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Powerfrau. Wenn es in meinem Umfeld eine Frau gibt, auf die dieses Wort wirklich passt, dann ist es Susanne Westphal: Unternehmerin mit diversen erfolgreichen Firmen, seit sie 25 ist. Als Kommunikationstrainerin an 120 Tagen im Jahr unterwegs. Autorin von fünf Büchern. Mutter von fünf Kindern. Wie keine andere schafft sie meines Erachtens den Spagat zwischen Kindern und Karriere und zwischen Leben und Arbeiten. Und wunderschön ist sie auch noch!


Susanne Westphal, 43. (Foto: Raimar von Wienskowski)

Ein richtiges Energiebündel also. Und dennoch wirkt Susanne immer entspannt, ausgeglichen, gut gelaunt. Und kein bisschen gestresst. „Als erstes wird im Jahr der Urlaub eingetragen, und zwar viel Urlaub”, sagt sie auf die Frage, wie sie dies schafft und scheinbar mühelos zwischen Work und Life balanciert. In intensive Arbeitsphasen baut sie außerdem immer auch Zeiten für Sport, Wellness und Treffen mit Freunden ein.

Aber ich will nicht zu viel verraten ... lies einfach selbst.


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

In meinen ersten zwölf Lebensjahren musste Kleidung allein meiner „Abenteuerlust” gerecht werden. Ich kraxelte leidenschaftlich gerne auf Bäume, baute Lehmdämme am Inn, wühlte im Sand - und zog mich dazu an wie ein Junge, in erster Linie also bequem und robust. Aber dann kam „La Boum - Die Fete” und mit diesem Film Sophie Marceau als Vorbild. Meine neue Erkenntnis: Mädchen dürfen auch nach Mädchen aussehen. Mein Stil wechselte sanft zu Jeans mit schöner Bluse: also immer noch sportlich, aber auch weiblich.

Als Teenie und als Studentin lief ich gern mit kurzen Röcken, bunten Strumpfhosen mit auffälligen Mustern oder knallig bunten Oberteilen herum. Ich liebte Gegensätze und kombinierte den feinen Minirock mit derben Stiefeln, die enge Jeans mit Schlabber-Oberteil. Mode hieß für mich: experimentieren, ausprobieren, mutig sein, anders sein.


Anfang 20 im selbstgestrickten Pulli (er existiert heute noch).

Als Werkstudentin mit 21 machte ich dann eine sehr verblüffende Erfahrung: Ich probierte ganz bewusst aus, welch unterschiedliche Wirkung ich erzielte, je nachdem, ob ich in Jeans und Sweatshirt unterwegs war oder in dem einzigen, schicken Strenesse-Anzug, den ich besaß. Während ich im derben Look überhaupt nicht wahrgenommen wurde (Sekretärinnen schimpften in meiner Anwesenheit ungerührt weiter über ihre Chefs oder plauderten über Interna), erfuhr ich im Anzug viel mehr Respekt. So „durfte” ich nicht unter die Schreibtische krabbeln, das erledigten die Herren für mich.


Jeans? Nur privat! (Foto: Raimar von Wienskowski)

Seitdem bin ich fest überzeugt: Jeans hat im Job für mich nichts verloren.

Als ich am Beginn meiner beruflichen Laufbahn stand, hatte ich aber Sorge, als junge Frau nicht ausreichend Ernst genommen zu werden. Ich dachte, wenn ich mir mit modischer Kleidung und perfektem Make-up noch besonders Mühe gebe, traut mir womöglich keiner schlaue Inhalte zu. Also war mein Stil eher lässig, ich trug lieber (weiblich geschnittene) Anzüge als Kleider oder Kostüme und war dazu völlig ungeschminkt. Das hat sich völlig verändert. Mir ist es heute sehr wichtig, meine Weiblichkeit zu zeigen. Overdressed gibt es nicht, gleichzeitig darf Kleidung aber auch nicht das erste sein, was jemand an mir bemerkt.

Insgesamt interessiere ich mich sehr mäßig für Mode, hechle keinen Trends hinterher und weiß auch nicht, welcher Designer gerade was herausgebracht hat. Aber es gefällt mir, wenn sich jemand besonders und zu seinem Typ passend kleidet.



Speakerin im Businesslook.


Ich besitze nicht viele, aber ausgewählt schöne Kleidungsstücke. Lieber kaufe ich mir ein einziges teures Teil, das zum Liebling wird, als dass ich zu zehn Billig-T-Shirts greife, die nicht richtig passen und die mir sowieso nur den Kleiderschrank verstopfen.


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Ich mag taillierte, knielange Röcke und Kleider, die mit meiner Fröhlichkeit mitschwingen und mir immer das Gefühl geben, richtig angezogen zu sein. Ich liebe weiße Blusen, aber auch leuchtende Akzente, wie sie etwa mein quietschroter Mantel setzt. Ich steh total auf die Wickelkleider von Diane von Fürstenberg oder auch auf die abendtauglichen Business-Kleider von Anna Fuchs. Und ich mag den Stil von Lena Hoschek. Diese drei machen ganz einzigartige Mode, auf die ich sehr oft angesprochen werde.


