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„Irgendwas mit Text” war schon immer Jutta Scherers Berufswunsch: Wollte sie während der Schulzeit Romanautorin und nach dem Abitur erstmal Journalistin werden, so hat sich Jutta dann doch für ein Übersetzer-Studium (Englisch, Portugisisch, Arabisch (!!)) entschieden - und schlussendlich einen beruflichen Mix aus Schreiben, Redigieren und Übersetzen daraus gemacht.

Mit 40 hat sich Juttas Leben total verändert: Nach der Geburt ihrer Tochter verließ sie einen attraktiven Job und wagte den Sprung in die Selbständigkeit. Was zeigt: Man wächst nicht nur mit Herausforderungen, sie halten eine auch jung - und faltenfrei. Juttas Tochter ist mittlerweile nämlich 14. Und Jutta - 54 (auch wenn man es nicht glauben mag).

Aber vielleicht liegt es auch an der Mischung aus Gelassenheit, Zufriedenheit (im besten Sinne!) und Lebenfreude, die Jutta ausstrahlt?


Oktober 2012. Foto: Lisa Graf-Riemann

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert? Welche Stilrichtung bevorzugst du?

Mode gehört zu den Dingen, die das Leben vergnüglicher machen. Ich sehe sie eher als Spiel: Klar ist es gut zu wissen, was gerade angesagt ist – viel wichtiger aber finde ich, dass man seinen eigenen Stil entwickelt. 

Veränderungen im Lauf der Jahre: eigentlich nur die übliche altersbedingte Mäßigung ;-). Ich bin schon immer mit der Mode gegangen, und natürlich war ich als junge Frau etwas mutiger als heute - aber schon damals habe ich nicht jeden Trend mitgemacht.

Mein Alltagsstil ist meist lässig; in Jeans und Stiefeln fühle ich mich einfach am wohlsten. Wobei ich schon mal gerne mit einem ausgefallenen Oberteil oder schönem Schmuck aufpeppe. Oder auch mit einer hübschen Brille – davon habe gleich mehrere, die zu jeweils unterschiedlichen Looks passen. Zu besonderen Anlässen brezle ich mich aber auch gerne mal richtig auf; ich liebe es, hin und wieder komplett den Stil zu wechseln. Das war auch schon früher so. Ich weiß noch: Zur Uni bin ich damals in einer alten Army-Jacke und Turnschuhen gegangen – aber ich hatte auch einen engen Pepitarock und Pumps im Schrank.

Klare Linien liegen mir eher als Verspieltes, und ich mag schöne Farbkombinationen. Auch mixe ich sehr gerne: Brave Teile mit flippigeren, preiswerte mit edleren Stücken. Bei Taschen mache ich keine Kompromisse: Da müssen Material und Verarbeitung gut sein, nichts darf „billig” schreien. Ich habe eine ganze Truhe voll – viele davon aus Italien.

Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich öfter Desigual tragen. Der Stil passt gut zu meinem Farbtyp und meinem Temperament. Aber leider gibt’s die Sachen nur in kleinen Größen, dabei wären viele der Schnitte auch für üppigere Frauen geeignet. Warum sich manche Modefirmen ein ganzes Marktsegment entgehen lassen – und dann noch eines, das durchaus auch mal Geld in die Hand nehmen würde –, ist mir ein Rätsel.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Hm, schwierig. Wenn überhaupt, sind das meine geblümten Turnschuhe. Die habe ich seit Jahren, und ich werde sie wohl erst entsorgen, wenn sie wirklich auseinanderfallen. Warum ich sie liebe? Weil sie einfach Pep haben und nicht 08/15 sind.

Was ich in letzter Zeit wieder für mich entdeckt habe, sind Kleider. Zum Beispiel das graue, das ich oben auf dem Bild trage: Es ist aus einem bequemen, Shirt-artigen Stoff mit Musterprägung und hat einen Tulpenrock. Sehr gerne mag ich auch dieses fuchsiafarbene Pashmina-Tuch; das hebt jedes unbunte Outfit, schmeichelt mir farblich und ist herrlich weich.


Very Seventies: Afro-Look!

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert?

Ich habe mir viel zu lange viel zu viele Gedanken darüber gemacht, wie frau aussehen „sollte”. Heute sehe ich das entspannter: Ich stelle zunehmend fest, dass die Ausstrahlung und eine gepflegte Erscheinung doch ungleich mehr ausmachen als das perfekte Gesicht oder die perfekte Figur. Und tatsächlich bekomme ich in letzter Zeit mehr und schönere Komplimente als früher.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte? Hast du eine Lieblingsmarke?

Moderne Produkte können vielleicht einiges bewirken – aber immer in den Grenzen, die die eigenen Gene gesetzt haben. Schon gar nicht glaube ich, dass teure Cremes mehr können als günstigere; das haben ja auch einschlägige Studien bewiesen. Insofern kombiniere ich auch hier teuer mit günstig.

Meine Gesichtspflege ist seit Jahren Nivea. Ganz in der Tradition meiner Oma, die noch mit 80 kaum Fältchen hatte und deren Kosmetik aus Kernseife und der „blauen Dose” bestand. (Ich hoffe, von ihren Genen viele abbekommen zu haben…) Auf die Tagescreme kommt loser Puder von Dior.

