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Seit drei Jahren gibt es die Montagsinterviews nun, und in dieser Zeit sind hier schon eine ganze Reihe spannender Berufe vorbeigekommen. Einer fehlte – bislang: der Rockstar! Rockstar wollte noch niemand werden. Bis jetzt. Bis Miriam Quentin.

Sogar einen Vertrag mit Warner hatte Miriam bereits in der Tasche. Aber ... „vermutlich hatte ich in meinen Zwanzigern einfach zu wenig Selbstbewusstsein.” So hat sie sich dann doch für eine Karriere als PR-Beraterin für Gesundheitsmarketing und -politik entschieden, und nebenbei andere spannende Sachen gemacht: ein Spiel erfunden, für eine Band gearbeitet – und sich in den letzten Monaten einen Traum erfüllt: Mit den Körperdetektiven hat sie ein Edutainment- und ein Erzähl-Konzept entwickelt, mit dem Kinder ihre Körper kennenlernen können und in einem Hörspiel erfahren, was er alles kann.

Bis heute spielt Musik in Miriams Leben eine große Rolle. Sie singt in diversen A-Capella-Formationen und genießt in der Sängerszene ihrer Heimatstadt Kiel durchaus eine gewisse Prominenz. Und auch ich habe Miriam vor vielen Jahren auf twitter über die Musik kennenlernt: Dort fiel sie mir als leidenschaftlicher Morrissey-Fan auf, und zwar so sehr, dass wir dann sogar mal gemeinsam ein Konzert in München besucht haben. Da denke ich noch heute gerne daran ...

Miriam Quentin, 40.

Miriam Quentin, 40.


Im letzten Januar ist sie – wie sie selber sagt – zu ihrem eigenen Erstaunen 40 geworden. Und heute ist sie hier, bei mir, im Montagsinterview ... ich freue mich sehr!

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Eigentlich interessiere ich mich nicht besonders für Mode… oder jedenfalls nicht für Trends. Mir war es schon immer wichtiger, mich eher individuell als modisch zu kleiden. Das war in der Jugend allerdings noch ausgepräger als heute – ich war nie so eine schicke, modische junge Frau sondern eher eine, die die Lederjacke von ihrem großen Bruder zum Axl-Rose-Stirnband getragen hat.


Statt süße Siebzehn: Axl-Rose-Stirnband und Lederjacke! (1992)


Heute ist meine Haltung zu Mode absolut tagesformabhängig: Einen Tag geh ich im Hosenanzug los, am nächsten vielleicht mit Jeans, Chucks und Shirt mit nerdigem Aufdruck.

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert? Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben?

Zum letzten Teil der Frage muss ich eindeutig sagen: Nein. Außer Axl Rose damals mit seinem Stirnband (ich war jung und leicht zu beeindrucken).

Grundsätzlich ist mein Stil sehr wandelbar. Manchmal mag ich es mondän und dramatisch (schwarz!), dann wieder sportlich, dann sehr feminin. Und was eigentlich immer geht, ist eins von meinen geliebten Streifenshirts im Marine-Stil.


Mag es wandelbar: mal mondän und dramatisch ... (2013; Foto: Northerncards)


In meinen 20ern hab ich immer noch viele Stile durchprobiert, die häufig dann auch mit der Musik zusammenhingen, die ich gehört habe – das extremste war dabei wahrscheinlich mein Versuch, eine Rockabella zu werden. Aber das ist so ein Stil, der sehr viel Sorgfalt beim Styling erfordert – dafür bin ich einfach zu luschig! Meine 30er hab ich zwangsweise hauptsächlich in Businessklamotten verbracht. Meine 40er haben ja gerade erst angefangen, aber ich habe fest vor, mich hier wieder nach Lust, Laune und Anlass zu kleiden :-)

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Ein explizites Einzelstück fällt mir nicht ein… aber ich trage wirklich gern Lederjacken und habe davon auch etliche. T-Shirts mit nerdigen Aufdrucken mag ich gern oder auch schon erwähnte Marine-Shirts, manchmal mit Weste dazu. Denim geht immer und auch Trenchcoats hab ich in den letzten Jahren für mich entdeckt.


... mal ganz unkompliziert mit Marine-Streifen! (2013; Foto: Northerncards)

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Darüber musste ich jetzt echt eine Weile nachdenken ...  Am ehesten fällt mir auf, dass mein Styling früher ein sehr starkes Statement meiner jeweiligen Lebenssituation und Haltung war. Das ist heute nicht mehr unbedingt so, da bin ich entspannter geworden. Und ich merke, dass die Fluktuation in meinem Kleiderschrank nicht mehr so hoch ist. Manche Teile habe ich schon jahrelang und trage sie auch unvermindert gern, wie z. B. erwähnte Lederjacken. Man könnte also sagen, dass ich in meiner „Stillosigkeit“ (im Sinne von: auf keinen Stil festgelegt sein) ein wenig gefestigter geworden bin.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich glaube schon, dass gute Kosmetik hilft, Haut und Haare besser in Schuss zu halten. Ich probiere auch immer mal gern neue Dinge aus. Allerdings hab ich die Erfahrung gemacht, dass teuer nicht unbedingt gut sein muss. Manche Drogerieprodukte können qualitativ locker mit derbst teuren Designerkosmetika mithalten. Man muss halt seine Haut kennenlernen und auch ihre Veränderungen beobachten. Heutzutage achte ich möglichst drauf, dass die Kosmetik nicht an Tieren getestet wurde.

