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Wunderbare, kreative Menschen kenne ich viele. Manche ragen aus diesen vielen tollen Menschen noch einmal ganz besonders heraus. Nathalie Bromberger ist eine davon.

Aber von Anfang an: Geboren 1966. Aufgewachsen inmitten der wilden 68er-Jahre. Mit Hausbesetzungen, Kinderladen und jede Menge wilder Kultur. „Ich hatte eine intensive Jugend, von der ich mich in meinen Zwanzigern erst mal erholen musste ...“, erzählt sie. Ein Germanistik-Studium hat sie gleich am ersten Tag abgebrochen, weil es darin nur um Literatur und nicht ums Literatur machen ging. Darauf folgten ein paar Jahre Rumjobben und ein Soziologiestudium. Ihren niederländischen Mann hat sie dann in Mailand kennengelernt, um mit ihm nach Amsterdam zu ziehen, drei Töchter groß zu ziehen und diverse Häuser oder Wohnungen von Grund auf zu renovieren.

Beruflich hat Nathalie vieles gemacht, unter anderem hat sie in der soziologischen Forschung an der Uni gearbeitet, als Autorin, als Gestaltcoach. Irgendwann hat sie dann erkannt, was sie am besten kann und was ihr am meisten Spaß macht: Comic zeichnen und Bücher machen. Im letzten Jahr hat sie endlich ihren Traum wahr gemacht und ihren eigenen Verlag gegründet: den Zacken-Verlag, in dem sie ihre eigenen Bücher und Illustrationen verlegt.  More to come! Und dann ist da noch ihr Blog, das man wirklich von A bis Z durchlesen muss, so schön und wahr und schlau ist es.


Nathalie Bromberger, Autorin, Illustratorin, Verlegerin

Nathalie Bromberger, 49.

Aber jetzt zur Mode! Ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass mir Nathalie dazu ein Interview geben würde. Um so mehr freut es mich ...

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

„Mode“, das was gerade angesagt ist, hat mich nur ganz kurz in meinem Leben interessiert, so zwischen 12 und 14. Danach war Kleidung für mich wichtig als Ausdrucksmittel. Weil es mir wichtig war, „anders“ zu sein, habe ich mich immer eher gegen die Mode gekleidet als mit ihr. Ich habe große Teile meiner Jugend in Second-Hand-Shops verbracht, weil ich dort die ungewöhnlichsten Kleidungsstücke finden konnte. Noch heute kaufe ich fast alles Second Hand, habe allerdings nicht mehr die Geduld stundenlang von einem Laden zum anderen zu ziehen. Oder vor dem Spiegel zu stehen und über die ideale Kombination von Kleidungsstücken nachzudenken.

Nathalie Bromberger

„Meine Klamotten kaufte ich immer schon Second Hand ... „(1984)

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert?

Letztes Jahr hab ich in einem Online-Secondhand-Shop eine blauweißgestreifte Cordhose ergattert. Als ich sie aus dem Paket holte, hatte ich ein Déja-Vu: Fast genau die gleiche Hose hatte ich schon mal, da muss ich so um die 13 gewesen sein. In dem Moment fiel mir auf, dass sich mein Modegeschmack kaum verändert hat. Ich habe schon in jungen Jahren ziemlich genau gewusst, was mir gefällt. Am meisten haben sich wohl die Frisuren verändert, ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich kurze oder lange Haare will.


Nathalie Bromberger

Mit Blumenkleid und Dauerwelle (1987)


Mit 15 habe ich ein 30er-Jahre-Seidenkleid mit einem grandiosen Muster erstanden, das ich trug bis es sich nach Jahren auflöste. Seitdem bin ich auf der Suche nach einem vergleichbaren Kleid. Noch habe ich es nicht gefunden, aber doch einige fast so schöne Kleider, etwa das Blumenkleid. (Die Dauerwelle auf dem Foto hat mir zwar gut gefallen, aber ich hab sie nach einem Jahr wieder aufgegeben, weil mir das Unechte der Locken doch nicht behagte.)

