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Antje Winkler kenne ich schon ... schon ... ach, ewig! Sie war mit eine der ersten Textfrauen, die meinen Weg kreuzten - und auch eine der ersten aus meiner (Alter-Ego-)Branche. Denn Antje Winkler arbeitet wie ich im Bereich Finanzkommunikation: Sie korrigiert, lektoriert und überarbeitet (unter anderem) Geschäftsberichte (die Website steht übrigens gerade vor dem Relaunch.) Das Korrigieren hat sie sogar quasi von der Pike auf gelernt, denn in der DDR - Antje lebt zeit ihres Lebens in Leipzig - gab es „Korrektor” sogar als Ausbildungsberuf.

Immer schon habe ich Antje Winkler als eine der attraktivsten und apartesten Frauen in meinem Umfeld gesehen. Die kurzen Haare, die strahlenden grünen (!!) Augen, das markante Gesicht ... Und ich kenne tatsächlich niemanden, der in Schwarz besser aussieht als sie. Ein Interview mit ihr fand ich aber auch deshalb besonders interessant und reizvoll, weil ich ein bisschen mehr über Mode und Schönheitspflege in einem sozialistischen Staat erfahren wollte.

Und Antje hat (auch) davon erzählt ...


Antje Winkler: Grünäugig und frische 50.

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert? Welche Stilrichtung bevorzugst du?

Antje: In meinem Elternhaus war Mode sehr wichtig, vor allem im eher eleganten Stil. Ich bin so aufgewachsen und trage noch heute bevorzugt Kleider und Röcke. Der Schnitt variiert dabei von schmal und kurz oder knielang bis zur weit schwingenden Maxilänge, gern auch zipflig oder mehrlagig.

Als junges Mädchen in der DDR ohne Westverwandtschaft und ohne Fernseher (meine Eltern wollten so was nicht im Hause haben) war es außerordentlich schwierig, solche Vorlieben zu entwickeln und vor allem umzusetzen. Zwei Beispiele aus meiner Jugend für unseren Einfallsreichtum: Aus mehrlagiger Futterseide, die es in vielen Farben gab, nähte mir mein Mann mein Hochzeitskleid, inspiriert von Ornella Mutis türkisfarbenem Kleid zum Dinner mit Adriano Celentano in dem italienischen Kinofilm „Der gezähmte Widerspenstige“. Wunderschön und garantiert ein Einzelstück war es mit seinem Carmenausschnitt und dem kurzen Rockvorderteil, das nach hinten länger wurde!

Ebenso ein Einzelstück war ein zweiteiliges Kleid aus vorwiegend hellgelbem Fensterleder (jawoll!), das mein Mann mir ebenfalls nähte. Dieses Fensterleder hatte er in einem Geschäft für Heimwerker entdeckt. Das kurze und kastige Oberteil bestand aus schwarzen Lederresten mit Intarsien aus diesem Fensterleder und tiefem Rückenausschnitt, im langen und weiten Rockteil fanden sich hingegen schwarze Lederteile. Ein absoluter Hingucker, nur regnen durfte es nicht. :-)

Sexy wollte ich nie aussehen, eher klassisch-schick, obwohl ich in meiner Jugend auch sehr gern die weißen Hemden meiner Freunde trug – zu schmalen kurzen Röcken, zu langen Wickelröcken, ab und zu auch zu Jeans. Um mich in meinen Jugendjahren in der DDR von den anderen äußerlich ein wenig abzugrenzen, gab ich alles verfügbare Geld während meiner Ungarn-Urlaube für Kleidung aus, die dort wesentlich moderner und pfiffiger war und mir zu Hause zumindest einen Hauch von Einmaligkeit gab.

Später, als ich gut verdiente, trug ich viel Geld in die sogenannten Exquisit-Geschäfte, die sehr teure, aber dafür moderne Kleidung in wirklich guter Qualität verkauften, oder ließ mir Röcke von einer Schneiderin nähen.

