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Wenn mir bei meinen Montagsinterviews eines immer wieder auffällt, dann dies: Viele Frauen blicken auf einen unglaublich bunten Lebenslauf zurück! Und für viele sind es gerade die größeren und kleinen Kurven, die ihr Leben bereichern – und sie schlussendlich dann doch genau dorthin bringen, wo sie am liebsten sein wollen. Und genau zu dem Beruf, der am besten passt.

Ein wenig war es wohl auch bei Sigi Lieb so. Begonnen hatte alles mit einer Schulzeit in der nordbayrischen Provinz nahe der heute thüringischen Grenze – und der Sehnsucht nach der weiten Welt.


Sigi Lieb, 43. (Foto: Isabella Raupold – wie auch alle weiteren 2013er Fotos)

Nach dem Abitur wollte sie erstmal raus aus der Enge. Sie studierte, Sozialwissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg mit dem Schwerpunkt Entwicklungsländer und bereiste die Welt, soweit das Geld reichte: in die Sowjetunion (die damals noch so hieß), die USA, Burkina Faso, Haiti. Bereits während des Studiums arbeite Sigi als freie Mitarbeiterin bei Radiosendern und Zeitungen und volontierte nach dem Examen bei der Deutschen Welle in Köln, Bonn und Berlin, um schlussendlich als freie Journalistin zunächst bei der Deutschen Welle und dann beim WDR zu landen.

Vorerst zumindest, denn nach der Geburt ihres Sohnes wurde dann alles wieder anders. „Ich konnte nicht zwei Herren – meinem Kind und der Fernsehredaktion – gleichzeitig eine 24/7-Flexibilität bieten.” Dennoch wollte sie auch als Mutter beruflich weiterhin das machen, was sie konnte. Und mochte. Sie disponierte um, legte noch eine Zusatzausbildung zur DPRG-zertifzierten PR-Beraterin drauf und arbeitet heute als Beraterin, Texterin und Konzeptionierin für Marketing und PR.

„Klamotten? Kosmetik? Das interessiert mich nur sehr begrenzt“ – jaja, das sagen sie alle! ;-) Ich habe Sigi trotzdem danach gefragt ...


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Ich war nie jemand, der darauf geachtet hat, was man so trägt. Hatte immer einen eigenen Kopf und einen eigenen Stil. Und ich gehe nur ungern Klamotten kaufen. Ich empfinde es als lästig und mühsam, aus den vielen doofen Sachen das zu finden, was mir gefällt, passt und in meinem Budget ist.

Am meisten experimentiert habe ich Zeit meines Lebens vermutlich mit Haarfarben und Haarlängen. Da war im Laufe der Jahre vieles dabei, von rappelkurz bis lang und von hellblond bis schwarz und alle möglichen Rottöne. Irgendwann bin ich zu meiner natürlichen Haarfarbe zurückgekehrt. So sehe ich wenigstens, wenn sie anfangen, grau zu werden. ;-)



Zurück zur Naturhaarfarbe. (2013)


Als Kind konnte ich Röcke und Kleider nicht ausstehen und habe auch als junge Frau nur sehr selten Röcke oder Kleider getragen. Ich fand sie unglaublich unpraktisch. Inzwischen trage ich hingegen ganz gerne mal einen Rock oder ein Kleid – aus dem gleichen Grund: Das ist manchmal sehr praktisch, weil Röcke leichter passen. Bei Hosen ist das mitunter kompliziert, vor allem bei Stoffhosen. Bei Jeans weiß ich, welche passt und die kaufe ich dann konsequent nach.

Schuhe müssen für mich nicht nur schön, sondern auch bequem sein. Egal ob beruflich oder privat. High Heels lasse ich weg und normale Pumps vermeide ich, so gut ich kann. Ich stehe gerne fest mit beiden Beinen auf dem Boden.