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Eine gute Mascara und den Puder, den ich schon seit drölfzig Jahren benutze. Außerdem Volume-Powder für die Haare, das bei mir komischerweise Locken hervorbringt.


Schneewittchen – während ihrer Gothic-Phase! (2002)

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Prinzipiell finde ich es gar nicht schlimm, wenn man solche Maßnahmen ergreift, um das Alter etwas aufzuhalten. Es sollte aber natürlich aussehen – alles was man sieht, ist eigentlich schon zu viel. Am schlimmsten finde ich, wenn sich Leute Ersatzteile anbauen lassen – also Brüste, Lippen, etc, wo vorher weniger waren. Es kommt einfach aufs richtige Maß an. Ich hab gerade kürzlich Fotos von Jane Seymour bewundert, die mit Mitte 60 wirklich fantastisch aussieht. Die ist einfach „gut gemacht“, während es ja andere gibt wie z. B. Melanie Griffith oder Goldie Hawn, die ihre Gesichter eher verschlimmbessert haben.


„Mode ist für mich sehr tagesformabhängig!” (2008)

 

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Die ändern sich öfter mal… so wie sich der Körper ja auch verändert. Aber grundsätzlich versuche ich, auch im Sommer nicht zu viel Sonne ins Gesicht zu kriegen, da das meine Haut stark austrocknet und älter aussehen lässt – außerdem bin ich Hautkrebskandidat. Seit etwa 10 Jahren achte ich ziemlich auf meine Ernährung und mache auch stringent 3 mal die Woche Sport. Ich teste auch seit ein paar Monaten so einen Vitamindrink, von dem mir schon sehr viele Leute vorgeschwärmt haben – aber ein Ergebnis kann ich noch nicht vermelden ...

Ein wirklich großes Geheimnis ist das aber alles nicht. Was andere Leute an mir immer am schönsten finden, ist mein „Strahlen“. Dafür kann man nichts tun, das kommt von innen. Also ist die richtige Haltung wohl das Geheimnis, vor allem das liebevolle Hegen und Pflegen des inneren Kindes :-)

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Was mir wirklich keinen Spaß macht, sind die körperlichen Veränderungen…und damit meine ich gar nicht mal die Optik, sondern einfach das Nachlassen von Kraft und Energie oder die Veränderung bestimmter Körperfunktionen – auch so was simples, wie dass die Augen schlechter werden. Es nervt mich, dass ich einige Dinge nicht mehr so wegstecke wie vor 10 Jahren, dass ich z. B. 24 Stunden brauche, um mich von einer Party zu erholen.

Ansonsten muss ich sagen, dass das Konzept „Älterwerden“ in meiner Wahrnehmung überhaupt noch nicht angekommen ist. Ich fühle mich kein bißchen anders als mit Mitte 20, ehrlich. Vielleicht ist das die Überraschung!

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

„What’s for you won’t pass you by“ – nicht, dass ich das jetzt jeden Tag vor mich hersage, aber mir hilft der grundsätzliche Glauben daran, dass das Leben einen natürlichen Fluss hat und letzten Endes alles so kommt, wie es soll und richtig ist. Das Wertvollste, was man im Leben lernen kann ist, die innere Stimme zu hören und richtig zu deuten.

Liebe Miriam, danke fürs Dabeisein, für deine Zeit – und für das Axl-Rose-Stirnband-Foto ;-)! Und natürlich für den fabelhaften Abend damals (war es 2009?) bei Morrissey!

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 07. Dezember 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 3 | Aufrufe: 2760 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Kurznachrichten, | Tags: schönheitmontagsinterviewmodemiriam quentininterviewfrauen ab 50frauen ab 40älterwerden
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Kommentare

  • Ach, ich LIEBE diese Interviews.

    Das ist ja eben das Spannende an uns Mädelz➕, dass es nicht nur Eckpunkte, sondern Geschichten gibt, Spannungsbögen, KreaTiefen, Höhenflüge und die Irrungen und Windungen, die diese gesamte Summe des individuellen Ichs er-schöpfen.

    In Miriam erkenne ich mich ein bißchen wieder. Unter anderem, was den verhinderten Rockstar anbelangt, der statt zu schlüpfen lieber klammheimlich alternative Ideen ausbrütete. Vielen Dank für das Vorstellen dieser spannenden und interessanten Frau!

    Liebe Susanne, bislang ergötzte ich mich als stille Mitleserin an Texterellas wundervoller Geschichtenfülle und möchte jetzt und hier ein großes Danke aussprechen. Für die Kolumne, das Geschichten-Erzählen und das darüber ver-netzen. Wunder-voll!


    Mit herzlichem Gruß,

    Nana vom See

    Vibesbild
    am Dienstag, 08. Dezember 2015 um 06:05 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Die Montagsinterviews finde ich immer super spannend - das Beste daran sind die unterschiedlichen Lebenswege. Die spannenden Frauen, die du auswählst, haben immer faszinierende Wege hinter sich, finde ich. Wieder ein tolles Gespräch von euch zweien, danke!  LG Anke | Wohlfühlglück

    Anke | Wohlfühlglück
    am Montag, 07. Dezember 2015 um 19:45 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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