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Anke von Heyl ist eine von den tollen, liebenswerten und beeindruckenden Frauen, die das Internet in mein Leben gespült hat (danke, liebes Internet!). Als Kunsthistorikerin bringt sie Kunst und Kultur unter die Leute und als Kulturtussi (sic!) seit 2006 auch ins Internet. Dabei geht Anke gerne ganz neue, kreative Wege (zum Beispiel als Herbergsmutter unter anderem für das Kölner Barcamp für Kunst und Kultur), als Bloggerin auf www.kulturtussi.de oder aber auch ganz analog als selbstständige Museumspädagogin in diversen ganz unterschiedlichen Projekten. Selbst ein Musical hat sie schon herausgebracht! Und das alles, weil sie als 15-Jährige mit ihrer Tante den Louvre besuchte und als Kunst-Groupie wieder herauskam … :)

Anke ist Kölnerin, und ich finde, dieses bodenständige rheinische Naturell liest man bei ihren Antworten auch zwischen den Zeilen. Mit ihrem Mann lebt sie in einer denkmalgeschützten ehemaligen Brikettfabrik. Ihren Mann bezeichnet sie übrigens (auf meiner Frage nach einer bedeutenden Wende in den letzten Jahren) als „die beste Wende ihres Lebens“. „Ich lebte schon eine lange Weile als alleinerziehende Mutter einer mittlerweile studierenden Tochter und kämpfte an weiter Front zwischen Kind und Beruf. Jemand an meiner Seite zu haben, mit dem man sich Beruf und Leben schön machen kann, ist wirklich ein großes Glück.“ Wow, was für ein tolles Kompliment an deinen Mann, Anke!



Anke von Heyl, 52.

Modisch gesehen sieht sich Anke eher als „muffelig”. Aber ebenso wie man nicht nicht kommunizieren kann, haben auch Modemuffel eine Einstellung zu Mode ...


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Ich bin kein besonders modebewusster Mensch, muss ich gestehen. Das war schon immer so. Als Kinder hat meine Mutter uns immer sehr teure Kleidung gekauft, die von mir aber gar nicht geschätzt wurde. Ich hatte zum Beispiel Anfang der 70er eine Leinenhose. Schrecklich! Keine Jeans – eine Leinenhose! Keiner hat mich damals verstanden. Was war ich deshalb unglücklich! Bei der Hochzeit meiner Tante dann war ich unglaublich neidisch auf das andere Blumenkind mit Polyester-Kleidchen und Lackschuhen. Ich hingegen trug ein Kittelchen mit Folklore-Borte und rote Ledersandälchen. (Heute wäre man entzückt!)

Später dann gehörte ich eher zur modeverweigernden Ökofraktion. Wobei: Meine derb gestrickten Strümpfe zu langen Leinenröcken – das war ja auch eine Art Mode! Und wenn ich meine jüngeren Jahre so Revue passieren lasse (und vor allem in meinen Fotos krame) – es gab auch mal eine kurze New-Wave-Phase. Mit knallrotem Kurzhaarschnitt und breiten Schulterpolstern.


New Wave! (1988)

Heute muss Mode für mich vor allem eines sein: bequem. Ich kann außerdem nur natürliche Materialien ertragen. Selbst Wolle beißt mich manchmal. Da fällt schon mal viel modisches weg.

Ich mag es gerne bunt … und es kann durchaus sein, dass ich auch mal daneben greife. Ich habe mich all die Jahre hartnäckig geweigert, den Dresscode der Kunstszene mitzumachen. Plus: Schwarz steht mir einfach nicht. Zu meinem ersten Bewerbungsgespräch marschierte ich in einem Yves-Klein-blauen Kostüm mit knallblauen Karostrümpfen. Ich bekam den Job – aber mein Outfit war unter der Kollegenschaft noch sehr lange Gesprächsthema!

In der letzten Zeit denke ich ab und an, ich müsste mal ein bisschen seriöser werden. So habe ich mir zu Weihnachten ein sündhaft teures Seidentuch gewünscht. Damit kann man auch etwas saloppere Kleidung aufwerten! Und ich habe zuletzt ein sehr schönes Kleid der Designerin Evelyn Brandt erworben. Vielleicht lege ich mir mit 60 dann mal ‘nen unverwechselbaren Anke-Stil. zu ;-)


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Tja, was ist das für ein Stil, den ich bevorzuge? Sportlich-bequem?

Manchmal bewundere ich Menschen, die durch ihren Stil einen gewissen Wiederkennungswert haben. Da ist dann sicher auch das Einkaufen leichter. Mir passieren nämlich durchaus immer wieder Fehlkäufe und ich merke erst zu spät, dass das Teil, das ich im Laden so klasse fand, gar nicht zu meiner restlichen Garderobe passt. Schon tausend Mal habe ich mir deshalb vorgenommen, im Geiste immer erstmal meinen Kleiderschrank zu durchscannen, bevor ich etwas kaufe.


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Eigentlich nein. Vielmehr lasse ich mich immer wieder neu inspirieren. Wie schon gesagt, ich stelle mir eigentlich nicht gezielt (m)einen Stil zusammen.

Mh, modische Ära. Eigentlich mag ich diesen rockigen Fifties-Stil, der jetzt gerade auch wieder in einer bestimmten Szene angesagt ist. Am besten noch mit bunten Tatoos. Diese Mode sehe ich einfach sehr gerne. Und finde es toll, wenn sich jemand so richtig ‘reinfuchst, auf Flohmärkten die passenden Accessoires kauft und auf Details achtet. Da lasse ich mich manchmal ein bisschen inspirieren. Letztens hab ich beispielsweise ein blau-weißes Punktekleid gekauft, das mit einem bunten Tuch im Haar und pinken Chucks ein wenig in diese Richtung geht.


