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Es gibt Menschen, die machen einfach gute Laune. Ohne dass man auch nur ein Wort mit ihnen spricht. Nic Hildebrandt ist einer davon. Sind es ihre roten Haare? Die Sommersprossen? Überhaupt ihre Farbigkeit? Vielleicht der Hauch von Pippi Langstrumpf, den sie an sich hat? Ich weiß nicht, warum es so ist. Ich weiß nur, dass es so ist. Ja, Nic ist ein „bunter“ Mensch, und damit meine ich nicht nur ihre Klamotten, die sie zum Teil selbst entwirft und schneidert.

Dabei hatte alles recht nüchtern-wissenschaftlich begonnen: mit einer Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin. „Nach dem Abitur konnte ich mich nicht zwischen meinen zwei Leidenschaften – der Kreativität und der Biologie – entscheiden. Und habe dann mit der BTA-Ausbildung den vermeintlich sichereren Weg gewählt.“

Dann kam 2006 und alles wurde anders. Denn 2006 gründete Nic ihren Blog Luzia Pimpinella, der heute zu den größten DIY-, Reise- und Lifestyle-Blogs im deutschsprachigen Raum gehört – und ihr Leben nachhaltig veränderte. Ging es darin früher, als ihre Tochter noch kleiner war, eher um Näh- und Stick-Tutorials, so deckt Nic heute viele unterschiedliche Themen im Lifestyle-Bereich ab. Eines ihrer liebsten ist zweifellos das Reisen, das sie mit ihrer speziellen, intensiven Art zu fotografieren, für ihre Leser miterlebbar macht. Und auch hier: Luzia Pimpinella gucken und lesen macht einfach gute Laune. (Vor zwei Jahren habe ich übrigens schon mal über Luzia Pimpinella geschrieben.)



Nic Hildebrandt, 44.


„Das Bloggen und die Kooperationen, die im Laufe der Zeit daraus entstanden sind, haben dazu geführt, dass ich heute selbstständig, unabhängig und kreativ arbeite – unter anderem auch als freie Textil-Designerin“, sagt Nic. Ich find’s einfach nur großartig und freue mich außerdem sehr, dass sie sich Zeit für Texterella genommen hat!


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert? 

Unverkrampft. Ich verfolge keinen speziellen Stil und und liebe Veränderung. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur wankelmütig und leicht beeinflussbar durch Trends, haha! Erlaubt ist, was gefällt und was zu meinem Typ passt. Ich schaffe es nicht, da über viele Jahre lang konsequent zu sein. Mal mag ich es sehr bunt, wie zum Beispiel zu den Zeiten, in denen ich noch häufig meiner Kleidung selbst genäht habe. Mal habe ich eine eher monochrome Phase, wie auch gerade jetzt wieder einmal.


 
Bunt und selbstgenäht! (2010)


Natürlich hat sich meine Einstellung zur Mode gerade in den letzten Jahren allein durch mein Alter geändert. Ich finde, manche Klamotten sind an Frauen über 40 einfach ein generelles „No-go”. Kleidung, die eigentlich für Teenager gedacht ist, sollte man dann doch lieber hängenlassen, auch wenn sie manchmal gefällt. Ich persönlich finde es schrecklich, wenn man Frauen ansieht, dass sie mit dem Älterwerden kämpfen und krampfhaft jugendlich wirken wollen. Ich hoffe sehr, ich bekomme das besser hin! ;)


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Ich würde meinen Stil als „casual” bezeichnen. In sehr damenhafter Kleidung fühle ich mich verkleidet und Highheels habe ich mir schon vor vielen Jahren abgewöhnt. Ich mag lässige Looks mit Jeans, Shirt und Pulli, in denen man ganz bequem den Tag übersteht und trotzdem nicht schluffig aussieht. Eigentlich ganz simpel, aber auch hier pflege ich ein bisschen meine Liebe zum Detail: coole Schnitte, Gürtel mit Hingucker-Effekt, einzelne Statement-Schmuckstücke, Mützen, Handtaschen und ausgefallene Schuhe mag ich. Schuhe sind überhaupt mein größtes Laster!



Das Laster: ausgefallene Schuhe! (2013)


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Nein, da mir fällt keine ein. Ich bin nicht so der Idol-Typ, ich hatte nicht einmal eine echte Lieblingsband als Teenager. Wahrscheinlich bin ich eben einfach zu inkonsequent, um einer einzigen Stilikone nachzueifern. Zur Zeit lasse ich mich für diese Herbst/Winter-Saison viel bei Pinterest inspirieren und sammele Lieblingslooks auf diesem Board.



Im 70er-Jahre-Look. (2007)


Abgesehen davon, dass ich mich schon meist von aktuellen Trends beeinflussen lasse, bin ich ein echter Fan der 70-er. Mode, Möbel und Schmuck im Seventies-Look brint mich immer zum lächeln, weil ich in dieser Zeit aufgewachsen bin.

