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Wer viel im Internet und in sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird ihr irgendwann begegnen: Ute Vogel. Das Internet ist für sie eine zweite Heimat: Lebensraum, Arbeitsplatz, Großraumbüro. Der Ort, um Menschen kennen zu lernen, Ideen zu entwickeln und Projekt zu realisieren. Gemeinsam mit Wibke Ladwig und Anke von Heyl war sie zum Beispiel Initiatorin und Organisatorin des viel beachteten stArtcamps Köln. Wiederum gemeinsam mit den beiden gründete sie die Herbergsmütter, die Brutstätte toller (Kultur-)Projekte und Veranstaltungen, die On- und Offline miteinander verbinden.

Dabei begann alles erstmal ganz anders: Objektdesign-Studium. Mitarbeit in einem Grafik-Atelier. Redaktionsassistentin für eine Fernsehshow. Fortbildung zur Multimedia-Designerin. Mitgründung einer Multimediaagentur, Ausstieg nach acht Jahren. Seitdem ist Ute als freiberufliche Grafik- und Webdesignerin tätig (mit immer mehr Grafik und immer weniger Web).


Ute Vogel, 48.

Und mit immer mehr Kunst und Kultur in ihrem Leben: Sie spielt beim freien Ensemble Bühnlein brilliant, macht Kunst mit ministeck (sic!), bloggt, interessiert sich für Eat Art und Eating Design, betreibt den Kunststrudel – und versteht sich immer mehr als Kreativarbeiterin über viele Genres hinweg.

Und Mode? Hat in ihrem Leben durchaus auch eine Rolle gespielt! Aber lies selbst!


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Ich wollte tatsächlich mal Modedesign studieren.

Ich hole etwas aus: Ich habe eine Problemfigur. Klingt blöd, ist aber so. Ich war immer schon überdurchschnittlich groß und bis Mitte zwanzig auch dürr. Nicht dünn, dürr. In meiner Kindheit und Jugend war es extrem schwierig, passende Klamotten zu finden. Zu kurze Ärmel und Hochwasserhosen waren mein Standard – und die waren zu der Zeit nicht modern! Als Teenager wurde das dann irgendwann dramatisch und ich habe nähen gelernt. Meine Oma und meine Mutter haben mir die Basics beigebracht, den Rest ich mir selber. Ich habe dann tonnenweise Klamotten genäht – und die meisten davon nie getragen. Viele Sachen haben mir in den Zeitschriften und an anderen total gut gefallen, an mir aber nicht.



Selbstgenäht, weil sonst nichts passte! (1986)


Das Nähen an sich hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich hätte gerne eine Ausbildung zur Schneiderin gemacht, habe aber keinen Ausbildungsplatz gefunden. Nach meinem Fachabitur habe ich mich an ein paar Modeschulen beworben, bin aber nicht angenommen worden. Naja, und so nahmen die Dinge einen anderen Lauf.

Heute ist mein Verhältnis zur Mode ... eher keins und wenn, dann ein theoretisches. Ich verfolge Modetrends nicht bewusst. Obschon ich gerne gut angezogene Menschen sehe – was in Köln schwierig ist. Wenn mir mal Bilderstrecken von Modenschauen in Zeitschriften unterkommen, kann ich das genießen. Wie Bilder im Museum. Serien wie Mad Men oder Downton Abbey mag ich u. a. auch aufgrund der Ausstattungsorgie – ich kann mich sehr für die Kostüme begeistern.


Twitter-Aktion der Bayrischen Staatsoper: „Ich liebe es, mich zu verkleiden!” (2014)


Ich liebe das Verkleiden. Je aufwändiger und wüster, desto besser, auch beim Schminken. Ich lebe das allerdings in der theatralen Inszenierung aus, nicht privat. Ich träume davon, mal in einem historischen Stück oder Film mitzuspielen – alleine wegen der Kostüme. ;)

Bei meiner privaten Kleidung bin ich pragmatisch. Sie muss in erster Linie praktisch und bequem sein. Einkaufen ist mir seit vielen Jahren ein Graus. Wenn andere vergnügt „shoppen“ rufen, stöhne ich entnervt auf. Bei Gelegenheit stromere ich mal durch den einen oder anderen Laden und wenn ich was sehe, das mir gefällt und passt, kaufe ich es. Das schlimmste ist, wenn ich etwas dringend benötige. Dann geht die Suche los, und entweder ist es gerade nicht modern oder nicht in meiner Größe da oder es ist die falsche Jahreszeit. Wenn ich dann in mehr als drei Läden muss, ist das für mich eine Qual. Was bin ich froh, dass man online einkaufen kann!