Ich gehe sehr gern Ton in Ton, fast immer ungemustert, und trage als „Herbsttyp“ bevorzugt Dunkelgrün, Schilfgrün, Schwarz und alle braunen Mischtöne von Terrakotta über Schlamm bis hin zu Taupe und Kognak oder Sand, außerdem liebe ich diese Gewürzfarben wie Paprikarot, Curry oder Senf. Was ich gar nicht besitze, sind Kleidungsstücke in Pastellfarben oder Pink, diese Farben nehme ich bei der Suche nach einem Rock oder Shirt irgendwie nicht wahr.

Ich liebe extravagante Gürtel und Stiefel, dafür trage ich wenig Schmuck und mag keine Blusen. Außerdem kaufe ich sehr gern schöne Unterwäsche, da gibt es mittlerweile eine Vielfalt, von der ich mich immer wieder mitreißen lasse.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Antje: Mein Lieblingsmaterial ist eindeutig Strick – Grobstrick, feinmaschige Pullover mit großen Rollkragen, Stricktops in unendlicher Vielfalt, Strickkleider im Materialmix, schmale Strickröcke in allen Längen und weit geschnittener Sommerstrick möglichst ohne Ärmel. Dafür würde ich meilenweit laufen …

Mein Lieblingskleidungsstück ist ein ärmelloses schwarzes Strickkleid von Breuninger Exquisit (ein Stuttgarter Modekaufhaus und Mode-Label mit einer Dependance in Leipzig) mit großem, halsfernem Rollkragen. In der Taille sitzt ein extrem schmaler Gürtel, eher ein Lederband. Dieses Kleid liebe ich und würde es am liebsten permanent tragen, wäre ich damit nicht doch ab und zu etwas overdressed.


Lieblingskleid!

Mein zweites Lieblingskleidungsstück ist eine kurze, schwarze, kastenförmige Samtjacke mit kleinem Stehkragen, ebenfalls von Breuninger Exquisit. Sie ist mittlerweile vom vielen Tragen so abgewetzt, dass der Samt eine leichte Patina bekommen hat, um es mal liebevoll auszudrücken. Das hindert mich aber nicht daran, sie zu tragen, bis sie mir vom Leibe fällt, was hoffentlich noch dauern wird.

Außerdem liebe ich mein dunkelgrünes Wildseidenkleid von Heine. Es ist fast 20 Jahre alt und hat eine Metamorphose durchgemacht vom entschieden zu dünnen Winterkleid mit langen Ärmeln – da hat der Designer eindeutig nicht mitgedacht! – hin zu einem ärmellosen Hochsommerkleid mit tiefem Rückenausschnitt und hohen Seitenschlitzen im Rock.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Antje: Zum Glück muss ich mit fünfzig nicht mehr perfekt aussehen, was ich mit zwanzig oder dreißig durchaus für nötig hielt, und hadere deshalb mit mir weit weniger als noch vor Jahren.

Hab ich mich früher beim Blick in den Spiegel eher mit meinen äußerlichen Unzulänglichkeiten auseinandergesetzt, stehe ich heute davor und sage: Ich mag meine Augen, ich mag meine Beine, ich neige nicht zum zügigen Zunehmen und finde mich deshalb noch schön schlank, außerdem stehe ich mittlerweile dazu, ausgerechnet grüne Augen zu meinen dunklen Haaren zu haben – ich fühle mich wohl mit mir. Und ich mag mich.


Filmreif! Antje mit 28.

Antje: Ich habe mich längst damit abgefunden, keine schmale Nase zu haben und kein Dekolleté für zwölf Personen, keine langen Fingernägel, dafür aber ein energisches Kinn ... Ja, das bin ich. Passt zu mir.

Ich nehme mich jetzt also weitaus mehr so an, wie ich eben bin, als das in Jugendzeiten der Fall war. Äußerlichkeiten spielen keine so große Rolle mehr wie früher, ich definiere mich eher über private und auch berufliche Erfolge. Erfreut registriere ich natürlich noch immer jedes Lächeln, das ich unterwegs bekomme, zeigt es mir doch: Ich bin noch nicht „unsichtbar“ geworden. Komplimente freuen mich mittlerweile am meisten, wenn ich sie von Frauen bekomme, die sich ja untereinander die größten Kritikerinnen sind. Aber ich sehe all das gelassener, hasche nicht mehr nach flüchtiger Anerkennung. Ruhe ich nun in mir selbst?