In Farben gesprochen trage ich gerne Orange, Rot und Hellblau, aber auch Schwarz und Brauntöne. Gar nicht gehen für mich Pastellfarben. Abgesehen davon, dass sie mir nicht gefallen, habe ich das Gefühl, sie wirken bei mir wie eine Tarnkappe. Ich verschwinde dahinter. Rosa und Pink fand ich schon als Kind doof, auch heute sind das nicht unbedingt meine Farben. Nur eine Bluse habe ich, auf der Pink mit Orange und weiteren Farben kombiniert ist. Das war eines dieser Kleidungsstücke, denen man über den Weg läuft und weiß, das wurde extra für mich gemacht.


Ein langer Weg bis zum Business-Wohlfühl-Stil! (2013)


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Privat habe ich eher einen sportlich-legeren, vor allem früher bisweilen auch frechen und experimentierfreudigen Stil. Das verträgt sich allerdings nicht so gut mit Businesskleidung. Und so brauchte ich eine ganze Weile, bis ich meinen Stil für berufliche Klamotten gefunden hatte.

Als ich mit Mitte 20 nach Köln zum Volontariat zur Deutschen Welle kam, hatte ich das Gefühl, für den Job müsse ich mich seriöser kleiden. Allerdings waren damals viele Businessklamotten für mich schlicht unvorstellbar. Das war ich nicht mehr. Also suchte ich einen Kompromiss von dem ich dachte, geht für Job und geht gerade noch so für mich. Heute würde ich sagen, das war oft langweilig.



Experimentierfreude von Hut ... (1991)


Erst so nach und nach entwickelte ich auch für den Businessbereich meinen eigenen Wohlfühl-Stil, der zu mir passt. Ich denke, das hatte viel mit Selbstbewusstsein und Selbstverständnis zu tun. So frühreif ich körperlich war, so lange brauchte ich, um mich akzeptieren zu lernen. An der Stelle bin ich wohl eher Spätzünder. Gleichzeitig fühle ich mich aber am wohlsten und sichersten, wenn ich Ich sein darf, egal, ob ich privat oder beruflich unterwegs bin.


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Nicht direkt. Zumindest fällt mir niemand Konkretes ein. Klar, als ich Teenie war, war das spannend und wild, wie sich Madonna im Brautkleid und mit Kreuz um den Hals lasziv im Boot räkelte. Das Provozierende gefiel mir. Aber ein modisches Vorbild in dem Sinne war sie nicht. Zu der Zeit war ich auf bestem Wege zum Heavy-Metal-Fan, mit weitgehend schwarzen Klamotten, Nieten und Leder. Das wandelte sich dann mehr und mehr in Richtung Independent- und Underground-Musik.



... bis Haar (2000; Foto: Martin Haußmann).


Als modische Ära kamen mir die 90er Jahre zu pass. Da gab es relativ viele Sachen, die zu mir passten und mir gefielen. Es gab Frauenbands, die mit Minirock und Springerstiefeln auf der Bühne standen. Dieses Spiel mit weiblich-sinnlich und rustikal mochte ich. Vielleicht weil es die Frauen nicht auf Sexy-Lady oder braves Schmuckwerk reduzierte.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Ja, klar. Lieblingskleidungsstücke gab es immer wieder. Viele wurden dann so lange getragen, bis sie auseinander fielen. Manchmal begegnet mir ein Teil, das mich anspricht und mir sagt: Hey du, ich wurde eigens für dich gemacht. Diese Liebe bleibt dann meist bestehen und solche Teile haben gute Chancen zu einem Lieblingskleidungsstück zu werden. Ob sie das Zeug zum Lieblingsstück haben, weiß ich noch nicht, aber zuletzt sah ich ein paar rote Schuhe von denen ich dachte, die haben nur auf mich gewartet. Ich probierte sie, sie passten. Fertig.


