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Seit Oktober 2012 gibt es die Montagsinterviews bereits. 51 Frauen habe ich porträtiert - und noch einige mehr gefragt, ob sie Lust hätten, hier dabei zu sein. Einige wenige Mal ist es mir passiert, dass ich Frauen gefragt habe, die noch gar nicht 40 waren (wenn auch knapp davor) ... Aber meistens kann ich das Alter relativ gut und richtig einschätzen.

Bei Heidrun Schoppelrey allerdings lag ich völlig daneben.

Während ich noch überlegt hatte, ob sie wohl überhaupt schon 40 (oder doch erst Ende 30) ist und mich nach einigen Recherchen und Rechnereien dann doch „getraut” habe, stellte sich im Interview heraus, dass sie gerade 53 geworden ist. 53. Wow. Und ein weiteres Mal habe ich erfahren, dass das Alter, das im Pass steht, nicht mehr ist als eine Zahl ...

Wer 53 ist, hat natürlich schon viel gesehen, viel erlebt, auch beruflich: Erst Anglistik, Amerikanistik, Germanistik und Buchwissenschaft in Erlangen, München und Charlotteville, Virginia, USA studiert. Dann viele Jahre als Lektorin und später als Pressesprecherin in Verlagen unterwegs. Vor zwei Jahren der Sprung in die Selbstständigkeit als PR-Berater und Texterin für ein breites Branchenspektrum - von DIY über Coaching bis zum Maschinenbau.

Und heute: Mode und Schönheit bei Texterella. Welcome, Heidrun!


Heidrun Schoppelrey, 53.

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Habe ich eine Einstellung zu Mode? Ja, ich achte darauf, was ich anziehe. Aber ich verfolge Modetrends nicht mehr. Eigentlich finde ich das schade. Als Mädchen konnte ich mich stundenlang in Frauenzeitschriften vertiefen und mich in die Modestrecken reinträumen. Ich habe dabei die Zeit vergessen. Heute interessieren mich Frauenzeitschriften so gut wie gar nicht mehr. Ich weiß auch nicht genau, was trendy ist. Gibt es so was wie einen Trend eigentlich noch? Und will ich trendy sein oder will ich ich sein? Lauter Fragen, die wahrscheinlich zeigen, dass ich mich doch mehr mit Mode beschäftige als ich glaube. Interessant finde ich aber schon, dass ich nicht mehr richtig einschätzen kann, was „man“ gerade trägt oder was gerade out ist. Vielleicht kleide ich mich völlig altmodisch? Ich genieße Schönes und finde, dass sich schön anziehen auch etwas mit Selbstliebe zu tun hat. Deshalb glaube ich, dass ich auch als alte Dame noch Wert auf mein Äußeres legen werde.


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Wahrscheinlich bin ich im Grunde meines Herzens ein Cowgirl: Stiefel, eine gut sitzende Jeans, ein T-Shirt oder ein Hemd. Generell mag ich klare Linien, klare Farben, klare Schnitte.


Straighter Stil statt Blümchen-Look (2010).

Obwohl ich alles andere als eine Militaristin bin, fühle ich mich in Mänteln und Jacken wohl, die einen Touch k.u.k.-Uniform transportieren. Ich denke, das liegt daran, dass die geraden Linien gut zu meiner Größe und meine schmalen Figur passen. Ich bin 1, 79 m groß und recht schlank. Blümchen, Müsterchen und Co. passen einfach nicht zu mir. Ich hab’s probiert und gemerkt: Das bin ich nicht. Apropos Figur: Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass große, schlanke Menschen die Lieblinge der Modeindustrie sind. Ganz im Gegenteil: Mit meiner Figur entspreche ich nicht der Norm: Hosen sind zu kurz, Oberteile, deren Ärmel passen, sind mir zwei Größen zu weit … Vielleicht gehe ich auch deshalb nicht allzu gerne einkaufen. Denn bis ich mal etwas finde, das dauert… Wenn ich meinen Stil benennen sollte, wäre das wahrscheinlich „sportlich-elegant“. Was ich absolut nicht mag und nie mochte sind Anzüge und Kostüme. Für mich sind das der Männermode entlehnte Rüstungen. Ich kriege schon Nackenschmerzen, wenn ich die Teile nur sehe. Ok, ich gebe zu, auch einen Anzug im Schrank zu haben (für den Business-Notfall), aber prinzipiell gilt: Ich bin eine Frau und das darf man auch sehen.