Ich schminke mich relativ wenig, etwas Augen-Make-up, nach kurzen Nächten ein wenig Wangenrouge. Meine Haare töne ich mittlerweile regelmäßig, die grauen Strähnchen haben sich doch ziemlich ausgebreitet. Ich mag keine Lippenstifte, ich finde sie grausam im Geschmack und es stört mich, da auf meinen Lippen etwas umherzutragen. Sorry, aber da muss sich die Industrie noch etwas einfallen lassen, um mich als Kundin zu bekommen.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte? Hast du eine Lieblingsmarke?

Wasser und Seife genügen nicht mehr, ich benutze seit vielen Jahren einen Reinigungsschaum der Schweizer Marke Channoine, dazu das Gesichtswasser mit Aloe Vera von Florena, die Tages- und Nachtcreme von Channoine und die Florena-Q10-Augencreme, die seit einigen Wochen leider nicht mehr hergestellt wird. Ab und zu benutze ich von Florena auch die Q10-Tages- und -Nachtcreme. Manchmal leiste ich mir von Channoine ein Feuchtigkeitsserum, das nachts aufgetragen wird. Alle paar Monate gönne ich meinem Gesicht ein Peeling und daran anschließend eine Feuchtigkeitsmaske mit Channoine-Produkten. Im Sommer benutze ich den kühlenden Augen-Roll-on von Clinique, nach dem Duschen creme ich mich immer – ja, immer! – von Kopf bis Fuß mit der Aloe-Vera-Bodylotion von Florena ein. Ein Traum!


Mit 31: Schwarz war immer schon ihre Farbe!

Eine Lieblingsmarke in dem Sinne habe ich nicht, aber eine Tendenz ist durchaus erkennbar. Einige Florena-Produkte habe ich bereits in meiner Jugend genommen, dieser Marke werde ich generell auch treu bleiben, wenn Henkel mich lässt. Ebenso nutze ich noch gern für den Alltag das Parfüm von Gloria Vanderbilt, das es manchmal auch in der DDR zu kaufen gab. Ansonsten liebe ich Jil Sander No. 4 für festliche Anlässe und DKNY von Donna Karan, wenn ich’s sommermorgenfrisch und leicht haben möchte.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Antje: Hm, ich brauche viel Creme – fürs Gesicht, den Körper, die Hände … Aber ein Schönheitsgeheimnis ist das nicht, eher ein Muss, an das ich mich beizeiten gewöhnt habe. Und ich schminke mich immer ab, egal wie spät es ist, und trinke jeden Tag mindestens 1,5 Liter stilles Wasser. Doch auch das sind keine Geheimnisse.

Ich würde mich als zufriedenen Menschen bezeichnen, der sich auch richtig und neidlos für andere freuen kann. Ich bin glücklich mit meinem Leben und allen Menschen und Aufgaben, die darin vorkommen. Ich lache also weitaus mehr als ich weine. Sollte das mein Geheimnis sein?

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Antje: Ein Mantra? Nicht bewusst. Aber für mich ist das Glas immer halb voll und nicht halb leer.

Danke, liebe Antje - auch für deine spannenden DDR-Mode-Anekdoten! Und den Ausdruck „Montagsprinzessin” ... :-)

***

Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hier: Click and enjoy!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 06. Mai 2013, 09:00 Uhr
Kommentare: 15 | Aufrufe: 9603 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: stilschönheitmodefrauen ab 50antje winkler
Das könnte auch interessant sein:
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Kommentare

  • So klug und klar, so individuell - so schön!

    Barbara Maria Zollner
    am Mittwoch, 08. Mai 2013 um 19:35 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Bildhübsche Frau, tolles Interview - hach!

    Gaby Barg
    am Montag, 06. Mai 2013 um 22:35 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Floena!!! Die Marke habe ich in Dresden auch für mich entdeckt und vermisse sie immer noch! Ohne viel Chichi und trotzdem gut. Und duftet gut. Ach!