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich war ziemlich frühreif und hatte mit 13 schon Busen und Hintern, meine Freundinnen größtenteils noch überhaupt nicht. Dadurch fühlte ich mich dick, was ich gar nicht war. Darunter litt ich lange. Oft sah ich nur das, was an anderen schöner, besser, toller war oder was andere besser konnten als ich. Mich und mein Eigenes konnte ich nicht würdigen.



Schön schwanger! :-) (2001)


Heute ist das viel besser. Ich bin mit mir und meinem Körper im Wesentlichen einverstanden. Klar, fünf Kilo weniger wären schon schick. Aber so ist es auch gut. Dafür kasteien würde ich mich jedenfalls nicht. Bei der Auseinandersetzung mit diesem Interview und dem Wühlen in alten Fotos ist mir aufgefallen, wie sehr wir uns doch oft durch Selbstkritik und Selbstverurteilung das Leben schwer machen. Also, ich habe das jedenfalls gemacht.



Die junge Mutter. (2002)


Und Falten? Naja, ist irgendwie normal mit 43, dass man Falten bekommt. Klar benutze ich Feuchtigkeitspflege und springe auch auf Werbung an, die weniger Falten verspricht. Alles andere wäre eine Lüge. Aber so richtig schlimm finde ich das nicht, dass ich Falten kriege bzw. habe. Habe gelebt, gefeiert und gearbeitet. Und vor allem viel Spaß gehabt, wenngleich vielleicht manchmal etwas wenig Schlaf. Das zeigt sich jetzt. Möglicherweise hätte ich aber genauso viele Falten, wenn ich nicht so viel gelebt und gefeiert hätte. Das wäre dann doppelt doof. Weiß nicht, vielleicht bekomme ich die Krise, wenn ich auf die 50 zugehe. Bisher sehe ich das alles noch entspannt.


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich schätze, ich bin der Wasser-Typ. Seife sieht mein Gesicht nur selten. Damit mache ich die besten Erfahrungen. Feuchtigkeitscreme brauche ich, vor allem wenn die Luft trocken ist. Ich schminke mich nur, wenn ich Lust dazu habe, und das dann eher dezent.

Ich glaube, dass eine gute Pflege wirkt. Aber sicher keine Wunder. Viel mehr glaube ich daran, dass Entspannung und innere Gelassenheit sehr viel dazu beitragen, dass jemand strahlt und gut aussieht.


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Spontan: Zahnbürste, Zahncreme, Duschgel. Aber diese Basics gelten ja nicht. Jenseits von Duschgel und Shampoo würde ich zuerst eine Feuchtigkeitspflege für meine Haare kaufen, da sie lang sind und die Spitzen leicht austrocknen. Und dann eine Feuchtigkeitspflege für meine Haut, die sonst spannt. Jetzt hätte ich noch was Drittes übrig. Das würde ich spontan entscheiden. Vielleicht eine Wimperntusche, vielleicht aber auch eine Handcreme oder was ganz anderes.

Marken interessieren mich nicht besonders. Ich achte bei den Produkten darauf, dass sie seifen- und silikonfrei sind und eher aus natürlichen Stoffen gemischt werden. Und wenn ich die nenne, die jetzt in meinem Schrank stehen, wäre es ungerecht, weil beim nächsten Kauf vielleicht etwas anderes da steht.


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ich glaube, am schönsten bin ich, wenn ich mich in mir drin schön fühle. Wenn ich mit mir im Reinen bin, mich wohl, zufrieden und geliebt fühle. Wichtig ist für mich regelmäßige Bewegung, die trägt zu meinem Wohlbefinden bei, ebenso wie Mediation und Yoga.



Zur Erholung raus ins Grüne ... (2013)


Und klar, gibt es Tage, da fühle ich mich hässlich und doof und welche, da fühle ich mich großartig und toll.


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Ich glaube, es gibt mehrere Mantras und die wechseln immer wieder mal. Früher war das eher sowas wie „Spaß haben, die Welt verändern und dabei Geld verdienen“. Heute geht das mehr in die Richtung „Am Ende ist alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende“. Im Grunde mag ich beide Sinnsprüche auf ihre Art und noch viele andere mehr.

