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Ich weiß, dass viele Frauen die Montagsinterviews lieben, weil es so spannend ist, wenn andere aus ihrem Leben erzählen. Mir geht ganz genauso! Jedesmal, wenn ich die Antworten lese, kriege ich Herzklopfen! Besonders tolll ist es, wenn ich Frauen, die ich schon länger kenne, mal ganz neu und anders kennen lernen darf.

Zum Beispiel Felicitas Römer. Von ihr erfuhr ich, dass sie nicht nur vier Kinder (29, 23, 18 und 11), sondern auch bereits ein Enkelkind von sechs Jahren hat. Und dass sie, die ich bislang als Journalistin und Autorin (von acht!! Büchern) wahrgenommen hatte, vor ein paar Jahren eine Ausbildung zur sytemischen Paar- und Familientherapeutin gemacht hatte.

Dabei begann alles eigentlich ganz klassisch journalistisch: mit einem Studium der Literaturwissenschaften, Soziologie und Germanistik, gefolgt von einer journalistischen Ausbildung. „Ich schrieb über Kultur und über Reisen – allerdings ohne zu reisen.“ Danach arbeitete sie in einer hippen Online-Redaktion, in der es jedoch als ziemlich uncool galt, drei Kinder zu haben. „Nach einer Weile war ich die zotigen Sprüche über meinen ‚Reproduktionsfleiß’ leid und begann eine therapeutische Ausbildung.” Dann bekam sie flugs noch ein viertes Kind und machte sich beherzt selbstständig.

Seitdem schreibt Felicitas nur noch über Themen, die ihr wirklich am Herzen liegen: Kinder, Familie, Partnerschaft. „Die Kombination aus Therapie, Beratung und Schreiben finde ich ganz wunderbar! Ich bin froh, dass ich den Sprung gewagt habe!“

Und ich bin froh, sie heute im Montagsinterview dabei zu haben!



Felicitas Römer, 50.

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Obwohl ich durchaus immer mal ein paar schicke Kleidungsstücke in meinem Schrank beherberge, wage ich trotzdem zu behaupten, dass Mode in meinem Leben eine bedenklich untergeordnete Rolle spielt. Das war schon immer so. Ich kenne mich mit Marken kaum aus und gehe ungern shoppen. Ausnahme: Schuhe. Schuhe gehen immer. Warum? Weil Schuhe einfach Schuhe sind. Und weil ich mich beim Schuhkauf in keine neonbeleuchtete, miefige Umkleidekabine quetschen muss, in der man jede kleinste Delle seines Körpers schmerzlich vorgeführt bekommt.


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Ich bin ein simpler Jeans-und-T-Shirt-Typ. Und wenn es etwas offizieller sein soll, kommt einfach ein Jacket darüber. Stiefel(chen) mit ein wenig Absatz oder Pumps dazu, fertig. Hemden und Blusen fanden erst in späteren Jahren den Weg auf meine Kleiderbügel, hängen dort dann aber auch meistens traurig herum.



Lässige 16. (1980)


In meiner Jugend war es ja cool, im Schlabberhemd und einer pink gefärbten Latzhose herumzulaufen. Das war sehr lässig und obendrein noch kostengünstig. In meiner Studienzeit hatte ich ebenfalls kein Geld für Klamotten, und wegen meiner beiden kleinen Kinder auch weder Zeit noch Nerven, mich mit dem Thema Mode auseinander zu setzen. Ich kaufte das Nötigste bei Wal-Mart während des Familieneinkaufs. War mir doch egal, wie ich aussah.

Irgendwann kam dann mal eine Phase, in der ich Blümchenkleider liebte, das müssen die 90er Jahre gewesen sein, als ich H & M entdeckte.

Ich muss aber zugeben, dass ich mittlerweile viel mehr Wert auf Kleidung lege als früher. Je älter, desto eitler!



Blümchenkleiderphase! (1992)


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Nein. Ich habe nur immer diejenigen Menschen beneidet, die einen wirklich erkennbaren eigenen Stil hatten, der sie unverwechselbar machte. Ich hatte immer das Gefühl, mich modisch eher so planlos durchzuwursteln. Ich kam mir langweilig und konturenlos vor. Charisma? Hatten alle anderen, aber ICH doch nicht! Es hat sehr lange gedauert, bis ich kapierte, dass ich durchaus auch einen (Mode- und) Lebensstil habe – vielleicht einen weniger spektakulären, aber eben MEINEN.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Ein knielanges, blaues Kleid mit weißen Punkten! Ich kaufte es mit 17 für 4 DM (!) auf einem Flohmarkt, es wurde auf meiner Abifeier zum symbolischen Kostüm einer „Punktesammlerin“ und über viele Jahre mein Lieblingsteilchen. In diesem Kleid lernte ich dann mit Mitte 20 meinen Mann kennen, was dem kleinen Fetzen Stoff eine weitere tiefe Bedeutung verlieh. Irgendwann fiel es dann trotzdem auseinander. Schmerzenden Herzens musste ich es entsorgen.

33 Jahre später, nämlich letzte Woche, habe ich mir wieder ein knielanges, blaues Kleid gekauft. Und? Weiße Punkte gehen immer noch!