Das war nicht immer so. Körperbetonte Kleidung entdeckte ich erst mit Ende zwanzig. Das waren Röhrenjeans, Leggings (wie schrecklich!) knappe Miniröcke oder Hotpants, zu denen ich dann auch noch knallrote Strümpfe anzog. Wenn ich heute eine Tochter hätte, die so vor die Türe gehen würde, bekäme ich es mit der Angst zu tun. Aber naja, mir ist ja auch nichts passiert. Bis heute mag ich Kleidung, die sich an den Körper anschmiegt.


Sweet Sixteen: im Abendkleid zum Abschlussball.

Eine Liebe, der ich schon seit Teenagerzeiten treu bin, sind Kleidungsstücke, die man um sich herum wickelt. Eines der ersten dieser Art war ein Abendkleid, dann kamen Wickelröcke in den unterschiedlichen Längen. Aktuell haben Wickeljacken einen Stein bei mir im Brett. Ich kann nicht sagen, dass ich danach suche. Sie kommen zu mir und das finde ich immer wieder sehr amüsant.


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Konkrete Vorbilder hatte ich nie. Meine Inspirationen beziehe ich aus dem Alltag: Von Freundinnen, Kolleginnen, Frauen auf der Straße. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass ich mir etwas „abkucke“. Spannend finde ich Frauen, die auch mal in die Extreme gehen. Früher traf man an den Ständen der US-Verlage auf der Frankfurter Buchmesse häufig Frauen, die für europäische Verhältnisse extrem ungewöhnlich aussahen: Gestylt, aber schräg. Mit unglaublichem dunkelblauen Lidschatten, Schmetterlingsbrillen, big hair und Twinsets, die dazu in krassem Gegensatz standen … Styling jenseits jedes Trends, sehr individuell, wie aus der Zeit gefallen. Ich mag so was. Trauen würde ich mich das selbst nur an Fasching. Aber vielleicht sollte ich es mal probieren! 



Ein bisschen Cowgirl ... (2010)


Obwohl: Während des Studiums arbeitete ich samstags bei einem eleganten Herrenausstatter. Da mein Kleiderschrank mit dem Niveau des Ladens nicht mithalten konnte, rettete ich mich oft mit schrägen Outfits. Die Klamotten, mit denen ich in die Boutique stöckelte, hätte ich in der Uni nie getragen. Schrägheit sticht Marke, sozusagen: Ich erinnere mich an eine Kombination aus einem knielangen, giftgrünen Bleistiftrock mit kleinen Fältchen links und rechts am Saum (damit man wenigstens noch einen Fuß vor den anderen setzen konnte) und einer langen Bluse mit psychodelischem Muster in verwandten Farben (Ton in Ton – darauf stand ich schon immer). Die Bluse verknotete ich auf Taillenhöhe, der oberste Knopf wurde geschlossen, der Hemdkragen hochgestellt. Dann noch die Schulterpolster reingepackt. Unter der gebobten Dauerwelle blitzten Ohrringe hervor, an denen unten einen moppeliges weißes Herz baumelte (Jeff Koons lässt grüßen). Tja, das waren die Achtziger! Wäre mal interessant gewesen, ob ich mit diesem Outfit den Umsatz der Van-Laack-Hemden und der Windsor-Krawatten nachhaltig beeinflusst habe. Jedenfalls kam ich regelmäßig etwas zu spät, weil ich in dem engen Rock das Kopfsteinpflaster der Nürnberger Altstadt nur schwer bewältigen konnte.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Eines meiner Lieblingsstücke ist eine blaue doppelreihige Winterjacke im Military Style von Nicowa. Sie hat einen Reverskragen, große Goldköpfen vorne und an den Ärmeln und aufgesetzte Taschen.