Eine absolute Inspiration für mich ist aber dann doch die unnachahmliche Iris Apfel. Nicht unbedingt wegen ihres eigenen Modestils, der wäre nicht wirklich meins, aber wegen ihrer selbstbewussten Einstellung zu Mode und zum Leben generell. Diese Frau ist Energie pur. Beneidenswert.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Ich habe ständig neue Lieblingskleidungsstücke. Ihr wisst ja mittlerweile ... das ist das Wankelmut-Ding! Was Kleider-Lieblinge angeht, bin ich eben nicht gerade treu. Ich hatte mal einen Lieblingsmantel, als ich 15 Jahre alt war. Der war aus Webbpelz, pink mit Leoparden-Flecken und Schulterpolstern. Wie gut, dass es davon kein Foto gibt!



Von Muttern ererbt: Jumpsuit aus den 70ern (auf einer James-Bond-Mottoparty, 2000)


Es gibt da allerdings ein Kleidungsstück, dass sich schon in der zweiten Generation hartnäckig in meinem Kleiderschrank hält. Es ist ein schwarzer Neckholder-Jumpsuit meiner Mom aus dem 70ern. Die Hosenbeine haben einen so enormen Schlag, dass es auf den ersten Blick wie ein Abendkleid aussieht. Meine Mutter hat darin schon den Dancefloor gerockt und auch ich habe ihn schon zu diversen Anlässen getragen. Wie zum Bespiel auf Hochzeiten und auch auf einer James-Bond-Party, von der dieses Foto stammt.


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun? 

Ich bin lockerer und nachsichtiger mit meinem eigenen Körper geworden. Wenn man nicht gerade in L.A. wohnt und einen Schönheitschirugen als Ehemann hat, dann ist es besser, man freundet sich beizeiten mit Falten, Dellen und schlaffer werdender Haut an. Ich glaube, dass eine jugendliche Ausstrahlung mehr von innen kommt als von einem faltenfreien Gesicht.



Süße, sommersprossige 16! (1986)


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich bin vor allem kosmetik-faul! Natürlich habe ich ein paar Produkte, die ich tagtäglich verwende, aber meine Badezimmerschränke stehen nicht voller Tiegelchen und Tübchen. Wenn du so willst, bin ich also eher der Wasser-und Seife-Typ. Ich misstraue generell fast allen Versprechungen der Kosmetikindustrie und bin nicht wirklich bereit, für vermeintliche Wunderwirkungen viel Geld auszugeben. Vielleicht verspiele ich damit die Chance, ein klitzekleines bisschen jünger und knitterfreier auszusehen, aber ... no risk, no fun!



Nic liebt reisen! Hier: Urlaub auf Barbados! (2005)


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei Kosmetikprodukte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Unverzichtbar ist für mich mein Concealer Touche Éclat von Yves Saint Laurent. Ich bin ein Fan der ersten Stunde und seit dem nie ohne. Der Stift ist übrigens tatsächlich die einzige „teurere” Alltagskosmetik  in meinem Schminktäschchen. Ansonsten bin ich auch da sehr wenig krüsch (Anmerkung: „heikel”). Oft benutze ist dekorative Kosmetik so lange, bis es das Produkt nicht einmal mehr gibt, weil es aus inzwischen dem Programm genommen wurde. Neulich habe zum Beispiel den letzten Rest eines Lidschattens weggeworfen, den ich für mein Hochzeits-Make-Up angeschafft hatte. Das ist 14 Jahre her. Ich denke, das sagt alles. Aber ich schweife ab ... 
 


Auf den Malediven (1998)


Außerdem müsste noch eine Wimperntusche her und eine Sonnenlotion mit hohen Lichtschutzfaktor für meine empfindliche, sommersprossige Haut. Vorlieben für spezielle Marken habe ich da nicht. Eigentlich bräuchte ich auch noch ganz dringend eine Haarspülung für meine fisseligen Haare, die sehr schnell unkämmbar sind. Aber ich darf ja nur drei Dinge einkaufen.


Wenn du dir ein (noch nicht existierendes) Produkt von der Kosmetikbranche wünschen dürftest: Welches wäre das?

Eine Creme für die sonnenärmeren Monate, die meine Sommersprossen über Nacht wie im Sommer sprießen lässt. Als kleines Mädchen habe ich meine Sommersprossen gehasst. Als junge Erwachsene habe ich sie dann lieben gelernt. „A touch of eternal childhood” hat sie ein Freund mal genannt. Das ist wohl, was ich daran mag. Sie machen einen automatisch ein bisschen jünger und lassen ein Gesicht nicht zu ernst aussehen.



Noch mehr Reisen: USA! (2007)


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ach, herrje! Nee! Was Schönheitsroutinen und Pflegerituale angeht bin ich schrecklich faul! Ich schaffe es nicht einmal, mich nach dem Duschen mit Bodylotion einzucremen, obwohl meine Haut das bitter nötig hätte. Ich bin absolut kein Badezimmertyp. Ich bin froh, wenn ich das ganze unvermeidliche Kosmetikgedöns am Morgen und Abend so schnell wie möglich hinter mich gebracht habe. Wenn ich ein Schönheitsgeheimnis habe, dann ist das wohl eher: wenn möglich, ausschlafen!


