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Ewa Jostes gehört zweifellos zu den herzlichsten und zugleich gelassensten Menschen, die ich kenne. Und zu denen, mit dem trockensten Humor. Das W in der Mitte ist übrigens kein Vertipper, im Gegenteil: Auf das W legt Ewa als gebürtige Polin großen Wert.

Geboren in Danzig, direkt an der Ostseeküste, was ihre Liebe zum Meer – und vielleicht auch zum Reisen? – begründete, kam sie mit 22 nach Deutschland. „Ich konnte ‚Guten Tag“ sagen und ‚Oh Tannenbaum’ singen – und das war’s“. Innerhalb weniger Jahre bildete sie, die gelernte „Ökonomie-Technikerin“ („Ihr wisst nicht, was das ist? Ich auch nicht. Vielleicht habe ich deswegen nie in diesem Beruf gearbeitet.“) sich zur Dolmetscherin und Übersetzerin für Polnisch weiter, arbeitete über viele Jahre in diesem Beruf – bis sie ihre Freude am Stricken wieder in eine ganz andere Richtung verschlug und sie einige Bücher zum Thema Stricken veröffentlichte.



Ewa Jostes, 55. Wunderschön. (Foto: Conny Wenk)


Herzenswarm. Pragmatisch. Gelassen. Humorvoll. Und stark. Das ist Ewa. Wie stark sie wirklich ist, zeigt die Diagnose Darmkrebs, die sie im Sommer erhielt. „ Der Krebs ist ein recht dominantes Tier (und das muss ich wissen, denn ich bin selber Sternzeichen Krebs) – aber ich versuche immer wieder, ihn nicht mein Leben bestimmen zu lassen. Was nicht einfach ist.“, sagt sie.

Und ich sage sehr herzlich „Danke!”, dass du dir trotzdem – oder vielleicht sogar deswegen? – die Zeit für meine Fragen genommen hast.


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Mode ist ein Tier, mit dem ich nie kuscheln konnte. Ich habe mich nie für irgendwelche Trends oder Stilrichtungen interessiert. Vielleicht liegt das daran, dass ich in der Zeit, in der sich normalerweise ein Gefühl für Mode entwickelt, noch in Polen gelebt habe. In den 70er-Jahren war man dort glücklich, wenn man nicht frieren musste und überhaupt Sachen zum Anziehen hatte – ob sie nach irgendeiner Mode gingen, war zweitrangig. Später, als ich mich in Deutschland als Übersetzerin selbstständig machte, achtete ich sehr darauf, dass meine Kleidung seriös wirkte. Einem Modezwang habe ich mich allerdings auch dann nicht unterworfen.


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Schwer zu sagen, da ich keine Ahnung von irgendwelchen Richtungen habe.

Mir ist Individualität sehr wichtig und ich mag bequeme Kleidung, in der ich mich nicht verkleidet fühle. Dabei lege ich durchaus großen Wert auf die Qualität der Sachen. In meiner Jugend war es nicht immer leicht, die gewünschten Kleidungsstücke zu kaufen. Deshalb habe ich meine Sachen lange Zeit selbst angefertigt – genäht oder gestrickt –, aber irgendwann ist die Lust an Selbermachen vergangen (oder vielleicht nur weitergezogen zu meinen Töchtern?).



Strahlende 44. (Foto: Hans van Ooyen, 2003)


Mittlerweile habe ich zu mir selbst gefunden, ich weiß, dass mein beruflicher Erfolg nicht vom Schnitt meiner Bluse abhängt. So ziehe ich nur an, worin ich mich wohl und sicher fühle. Zugleich ist mir auch bewusst geworden, dass es wichtig ist zu wissen, wer ich bin bin – und das auch zu zeigen.


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Nein, damit kann ich leider nicht dienen.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Ja, Lieblingsstücke hatte ich immer wieder. Sie wurden erst dann aussortiert, wenn sie nahezu zerfallen waren. In meiner Jugend war das ein Ledermantel, den meine Mutter in Bulgarien erstanden hatte. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass ich ihn auch hier nach Deutschland mitgebracht habe – aber ich habe keine Ahnung, was aus ihm geworden ist.



Lieblingsledermantel aus Bulgarien! (1979)


Zur Zeit ist ein schwarzer Wollblazer mein Lieblingsstück. Er sieht inzwischen nicht mehr sehr gut aus, aber ich trage ihn fast immer. Er gibt mir etwas Schutz und Sicherheit – glaube ich.