Lieblingsteil im Military-Look. (2013)

Sie fällt schon fast auseinander, aber ich bringe es einfach nicht fertig, sie wegzuwerfen. Ich bin – auch was Kleidung anbetrifft – eine treue Seele.


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Es ist ja so eine Plattitüde: Aber Schönheit kommt für mich wirklich von innen. Viele gut gekleidete, schöne Menschen lösen gar keine Reaktion bei mir aus. Hinschauen muss ich dann, wenn ich das Gefühl habe, da ist eine Persönlichkeit, da kann ich „Seele“ spüren. Als ich jung war, habe ich das schon etwas anders empfunden. Da haben mich schöne Fassaden wesentlich mehr beeindruckt als heute. Ich habe mich auch mehr verglichen. Das Schöne am Älterwerden ist ja, dass man mehr kapiert über das Leben und sich nicht mehr so leicht verunsichern lässt – auch in Sachen Mode.


Mitte der 90er: ein bisschen Posing.

Je älter ich werde, desto mehr merke ich natürlich auch, dass Schönheit Pflege braucht. Sie ist nicht selbstverständlich. Da ich oft für viel jünger gehalten werde als ich bin, ist mir erst in den letzten zwei, drei Jahren aufgefallen: Huch, mein Körper verändert sich. Das war schon ein kleiner Schreck. Wenn Freundinnen über ihr Gewicht, ihre Falten und die grauen Haare klagten, war ich immer diejenige, die beruhigte und relativierte. Jetzt entdecke auch ich an meinem Körper Dinge, die mir nicht unbedingt gefallen. Das ist schade, denn ich finde es ist das Allerwichtigste, sich selbst in jeder Lebenslage anzuerkennen und zu lieben. Angesichts des weit verbreiteten Selbstoptimierungswahns ist das gerade für Frauen nicht immer einfach. Ich wünsche mir wirklich, dass ich mir erlaube, in Frieden und Freude alt zu werden.


Anfang 20 und endlos laaaange Beine.


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Wasser und Seife wären für mich zu wenig. Schon wegen der trockenen Haut. Ich habe aber auch gelernt, dass viel nicht immer viel hilft. Viel teuer zum Beispiel: Durch hochpreisige Edelmarken habe ich mir in der Vergangenheit scheußliche Allergien eingehandelt (eine Augenärztin erklärte mir mal, dass ich mich nie wieder schminken dürfte). Deshalb bin ich sehr vorsichtig geworden bei der Wahl von Kosmetikprodukten. Im Zweifelsfall wähle ich eher Bio. An die Versprechungen der Kosmetikindustrie glaube ich nicht. Dass Hyaluron-Cremes bereits bestehende Fältchen auffüllen sollen, halte ich, gelinde gesagt, für einen Witz. Dass ich meinem Körper etwas Gutes tue, wenn ich auf seine Bedürfnisse reagiere und ihn zum Beispiel regelmäßig mit erdöl- und parabenfreien Lotionen eincreme, das weiß ich.


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Oh weh. Waschbeutel weg. Das würde mir gar nicht gefallen. Unbedingt bräuchte ich für meine trockene Haut eine Körperlotion. Am liebsten das Pflegeöl Moor Lavendel von Dr. Hauschka. Dann natürlich eine Zahnbürste und eine Gesichtscreme von Dermaviduals. Dürfte ich mir vielleicht doch noch einen Lippenstift besorgen?


Trauzeugin, Ende der 80er: Huch, mit Rüschen!


Hast du ein Schönheitsgeheimnis? Wenn ja, welches?