Im Fünfziger-Jahre-Kleider von Oma (1980).

Mit Anfang 20 hatte ich zwei Kleider aus den 50er-Jahren, von meiner Oma geerbt. Die habe ich geliebt. Ein toller Stil und eine Zeit, in der man weibliche Kurven schätzte! Das eine Kleid war auch mit Punkten und aus Seide – ganz hochgeschlossen. Das andere aus einem Material, das man vielleicht von Hutbändern kennt: etwas geriffelte Viskose im Streifenlook. Ich hab sogar noch ein Foto davon gefunden. Anfang der 80er war es natürlich völlig bekloppt, mit Fünfziger-Jahre-Kleidern ‘rumzulaufen. Aber ich bin eben nie mit der vorherrschenden Mode geschwommen. 


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Mein Hochzeitsoutfit! Nicht etwa, weil ich es besonders häufig anziehe, sondern weil es eine so schöne Geschichte hat. Die Jacke hat mir eine Freundin genäht. Aus einem echten Hochzeitssari, den mir eine andere Freundin einmal aus Indien mitgebracht hat.

Ich mag es sehr, wenn Kleidung solche emotionalen Verbindungen hat.


Die beste Wende! Hochzeit in einer Jacke aus einem Hochzeitssari (2007).


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ganz ehrlich: Mir geht das ewige Getue um’s Aussehen manchmal sehr auf die Nerven. Ich diskutiere das übrigens ständig mit meiner Tochter. Ich finde, dass junge Frauen heute viel zu viel über ihr Aussehen nachdenken. Das ist auch durch die Medien geprägt. Ich finde es zum Beispiel völlig normal, ungeschminkt aus dem Hause zu gehen. Das hat nichts mit dem Älterwerden zu tun. Man sieht es einem Menschen an, ob er mit sich im Reinen ist. Und dann muss man auch sich auch nicht in Verzweiflung stürzen, wenn man zum Beispiel ein paar Falten mehr hat.


Anke mag’s ungeschminkt und gerne bunt! (2013) ...


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Eigentlich bin ich mehr der Wasser-und-Seife-Typ. Wobei ich auch immer mal wieder auf das ein oder andere Wässerchen oder Tiegelchen hereinfalle. Ich habe allerdings eine sehr empfindliche Haut, da hat mich auch schon das eine oder andere teure Produkt sehr irritiert (im doppelten Sinne ;-))


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Vichy-Tagescreme. Mascara (eine die nicht so schnell verschmiert) und ein Gesichtswasser ohne Alkohol.


... und sportlich-bequem (Korsika, 2013).


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ja, ich habe ein tolles Schönheitsgeheimnis – erst kürzlich entdeckt! Nach dem Duschen trockne ich mich nicht ab, sondern reibe mich mit Babyöl ein. Erst danach trockne ich mich ab. Das macht eine traumzarte Haut. Man muss dann allerdings die Handtücher öfter waschen.


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Immer neugierig bleiben!


Danke, liebe Anke, für deine Antworten! Und in deiner Brikettfabrik (Wow!) komme ich dich gerne mal besuchen ... :-)) Übrigens ist auch mein Kleiderschrank voller Fehlkäufe, ich glaube, so sind wir Frauen einfach!

***
Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 14. April 2014, 09:00 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 6386 | Kategorie: Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: montagsinterviewmodekulturtussiinterviewfrauen ab 50beautyanke von heyl
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Kommentare

  • Liebe Farbenfreundin,
    da freue ich mich aber, wenn das Interview mir neue Leser beschert!!
    Und ja, ich bin auch schon megagespannt auf das nächste Interview.
    Noch schöne Ostern.
    Herzliche Grüße von Anke

    Anke von Heyl
    am Sonntag, 20. April 2014 um 19:01 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Großartig! hahah: Kulturtussi… wie cool. Anke, Du hast eine neue Leserin. Danke für dieses schöne Portrait. Tolle Frauen hat das Land - muss ich immer wieder sagen und ich freue mich schon heute wieder neu auf’s nächste Interview.

    Farbenfreundin
    am Freitag, 18. April 2014 um 20:35 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • @Eva Hach!
    @Claudia Und er ist so wahr, dieser Satz!
    Manchmal macht es natürlich trotzdem Spaß, sich auch ein bisschen Farbe ins Gesicht zu tun!
    Liebe Susi, das ist ja wirklich berauschend, was ich durch diesen Artikel für tolle Komplimente bekommen habe. Deswegen noch mal ein ganz großes Dankeschön an dich, deine tollen Interviewfragen und überhaupt!
    Herzlichst
    Anke

    Anke von Heyl
    am Dienstag, 15. April 2014 um 15:10 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • „Man sieht es einem Menschen an, ob er mit sich im Reinen ist.” Was für ein schöner Satz. Viele Grüße von einer, die fast nur ungeschminkt durchs Leben geht. (Die Töchter dagegen nicht.)

    Claudia Hilgers
    am Dienstag, 15. April 2014 um 15:05 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Auch ich bedanke mich beim Internet für die Bekanntschaft mit der wunderbaren Anke! Und das Interview fand’ ich jetzt wirklich interessant: Ich finde nämlich, dass Anke so einen ganz eigenen lässigen Kleidungsstil hat, der mir gut gefällt und immer sagt: „Ich fühle mich wohl in meiner Haut und ich liebe die Farben dieser Welt!” Ein ganz süßes Hochzeitsfoto ist das und ein bezauberndes Lächeln hat’se auch, die Anke :)) Danke für die Einblicke u. liebe Grüße!

    Eva Brandecker
    am Montag, 14. April 2014 um 18:20 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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