mode-lifestyle
 

Simone Naumann kenne ich schon seit einigen Jahren. Noch bevor wir uns persönlich trafen, fiel immer auch ihr Name, wenn man nach Empfehlungen für Fotografen im Raum München fragte. Umso erstaunter war ich über ihren bunten Lebenslauf, der über viele Lebensjahrzehnte gar nichts mit Fotografieren zu tun hatte. „Eigentlich wollte ich Kostümbildnerin werden“, erzählt Simone. Als das nicht klappte, lernte sie Kürschnerin – ein Beruf, der sie aber nicht ausfüllte und ihr außerdem Hautprobleme verursachte. Sie gab den Beruf auf, studierte neben der Familienarbeit Betriebsökonomie und arbeitete nach einem Umzug von ihrer Heimatstadt Dresden nach Rotterdam als Verwaltungsleiterin des dortigen Goethe-Instituts.

Als die Kinder erwachsen und außer Haus waren zog sie nach Amsterdam. „Die Stadt zog mich total an! Das Leben am Wasser, Einkaufen auf den Märkten, mit dem Fahrrad ins Büro und abends zum Konzert – ich habe mich in diese Stadt einfach verliebt!“ In Amsterdam entdeckte sie auch ihr altes Hobby Fotografieren neu und begann neben ihrer Arbeit eine Ausbildung an der Fotoakademie Amsterdam.


Simone Naumann, Fotografin, im Montagstinterview

Simone Naumann, 53.

2009 zog Simone nach München, begann ein Studium an der Prager Fotoschule in Oberösterreich und machte sich gleichzeitig als Fotografin selbstständig. Heute arbeitet sie als Fotografin für Unternehmen und Privatleute, schreibt Bücher rund um das Thema Fotografie und – das finde ich persönlich besonders spannend – gibt Trainings für Smartphone-Fotografie und Visual Storytelling für Social Media. Warum, liebe Simone, muss ich dich erst zum Thema Mode interviewen, um das zu erfahren?! :-)

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Als ich für dieses Interview in meiner Fotokiste herumkramte, stelle ich fest, dass sich mein Stil, abgesehen von der Kleidungsgröße, gar nicht so sehr verändert hat. Mode bedeutet für mich immer schon – Lebensgefühl. Es ist meine ganz persönliche „Kostümierung”, in der ich mich wohl fühle, die mich zufrieden macht. Das muss dabei nicht unbedingt der neueste und angesagte Trend sein, eher die Kleidung, die sich gut mit mir, meinem Leben, meiner Arbeit verbinden lässt und mir ein gutes Gefühl gibt. Für Porträt-Shootings frage ich daher auch meine Kunden nach ihrer Lieblingskleidung. Denn darin fühlen sich alle, Damen wie Herren, auch vor der Kamera am wohlsten und wirken viel authentischer.


Wunderschön! (Antwerpen, 1996)


Groß geworden bin ich in der DDR, wo Markenware keine große Rolle spielte. Mode aber schon und so nähte ich meine Kleidung größtenteils selbst. Irgendwann war „meine Mode“ dann auch nicht mehr so schnelllebig. Ich kaufte mir Kleidung, in der ich mich länger als eine Saison wohl fühlen konnte, die mehr zu mir persönlich als zum angesagten Trend passte. Das lag sicher auch an Amsterdam, wo ich viele Jahre lebte. Dort gab es für mich ganz andere und vielseitigere Angebote. In den kleinen, trendigen Geschäften außerhalb der üblichen Touristenrouten entdeckte ich nachhaltige Schnitte, schöne Stoffe und insgesamt mehr Charakter im modischen Angebot. Heute zieht es mich, sobald ich wieder in Amsterdam bin, sofort zu Cora Kemperman, da werde ich, auch wenn sie längst kein Nischenlabel mehr ist, immer fündig.



„Ich habe früher viel selbst genäht.” (1993)


Daheim in München habe ich zum ausgiebigen Stadtbummel deutlich zu wenig Zeit und bin darum eine gute Kundin des Onlinehandels, zum Beispiel bei Deerberg und Navabi, geworden.

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum? Was hast du in den 20ern/30ern/40ern getragen?