Ich finde, Entspannung und Genießen machen schön. Deshalb: Relax, honey (siehe unten). Dabei helfen: atmen (das vergisst man ja gerne mal …), ein schönes Bad nehmen, spazieren gehen, tanzen bis ich umfalle, lachen, gut essen und trinken, sich selbst mögen.


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Während meines Studiums in den USA habe ich einen Tanzkurs gemacht. Nicht meinen ersten. Ich hatte also eigentlich keinen Grund, nervös zu sein, als ich mit dem hünenhaften Tanzlehrer Fred aus Roanoke, Virginia, den Cha-Cha-Cha vortanzen musste. Doch vor Schreck verfiel ich in eine regelrechte Schockstarre und stolperte mit ihm durch den Grundschritt. Ohne auch nur die Mundwinkel zu verziehen, raunzte er mir im breitesten Südstaatenslang zu: „Relax, honey, relax.“

Dieser Satz hat Fred für mich unsterblich gemacht.

Danke, liebe Heidrun, fürs Dabeisein! Und Relax! lässt einen mit 53 also aussehen wie mit Ende 30? Dann werde ich das im nächsten Jahr mal ganz ... entspannt angehen! :-)

***

Die Montagsinterviews machen bis zum 13. Januar Weihnachtspause (alldieweil bei uns in Bayern am Montag, 6. Januar, ja Feiertag ist :-)) Bis dahin kannst du hinterm Klick ganz viele spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 lesen. Klick!

Danke an dieser Stelle an all die tollen Frauen, die im letzten Jahr an dieser Interviewreihe teilgenommen haben - und an alle ebenso tollen, die sich jeden Montag aufs Lesen freuen!


 

 

 
Susanne Ackstaller, Montag, 16. Dezember 2013, 08:00 Uhr
Kommentare: 8 | Aufrufe: 8362 | Kategorie: Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: texterinschönheitpr-beraterinmontagsinterviewmodeinterviewheidrun schoppelrey
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Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Annette Jarosch.
 

Kommentare

  • Wieder ein sehr, sehr schönes und interessantes Interview! Heidrun im Abschlussballkleid - umwerfend!!!

    Jutta
    am Sonntag, 29. Dezember 2013 um 21:07 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Dass Heidrun toll aussieht, weiß ich schon lange, doch was für eine wunderbare Einstellung sie zu Mode und Beauty hat, hat dieses Interview mir gezeigt. Danke dafür!

    Petra
    am Freitag, 20. Dezember 2013 um 14:14 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Vergessen: Sie hat was von Meg Ryan (vor den OP’s natürlich)und Lady Di. Guter Mix!

    Sabina Wachtel
    am Mittwoch, 18. Dezember 2013 um 11:52 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich sag’ ja immer: die ersten 30-40 Jahre dienen der Vorbereitung auf das was dann kommt…wie man sieht ist sie bestens vorbereitet!

    Sabina Wachtel
    am Mittwoch, 18. Dezember 2013 um 11:31 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Was für eine schöne Frau. Was für ein schönes Interview. Und was für ein gutes Mantra:„Relax, honey, relax.“

    Petra
    am Montag, 16. Dezember 2013 um 18:29 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Hach!
    Wenn ich mal 53 bin, möchte ich auch so lange Beine haben ... ;-) (ich fürchte nur, das wird nix mehr).
    Sehr großartige Geschichten von einer (weiteren) tollen Frau!
    Danke an beide für das Interview!

    Michaela
    am Montag, 16. Dezember 2013 um 17:05 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • „relax, honey, relax” - sehr gut. Und aus dem Mund eines Südstatlers beim Tanzen… Tolles Interview, danke, Heidrun und Susi.

    Jette
    am Montag, 16. Dezember 2013 um 15:09 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Waaaaaaaas? 53? Glaubichnicht. Susi, hast Du Dir den Ausweis zeigen lassen?

    Ansonsten: Mal wieder ein schöööönes Interview. Danke Euch beiden!

    Jutta
    am Montag, 16. Dezember 2013 um 13:32 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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