Was würdest du in Sachen Schönheit gerne mal ausprobieren?

Ich hattein den 90-ern einen Kurzhaarschnitt, den man heute sicherlich ganz cool einen Pixie-Cut nennen würde. Im Moment denke ich darüber nach, mir die Haare mal wieder abschneiden zu lassen und kurz zu tragen. Meine langen Haare langweilen mich zur Zeit sehr. Aber so ganz schlüssig bin ich noch nicht. Es ist ja auch eine Kostenfrage, wenn man alle drei Wochen zum Friseur muss, um akkurat auszusehen. Mal sehen.



Pixie-Schnitt mit Mitte 20. (1994)


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Alles wird gut!


Danke, liebe Nic, fürs Dabeisein! Ich hatte leider nie Sommersprossen und hätte so gerne welche gehabt! Als Teenager habe ich sogar versucht, sie mit Zitronensaft und Sonnenbaden herbeizuzüchten ... :-D

***
Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 24. November 2014, 06:00 Uhr
Kommentare: 11 | Aufrufe: 8238 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: nic hildebrandtmontagsinterviewmodeluzia pimpinellakosmetikinterviewfrauen ab 40fashiondiybeautyanti-agingälterwerden
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Kommentare

  • Sommerspossen muss man nicht mehr mit Zitronensaft anzüchten, liebe Susi: Heute kann man sie kaufen! ;-) Bei Topshop gibt es einen Stift dazu, den „Freckle Pencil”, war auch irgendwo auf der deutschen Seite. Aber hier gibt es den Film dazu. Tip tip tip und noch ein Punkt….

    http://www.topshop.com/en/tsuk/category/we-love-432/freckle-pencil-3167637

    Martina
    am Mittwoch, 26. November 2014 um 20:52 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Was für ein herrliches Interview - vielen Dank!

    Liebe Grüße,
    Renaade

    Renaade
    am Dienstag, 25. November 2014 um 11:42 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Du hast auf FB nicht zu viel versprochen… da möchte man gleich ewig weiter lesen, weil die Dame einen so entspannten und interessanten Eindruck macht. Zum Glück hat sie einen Blog… :-) Das Foto mit den kurzen Haaren finde ich sensationell und der Hosenanzug sieht atemberaubend aus. Tolles Erbstück…
    Danke für das Interview, herzlicher Gruß - Conny

    Conny
    am Montag, 24. November 2014 um 20:55 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Super tolle und interessante Frau.
    Den pinken Mantel habe ich noch im Schrank hängen. *lach* Er sieht genau so aus wie Nic ihn beschrieben hat.
    Klasse, so ein wenig hinter die Kulissen schauen zu können.
    Liebe GRüße susanne

    susanne
    am Montag, 24. November 2014 um 19:14 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wunderbar, dass es so unkomplizierte Frauen gibt, die auch noch so herrlich über sich selbst schmunzeln können. Wäre ich noch kein Fan von Luzia Pimpinella ich würds gleich werden ....

    Und die kurzen Haare sehen frech aus :-) Und die Sommersprossen auch ....

    Danke für das herrliche Interview

    Ulli

    Smutje Rosa
    am Montag, 24. November 2014 um 19:11 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Herrliches Interview, ganz pimpiesque Antworten. Genau so ist sie, unsere Nic. Schlau und unkompliziert und leger und mit beiden Beinen im Leben stehend! Vielen Dank für den kurzweiligen Lesestoff!

    Jeanny

    Jeanny
    am Montag, 24. November 2014 um 18:27 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wie schön und wie inspirierend! Danke für diese tollen Interviews. Ich bin ja weiterhin der Meinung, dass es diese Interviews auch in gedruckter Form, also offline, geben müsste… für den Rest der Welt. Ach, tolle Frauen hat das Land. Danke!

    Farbenfreundin
    am Montag, 24. November 2014 um 13:36 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Welch eine herrlich bunte Frau. Und was den Concealer angeht, bin ich ganz bei Nic. Dieser Zauberstift begleitet mich schon seit über 20 Jahren.

    Petra
    am Montag, 24. November 2014 um 13:10 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ein tolles Interview mit einer sehr interessanten Frau, danke Susi. Ich sehe schon, ich muss meine Leseliste auf Lifestyle- und Reiseblogs erweitern und schaue gleich bei Nic vorbei!

    LG,
    Annette | Lady of Style

    Annette
    am Montag, 24. November 2014 um 11:27 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Erfrischend (und) anders, spannend und witzig, schräg und unaufgeregt ... ganz Nic. Ganz wunderbar! Danke euch beiden.

    M i MA
    am Montag, 24. November 2014 um 10:26 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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