Ich mochte schon immer klare Farben. Früher waren das aktive Farben wie Rot, Orange und Gelb, heute dominieren Schwarz, Rot und Blau meinen Kleiderschrank. Gemusterte Stoffe, Blumen, Streifen oder Karos konnte ich noch nie wirklich leiden.

In den 80igern liebte ich Stone-washed-Jeans mit hohem Bund und Bundfalten. Meine Karottenhosen trug ich, bis der Saum komplett durchgewetzt war. Dazu selbstgenähte Blusen und Shirts, selbstverständlich mit Schulterpolster und Blazer. In den 90zigern wurden die schmaleren Jeans kombiniert mit Pullover oder T-Shirts in allen Farben. Zum Liebling wurden der Jeansrock und die Jeansjacke, für den Job kamen das dunkle Kostüm und der Hosenanzug hinzu.



„Schönheit ist für mich innere Zufriedenheit!” (2015)


In den letzten Jahren hat sich mein Leben sehr verändert, und so auch mein Stil. Mit Ende 40 begann ich Fotografie zu studieren und machte mich gleichzeitig als Fotografin selbständig. Keine Zeit mehr für Mode. Mein höheres Gewicht verhüllte ich komplett mit schwarzen Outfits. „Fotografen tragen meistens schwarz“, redete ich mir und anderen immer erfolgreich ein. Irgendwann war ich das Dauer-Schwarz dann aber doch leid und schloss Freundschaft mit mir, so wie ich war. Anfänglich kombinierte ich schwarz mit anderen Farben, mittlerweile trage ich meine Lieblingsfarben auch wieder pur.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Es gab mal eine dunkelbraune Lederhose. Diese überdauerte jede Modewelle und begleitete mich wirklich viele Jahre lang. Löcher wurde mit anderem Leder geflickt, so lange es ging ... Heute sind rote Schuhe von Think meine Favoriten, die sich langsam zum meinem eigenen Markenzeichen entwickeln.



Die roten Lieblingsschuhe! (2015)

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Meine Einstellung hat sich durch meinen Beruf geändert. Früher verlangte der Arbeitgeber nach angemessener Kleidung. Heute ist mein Outfit davon abhängig, was oder wen ich fotografiere. Als Fotografin versuche ich mich an die Umgebung, in der ich arbeite, anzupassen. Ich würde sagen, es ist „dressed for the occasion”, dem Anlass angemessene Bekleidung. Wenn ich Menschen porträtiere, einen Vortrag halte oder einen Workshop gebe, kleide ich mich sorgfältiger als wenn ich auf dem Boden liegend Interieur fotografiere.

Bei der Münchner Shoppingnacht, die ich als Eventfotografin jedes Jahr begleite, kann man mich sogar in Regenjacke und Turnschuhen antreffen – kein Outfit, das man sonst oft an mir sehen wird. Aber bei mehr als 6 Kilometer Fußmarsch am Abend und wechselnden Wetterbedingungen müssen auch die geliebten roten Schuhe passen.



„Muster waren noch nie meins.” (2005)

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Wasser, Seife und Naturkosmetik. Dazu viel Wasser, Bewegung und ausreichend Schlaf. Letzteres klappt jobbedingt nicht immer. Da merkt man dann schon auch mal, dass man nicht mehr 25 ist.

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Eine Pflegecreme von Dermasence, ein Shampoo (gerne von Lavera) und Mascara.

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Bevor es dazu käme, würde ich freiwillig drei Stunden Sport täglich machen. Nein, im Ernst, ich habe Verständnis für Menschen, die diesen Weg gehen, aber für mich sind Spritzen und plastische Chirurgie kein Alternative.



In Venedig, 1998.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Vielleicht klingt das jetzt etwas abgedroschen, aber für mich ist Schönheit wirklich die innere Zufriedenheit. Wenn es meinem Kopf gut geht, fühlt mein Körper sich auch wohl und ich habe eine bessere Ausstrahlung, als wenn ich müde und unzufrieden bin. 

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Die Herausforderung besteht darin, fit zu bleiben, damit mir die Energie nicht ausgeht. Ich möchte noch so viel machen, erleben, lernen und bereisen. Dazu brauche ich Energie und mit der muss ich natürlich bewusst und sinnvoll haushalten.