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Als ich jung und schlank war, war die Welt soweit in Ordnung. Als ich älter wurde, schwankte die Welt ein wenig. Ich wurde immer dicker – und zwar nur in der unteren Hälfte –, und fühlte mich immer weniger attraktiv. Ganz schlimm wurde es nach meinem 40sten Geburtstag, da konnte ich an keinem Spiegel mehr vorbei gehen, ohne in Tränen auszubrechen. Mein Problem hieß damals „Reiterhosen“ – heute bezeichnet man es als „Lipödem“ und ist eine anerkannte Krankheit. Dank moderner „Schönheitschirurgie“ konnte ich diesen Makel ausgleichen, und fand meine Figur danach wieder ok. Im Übrigen haben sich die paar Pfund zu viel jetzt als notwendige Reserve herausgestellt, denn seit Sommer habe ich 11 kg abgenommen.



Photosession mit Conny Wenk, Stuttgart. (2010)


Mit meinem Gesicht war ich immer zufrieden. Die paar Lachfältchen machten mir keine Sorgen – ich finde Gesichter, die durch das Leben gezeichnet sind, attraktiv.


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Klar benutze ich auch Wasser und Seife – um meine Hände zu waschen. Für die Gesichtspflege benutze ich keine Seife, da muss es schon ein spezielles Reinigungsgel sein.

Ich bin davon überzeugt, dass die modernen Produkte deutlich besser sind als die Creme aus der blauen Dose. Dabei achte ich immer sehr auf die Inhalte meiner Kosmetika. Und selbstverständlich ist mir auch wichtig, dass keine Tiere darunter leiden, dass ich gut aussehen will.



So entspannt (und schön) sehen junge Mütter aus! (1984)


Zurzeit nutze ich diverse Produkte von Dr. Perricone (Science of Synergy, Photo Plasma, Blue Plasma, Concentrated Restorative Treatment). Ich bin davon überzeugt, dass diese Produkte das Aussehen meiner Haut deutlich verbessert haben.


Du bist auf Reisen und hast deinen Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei Kosmetikprodukte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Da man die Kosmetika, die ich zur Zeit benutze, nicht überall kaufen kann, würde ich mir die größte Mühe geben, diese zwei Produkte nicht zu vergessen: einmal ein Mikrofasertuch von micro peeling Sensation . Diese Tücher gehören zu meinem Reinigungsritual. Mit ihnen reicht Wasser, auf das Reinigungsgel kann ich verzichten. Dann: eine gute Augencreme von Dr. Perricone. Zusätzlich müsste ich mir dann nur noch eine Sonnencreme und eine Handcreme kaufen.


Wenn du dir ein (noch nicht existierendes) Produkt von der Kosmetikbranche wünschen dürftest: Welches wäre das?

Aus gegebenem Anlass wünsche ich mir ein Produkt, das Narben glättet und diese wie einen blassen Strich erscheinen – oder ganz verschwinden – lässt. So ein Produkt wäre echt toll und ich würde es sofort kaufen.


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

„Schönheitsgeheimnis” – das hört sich so abgehoben an. Ich finde, was wirklich wichtig ist, ist Pflege, und zwar ohne Ausnahme. Denn nur gepflegte Falten sehen gut aus. Das Motto „Es ist schon so spät und ich bin so müde – dann gehe ich eben ungewaschen ins Bett“ ist tödlich für die Haut im Gesicht, vor allem wenn frau sich schminkt (was auf mich allerdings nicht zutrifft).



Glücklich! (1995)


Ich finde, die paar Minuten morgens und abends lohnen sich. Morgens: waschen und eincremen. Gut, ich gebe zu: Je älter ich werde, umso mehr Töpfchen stehen an meinem Waschbecken. Abends: waschen, peelen (Blue Plasma und Blue Plasma Orbital – beides von Dr. Perricone), dann eincremen und ins Bett. Dauert nicht länger als 5 Minuten. Wusstest du übrigens, dass man nur 28 Tage durchhalten muss, bis sich etwas zu einer Routine entwickelt? Danach kann man nicht mehr ohne.

Gepflegte Hände mit schön lackierten Nägel finde ich auch wichtig, eigentlich fast wichtiger als ein tägliches Make-up. Vielleicht ist das auch der Grund, weswegen ich unzählige Handcremes und Nagellacke besitze.


