früher.



1976. Ein bisschen Easy Rider ...

Außerdem war ich immer schon ein Second-hand-Fan. Ich habe es geliebt, Kleider von meiner großen Schwester zu tragen oder von guten Freundinnen, wir haben viel getauscht und verliehen. Es war, als hätte man mit den Kleidern den anderen Menschen, seine Haut, seinen Geruch ein bisschen näher bei sich.

Heute mag ich’s gern sportlich, weil ich das ja auch bin, und da bin ich auch ziemlich markenorientiert - aber auch witzig, bunt, jugendlich, ein bisschen unkonventionell. Auf jeden Fall nicht das, was meine Mutter mit 50+ getragen hat. Ich bin eher der Desigual-Typ, und da ich öfter in Spanien bin, kommt immer mal wieder ein neues Stück dazu. Desigual macht eben Mode für Brünette, wie unlängst eine Blondine ganz enttäuscht feststellte.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Ich habe immer wieder Lieblingsstücke für eine gewisse Zeit. Diesen Herbst sind es, wie letzten Herbst auch schon, ein Paar Lieblings-Cowboystiefel, bei deren Anblick eine Freundin vergangenes Jahr seufzte: Ja, es gibt doch immer noch Leute, die so etwas tragen. Auch Think-Schuhe mag ich, weil sie schick und ein bisschen außergewöhnlich sind, und dabei doch gut tragbar. Und natürlich die Camper-Modelle mit Absatz, die auf dem Bild unten zu sehen sind.

Eine gewisse Leidenschaft habe ich für Mäntel entwickelt. Auf dem Bild ein besonderes Lieblingsstück in schwarz-weiß von Desigual ...


Oktober 2012. In Düsseldorf am Hafen. (Foto: Eva Brandecker)

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert?

Eigentlich sehr positiv. Früher fand ich mich eher ein bisschen zu dick. Vor allem mit meinen Beinen und Knien war ich nie so richtig zufrieden. In meiner Familie hieß es immer, die Frauen hätten „Sulzknie“. Seit ich in den letzten Jahren mehr Sport machen, viel in die Berge gehe, Ski fahre etc. sind meine Beine zwar nicht dünner geworden und meine Knie nicht spitzer, aber insgesamt viel proportionierter. Heute bin ich sehr zufrieden mit meinen Beinen.


Oktober 2012. Im Minikleid und ohne „Sulzknie” ;-).

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte? Hast du eine Lieblingsmarke?

Ich benutze die Pflegeserie von Arya Laya aus dem Reformhaus, die frei ist von Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen, weil ich auf Cremes oft allergisch reagiere. Diese Produkte vertrage ich gut und sie fühlen sich gut an. Von Iris Berben habe ich in einem Interview gelesen, ihr Bad sei eine Werkstatt. Auf allen Tiegeln stehe „repair“. So schlimm ist es bei mir zum Glück noch nicht.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ich fürchte nein. Oder doch: Ich habe zwei Gesichter. Ein jüngeres, wenn ich lache, staune, mich freue. Ein älteres, wenn ich grüble, mir Sorgen mache, mich ich eine Sache verbeiße. Wenn ich lache oder lächle, entspannt bin, dann bin ich auch am schönsten.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Ich mag einen Spruch von Friedrich Schiller besonders gerne: „Nicht in die ferne Zeit verliere dich. Den Augenblick ergreife. Der ist dein.“

Ein wunderbares Mantra, vielen Dank dafür - und für deine Zeit und die spannenden Antworten, Lisa!

***

Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hier: Click and enjoy!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 19. November 2012, 09:00 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 7581 | Kategorie: Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: stilschönheitmodelisa graf-riemannfrauen ab 50bücherautorin
Das könnte auch interessant sein:
Frauen ab 50: Das Montagsinterview mit Daniela Pucher.
Frauen ab 50: Das Montagsinterview mit Antje Winkler.
Frauen ab 50: Das Montagsinterview mit Jutta Scherer.
 

Kommentare

  • Diese Woche ist Mittwoch mein Montag ;-) - und ich stelle fest, dass so ein prachtvolles Interview praktisch jeden Tag aufwertet!

    Ansonsten könnte ich noch stundenlang weiterlesen und noch mehr Fotos von dir, Lisa, ansehen:
    Einfach Klasse!

    Michaela
    am Mittwoch, 21. November 2012 um 18:29 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • So viel Lebensfreude sprudelt einem entgegen - auf den Bildern und im Text. Schön!

    antje
    am Dienstag, 20. November 2012 um 12:13 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Lisa gehört in die Kategorie 50+? Ich habe mir vorher nie Gedanken gemacht, wie alt du bist, Lisa, aber das hätte ich definitiv nicht gedacht!!!

    Britta
    am Montag, 19. November 2012 um 22:45 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Lisa in vielen Facetten, sehr schön. Auch die rockerbrautige…

    Birgit
    am Montag, 19. November 2012 um 19:04 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Hach, Lisa wie sie leibt und lebt. Danke für das schöne Interview! Das mit dem Schönheitsgeheimnis stimmt übrigens, so ungern die Kosemetikindustrie das auch hören mag ;-)

    be|es|ha
    am Montag, 19. November 2012 um 17:19 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar:
 
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
  • Name*
     
  • Email*
     
  • Website
     
  • Kommentar*
     
  • CAPTCHA*
      
  •  
  •  
  •  
 
 

Zum nächsten Beitrag: Dienstagsschnipsel.

Zum nächsten Beitrag.

Zum vorherigen Beitrag: Ach, könnten Sonntage doch immer endlos sein!

Zum vorherigen Beitrag.





Herzblutdinge

Herzbluttexte




WERBUNG













KOOPERATIONEN








 
WERBUNG

© 2017 texterella.de | Susanne Ackstaller

Site by blogwork.de und Sibylle Zimmermann, hz-konzept.de