Danke, liebe Sigi, für deine Zeit, deine Antworten, die tollen Fotos! Und für die Erinnerung daran, dass sich (innen) schön fühlen auch (außen) schön macht!

***
Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 26. Mai 2014, 09:00 Uhr
Kommentare: 10 | Aufrufe: 7719 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: sigi liebschönheitmontagsinterviewmodeinterviewfrauen ab 40beautyanti-agingälterwerden
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Kommentare

  • nun wir haben Sigi auch persönlich kennen gelernt, Bilder sprechen wie immer Bände!
    War manchmal anstrengend und laut

    Sylvia
    am Montag, 30. Juni 2014 um 12:56 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wow, Sigi, ich hoffe, ich treffe dich bald wieder (auf der Burg?). Was für eine erfrischende Einstellung zum Leben du hast, das gefällt mir. Und: Nö, mit 50 ists nicht anders als mit 40. Wenn man die richtige Einstellung zum Leben hat, und die scheinst du ja zu haben :)

    Daniela
    am Dienstag, 27. Mai 2014 um 21:51 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Das dachte ich allerdings auch! Sieht so klasse aus!

    Susi
    am Dienstag, 27. Mai 2014 um 17:46 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wenn ich das erste Foto so betrachte, dann überdenke ich meine Skepsis gegenüber Rock+Stiefel nochmal :))
    Sieht nämlich toll aus!

    frauziefle
    am Dienstag, 27. Mai 2014 um 17:38 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ja wow, was für tolle Haare. Zum neidisch werden… Und dann noch so eine spannende Vita. Großartig.
    Interessant, auf Haiti hätte ich Sigi fast treffen können(und dort sah damals zum ersten Mal brennende Reifen durch die Straßen rollen).
    Oh ja, und die innere Reise beim Wühlen in den alten Fotos kann ich gut nachvollziehen. Was machen wir uns durch heftige Selbstkritik doch das Leben (selbst) schwer. Unnötig!!

    Farbenfreundin
    am Montag, 26. Mai 2014 um 15:16 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Beim heutigen Interview haben mit gleich mehrere Gedanken sehr gefallen: Zum einen der, dass es Sachen gibt, bei denen man das Gefühl hat, sie wären eigens für einen gemacht. Jawoll!
    Zum anderen kenne ich das Gefühl beim Betrachten alter Fotos, wenn man denkt: „Mensch, was hast du damals bloß gehabt, du sahst doch ganz passabel aus.”
    Am besten aber gefällt mir die Aussage, dass es gerade die etwas unvernünftigen Zeiten im Leben waren, die es spaßig und lebenswert gemacht haben. Dafür muss man eben ein paar Falten in Kauf nehmen.
    Eine sehr sympathische Frau mit traumhaft schönen Haaren!

    Bianca
    am Montag, 26. Mai 2014 um 13:38 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • @Michala. Danke, danke ... werd ja ganz rot :-) - Das Lob gebührt der Fotografin. Das hat sie wirklich gut gemacht, finde ich.

    Sigi
    am Montag, 26. Mai 2014 um 12:06 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Sigi, du siehst SENSATIONELL aus in diesem orangenem Teil in dem vom Winde verwehten Draußenfoto.
    Das strahlt so viel Lebensfreude aus, dass es vor meinem Fenster plötzlich ganz ganz hell wird, obwohl (ich schwör’s!) da grade eben noch so eine fette, fiese Wolke ihr Unwesen trieb!

    Michaela
    am Montag, 26. Mai 2014 um 11:28 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Du musst mal auf die Burg kommen, Annette - dort sind viele davon „live” zu erleben! :-D

    Susi
    am Montag, 26. Mai 2014 um 11:13 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Mal wieder ein sehr schönes Interview mit eines sehr sympathischen Frau!

    Annette Jarosch
    am Montag, 26. Mai 2014 um 11:05 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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