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Petrina Engelke habe ich in New York auf der Geburtstagsparty meiner lieben Freundin Katja kennengelernt. Es war ein wenig kurios, weil wir uns eine ganze Weile auf Englisch unterhielten, bis wir merkten, dass wir beide Deutsche waren – mit dem Unterschied, dass ich auf Besuch war, während Petrina seit vier Jahren in New York lebt.

Denn 2010 – mit 41 – hatte sie das gewagt, was andere in ihren Zwanzigern machen: Petrina löste ihren Ruhrgebietshaushalt auf, packte zwei Koffer und zog nach New York. Wegen New York und trotz New York, sagt sie. Dort arbeitet sie nun seit vier Jahren als freie Journalistin für allerlei deutsche Medien, und weil die Stadt vor Geschichten nur so strotzt, hält Petrina außerdem Momentaufnahmen, Skurriles und Reisetipps in ihrem Blog Moment: New York fest. Außerdem hat sie vor kurzem ein Geschenkbuch für frischgebackene Mütter geschrieben. Obwohl sie selbst gar keine Kinder hat. Oder vielleicht gerade deshalb? In „Mama! Noch Fragen?“ gibt sie aber keine klugen Ratschläge oder Erfahrungsberichte zum Besten, sondern sie stellt Fragen. Was wiederum zu ihr passt: Petrina hat sich auf Interviews spezialisiert.


Petrina Engelke, 45.

Da war ich natürlich besonders gespannt, wie sie sich umgekehrt mal als Antwortgeberin macht ...


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Ich finde Mode lustig – weil ich so gut wie nie Sport gucke, mache ich sie zu meinem Zuschauersport: Ich nehme sie nicht bierernst, fiebere aber trotzdem manchmal mit. Was hatte ich zum Beispiel Spaß, als Punk mal wieder in Mode kam – für eine verwaschen rote Leopardenmusterjeans habe ich mir glatt die Umkleidekabine im Teenieladen angetan. Danach habe ich ganz in der Nähe ein leicht tailliertes Business-Jackett gekauft. Passt doch.

Mode ist für mich eine prima Ergänzung zum eigenen Stil (den ich viel, viel wichtiger finde). Ich mag es, wenn Menschen sich so kleiden, dass ich merke: Die wissen, wer sie sind. Das prägt auch meinen Stil, und der hat im Laufe der Zeit Selbstbewusstsein entwickelt. Früher musste ich Sachen ausprobieren, weil ich nicht wusste, was zu mir passt. Heute kann ich Modeexperimente machen, weil ich gerne schaue, wie sich dieser oder jener Bruch mit meinen Gewohnheiten macht. Deshalb habe ich seit letztem Jahr zum Beispiel erstmals im Leben einen weißen Wintermantel.


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Ich habe meinen eigenen Kopf, und damit da erst gar keine falschen Erwartungen aufkommen, zeige ich das gern auch äußerlich – das ist die Basis meines Stils. Praktischerweise habe ich eine Frisur, die diesen Punkt abhakt, ganz egal, was ich anziehe (ja, ich bin zuweilen faul!).



Kunstaktion mit Blumenstraus und Tiara. (2012)


Stilrichtungen gehen bei mir mit der Stimmung: Ich mag elegante Schnitte ebenso wie Punk und Grunge, Geringeltes zieht mich ans Meer und Glitzerndes zieht mich an wie eine Elster und ich betreibe außerdem gern das, was ich Business-Shock nenne, zum Beispiel grauer Rock, grauer Blazer plus quietschpinke Strumpfhose.

Schwarz war und ist recht präsent in meinem Kleiderschrank. Doch nach zwei Trauerphasen hat sich mein Bedürfnis abgekühlt, mich zu den allgegenwärtigen Schwarzträgerinnen zu gesellen. Was sich noch im Laufe der Zeit geändert hat: Früher habe ich wenig auf den Schnitt geachtet, das hat sich radikal geändert. Und, das klingt paradox: Ich bin besser darin, mich schick herauszuputzen, und gleichzeitig weniger bereit, dafür Ungemach in Kauf zu nehmen. Zum Beispiel bei Minus 10 Grad im kurzen Kleidchen mit Nylons herumlaufen – ohne mich. Blau steht meinen Oberschenkeln einfach nicht.


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Nee, hab ich nicht. Ich mochte es schon als Kind, verkleiden zu spielen, und Karneval habe ich bis heute nicht verstanden: Ich kann doch das ganze Jahr über mit Kleidern und Persönlichkeiten spielen?!



„Im Herzen bin ich Punk!” (2003)


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Das habe ich immer wieder. Da war dieser kurze rote Pullover, die auseinandergefallene Jeans … Im Moment (d.h. seit Monaten!) sind es meine silbernen Stiefeletten. Nur die Aussicht auf tägliche Waschsalonbesuche mit meinem Bettzeug hält mich davon ab, sie wie ein Cowgirl auch beim Schlafen zu tragen.