Ein schöner Duft gehört für mich immer dazu. Ich bin ein Nasenmensch, und gutes Parfüm fällt mir auch bei anderen häufig auf. Nichts Schöneres, als wenn ein gepflegter Mensch auch angenehm duftet! In meinem Regal finden sich fast jederzeit Paloma Picasso, Gil Sander Woman, DKNY von Donna Karan, L’Eau d’Issey, diverse Düfte von Calvin Klein, außerdem immer mal wieder neu Entdecktes.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Außer den üblichen – gesunde Ernährung, Schlaf, Frischluft, Bewegung und Entspannung – vielleicht dies: Ich gehe nie aus dem Haus, ohne losen Puder aufgetragen zu haben. Ein glattes Hautbild macht schon viel aus, finde ich.

Wichtig sind auch die richtigen Farben. Unglaublich, was für einen Unterschied es ausmachen kann, ob man eine Farbe aus der „eigenen” Palette trägt oder nicht. 

Ich selber bin ein Wintertyp. Man sagt, das sei der einzige, der Schwarz wirklich gut tragen kann. Und tatsächlich komme ich nach kurzen Ausflügen in andere Farbwelten immer wieder auf Kombinationen aus Schwarz (oder Grau) und einer klaren Farbe zurück – wie etwa Kirschrot, Meergrün, Fuchsia, sogar Neongrün.


Die Achtziger: ein bisschen Posing. ;-)

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Seit letztem Silvester habe ich tatsächlich eines: „Ich bin nett zu mir selbst.” Das kann man sich nicht oft genug sagen – gerade als Frau.

Danke, Jutta, für das Interview!

***

Bis Anfang Januar hat diese Interview-Reihe übrigens Weihnachtsferien. Macht aber nicht, denn mehr Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 kannst du zwischenzeitlich hier lesen: Click and enjoy!

 

 

 

 
Susanne Ackstaller, Montag, 17. Dezember 2012, 09:00 Uhr
Kommentare: 9 | Aufrufe: 4821 | Kategorie: Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: stilschönheitmodekosmetikjutta schererfrauen ab 50
Das könnte auch interessant sein:
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Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Bettina Stackelberg.
 

Kommentare

  • Liebe Claudia, genau darum ging es mir! :-) Die tolle „Vielfalt” zu zeigen - und vor allem: dass sich nicht mit 30 aufhört! Im Gegenteil! :-)

    Susi
    am Dienstag, 18. Dezember 2012 um 07:19 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ein geniales Interview und tolle Fotos—die belegen 1 a, dass Jutta mit den Jahren immer schöner und strahlender wird. Kein Wunder, dass du so viele Komplimente erntest! Und das mit der netten Gesellschaft ist wahr, da lächelt es sich gleich doppelt entspannt.

    Petra
    am Montag, 17. Dezember 2012 um 14:03 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Donnerwetter, das Afro-Foto verleiht diesem schönen Interview eine ungebändigte Note.

    Birgit
    am Montag, 17. Dezember 2012 um 12:01 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi,
    ich liebe Deine Montagsinterviews, denn Du zeigst: Jede Frau ist anders.

    Ein ganz großes Dankeschön an alle bisher interviewten Frauen. Ihr seid durch die Bank weg toll und Vorbilder!

    Alles Liebe

    Claudia

    Claudia Troßmann
    am Montag, 17. Dezember 2012 um 11:50 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ach, liebste LIsa! Die Kunst besteht doch darin, im richtigen Moment auf den Auslöser zu tippen! Das hast Du echt drauf.

    Jutta
    am Montag, 17. Dezember 2012 um 11:43 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Das zauberhafte Lächeln macht’s, der schöne Mund, farblich perfekt auf den Schal abgestimmt, die blitzenden Augen, die Augenbrauenbögen, die exakt mit der fetzigen Brille harmonieren, die Winterfarben, der hübsche Schmuck in der passenden Länge. Das alles und Evas gute Kamera. Der Rest war nur ein Tippen auf den Auslöser.

    Lisa
    am Montag, 17. Dezember 2012 um 11:26 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke, Ihr Lieben! Ich finde das Foto von Lisa ja auch seeehr gelungen! Man sieht einfach, dass ich in netter Gesellschaft war - auch ein Schönheitstipp ;-))

    Jutta
    am Montag, 17. Dezember 2012 um 10:14 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Was? Jutta ist über 50? Da sieht man es mal wieder: Lachen hält jung ;o))

    Christa Goede
    am Montag, 17. Dezember 2012 um 09:52 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Was für ein tolles Interview - vielen Dank!

    Und jedes Mal, wenn ich lese, wie alt Jutta angeblich sein soll, glaube ich es kein Stück! ;-)

    Abgesehen davon ist das Foto, das Lisa gemacht hat, phänomenal großartig!

    Alles in allem rundherum gelungen!
    Danke für diese Interviewreihe, Susi!

    Michaela Pelz
    am Montag, 17. Dezember 2012 um 09:48 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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