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Ich konnte mich immer schon an Stoffen und Materialien berauschen. Ich habe in meinem Leben wahrscheinlich hunderte von Metern Stoff gekauft, unabhängig davon, ob er mir stand oder zu mir passte. Und das war lange auch das Dilemma. Ich wusste nicht, was mein Stil war. Als Teenie mäanderte ich von Stil zu Stil. Die Phase mit Allround-Turnschuhen, Jeans und Nato-Parka, eine kurze Zeit ein bisschen angepoppert, ein bisschen Öko, mit Punk sympathisiert, aber mich nie richtig getraut, dann die schwarze Waver-Ära, wo ich wohl die längste Zeit verbracht habe. Standard-Outfit waren knallenge schwarze Hosen, schwarzer Blazer und DocMartins/Creeps/nadelspitze Schnallenstiefeletten. Dazu eine hochtoupierte „Nestfrisur“.



Als Waver mit Nest-Frisur. Und so was von cool. (1984)


Mit Mitte 20 bin ich dann wieder zu T-Shirt, Sweatshirt und Jeans zurückgekehrt und im Prinzip trage ich diesen Stil bis heute. Schwarz ist immer noch meine meistverwendete Farbe, grün geht immer und auch knallrot, braun, hellgrau und pink trage ich gerne mal. Alles andere steht mir nicht (das weiß ich jetzt! ;-))

Grundsätzlich bevorzuge ich es schlicht und basic, gerne auch mal ein ausgefallenes oder auffallendes Teil oder Accessoire dazu. Und Strickjacken. Ich liebe Strickjacken. Ohne Jacke fühle ich mich auch nicht richtig angezogen.



Alltime Favorites: bequeme Basics. (1997)

Ich bin wahnsinnig bequem. Klamotten müssen bequem sein! Ich kaufe in der Regel nichts, was man reinigen muss. Handwäsche ist mir schon zu kompliziert. Ich trage auch sehr selten Röcke oder Kleider, die habe ich schon als Kind nicht gerne getragen und habe mit meiner Mutter Kämpfe darum ausgetragen. Heute weiß ich auch warum: Wegen der Strumpfhosen! Strumpfhosen sind immer zu eng, klemmen, rutschen und machen Schwitzfüße. Dieses Rein- und Rausrangeln – furchtbar! Und dann immer dieses Rumgezuppel, ob der Saum vom Rock auch nicht in der Unterhose steckt oder sonst was verquer hängt.


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Vorbilder hatte ich nie. Vivienne Westwood finde ich toll. Auch Madonna hatte Mitte der 80er mit dem Material-Girl-Look Einfluss auf mich. Mit Punk habe ich immer sympathisiert, ich mag den Look der 30er-, 40er- und 60er-Jahre – aber alles eher bewundernd und schwärmend aus der Ferne.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Ich habe immer Lieblingskleidungsstücke, die trage ich dann auch, bis sie auseinanderfallen. Zur Zeit sind es eine schwarze Marlene-Hose, die sicher nicht mehr lange mitmacht, und die grauen New-Balance-Turnschuhe.



Lieblingsteil I: Lackmantel in Knallrot! (2008)


Und ich liebe meinen knallroten Lack-Trenchcoat. Weil ich den nur an wenigen Tagen im Jahr tragen kann (das dünne Plastik wärmt nicht bzw. man schwitzt sehr schnell) hält der bestimmt noch ewig. 


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich bin 1,84 Meter groß und Zeit meines Lebens durch meine Körpergröße aufgefallen – dachte ich zumindest. Und ich fand es immer schrecklich. Als Teenager bin ich mit dem typischen Rundrücken durch die Gegend geschlurft und habe versucht mich in zeltähnlichen Kleidungsstücken zu verstecken. Das hat sich erst mit Ende 20 geändert, da habe ich sowas wie ein körperliches Selbstbewusstsein entwickelt. Das war eine maßgebliche Änderung.



Lieblingsteil II: Marlene-Hose in Schwarz! (2006)


Und in den letzten Jahren? Dass da an manchen Stellen so Fettpölsterchen wachsen und es an anderen Stellen etwas schlaff wird, gefällt mir natürlich nicht, aber ich war noch nie der Typ, der wahnsinnig viel Zeit in Körperertüchtigung oder aufwändige Pflegeprozeduren steckte. Ich nehme das mehr oder weniger fatalistisch hin und bin dankbar, dass ich die schlanke Figur meiner Eltern geerbt habe, denn aufgrund meiner Ernährung und meines Sportverhaltens müsste ich eher kugelförmig aussehen.