Pünktchenkleid – das Original! ;-) (1989)


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich habe mich ganz lange gar nicht geschminkt. Bis ich knapp 30 war, benutzte ich weder Make-up noch Wimperntusche noch Lippenstift. Das hat sich – öhm – doch sehr deutlich verändert. Was vielleicht daran lag, dass ich mir dann endlich gestattete, mich mir selbst und meinem Äußeren intensiver zuzuwenden. Oder ich wollte einfach besser aussehen. Jedenfalls gehe ich schon seit längerem nicht mehr ohne einen Hauch Make-up und leicht geschwärzten Wimpern aus dem Haus. Manchmal muss es natürlich auch fett Lippenstift sein. Länger als 5 Minuten darf das morgendliche Schminkgedöns aber keinesfalls dauern!

Auch mag ich mittlerweile feminine, zum Beispiel figurbetonte Kleidung viel lieber als früher. Obwohl ich auch durchaus zur Abwechslung nochmal eine Latzhose tragen würde. 



Pünktchenkleid-Revival. (2014)


Ich bin im Laufe meines Lebens übrigens viel zufriedener mit mir selbst und meinem Aussehen geworden. Trotz aller Alterungsspuren! Beim Kramen in den alten Fotos ist mir schmerzlich bewusst geworden, wie ungnädig ich oft mit mir selbst umgesprungen bin, und wie wenig Bewusstsein ich über meine eigene innere und äußere „Schönheit“ hatte.

Ich hasste es in meinen jüngeren Jahren zudem, fotografiert zu werden, entsprechend unergiebig gestaltete sich jetzt auch die Fotosuche: Entweder ich grimassiere heftig, habe nichts Passendes an oder trage gerade mal wieder ein Kind herum. Dass ich mittlerweile gelegentlich ein Selfie bei Facebook poste, ist für mich geradezu Revolution! 


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich bin da recht simpel gestrickt: Wenn ich gut bei Kasse bin, leiste ich mir sehr gerne Produkte von Clinique. Bin ich eher im Sparmodus, dann landet jede Menge Balea-Zeugs in meinem Einkaufskörbchen. Auch damit bin ich dann sehr glücklich. Natürlich besorge ich mir auch ständig tolle Gesichtsmasken. Leider vergesse ich oft sie aufzutragen, bis sie das Haltbarkeitsdatum überschritten haben ...



Die unvermeidliche Achtziger-Jahre-Dauerwelle! (1986)


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Hauptsache, der Schminkbeutel ist im Handgepäck! Sonst kriege ich nämlich schlechte Laune! Ich kaufe sofort eine Zahnbürste, Zahnpasta und eine gut duftende, schöne Creme für Haut und Hände, gerne etwas von Weleda oder von Clinique


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Drei Liter Wasser täglich? Gaaanz viel Liebe? Toller Sex? Nein, im Ernst, ein Schönheitsgeheimnis habe ich leider nicht. Ich weiß nur, dass ich mit mir und meinem Äußeren umso zufriedener bin, je milder ich gestimmt bin. Und dass ich auch die Schönheit anderer Menschen besser erkennen kann, wenn ich offen bin und richtig hinschaue. Denn Schönheit liegt ja bekanntlich in der inneren Haltung des Betrachters. Oder so.



Die Therapeutin. (2014)


Kleiner Gedanke am Rande: Natürlich hat Ausstrahlung viel mit Befindlichkeit zu tun. Wenn Psychotherapie wörtlich bedeutet, die „Seele zu pflegen“, und der Spruch „Pflege die Seele und du bleibst schön“ stimmt, dann könnte eine gute Psychotherapie auch schön machen, oder? ;-)


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

„Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“ (Fried) Ich übe mich in der Annahme. Das ist nicht immer leicht, macht aber vieles leichter. Vor allem im Umgang mit anderen Menschen, die ja bekanntermaßen immer schwieriger sind als man selbst ;-). Gelingt natürlich nicht immer, aber immer besser. Man bleibt ja ein Leben lang Lernende!


Danke fürs Dabeisein, liebe Felicitas! Dass man schöner ist, wenn es einem gut geht, ist unbestritten, denke ich. Vielleicht sind Psychotherapeuten ja tatsächlich die neuen Schönheitschirurgen?! ;-)

***
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Susanne Ackstaller, Montag, 07. Juli 2014, 09:00 Uhr
Kommentare: 2 | Aufrufe: 5103 | Kategorie: Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitpaartherapeutinmontagsinterviewmodejournalistininterviewfrauen ab 50felicitas römerfamilientherapeutinautorinälterwerden
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Kommentare

  • Ach, und wieder ein wundervolles Portrait einer wundervollen Frau.

    Farbenfreundin
    am Dienstag, 08. Juli 2014 um 14:14 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Herzlichen Dank für dieses erfrischende Interview. Besonders geschmunzelt habe ich bei diesen Sätzen „... besorge ich mir auch ständig tolle Gesichtsmasken. Leider vergesse ich oft sie aufzutragen, bis sie das Haltbarkeitsdatum überschritten haben ...” Das kenne ich selber nur zu gut und freue mich zu lesen, dass es anderen ebenso geht.
    Liebe Grüße
    Ulrike

    Ulrike Bergmann
    am Dienstag, 08. Juli 2014 um 13:59 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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