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Ich bin manchmal selbst ein wenig überrascht. Davon, wie viele Autorinnen ich kenne und im Rahmen meiner Montagsinterviews bereits porträtiert habe. Und heute schon wieder eine: Christine Lawens, eine Frau, die das Schreiben von Büchern zu ihrem Beruf gemacht hat. „Eines Morgens wurde mir klar, dass ich keine Lust mehr auf die Machtkämpfe, die ewigen Meetings, auf endlose Überstunden und die „Abnutzung” in der PR-Agentur, in der ich arbeitete, hatte. Ich wollte schreiben und Geschichten erzählen.“ Und sie zog die Konsequenz: Christine kündigte ihren PR-Job und wagte es, ihre Leidenschaft fürs Schreiben zu ihrem Beruf zu machen. Wow!

Dieser Entschluss ist mittlerweile acht Jahre und drei Bücher her. Im kommenden Frühjahr erscheint ihr neuer, vierter Roman. Nummer fünf ist in Arbeit. „Ich habe meine Entscheidung nie bereut. Es mag pathetisch klingen, aber Schreiben ist für mich Bedürftnis und Lebenselexier in einem. Und ganz davon abgesehen liebe ich die Freiheit, die mein Beruf mit sich bringt.“


Christine Lawens, 2014. Porträtaufnahme.
Christine Lawens, 50. (Foto: photo & layout becker)


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Als Kind, ich bin die Jüngste von vier Kindern, wurde für mich gestrickt und genäht. Mit zwölf bekam ich meine ersten hohe Schuhe – Keilabsatz aus Kork – zu einem Kostüm, das mir meine Mutter genäht hatte. Seitdem trage ich nur hohe Schuhe, ganz gleich ob Sommer oder Winter. Ich kann darin laufen wie mit Turnschuhen! Vielleicht weil ich als Kind Ballett mit Spitzenschuhen getanzt habe?

Im Teenage-Alter wechselten sich Kleider mit superengen Jeans ab – sogenannte „Stehjeans”, die man im Liegen schließen musste und mit denen man sich nicht setzen durfte, denn durchs Sitzen wurden sie ja wieder etwas weiter. ;-)


Christine Lawens, mit 16, in einem mädchenhaften rosa Kleid.
Süße Sechzehn – im Blümchenkleid! (1980)


Den eigenen Stil zu finden, war mir wichtig. Als junge Frau hatte ich häufig das Gefühl, zu wenig und nie die richtige Kleidung zu besitzen. Ich habe sogar nähen gelernt, damit ich mir die Sachen anfertigen konnte, die mir gefielen, die es aber nicht so, wie ich es mir vorstellte, zu kaufen gab.

Im Gegensatz zu früher habe ich heute weniger Klamotten – und das entspannt ungemein. Das heißt, mein Kleiderschrank platzt nicht mehr aus allen Nähten, sondern zeigt sich von der übersichtlichen Seite.


Christine Lawens in einem selbstgenähten kurzen Jumpsuit. 1988 in Spanien.
Selbstgenähtes Jumpsuit und Endlos-Beine! (Spanien, 1988)


Immer schon waren Blazer, kurze Lederjacken, Jeans, Pumps und Stiefel meine Favoriten. Mein Motto: Anziehen und wohlfühlen. Eine Trendsetterin war ich dabei nie. Ich blättere aber gerne durch Kataloge und Zeitschriften oder lasse mich von texterella inspirieren. Oft sehe ich dann etwas und denke, wow, sieht das toll aus, das muss ich haben. Dann öffne ich meinen Kleiderschrank und sehe, das ich so etwas bereits besitze, nur nie auf die Idee gekommen wäre, die Teile entsprechend zu kombinieren.

Ich wünschte, ich hätte ein größeres Talent, Sachen miteinander zu kombinieren. Ebenso bewundere ich Frauen, die sich am Vortag ihre Garderobe bis hin zu den Accessoires zurechtlegen, um am nächsten Morgen in keine Stresssituation zu geraten. Ich gehe auch nicht gerne shoppen, denn ich hasse Umkleidekabinen. Geht das nur mir so?


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert?

Mein Geschmack, mein Stil haben sich ständig geändert. Als ich sechzehn war trug ich gerne Kleider. Dann kamen die Achtziger mit Schulterpolster, Baumwollblazer in Bonbon- oder Neofarben und – Oh Schreck – Leggings.


Christine Lawens in einem schmalen, roten Kleid. 2000.
Lady-Di-Look! (2000)


Im Unternehmen dann war ich Anzugträgerin, es war die Jil-Sander-Zeit. Ich habe mich damit immer passend gekleidet gefühlt. Ton in Ton statt Farbenmix, am liebsten aber schwarz.

Heute würde ich meinen Stil als causal beschreiben: esay, schlicht, typbetont. Ein „Ich bin happy, so wie ich bin“-Look.


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Es waren die Modeschöpfer (heute sagt man ja „Designer”), an denen ich mich gerne orientierte, auch wenn deren Kollektionen nicht in mein Budget passten. Als Claude Montana Mitte der Achtziger Jahre Lederkleidung salonfähig machte, war ich infiziert. Das war „meine” modische Ära. Alles andere waren lediglich Trends, die man mitmachte oder es bleiben ließ.


Christine Lawens, 2014, mit Lederjacke.
Persönliche Must-haves: Lederjacke (2014) ...


Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Ein schwarzer Kaschmirpullover. Ich habe zwar auch andere Kaschmirpullis, aber der ist mein Lieblingsstück. Und eine Paillettenjacke, aus reiner Seide und handbestickt.


Christine Lawens in lässiger Jeans. 2013.
... und Jeans! (2013)


Und dann sind da noch Jeans: Mit denen werde ich sicher noch einmal in eine Alten-WG ziehen.


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich glaube, dass ich heute jünger aussehe als vor zwanzig Jahren, weil ich absolut zufrieden bin, mir meine Fröhlichkeit bewahrt habe und ein Leben lebe, das mir hundertprozentig zusagt. Ich bin, wie ich bin – und das ist gut so. Ich vergleiche nicht mehr. Früher dachte ich, das Alter brächte mehr Selbstbewusstsein, aber das stimmt nicht. Es bringt mehr Verständnis. Für sich selbst und andere.

Das Gerede von „50 sind die neuen 30” nervt mich übrigens ungemein. Ich bin 50, fühle mich im richtigen Leben und im richtigen Körper. Warum also so tun, als wäre ich 30?


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ja und nein. Wenn ich die ganzen Bezeichnungen höre – Anti-Aging, Faltenfiller, Powercell, High-Tech-Kosmetik etc. – habe ich das Gefühl, man redet von einer Reparaturwerkstatt. Und ehrlich gesagt habe ich noch niemanden gesehen, der durch teure Produkte tatsächlich schöner, jünger, besser oder was auch immer versprochen wird, aussieht. Ich denke, wer im Inneren nicht mit sich im Reinen ist, strahlt das auch nach außen aus. Man ist in einem gewissen Alter also durchaus selbst dafür verantwortlich, ob die Fältchen oder Falten nach oben oder nach unten zeigen.

Grundsätzlich mache ich nicht sehr viel in Sachen Schönheit. Selbst meine Haare trage ich in erster Linie deshalb so lang, weil sie so einfach wenig Arbeit machen. Alle drei Monate zum Friseur und Spitzen schneiden – fertig! Wobei ... ein wenig spielt auch die Eitelkeit eine Rolle, denn natürlich mag ich die Komplimente, die ich für meine Haare bekommen. ;-)


Christine Lawens, 2014, am Meer.
Wochenendtrip zur Insel Jersey (2014)


Du bist auf Reisen und hast deinen Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei Kosmetikprodukte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Ein Lippenbalsam von Lavera, Puderrouge von Bobbi Brown und mein Duft Shalimar von Guerlain. Nivea-Creme gibt es bestimmt beim Portier. ;-)


Wenn du dir ein (noch nicht existierendes) Produkt von der Kosmetikbranche wünschen dürftest: Welches wäre das?

Ein Lippenstift, der keine Spuren auf Gläsern etc. hinterlässt.


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Nein, eigentlich nicht. In meiner Freizeit bin ich viel draußen, reite und schwimme, ganz gleich zu welcher Jahreszeit. Ich denke, es ist Lebensqualität, die schön macht: Loslassen, glücklich und zufrieden sein.


Christine Lawens in einer mit paillettenbestickten Jacke. 2000.
Lady-Di-Frisur und Lieblingsstück: eine handbestickte Pailettenjacke! (2000)


Was würdest du in Sachen Schönheit gerne mal ausprobieren?

Da fällt mir auf Anhieb nichts ein. Ich denke, die Versuchsreihe ist abgeschlossen.


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Kein Mantra, aber einen Satz von der Sängerin Diana Krall:

„Stelle deine eigenen Regeln auf und vertraue deinem Urteil.”

Danke für deine Antworten, liebe Christine! Ich bin gespannt auf deinen Roman!

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 12. Januar 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 4209 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schriftstellerinschönheitromanmontagsinterviewmodekosmetikinterviewfrauen ab 50christine lawensbeautyautorinälter werden
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Kommentare

  • Ein tolles Interview. Und eine super Blog. Ich hoffe ich schaffe es öfter mal vorbei zu schauen.

    Anita Bolte
    am Mittwoch, 14. Januar 2015 um 11:27 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi, wieder eine sehr interessante Dame. Am Zusammenhang zwischen Spitzentanz und hohen Schuhen scheint wirklich etwas dran zu sein. Ich habe eine Freundin, die ebenfalls lang Ballett getanzt hat und auch problemlos hohen Schuhe tragen kann. Und ich bin mir nicht sicher, ob 50 die richtige Altersangabe ist ... hast Du Dich da wirklich nicht verschrieben??? Die Zahl vor der Null muss niedriger sein…
    Und ich konnte keinen Link zu den Büchern von Frau Lawens finden. Hab ich was übersehen? Mich würde wirklich interessieren, was für Romane Frau Lawens schreibt.
    Eine schöne Woche, lieber Gruß - Conny

    Conny
    am Dienstag, 13. Januar 2015 um 08:05 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Liebe Conny,

      vielen Dank für die schönen Worte und die Komplimente. Die Zahl 5 vor der 0 ist korrekt. Jahrgang 1964!!
      Susi hat ja bereits den Link nachgereicht. Würde mich freuen, wieder voneinander zu hören.
      Viele Grüße
      Christine Lawens

      Christine Lawens
      am Dienstag, 13. Januar 2015 um 12:07 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

    • Uuups, du hast Recht! Habe ich nachgereicht. :-))

      Susi
      am Dienstag, 13. Januar 2015 um 09:54 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Was für ein schönes Interview…

    Uschi Ronnenberg
    am Sonntag, 11. Januar 2015 um 15:27 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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