Je nach Tagesform schwanke ich zwischen „Niemals ohne Lippenstift aus dem Haus!“ und „Im eigenen Viertel muss man auch mit Puschen und Lockenwickler zum Kiosk gehen können“. 


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich schminke mich selten und wenig, denn abschminken ist mir lästig und mit Make-up fühle ich mich maskiert. Lippenstift ist allerdings unerlässlich. Meine Haut ist sehr trocken und auch zickig, ich reagiere auf viele Produkte mit tränenden Augen oder Pickeln, da muss ich eh immer lange suchen und ausprobieren, bis ich etwas finde, das ich gut vertrage. Ich schwöre auf die gute alte Nivea-Creme und komme mit den meisten Produkte von Alverde gut zurecht.


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Zahnbürste, Deo, Nivea-Creme.



Elegant und mit glatt geföhnten Haaren – schön! (2004)


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Viel Schlaf. Mit zunehmendem Alter macht sich Schlafmangel äußerlich immer bemerkbarer. Ich brauche von Natur aus viel Schlaf. Acht Stunden mindestens, besser zehn. Da ich tendenziell ein Nachtmensch bin, aber in einer Taggesellschaft lebe, habe ich da einen Konflikt.

Davon abgesehen ist man schön, wenn man glücklich, froh und mit sich zufrieden ist.


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Eigentlich nicht. Dany Crane – famose Figur aus der TV-Serie „Boston Legal“ – sagt in einer Folge: „Es macht Spaß, ich zu sein“. Das halte ich für erstrebenswert.

Danke fürs Dabeisein, liebe Ute! Und danke dafür, dass du mich von dem Irrglauben befreit hast, mein Missbehagen in den niemals passenden Strumpfhosen läge an meinen Rundungen! ;-))

***
Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 30. Juni 2014, 09:00 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 7386 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: web-designerinute vogelschönheitmontagsinterviewmodeinterviewherbergsmütterfrauen ab 40älterwerden
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Kommentare

  • Sehr sympathisch. Oh ja, dasselbe Schönheitsgeheimnis, nämlich Schlafen. Gerne würde ich Ute mal in Puschen in ihrem Viertel über’n Weg laufen und bei Kaffee & Co über poppige Nestfrisuren, Nähversuche als Teenager und und und erzählen. Klasse. Danke für das tolle Interview einer tollen Frau!
    P.S. Strumpfhosen sind auch für mich ein Greul…

    Farbenfreundin
    am Mittwoch, 02. Juli 2014 um 23:43 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Vielseitig und spannend zu lesen wie die Selbstwahrnehmung sich mit den Jahren ändert, sehe auch immer gern die Fotos von früher an. LG Sabina http://oceanbluestyle.blogspot.de

    Sabina @ Oceanblue Style
    am Dienstag, 01. Juli 2014 um 22:34 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich bin ja familiär fremdgesteuert und muss vor sieben ein verschlafenes Wesen durch Challenges wie Frühstück, Zähneputzen Anziehen bugsieren. Und auch noch so tun, als sei morgendliche Hektik das Nonplusultra. Übel.

    Alice Scheerer
    am Montag, 30. Juni 2014 um 23:18 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • ... schrieb Frau Scheerer um 8:36 Uhr!!! :) <3

    UTe
    am Montag, 30. Juni 2014 um 11:10 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wie @BeEsHa schon bemerkte: nun sind die Herbergsmütter auch bei Texterella komplett. Sind ja auch durchweg bewundernswerte und grundsympatische Frauen!

    „Viel Schlaf. Da ich tendenziell ein Nachtmensch bin, aber in einer Taggesellschaft lebe, habe ich da einen Konflikt.”

    Diesen Konflikt kenne ich nur zu gut. Entweder früh schlafen gehen und lächelnd anspruchslosen Kleinkram erledigen oder in Ruhe produktiv nachtarbeiten und grummelig durch den Tag schlurfen ...
    Da ich Ute nur komplett tiefenentspannt kenne, hat sie mir wohl etwas voraus ;-)

    Gruß vom Neckar
    Alice

    Alice Scheerer
    am Montag, 30. Juni 2014 um 10:36 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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