Überraschend ist das zwar nicht, aber doch unheimlich praktisch: der große Erfahrungsschatz, auf den ich bauen kann und den ich immer noch vergrößern will.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

„Jeder Nachteil hat seinen Vorteil“ sagte einmal die niederländische Fußballlegende Johan Cruyff. Dieser Satz hat so viel Tröstliches, Aufbauendes und Mut machendes. Ich mag ihn sehr.

Vielen Dank fürs Dabei sein, liebe Simone! Es war mir eine Freude! Achja, und über deine Trainings in Sachen Smartphone- und Social-Media-Fotografie müssen wir noch mal reden! :-)

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 14. März 2016, 06:00 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 3468 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: simone naumannschönheitmontagsinterviewmodeinterviewfrauen ab 50fotografinanti-agingälter werden
Das könnte auch interessant sein:
Frauen ab 50: Das Montagsinterview mit Ewa Jostes.
Frauen ab 50: Das Montagsinterview mit Karin Buhl.
Frauen über 50: Das Montagsinterview mit Prof. Dr. Nicole Mölders.
 

Kommentare

  • Oh, da kann ich mich in vielen Punkten wiedererkennen!
    „Dressed for the occasion” ist eine Aussage, die ich nur unterstreichen kann und man muss ja seinen eigenen Stil nicht aufgeben, sondern eben nur dem Anlass entsprechend umsetzen. Das mache ich sogar sehr gerne!
    Das Schönheitsgeheimnis und das Mantra gefallen mir auch…
    Nun buchen wir nur noch die Fotografie und Social Media Trainings, nicht wahr, Susi?

    LG
    Annette | Lady of Style

    Annette
    am Dienstag, 15. März 2016 um 10:14 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ein spannendes Interview und ein Schönheitsgeheimnis, das ich gar nicht abgedroschen finde, sondern einfach nur wahr. ;)

    Lieben Gruß,
    Anna

    Anna
    am Montag, 14. März 2016 um 20:44 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke liebe Susi! Es war mir ein Vergnügen und über die Smartphone Fotografie können wir sehr gern reden.
    #wennderkellertrockenist

    Simone Naumann
    am Montag, 14. März 2016 um 16:28 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • ach, wat isses mal wieder schön! Simone, ich fühle mich dir irgendwie verwandt…. Ein schönes Gefühl! Und schließe mich ganz vielem sofort an:
    1. Amsterdam, Cora Kemperman… (auch wenn ich beides in „meinem Interview” nicht namentlich genannt habe und Cora Kemperman lang für eine Belgierin hielt. Ich hab sie nämlich in Brüssel und Gent entdeckt…)
    2. Und der Definition „Mode als persönliche Kostümierung” je nach Anlass sowieso…

    Dank an euch beide!
    Herzlichen Gruß
    Maria

    Maria
    am Montag, 14. März 2016 um 12:14 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Ja Maria, ich finde es so klasse Gemeinsamkeiten zu entdecken und Neues kennen zu lernen. Die Montagsinterviews haben mir schon tolle Empfehlungen gegeben. Cora Kemperman gibt es ja nun auch als Onlineshop. Was mich sehr freut. :) 
      Herzliche Grüße zurück, Simone

      Simone Naumann
      am Montag, 14. März 2016 um 16:34 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar:
 
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
  • Name*
     
  • Email*
     
  • Website
     
  • Kommentar*
     
  • CAPTCHA*
      
  •  
  •  
  •  
 
 

Zum nächsten Beitrag: Mode am Mittwoch: High Heels und ich.

Zum nächsten Beitrag.

Zum vorherigen Beitrag: Wochenend-Wow: weiße Vintage-Tasche. Von Lanvin!

Zum vorherigen Beitrag.


Texterella per Mail abonnieren:







Herzblutdinge

Herzbluttexte




WERBUNG













KOOPERATIONEN




 
WERBUNG

© 2017 texterella.de | Susanne Ackstaller

Site by blogwork.de und Sibylle Zimmermann, hz-konzept.de