Was würdest du in Sachen Schönheit gerne mal ausprobieren? (Haare rot färben, Botox, falsche Wimpern, Pixie-Schnitt ...)

Rote Haare hatte ich schon – ist nichts für mich. Botox? NEIN! Dafür bin ich zu spontan und ich mag, dass man meinem Gesicht ansieht, dass ich lache. Falsche Wimpern – nö, das stelle ich mir unpraktisch vor. Und was ist ein Pixie-Schnitt? Habe es gerade nachgegoogelt: So einen Schnitt hatte ich vor ca. 20 Jahren.



Lange Beine – kurze Haare! (1992)


Was ich eventuell ausprobieren würde wäre Sqoom, ein Gerät, das Produkte mit Ultraschall in die Haut einschleust. Denn das Einzige, was mich manchmal nervt, ist die nachlassende Spannkraft der Haut im Gesicht.


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

„Augen zu und durch“. Bis jetzt hat dieses Mantra funktioniert und ich hoffe, auch heute wird mir diese Einstellung helfen.

Danke, liebe Ewa, für deine Zeit und deine Antworten! Und alles, alles Gute für die nächste Zeit! „Augen zu und durch!” – genau! Du schaffst das! :-*

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 

 
Susanne Ackstaller, Montag, 10. November 2014, 06:00 Uhr
Kommentare: 10 | Aufrufe: 4163 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitmontagsinterviewmodeinterviewfrauen ab 50fashionewa jostesdr. perriconebeautyanti-agingälter werden
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Kommentare

  • Wo hast Du diese nette, positive Ewa kennen gelernt? Ist das Deine Freundin? Da strahlt - wie bei vielen von Dir befragten Damen - viel Optimismus aus. Toll!

    Pia
    am Dienstag, 11. November 2014 um 19:55 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke euch beiden für dieses Interview.
    Und Ewa: Was für ein Traum-Foto!!! (Das erste. Aber die anderen sind auch klasse.)

    Jutta
    am Montag, 10. November 2014 um 21:34 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ach, Ewa, ich wünsch dir so viel Gutes! Du hast eine Wärme, die andere wärmt - so selten ist das! Bleib stark, dann bleiben wir es auch,
    Nessa

    Nessa
    am Montag, 10. November 2014 um 21:08 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Oh, was für ne Strahlefrau. Toll!!

    Dagmar Kittelmann
    am Montag, 10. November 2014 um 16:49 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ewa, was für ein Strahlen! Da fällt mir nur James Krüss (Timm Thaler) ein: Wo der Mensch lächelt, hat der Teufel seine Macht verloren - und der Krebs hoffentlich bald auch.

    Eva Engelken
    am Montag, 10. November 2014 um 11:21 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ja, ja, Ewa stiehlt uns Montagsfrauen jetzt wirklich die Schau. Das war zu erwarten, bei ihrem Charme und Humor und ihrer heiteren Gelassenheit, mit der sie auch diese Etappe ihres Lebens zusammen mit ihrem treuen Gefährten Rainer unbeschädigt, wenn auch vielleicht noch ein bisschen weiser, überstehen wird. Und das ist absolut gut so!

    Lisa Graf-Riemann
    am Montag, 10. November 2014 um 10:53 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Tolles Interview mit viel Wärme und einer Einstellung zum Thema Mode, die ich mag :-)
    Wohlfühlen, das ist ein gutes Stichwort!
    Alles Liebe und Gute wünscht Anke

    Anke von Heyl
    am Montag, 10. November 2014 um 09:59 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Oooooo! Liebe Ewa, das ist so schön. Diese Gelassenheit und Wärme, wie Susanne richtig anmerkt, strahlen durch Netz und Monitor direkt zu mir rüber, als wären sie echt. Keine Frage: Sie sind echt! Einmal mehr: Danke für die tollen Montagsporträts!

    Maria Almana
    am Montag, 10. November 2014 um 09:57 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Ewa,
    auch von mir alle Guten Wünsche! Karin

    Karin
    am Montag, 10. November 2014 um 09:44 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • liebe Susi,
    vielen Dank für das Interview und die Aufnahme in den erlesenen Kreis von Montagsfrauen :-)

    Ewa
    am Montag, 10. November 2014 um 08:43 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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