Nathalie Bromberger

Liebt rote Hüte. (2002)


Und dann ist da noch mein Faible für rote Mäntel und rote Hüte: Meinen Lieblingshut, eine rote Stewardessen-Kappe, auf die ich mir einen goldenen Halbmond genäht habe, wurde mir leider in einem Café gestohlen. Meine Mutter hat mir zum Studienabschluss statt „Doktorhut“ eine Mütze – ich glaube, von der Frankfurter Hutmacherin Susanne Bänfer – geschenkt. 

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Ja, ich hatte lange eine grün-türkis-changierende Leinenhose, sie könnte von Corel sein, das waren lange meine Lieblingshosenproduzenten, leider haben sie schon ewig keine bunten Hosen mehr im Programm. 

Nathalie Bromberger

Lieblingshose! (1998)

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Mit dem Begriff „Schönheit“ kann ich nicht so viel anfangen. Wenn in den Medien von schönen Frauen oder Männern die Rede ist, werden nie die gezeigt, die ich schön finde: Menschen mit ausdrucksstarken Gesichtern, die Gefühle und Erfahrung zeigen. Ich war zum Beispiel als Jugendliche extrem fasziniert von dem Gesicht meiner Pantomime-Lehrerin, das durch die jahrelange Mimik sehr lebendig war, ich hätte sie stundenlang anschauen können. Ebenso habe ich immer wieder die ältere Virginia Woolf gezeichnet – so eine tolle Nase! Es gibt noch mehr Gesichter, in die ich verliebt war und bin, aber es sind nie Models oder Hollywood-Berühmtheiten. Einzige Ausnahme: Emma Thompson, wohl weil sie sich als eine der wenigen Stars auch ungeschminkt zeigt,  zum Beispiel in dem wunderbaren Film „Stranger than fiction“ oder in dem Greenpeace-Video, in dem sie in Daunenjacken gehüllt für den Klimaschutz kämpft.

Ich glaube nicht, dass sich meine Einstellung durchs Älterwerden verändert hat. Ich habe schon mit 25 die ersten grauen Haare bekommen, das ging also sehr allmählich. Bisher gab bisher keinen großen Schreck von wegen „Hilfe ich werde alt“. Ein Vorteil des zunehmenden Grauanteils ist übrigens, dass ich mir die Haare jetzt mit Henna rot färben kann, ohne sie zu bleichen.

Nathalie Bromberger
Nathalie Bromberger

Brillen! (What else?!)


Neu ist seit einem Jahr die Brille. Ich konnte als junge Frau an keinem Brillenladen vorbeigehen, ohne mir ein paar auszusuchen, die ich mir kaufen würde, sobald ich endlich eine Brille bräuchte. Seltsamerweise habe ich jetzt nur eine einzige – eine günstige Männerbrille von fielmann. Ich mag sie sehr, weil sie zu meinen Haaren passt.

Ein Problem ist allerdings, dass mein gezeichnetes Alter Ego bisher noch keine Brille hat. Ich habe da schon ziemlich rumexperimentiert, aber gezeichnet gibt die Brille meiner Figur etwas Intellektuelles oder Vernünftiges, das so gar nicht zu ihr passt. Da muss ich also noch mal ran. Vielleicht muss ich ihr eine riesige rosa Brille aufsetzen oder vielleicht so eine altmodische Fliegerbrille.  Meine Figur muss eben mit mir altern.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich glaube an keinerlei Beauty-Versprechen.

Da ich sehr empfindliche Haut habe, benutze ich schon seit 25 Jahren nur Sebamed-Produkte und Handcreme. Schon seit Ewigkeiten nehme ich mir vor, mein Gesicht abends einzucremen, und in den letzten Jahren klappt das sogar hin und wieder.

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Zahnseide, Sebamed-Shampoo, Nivea-Creme.

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Nein, diese Art von Schönheit interessiert mich einfach nicht.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Kein Geheimnis, nur die alte Weisheit, dass Glück und Erfahrung schön machen.

