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Annette Ahlborn kenne ich schon einige Jahre virtuell – persönlich aber erst seit einigen Wochen. Als ich sie sah, wusste ich eines sofort: Dass ich sie für meine Interviewreihe gewinnen wollte – so spannend und attraktiv fand ich sie mit ihren kurzen, silbrig-grauen Haaren. Wunderschön älter werden? Dafür ist Annette quasi ein Prototyp.

Annette Ahlborn, 51. Foto: Ruth Frobeen.

Annette Ahlborn, 51. (Foto: Ruth Frobeen)

Spannend ist auch ihre Biographie: Erst eine Banklehre. Mit 18 Mutter und nach kurzer Ehe alleinerziehend. Dann das Studium der Literaturwissenschaften und begleitend diverse Dramaturgie- und Regieassistenzen am Badischen Staatstheater. Erst danach lernte sie die Verlagswelt kennen – und wusste, wo sie hinwollte. Bzw. wohin sie zurückwollte, denn die Begeisterung für Bücher hatte sie schon als Kind gepackt („Das kleine Mädchen mit Abenteuerbuch und Taschenlampe unter der Decke, das war ich.“). Auf ein Verlagsvolontariat folgten erste freie Aufträge – und auf ihr erstes Kind noch drei weitere mit „Mr Right”.

Heute arbeitet Annette als Lektorin und Literaturvermittlerin – mit einem besonderen Faible für zeitgenössische Lyrik. Für die Zukunft hat Annette neue literarische Projekte geplant. „Meine vier Kinder sind inzwischen erwachsen, die Jüngste geht im Herbst aus dem Haus. Natürlich bleibt auch beruflich nun mehr Raum!”

Ich freue mich sehr, dass du heute hier bist, Annette!

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Ich gehöre noch zu einer Generation, die mit einem Anti-Mode-Verständnis aufgewachsen ist. In den 60er- und frühen 70er-Jahren haben Jugendliche zwar auch Wert auf ihr Äußeres gelegt, aber eben auf ein besonders kontrastierendes zur Erwachsenenwelt. Gut aussehen hieß nicht adrett, chic, es hieß alternativ, Schlabberpulli, Latzhose, Schlagjeans. So war das jedenfalls bei mir, dem Provinzmädel. Mode hat damals auch stark mit Musik zu tun gehabt. Welche Richtung man hörte, war eindeutig auch mit den Klamotten verbunden. Aus dieser Antihaltung heraus habe ich ziemlich spät erst meinen eigenen Geschmack entwickelt und ich fürchte, viele meiner Sachen sind heute noch der Sozialisation der 60er geschuldet.


Annette Ahlborn 1978

Die aufgeschwatzte Dauerwelle. (1978)


Heute mag ich es sehr, in Geschäften nach der aktuellen Mode zu schauen – am liebsten mit meinen Töchtern – das ein oder andere Teil zu probieren und bin doch eine sehr konservative Konsumentin. Zum Beispiel habe ich heute mal wieder ein Basic erstanden, einen wunderbar bequemen schwarzen Rock, der lange auf der Must-have-Liste gestanden hat. Ein typischer Kauf wäre ein schwarzes T-Shirt. Eigentlich komme ich jedes Mal aus der Stadt zurück mit einem schwarzen T-Shirt oder Pullover. Schwarz ist auch die Farbe, die ich am besten an mir ertrage, in gewisser Weise wohl mein modischer Ausdruck.

Darüber hinaus freue ich mich über gut gekleidete Menschen und versuche mir gern mal abzuschauen, wie sie Sachen kombinieren. Immer Up-to-date angezogen sein finde ich anstrengend und persönlich ist es mir nicht so wichtig. Trotzdem bin ich zu offiziellen Gelegenheiten gern passend angezogen.

Mode hat für mich untrennbar mit Stil zu tun. Und damit meine ich, aus dem Angebot der aktuellen Sachen das auszuwählen, was die Persönlichkeit braucht und möglichst auch spiegelt. Aber das ist echt schwer. Vielleicht wäre ich der Idealkunde für eine Modeberaterin, die mir endlich mal die Kleider aussucht, die toll aussehen würden an mir, an denen ich aber bisher immer blind vorbeilaufe. Aber wer kann sich sowas schon leisten …


Annette Ahlborn 2014

„Ich liebe Schwarz!” (2014; Foto: Regina Schleheck)

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Ich mag den sportlich-lässigen Stil, Jeans, T-Shirt, flache Stiefeletten – am liebsten alles in Schwarz. Die Farbwahl mag noch aus der Zeit im Theater stammen, ich finde aber auch, dass mir Schwarz einfach steht. Und es ist ebenso praktisch wie elegant. In der Schule waren meine Klamotten auch mal farbiger, ich mochte schon immer Beerentöne. Aber meine Stilrichtung hat sich eigentlich nie grundsätzlich verändert, Kleidung suche ich schon immer unter praktischen Aspekten aus.

Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Tatsächlich bewundere ich meine Mutter und mit ihr die Frauen der 50er-Jahre, die mit wenig Möglichkeiten eine stilvolle Garderobe a la Francaise (Kostüm, Pumps) trugen (und in vielen Fällen bis heute ihren Chic erhalten haben). Was zueinander passt, habe ich von ihr gelernt. Allerdings habe ich von Anfang an eine ganz eigene Vorstellung entwickelt, welche Kleidungsstücke anzuziehen „ging“ und welche nicht, da waren wir sehr unterschiedlicher Meinung. Röcke, Kleider – lange ein No-Go für mich als Möchtegernjunge. Als die Jeans in den frühen 70ern in die Kleinstadt kam, hat meine Mutter es, glaube ich, seufzend aufgegeben, eine chice Frau aus mir zu machen. Rückblickend eigentlich schade. Stilistisch beeinflusst hat mich der schnörkellose Understatement-Stil meiner leitenden Dramaturgin am Theater, die stets edle Stoffe mit sehr einfachen Formen trug, meist schwarze, hochgeschlossene Pullis, Ballerinas, stets roter Lippenstift. Einfach perfekt!


Annette Ahlborn 1979 - mit Hut

Sonnenhut – mit Geschichte! (1979)

Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Es gibt diesen ganz besonderen französischen Sonnenhut, er stammt wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert. Dazu eine Geschichte: Mit 13 Jahren durfte ich meine Ferien an der Loire bei französischen Freunden verbringen. Meine Patentante vermittelte den Aufenthalt bei Anne und Jacques, der damals ein junger, mittelloser Künstler war, dessen Hobby das Zusammensammeln alter Sachen in Trödelläden war. Dort fand ich diesen Hut in einer Kiste und er hat ihn mir aus Freundschaft geschenkt. Seitdem begleitet mich dieses besondere Stück durch mein Leben.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich achte nach wie vor auf mein Aussehen. Es gibt wohl Phasen, über Jahre hinweg, in denen ich mich kaum verändert habe, und andere, in denen z.B. die Hautbeschaffenheit in kurzer Zeit rapide an Jugend verloren hat und auch die Gesichtszüge sich verändern. Dagegen kann ich nichts tun, es gehört für mich einfach zu meinem Leben und dem Weg, der auf ein Ende zu geht, dazu. So gesehen hat sich eigentlich nicht viel verändert, ich nehme mich nur anders wahr. Natürlich achte ich auch auf die Pflege dieses Aussehens, gehe zum Frisör, creme meine Haut und treibe Sport.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich mag es unkompliziert, dennoch lasse ich an meine Haut nicht „nur Wasser und CD“ dran: Mit einem gut aufgelegten Make-up kann man einiges an der Wirkung seines Äußeren tun, vor allem vor der Kamera. Das tue ich aber eher selten, weil ich viel Sport treibe und auch beruflich nicht mehr auf ein adrettes Aussehen wie früher am Bankschalter angewiesen bin.


Annette Ahlborn auf dem Rad

Die Triathletin (!!) (2013)


Ich pflege meinen Körper sehr gern, teure Produkte sind aber schon allein wegen des Geldbeutels eher die Ausnahme. Meine Mutter schenkt mir ab und an eine teure Creme für Gesicht und Augen. Der Unterschied zu den 20-Euro-Cremes aus dem Drogeriemarkt ist riesig.

Du bist auf Reisen und hast deinen Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Unverzichtbar ist morgens meine Gesichtscreme und mein Lipgloss. Außerdem, wie wär’s mit einer Zahnbürste ;-) …

Wenn du dir ein (noch nicht existierendes) Produkt von der Kosmetikbranche wünschen dürftest: Welches wäre das?

Eine Faltencreme, die hält was sie verspricht, wäre toll.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ich glaube an die körperstraffende Wirkung von Sport, aber das ist ja kein Geheimnis. Darüber hinaus hilft es dem Aussehen sicher, sich von Zeit zu Zeit etwas Gutes zu tun und die Essens-, Trinkens- oder Sportdisziplin einmal zu lockern. Ich habe von Haus aus eine recht bewegte Mimik, die mir in meinem Dasein schon so einige Fältchen eingebracht hat. Mein Bestreben geht immer dahin, dass es viele Lachfalten sein mögen und möglichst wenig Zornesfalten.


Annette Ahlborn 2014

Was für ein Gesicht! (2014; Foto: Regina Schleheck)

Was würdest du in Sachen Schönheit gerne mal ausprobieren? (Haare rot färben, Botox, falsche Wimpern, Pixie-Schnitt ...)