    Guundula
    am Montag, 06. Mai 2013 um 19:30 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Susi, was für ein GROSSARTIGES Interview!

    Woran natürlich die Gesprächspartnerin mit ihren sensationellen Fotos und den wundervollen Einblicken in ihr Leben den Löwenanteil hat!

    Antje, ich werde nicht müde werden, dir gern und oft Komplimente zu machen - du bist immer ungekünstelt und so herrlich herzlich strahlend, dass deine „Schickität” ;-) nur noch das Tüpfelchen auf dem „i” ist!

    Das Fensterlederkleid, DAS hätte ich allerdings auch gern gesehen. Und angefasst ;-)
    Wennste das beim nächsten Treffen trägst, umarme ich dich extra feste!

    Michaela
    am Montag, 06. Mai 2013 um 18:14 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke für das tolle Interview, liebe Texterella.

    Und Antje möchte ich in den Himmel hoch jubeln. Ostdeutsche Awesomeness nach meinem Herzen.

    Businesspussy
    am Montag, 06. Mai 2013 um 17:47 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ja, genau, attraktiv und apart! Das finde ich auch, und bin bei jeder Begegnung mit Antje erneut beeindruckt, weil sie so ungekünstelt freundlich und einfach TOLL ist und so viel Ausstrahlung hat. Danke für dieses schöne Interview.

    Julia
    am Montag, 06. Mai 2013 um 14:41 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Antje! Was für wunderschöne Fotos! Dass Du Dich magst, das kann ich gut verstehen :)) Ich mag Dich auch! Danke für das schöne und herzerfrischende Interview! Deine Auch-Antje
    PS: Dass Dein Mann Dir Kleider näht (und WAS für welche!), ist ja der absolute KNALLER!!

    Antje
    am Montag, 06. Mai 2013 um 14:40 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Die Frau in Schwarz, die mit den (grünen) Augen lacht - WOW!

    Petra
    am Montag, 06. Mai 2013 um 12:40 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Als wir vor drei Jahren zusammen in Leipzig Neo Rauchs Bilder besuchten, hatte Antje auch so ein superschickes Kleid an (fensterledern war’s aber, glaube ich, nicht ;-)).

    Angelika B.
    am Montag, 06. Mai 2013 um 12:09 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich stelle den Antrag auf Erweiterung der Serie: Der besondere Montagsfrauen-Mann.
    Ich hab noch nie einen Mann kennengelernt, der seiner Frau das Hochzeitskleid genäht hat.
    Bin platt.

    Antje, du siehst einfach umwerfend aus auf dem Bild da oben. In echt aber natürlich auch, hab mich ja am Wochenende gerade erst mal wieder überzeugen können.

    Biggi
    am Montag, 06. Mai 2013 um 11:32 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Antje, dass Du grüne Augen zu schwarzem Haar als Unzulänglichkeit bezeichnest ... ich fasse es nicht ;-). Gerade am Wochenende habe ich wieder gedacht: Was für eine schöne Frau! Und das Foto vom Fensterlederkleid musst Du wohl noch nachreichen.

    Annette
    am Montag, 06. Mai 2013 um 11:29 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ja, das war für mich wirklich auch das romantischste Highlight der ganzen Serie ... :-)

    Susi
    am Montag, 06. Mai 2013 um 11:02 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Antje! Dein Mann hat dir dein Hochzeitskleid genäht!!!!!!!!! (ausnahmsweise mal viele Ausrufezeichen :-) Nach dem Vorbild von Ornella Muti!!!!!!!!!! Ich bin platt!

    text-burger
    am Montag, 06. Mai 2013 um 11:01 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • WOW, tolle Bilder! Haben allerdings ein Manko: Sie werden deinen grün-blitzenden Augen nicht gerecht. Aber ich sah sie ja gerade live!

    Birgit
    am Montag, 06. Mai 2013 um 10:37 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Das Kleid aus Fensterleder hätte ich gern gesehen! Ich wette, das sah total schick aus - schon allein, weil vermutlich alles an Antje schick aussieht! :-) Sehr spannend, diese DDR-Einblicke!

    Daniela
    am Montag, 06. Mai 2013 um 10:23 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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