Lieblingskleid von DvF. (Foto: Raimar von Wienskowski)


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Ich mag die Eleganz von Audrey Hepburn, den Mut von Madonna, die Weiblichkeit von Barbara Schöneberger. Aber ein modisches Vorbild? Nein, das habe ich nicht wirklich. Im Gegenteil. Ich versuche gern, etwas besonderes für mich auszuwählen, was nicht jeder hat. Auch wenn es noch so schöne Anzüge und Kostüme von René Lezard oder Boss gibt: Ich würde sie nicht kaufen, weil ich nicht auf Dutzende andere treffen will, die dasselbe anhaben. Auch wenn das außer den Trägerinnen vermutlich niemandem auffallen würde, weil die Teile zugleich zu wenig markant sind.

Was ich außerdem liebe: Dirndl. Die trage ich sogar in Hamburg, einfach so, ohne Anlass. Aber ich würde keinen Vortrag im Dirndl halten, weil ich nicht auslösen möchte, dass alle rätseln „Was will sie uns damit nur sagen?”


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Ich habe viele Lieblingsteile ... je nach Anlass und Rahmen ganz unterschiedliche.


Im Dirndl: eine Oberbayerin in Hamburg.

Wenn ich als Person durch meine Arbeit im Mittelpunkt stehe, etwa bei einem Vortrag oder Seminar, ziehe ich mich farblich zurückhaltend (am liebsten schwarz, grau oder weiß) an. Etwa ein Kleid, dessen Raffinesse erst beim dritten oder vierten Blick rüberkommt. Bin ich aber Besucherin einer Messe, trage ich gern etwas Auffälliges, etwa mein fuchsia-farbenes Kleid. Ich möchte ja Kontakte machen und wahrgenommen werden - und nicht im Grau der anderen Besucher untergehen. Und im Sommerurlaub in Italien - da trage ich Kleider, die ich in Hamburg nie wagen würde, anzuziehen.


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich glaube, ich bin weicher und weiblicher geworden. Und es ist mir nicht mehr so wichtig, was andere denken. Ich mache vieles nur für mich. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass ich zu Hause meist nicht anders herumlaufe als draußen. Und ich investiere auch in richtig schöne Wäsche, die ja (fast) niemand sieht.

Das „Älterwerden” genieße ich sehr, auch bei der Wahl meiner Kleidung. Ich habe gelernt, was mir steht und was nicht. Dadurch muss ich nicht mehr stundenlang unschlüssig herumprobieren, sondern greife zielstrebig zu den passenden Knüllern. Was auch schön ist: Ich kann mir mehr leisten als früher.


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Wasser und Seife ist schon mal wichtig. Und eine gute Feuchtigkeitspflege. Ansonsten brauche ich nicht viel Schnickschnack.


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Zahnbürste und Zahnpasta sind ja keine Kosmetik, aber ohne die geht gar nichts!

Wenn ich in Hotels bin, komme ich mit den Shampoo- und Bodylotion-Pröbchen gut zurecht. Aber ich würde mir wohl eine gute Tagespflege fürs Gesicht kaufen. Dann wäre mir außerdem ein Parfum wichtig. (Das Problem wäre nur:  Meinen Lieblingsduft gibt es nur in einer ganz bestimmten Parfümerie in Hamburg.) Und unbedingt Wimperntusche (Doll Eyes von Lancôme) und einen dunklen Kajal. In arbeitsintensiven Phasen im blassen Winter bräuchte ich dann vielleicht auch einen guten Abdeckstift wie den Touche Eclat von Lancôme. Waren das jetzt schon drei?


An 120 Tagen im Jahr unterwegs.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis? Wenn ja, welches?

Ich bin überzeugt: Schönheit beginnt innen! Deshalb investiere ich lieber in meine eigene Ausgeglichenheit und gute Laune. Wenn ich einmal nicht so gut drauf bin, will ich schnell die Ursachen herausfinden und bearbeiten. Oder ich beuge Sorgenfalten und einer Grüblerstirn gezielt vor, indem ich auf meinen Körper höre und mir Auszeiten nehme, wenn mir das gut tut. Ich nehme mir ganz bewusst Zeit für regelmäßigen Sport, für albernes Herumtollen mit meinen Kindern oder für entspanntes Lesen in der Badewanne. Ich liebe regelmäßiges Schwitzen beim Joggen, im Fitnessstudio oder in der Sauna oder in der warmen Sommersonne. Ausreichend Schlaf schadet auch nicht. Und ich bin sehr froh, dass ich nicht rauche, weil die Haut dadurch nicht schöner wird.


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Erfolg buchstabiert man T-U-N.

Ich nehme mein Glück gern selbst in die Hand.


Vielen Dank, liebe Susanne, für deine Zeit! Und für die Stupser in Sachen gesunder Work-Life-Balance!

