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Frauke Watson ist nicht nur die einzige Frau, die ich kenne, die - wie ich - Iris Apfel mag, sie ist auch die einzige, die einen waschechten Super-Yacht-Kapitän heiratete und mit ihm seitdem um die Welt zieht: Viele Jahre Südfrankreich, dann die USA und jetzt Isle of Man - Frauke hat beneidenswert viel gesehen!

Dabei wollte sie eigentlich Archäologin oder Geologin werden - um dann aber (wegen ihrer Mathe-Schwäche) doch lieber Amerikanistik und Skandinavistik zu studieren. Nach Stationen in Werbe-, Kommunikations- und Presseabteilungen hat sie sich mit über 40 beruflich noch mal komplett neu orientiert und ist heute - mit fast 53 - als Übersetzerin für skandinavische Sprachen, Englisch und Französisch erfolgreich selbstständig. 

Ich habe Frauke - und ihre direkte, warmherzige Art - vor einigen Jahren auf twitter kennen gelernt. Als mir die Idee für die Interview-Reihe kam, wusste ich sofort, dass ich auch sie dabei haben wollte ...

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert? Welche Stilrichtung bevorzugst du heute?

Ich bin eher Eklektikerin und habe schon immer gern mal den Rahmen gesprengt. Meine Schrillteile präsentieren sich jedoch immer vor einer eher klassischen Kulisse, denn ich bin nur mittelgroß und meine etwas vierschrötige Figur erlaubt mir nicht viel spielerisches Beiwerk. Deshalb habe ich im Laufe der Zeit auch eine heftige Abneigung gegen allzu viele Rüschen, Schnallen, Knöpfchen, Fältchen, Läschchen und Täschchen entwickelt.

Meine Mutter hatte Schneiderin gelernt und meine Schwestern und mich immer mit selbst Genähtem eingekleidet, das auch manchmal etwas aus dem Rahmen fiel (Apfel, Stamm ...). Natürlich habe ich anfangs der Mode zu folgen versucht. Aber wer in den 1970er-Jahren einen runden Hintern in der Büx hatte, weiß sicher ein Lied von den Höllenqualen zu singen, die ihnen hautenge Schlaghosen bereitet haben.


Die 70er: Frauke als Studentin mit Anfang 20.

Ich pfeife inzwischen auf wohlfeile Modetipps, denn danach müsste ich beispielsweise gerade geschnittene Palazzohosen tragen. Damit sehe ich aber – um es mit Mae West zu sagen – leider aus wie ein Edwardianisches Klavier. Ich mag die schlichten, eleganten Formen der 1960er-Jahre: dreiviertellange Ärmel, halsferne Kragen und an den Knöcheln schmal zulaufende Hosen – die mir entgegen aller Lehrmeinung ausgezeichnet stehen – und flache, schlichte Schuhe. In gewisser Weise bin ich eine (aus eher offensichtlichen Gründen) verhinderte Audrey Hepburn. Besonders Italien ist dafür eine wahre Fundgrube – Italiener haben einfach ein angeborenes Gefühl für Stil und Passform und es muss dabei noch nicht einmal ein edles Teil sein.

Überhaupt ist das Gebot der Passform und Kleidergröße in letzter Zeit ein Lieblings-Hassthema. Früher konnte ich Kleidungsstücke, von denen ich wusste, dass sie mir von der Form her standen, ohne Anprobieren kaufen. Da sich mit zunehmendem Alter die Figur etwas verändert, geht das nicht mehr – ich korrigiere: überhaupt nicht mehr. Die Vorstellung von Passform scheint ab 45 für eine andere Spezies zu gelten. Ich besitze inzwischen bei Kleidergröße 42 etliche Oberteile der Größe 48, die fantastisch sitzen. Dabei ist meine Figur nicht einmal unausgewogen.

Während ich Farben durchaus liebe – in den letzten Jahren vor allem Limettengrün, blaustichige Lilatöne, Türkis und durchaus auch mal Rosa – vermeide ich Muster, weil ich mir damit tapeziert vorkomme. Und mein kleines Schwarzes würde eher ein kleines Graues oder Braunes werden. Da ich schon sehr früh ergraut bin, vermeide ich Schwarz und trage dafür viel Grau und Weiß. Meine Lieblingsfarbe ist Grün und seltsamerweise steht sie mir auch sehr gut – viele Frauen haben damit Probleme. Farben, die mir überhaupt nicht stehen, sind Marineblau, Knallrot oder Orange.


„Working Girl” in den 80ern. Die schon damals grauen Haare waren rot gefärbt.

Meine Kleiderwahl ist eigentlich unterschwellig immer davon bestimmt, dass ich es hasse, mich zu verstellen. Sowie ich das Gefühl habe, dass ein Kleidungsstück etwas inszeniert, das mich nicht repräsentiert, wandert es in den Kleidersack. Es kann also durchaus mal ein Schrillteil sein, wenn Freunde und Familie dabei ausrufen: „That’s so YOU!“ Denn ich habe durchaus eine Schwäche, wenn auch nicht das Portemonnaie, für Kenzo oder Christian Lacroix und ich verehre Mode-Ikonen wie die New Yorkerin Iris Apfel. Meine Extravaganz beschränkt sich aber meist auf ein ausgefallenes Schmuckstück (das auch schon wieder nicht allzu groß sein darf) oder eine meiner dreißig Millionen Handtaschen. Hüte stehen mir fantastisch, aber ich habe am liebsten gar nichts auf dem Kopf, nicht einmal bei Regen.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Ich habe eine Schwäche für Devoré und besitze mehrere einfarbige Oberteile mit eingewirkten oder eingeätzten Mustern. Im Zweifelsfall greife ich immer wieder auf ein schlichtes blassrosa Baumwoll-T-Shirt mit Devoré-Möwen zurück, das ich vor einigen Jahren in Dänemark gefunden habe.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert?