Ich kenne das Gefühl gut, dass man etwas an sich verändern möchte, mal was Neues ausprobieren. Als junges Mädchen hat mir meine Mutter mal eine Dauerwelle aufgeschwätzt. Dann kamen Henna-rote Haare, das machten alle. In den frühen 80ern wollte ich aussehen wie Annie Lennox und ganz hellblonde Haare haben (das hat mein damaliger Freund mir aber ausgeredet, gut so). Inzwischen bin ich aus der Experimentierphase heraus. Mein Frisör weigert sich obendrein, mir die Haare zu färben, weil ihm meine grauen Strähnen so gut gefallen.

Vor Botox würde ich mich in Acht nehmen, denn das Ergebnis sieht meines Erachtens sehr unecht aus. Im übrigen hätte ich Angst vor üblen Schwellungen.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir eine Eigenschaft ein, die mich oft zum Handeln bringt: Probleme muss man anpacken.

Danke, liebe Annette, für deine spannenden Antworten, deine Geschichten, die tollen Fotos! Es war mir eine Freude!

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 22. Juni 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 10 | Aufrufe: 3835 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: montagsinterviewmodelektorininterviewfrauen ab 50beautyannette ahlbornälterwerden
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Kommentare

  • Als ich Annette dieses Jahr endlich persönlich kennenlernen durfte, hat sie mich mit ihrem Style total geflasht.

    Wie KANN man nur in Jeans und Sweatshirt so klasse aussehen? Na gut, es mag an der perfekten Frisur in der perfekten Farbe liegen. Und an der perfekten Figur, aber HEY. ;)

    Und dann auch noch klug .... na, kein Wunder, dass Mr Right gleich dreimal ihre Gene vermehrt sehen wollte.

    Tolles Interview, super Frau schon wieder. Hach, Textinen!!! <3

    Lilian Kura
    am Dienstag, 23. Juni 2015 um 08:54 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Schönes Interview. Interessante Frau. Textine eben.

    Snezana
    am Montag, 22. Juni 2015 um 12:33 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ein tolles Interview mit einer tollen Frau! Annette ist einfach „ein Typ”. Sie hat Stil und ist unglaublich präsent mit einer wahnsinnigen Ausdruckskraft. Diese Augen und diese Haare. Toll. Und ich freue mich riesig, dass sie sich auf den roten Lippenstift eingelassen hat. Er ist das Tüpfelchen auf dem „i”.

    Petra
    am Montag, 22. Juni 2015 um 12:30 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Schönes Interview einer sehr schönen Frau! Annette, wie kommt’s, dass die liebe Regina Schleheck dich des öfteren fotografiert hat? Auf die Verbindung sind wir im KSI gar nicht gestoßen.

    Lisa Graf-Riemann
    am Montag, 22. Juni 2015 um 11:50 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Hallo, Lisa,
      ich bin nur ganz zufällig auf diesen Eintrag gestoßen und kann dir gerne die Frage beantworten. Die Bilder sind bei unserem letzten Weihnachtstreffen der Regio West der Mörderischen Schwestern entstanden. Annette saß mir gegenüber und bot sich als Foto-Motiv an. Es sind nur unscharfe, grobpixelige Handy-Fotos, die Annettes Schönheit aber keinen Abbruch tun. :-)
      Liebe Grüße
      Regina

      Regina Schleheck
      am Dienstag, 06. Oktober 2015 um 09:03 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Wieder mal ganz wunderbar. Eine kluge, schöne Frau. Und, ja! Schwarz steht Dir ausgezeichnet, liebe Annette. Und überhaupt, der rote Lippenstift! Die Haare! Alles.
    Ich mag Susis Interviewreihe auch deshalb so sehr, weil diese Modefragen bemerkenswerte Aspekte einer Persönlichkeit zum Vorschein bringen, die man ansonsten zwar ahnt, aber die man gerade auf die Ferne nur schwer erkunden könnte. Sehr gern gelesen.

    Wibke Ladwig
    am Montag, 22. Juni 2015 um 09:42 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Als ich meine Namenskollegin zum ersten Mal sah, dachte ich sofort an Annie Lennox (meine große Jugendliebe). Deshalb war sie mir natürlich sofort sehr sympathisch. Eine tolle Frau mit viel Charisma, wie ich finde. Vor allem mit dem roten Lippenstift! :))

    Annette
    am Montag, 22. Juni 2015 um 09:26 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Eine Frau, die ganz klar ihre Linie gefunden hat. Klasse!
    Und: Wunderbar beschrieben, das mit der Anti-Haltung. Genau so war’s. :-)

    Jutta
    am Montag, 22. Juni 2015 um 09:23 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Apart ist das erste Wort, das mir einfällt. Eine schöne Frau, von innen und von außen.
    Ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen haben mich etwas an meine erinnert, allerdings als das Kind von den „anti-Mode” Eltern.

    Ulrike
    am Montag, 22. Juni 2015 um 08:20 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Apart - das trifft es perfekt! :-)

      Und bei den Kindheitserinnerungen musste ich tatsächlich auch an dich denken!

      Susi
      am Montag, 22. Juni 2015 um 08:43 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

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