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Im Moment ist die größte Herausforderung, dass um mich herum alle jammern, weil sie 50 oder 60 werden und so tun, als ob das Leben fast vorbei ist. Ich stelle es mir ziemlich anstrengend vor, wenn meine Freundinnen in dieser Älterwerden-Starre verharren und ich die ganze Zeit gegen das Gejammere anhüpfen muss. Vielleicht werde ich mir dann ältere Freundinnen suchen, ätschbätsch, die sich schon damit abgefunden haben, dass die Arme wabbeln und das Gedächtnis nicht mehr so toll ist. :-)


Nathalie Bromberger im Hochzeitskleid

Im Hochzeitskleid. So bezaubernd! (1992)


Die größte Überraschung? Dass mich das Älterwerden so bereichert! Mit 30 dachte ich, ich wäre weise für mein Alter, war ich vielleicht auch. Aber gerade in den letzten zehn Jahren habe ich so viel über mich und das Leben begriffen, dass ich immer wieder einfach nur sehr dankbar bin, dass ich 49 werden durfte. Das ist wohl noch eine Konstante in meinem Leben: Ich bin mir des Todes immer sehr bewusst und überlege mindestens einmal im Jahr, was wäre, wenn ich bald sterben würde: Was habe ich erreicht, was muss ich unbedingt noch tun? Ich empfinde das als sehr reinigend, denn im Angesicht des Todes fällt es mir viel leichter, Prioritäten zu erkennen und Überflüssiges hinter mir zu lassen.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Ja, Thurmans „Don’t ask what the world needs. Ask what makes you come alive, and go do it. Because what the world needs is people who have come alive“.

Danke, liebe Nathalie, für dein tollen und spannenden Antworten! Und falls du mal Lifestyle-Kolumnen illustrieren und verlegen willst – du weißt, wo du mich findest! :-)

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 25. Januar 2016, 06:00 Uhr
Kommentare: 9 | Aufrufe: 3244 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: zacken verlagschönheitnathalie brombergermontagsinterviewmodeinterviewillustratorinfrauen ab 40comic-zeichnerinbeauty
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Kommentare

  • Noch so eine beeindruckende Frau!
    Geniales Hochzeitskleid, hätte ich auch getragen :)
    Danke für deine tollen Interviews, Susanne!

    Anne
    am Montag, 25. Januar 2016 um 18:43 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wunderbares Interview. Hat viel Spaß gemacht,es zulesen. Und das Zitat werde ich in meine Sammlung aufnehmen.
    Herzlichst

    Beatrice

    Beatrice Floh
    am Montag, 25. Januar 2016 um 12:28 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Tolles Interview und ja, Schönheit ist Ausstrahlung und davon hat Nathalie eine Menge.

    Karin Austmeyer
    am Montag, 25. Januar 2016 um 12:08 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Klasse, Nathalie, und ja, das Hochzeitsbild rührt einen an, kann man nicht so richtig begründen, warum. Schööön. Und der Zackenverlag ist auch toll! Denkst du an meine Bücher?
    Grüße
    Nessa

    Nessa
    am Montag, 25. Januar 2016 um 11:25 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ein super schönes Interview mit einer super tollen und inspirierenden Frau, die ich im vergangenen Jahr persönlich kennenlernen durfte und deren Fan ich seither bin. Von mir auch <3 Nathalie

    Anke Hedfeld
    am Montag, 25. Januar 2016 um 11:24 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Nathalie ist einfach eine grandiose Frau!

    Was für ein tolles Interview.

    Nina Bodenlosz
    am Montag, 25. Januar 2016 um 10:50 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Toll, Nathalie, alles stimmig und sehr erfrischend.

    Ganz besonders mag ich dein Mantra.

    Katja
    am Montag, 25. Januar 2016 um 09:58 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • <3 Nathalie!

    Simone
    am Montag, 25. Januar 2016 um 08:47 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Hach! Die Nathalie! So wunderschön! Und erst das Hochzeitsfoto!!!  Mode als „Ausdrucksmittel” ist auch für mich ein ganz wichtiger Aspekt. Und wie gekonnt sie auswählt (grün changierend…. super schön), beobachtet (Nasen als Schönheitsfaktor! Ja, die Nase von Virginia Woolfe fand ich auch immer schon klasse!) und umsetzt (mit dem Älterwerden immer wärmer, die Rottöne von Haaren und Brille) - das ist einfach grandios! Danke Susi, danke Nathalie!
    Herzlichen Gruß
    Maria

    Maria
    am Montag, 25. Januar 2016 um 08:34 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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