Lieblingsstiefel in Silber! (2014)


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Wie soll ich das jetzt sagen? Ich bin es gewohnt, jünger auszusehen, als ich bin. Früher in der Spielhölle war das doof, wenn ich keinen Ausweis dabei hatte. Dann war es lange Zeit herrlich, vor allem, wenn ich in meinem Beruf für die Praktikantin gehalten wurde und dann Überraschungseffekte einheimsen konnte, weil ich irgendwie doch raffiniertere Fragen stellte als erwartet. Das ist jetzt vorbei, und ich finde es schön – endlich mal die Autorität ausstrahlen, die mir zusteht (ist wahrscheinlich nur eine Alterswahnvorstellung). Meine Einstellung zu Schönheit ist jedoch dieselbe geblieben: Ich stehe auf Ausstrahlung, und ich mag den Eindruck, dass jemand auf sich achtgibt, ohne daraus ein Lebenswerk zu machen.


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich glaube an möglichst natürliche Quellen für moderne Produkte. Also Wasser und Seife (ohne Duftstoffe etc. und am besten bio). Meine Haut ist schön weich, aber leider auch total empfindlich. Mit zunehmendem Alter hat sie mir beigebracht, dass sie ein bisschen mehr braucht – Feuchtigkeit nämlich. Die kriegt sie aber nicht aus teuren Tiegeln mit Jungbrunnenversprechen, sondern mit einer ganz simplen Lotion aus dem Bioladen.

Dreadlocks – habe ich seit 24 Jahren, und nein, die gehen nicht auf, die bleiben von ganz alleine so – kann man ganz normal waschen, allerdings neigen Marken-Shampoos dazu, die Locks aneinanderzukleben (sollte euch das zu denken geben?). Deshalb wasche ich sie ungefähr jedes zweite Mal mit Rhassoul (Lava-Pulver) und ansonsten mit einem Ökoshampoo (bisschen besserer Klebfaktor). Was die dekorative Kosmetik betrifft: Ich mag Lippenstift, aber irgendwie habe ich gerade wieder eine laaaaange Phase ohne. Ohne Lidstrich dagegen komme ich nicht lange aus.


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Ist dir schon mal von Zahncreme schlechtgeworden? Mir schon. Deshalb habe ich im Kopf, welche halbwegs okay schmeckt. Ich kaufe also Weleda Ratanhia- oder Pflanzenzahncreme. Außerdem Sonnenmilch mit SPF 50. Und Lippenbalsam, am liebsten Whole Foods Organic Vanilla Honey Lip Balm.



Lange Haare bis zum Hintern! Ein paar Wochen später wurde 1 (!!) Meter abgeschnitten ...(2001)


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ich habe kein Schönheitsgeheimnis, ich mache, was alle anderen auch tun: Aus der Sonne bleiben, wenn es geht, Wasser trinken, Gemüse essen, ich schlafe gern, Kicheranfälle sind mir nicht fremd … Aber ein Ritual habe ich: Einmal in der Woche spendiere ich meiner Haut eine Runde Pflanzenöl – am ganzen Körper.


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

“Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.” – Samuel Beckett

Danke fürs Dabei sein, liebe Petrina! Grüß mir New York – und danke nochmal für den fabelhaften Tipp mit der Eastriver Ferry! :-)

***
Bis Anfang Oktober ist dies das letzte Montagsinterview – aber nach der Sommerpause geht es selbstverständlich weiter.

Bis dahin kannst du hinter diesem Klick mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 lesen!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 21. Juli 2014, 09:00 Uhr
Kommentare: 6 | Aufrufe: 4687 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitpetrina engelkenew yorkmontagsinterviewmodekosmetikjournalistininterviewfrauen ab 40beautyälterwerden
Das könnte auch interessant sein:
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Kommentare

  • Ich finde es absolut enttäuschend, nur nach Schönheit und Kosmetik zu fragen. Das ist Realsatire in meinen Augen, kann man heute nicht mehr machen. Dass jemand in New York lebt, ist doch spannend, da drängen sich viele Fragen auf! Zum Beispiel, wovon lebt sie? Vom Artikel schreiben allein kann es bei den Medien und der Frequenz nicht sein. Frauen sollten offen fragen, ob andere von Männern leben und wieso sie so ungern drüber reden, gerade die Kreativen - das ist viel interessanter als Kosmetik.

    Rebecca
    am Dienstag, 01. Dezember 2015 um 02:21 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • O, das Motto kenne ich nur zu gut. ;-)

    Ines
    am Donnerstag, 24. Juli 2014 um 12:37 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Das Motto werde ich gleich übernehmen. ;-) Und den Rest finde ich mega spannend… Den Mut einfach mal die Koffer zu packen, hätte ich auch gerne… Aber eigentlich würde es mir schon reichen, NY endlich mal live und in Farbe zu sehen… :-)
    Ganz liebe Grüße - Conny

    Conny
    am Dienstag, 22. Juli 2014 um 22:08 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Dankeschön! Wie nett, ein paar Gleichgesinnte in Deutschland zu wissen ;-)

    Petrina
    am Dienstag, 22. Juli 2014 um 03:52 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke für das Interview….genau, im Herzen Punk!! Haha.
    Rock NYC Petrina!!!

    Dolly
    am Montag, 21. Juli 2014 um 18:20 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Mei, was ein großartiges Motto! Dankeschön für’s Mut machen. Damit lebt sich’s doch schon leichter.

    Ich sollte wirklich bald mal nach NY reisen, wenn man da so spannende Frauen trifft :-)

    Farbenfreundin
    am Montag, 21. Juli 2014 um 11:37 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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