***

Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hier: Click and enjoy!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 07. Oktober 2013, 09:00 Uhr
Kommentare: 7 | Aufrufe: 11447 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: susanne westphalstilschönheitmontagsinterviewmodekommunikationstrainerininterviewfrauen ab 40anti-agingälter werden
Das könnte auch interessant sein:
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Petra Lehmann.
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Ingrid Heuser.
Das Montagsinterview mit Esther Langmaack.
 

Kommentare

  • Oooch, man wird ja richtig neidisch! Und dass es das doch gibt, diese Superfrauen, nein, Spitzenladys! Irgendwie hatte ich schon gedacht, das seien Trugbilder, die man uns wie Karotten vor die Eselsnase hängt. Aber Susanne ist einfach prima, das weiß ich aus Erfahrung. Kennt ihr ihren Newsletter? Jeden Mittwoch. Ich freu mich immer drauf! Nachdenklich, informativ, positiv, intelligent.

    Nessa Altura
    am Freitag, 11. Oktober 2013 um 21:06 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ach Mädels, so schlimm sind wir doch gar nicht. Auch Jungs lesen diesen Blog. Oder den von Susanne Westphal. Auch wenn da manchmal „Schlechte Nachrichten” rüberkommen.

    Von den schönen, weiblichen Eigenschaften wollen wir uns gar nix abschneiden - wär ja schade drum. Ich denke aber, dass wir Männer uns auch gegenseitig beistehen können. Ich spüre viel Herzlichkeit und auch Einfühlungsvermögen bei uns in der Firma. Aber ... vielleicht hängt es tatsächlich davon ab, ob wir in einem Umfeld leben und arbeiten, wo diese Empathie zugelassen wird. Ich fürchte, dass wir Männer zu oft schief angeguckt wurden, wenn wir uns herzlich oder einfühlsam verhalten haben. „Das ist ja unmännlich” - denken übrigens auch Frauen.

    Wir sind hier alle Susanne-Fans, und das tut offensichtlich dem Klima gut. :-)

    Helmut v. Stackelberg
    am Mittwoch, 09. Oktober 2013 um 14:48 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich bin ganz gerührt von Euren herzlichen und liebevollen Kommentaren. Vielen Dank!
    Ob Männer auch so wären?
    Ich finde das eine sehr schöne, weibliche Eigenschaft, dass wir uns so solidarisch unterstützen, motivieren und mit Herzlichkeit überschütten! Jungs, da könnt Ihr Euch eine Scheibe abschneiden!

    Susanne Westphal
    am Mittwoch, 09. Oktober 2013 um 11:13 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wie immer hat es mir großen Spaß gemacht, zu lesen. Auf mich wirkt diese tolle Frau sehr motivierend. Ich werde künftig noch mehr auf innere Ausgeglichenheit achten. Wenn’s schön macht… :)

    Biggi
    am Dienstag, 08. Oktober 2013 um 00:03 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Was für ein schönes Interview! Und so viel geballte Lebenserfahrung und Weisheit! Ich stimme absolut zu, dass wenige, aber hochwertige Kleidungsstücke das Fundament einer tollen Garderobe sind. Und dass sich Frau in erster Linie für sich selbst anziehen sollte…
    Besonders interessant finde ich, dass Frau Westphal bestimmte berufliche Situationen farblich unterschiedlich angeht: Vom dezenten Rednerinnen-Auftritt bis hin zum farbenfrohen Dasein im Menschen-Getümmel. Das dürfte die Lösung für die häufig geführte Diskussion sein, ob und welche Farben bei professioneller Kleidung angemessen sind. Vorbildlich!

    Insgesamt wieder einmal ein sehr inspirierender Beitrag über eine tolle, starke Frau! Danke, liebe Susanne!

    Stephanie alias die Modeflüsterin

    Stephanie
    am Montag, 07. Oktober 2013 um 14:32 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wow - so viel geballte Power ... die kommt in jedem Satz zum Vorschein.
    Genau das Richtige für einen grauen Montag-Morgen, vielen Dank dafür!

    Und dieses Bild mit dem DvF-Kleid - das würde ich wahrscheinlich auf Wohnzimmer-Ölgemälde-Größe ziehen, so schön ist das!

    Danke für ein wunderbares Interview mit einer spannenden Frau!

    Michaela Pelz
    am Montag, 07. Oktober 2013 um 12:45 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich bin begeistert! Richtig hin und wech! Susanne (W) Du bist eine tolle Frau und es ist unglaublich wichtig, dass sich Frauen wie Du auch zu ihrer Weiblichkeit bekennen und sie auch leben. Ich freue mich ganz besonders darüber, weil ich ja noch zur entweder/oder Generation gehöre und weiß, wie schrecklich es für viele Frauen war, eine Hälfte von sich verstecken zu müssen. Du bist eine sowohl als auch Frau und dazu kann ich Dir wärmstens gratulieren! Danke an euch beiden Susannes für dieses tolle Interview!
    Liebe Grüsse, Etelka

    Etelka Kovacs-Koller
    am Montag, 07. Oktober 2013 um 10:30 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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