Meine Grundeinstellung hat sich nicht wesentlich verändert. Ich war nie eine ausgesprochene Schönheit und habe von Kindesbeinen an alte Menschen gemocht. Ich habe zudem oft beobachtet, nicht zuletzt bei meiner eigenen Großmutter, dass viele Menschen durch Altern gewinnen. Daher stehe ich dem Alter an sich nicht negativ gegenüber. Natürlich ist das ein ganz anderes Paar Schuhe, wenn man dann selbst in die Jahre kommt. Als Kind fand ich die weißen Haare von Oma und Urgroßmutter und die an Sommersprossen erinnernden Altersflecken wunderschön. Inzwischen habe ich sie selbst und meine Begeisterung hat sich doch etwas relativiert.

Andererseits sind auch schöne Menschen nur dann wirklich schön, wenn sie Ausstrahlung haben. Zuviel „Schönheit“ langweilt mich sehr schnell. Mimik und Gestik sind von elementarer Wichtigkeit – auf Fotos kommt so etwas selten zum Ausdruck. Ich selbst habe eine lebhafte Mimik und geradezu südländisch ausladende Gestik. Momentaufnahmen von mir sind daher eher meist ausgesprochen unglücklich. Solange man authentisch bleibt und das Interesse an der Umwelt nicht verliert, kann man eigentlich nicht viel falsch machen.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte? Hast du eine Lieblingsmarke?

Ich bin von Haus aus in der Hinsicht eher faul und habe das Glück, eine relativ gute Haut geerbt zu haben. Möglicherweise hätte ich ein paar weniger Falten, wenn ich Feuchtigkeitscreme etwas konsequenter angewendet hätte. Die Frau eines Onkels war in den 1970er-Jahren eines der Oil-of-Olaz-Gesichter. Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb Oil of Olaz fast mein einziges regelmäßig verwendetes Produkt ist. Ich finde es aber auch wirklich gut und vor allem praktisch, denn es zieht schnell ein und kommt in einer gut transportierbaren Flasche.

Analog zu meinem Bekleidungskonzept verwende ich eigentlich nur dunkelbraune Mascara regelmäßig. Es schwirren ein paar hoffnungsvolle Kajalstifte in meinem Kulturbeutel herum, die aber meist eines einsamen Todes sterben. Wenn ich doch mal großes Makeup brauche, beschränkt sich das meist auf Puderlidschatten in sehr sanften Brauntönen. Aber nur, wenn meine Tochter da ist, damit sie Verschmierungen rechtzeitig überprüfen und korrigieren kann, denn meine Arme sind doch inzwischen recht kurz ... Da sich meine Finger durch meine Basteleien meist in einem desolaten Zustand befinden, ist Nagellack für mich tabu. Wenn ich ihn doch einmal verwende, dann meist auf den Zehennägeln, denn meine Füße sind so ziemlich das Hübscheste an mir. Meine Lieblingssorte war lange Zeit „Rose Bleuté Rosé”, ein irisierender, transparenter Lack der französischen Firma Innoxa. Ich muss unbedingt einmal sehen, ob ich ihn wiederfinde.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

„Schön“ liegt einzig und allein im Auge des Betrachters ist dazu sehr von der Tagesform abhängig. Ich gehe sehr gern spazieren und bin jeden Tag mit (und oft zusätzlich auch ohne) Hund an der frischen Luft. Eine gepflegte Erscheinung ist ein Zeichen von Respekt für die Menschen, denen man begegnet. Wie attraktiv man über diesen ersten Eindruck hinaus jedoch für andere ist, richtet sich danach, wie man mit ihnen umgeht, ob man sie interessieren kann und ob ein Lebensfunke überspringt. Je wahrgenommener sich das Gegenüber fühlt, als desto schöner wird man selbst empfunden.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

„Lüge nie, denn du kannst ja doch nicht alles behalten, was du einmal gesagt hast.” (Konrad Adenauer)

Danke für dieses unterhaltsame Interview, liebe Frauke!

Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hier: Klick and enjoy!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 22. Oktober 2012, 10:00 Uhr
Kommentare: 3 | Aufrufe: 5019 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: stilschönheitmodeinterviewfrauke watsonfrauen ab 50
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Kommentare

  • Faszinierend, wie unterschiedlich die Antworten und Ansichten sind.  Viel spannender als der Interview-Eintopf der Modegazetten.

    Birgit
    am Montag, 22. Oktober 2012 um 18:05 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Gut, dass ich auf den Basteleien-Link geklickt habe. Sonst wäre mir nie aufgefallen, dass sie DIE Frauke Watson ist, von der ich zwei Kinderbücher im Regal habe (die von meiner Freundin illustriert wurden). Da wird sie ja gleich noch sympathischer :)

    Gesa
    am Montag, 22. Oktober 2012 um 11:19 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Super, das habe ich vielleicht gerne gelesen! Und die tolle Frau, die mich vor ein paar Wochen besucht und die ich an dem Tag zum ersten Mal im echten Leben gesehen habe ich in diesen Zeilen absolut wiedererkannt und geradezu vor mir gesehen! Schön :)

    antje
    am Montag, 22. Oktober 2012 um 11:03 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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