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Eigentlich „kenne” ich Melanie Voß schon ein paar Jahre über twitter. Ein bisschen zumindest. Dort hat mir ihr legendäres „Mörgelchen” manchen trüben Tagesstart versüßt. Etwas näher habe ich sie aber erst vor ein paar Monaten kennengelernt, als sie, die Anfangsvierzigerin, mir schrieb, wie viel Mut ihr meine Montagsinterviews in Sachen Älterwerden machten. Hach. :-)

Doch erstmal zu den Hard Facts: Geboren in einer kleinen Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis führte Melanie nach dem Abitur erstmal das reinste Vagabundenleben: Studium in Bonn und Baden Baden danach Leben und Arbeiten in Miami Beach, Frankfurt, im Fürstentum Liechtenstein, in der Schweiz – und schließlich München, wo sie nach der Geburt ihre Sohnes Luis in einer renommierten Unternehmensberatung für die digitale Kommunikation zuständig ist. Kein einfaches Unterfangen: „Der Karrierewunsch einer teilzeitarbeitenden Mutter verträgt sich nicht immer optimal mit der Arbeitsrealität in Unternehmen. Leider.” Tja. So sieht’s letztlich aus mit der Gleichberechtigung 2014.

Seit letztem Jahr bietet Melanie gemeinsam mit ihrem Mann auf digitalstation.me außerdem digitale Lösungen vom Konzept bis zur Umsetzung für kleine und mittelständische Unternehmen an.


Melanie Voß, 41.

In ihrem virtuellen Leben twittert Melanie nicht nur begeistert als mellcolm. Sie pflegt auch einige Blogs, darunter das bekannte Fünf Bücher, mellcolm.de und – seit kurzem – melanievoss.com für ihr neustes Hobby: Sketchnotes. Und privat? Mag Melanie weder Kochen, Telefon, Kino noch amerikanische Serien, dafür aber vegetarisches Essen, Technik und Gadgets. Und teure (Badeschrank-)Kosmetik und verrückte (Sitz-)Schuhe! Hurra, endlich mal jemand, der meine Faible teilt! ;-) Aber dazu weiter unten mehr ...


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Die Mode und ich, wir haben ein schwieriges Verhältnis zueinander. Ich kann von mir nicht behaupten, jemals über längere Zeit einem bestimmten Stil treu geblieben zu sein. Ich dachte immer, das kommt mit der Zeit von selbst. Nun, ich warte heute noch darauf.

Die einfachste Zeit war für mich meine „Anzug-Zeit“, denn da war der Rahmen gesteckt, in dem ich mich bewegen durfte. Dabei bin ich eigentlich gar kein Anzugstyp und finde hohe Schuhe unglaublich unbequem. Mein wahres Ich liebt legere Kleidung, die gerne ein bisschen verrückt oder auch cool sein darf, ohne es dabei zu übertreiben. So habe ich eine Zeitlang sehr sehr auffällige Schuhe getragen. Die waren entweder sehr bunt oder sehr extravagant. Aktuell trage ich vor allem „tapered“ Jeans von G-Star. Ich mag sie, gerade weil sie nicht „perfekt“ sitzen. Manchmal trage ich dazu sogar Hosenträger.


Liebt bunte Accessoires. (2010)

Eine wirkliche modische Schwäche sind Schuhe und Handtaschen, Accessoires überhaupt. Schuhe habe ich unglaublich viele – allerdings trage ich manche viel zu selten. Viele Schuhe haben schon einige Jahre auf dem Buckel, sind sie aber noch „gut“ ... und trennen ist keine meiner Stärken. Besonders meine verrückteren Schuhe würde ich niemals hergeben, selbst wenn ich sie kaum noch trage. Derzeit müssen Schuhe für mich ohnehin in erster Linie eines sein, nämlich praktisch, sprich kleinkindtauglich – und damit ohne Absatz.

Meine Handtaschen haben es da etwas besser, da wechsle ich öfter mal durch. Aber auch hier gewinnen meistens die praktischen, also die, in denen viel Platz (für Babykram) ist und die ich (zusätzlich zum Baby) gut tragen kann.


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Ja, mein Geschmack hat sich immer wieder mal geändert. Mal hat der Job mir Vorgaben gemacht, mal war es mein Umfeld, das mich beeinflusst hat. Ich kann mich noch gut erinnern, wie – zumindest gefühlt – mein kompletter Freundeskreis abgenutzte 501 Jeans trug. Und ich natürlich auch, schließlich wollte ich nicht aus der Reihe fallen, obwohl ich mir so eine teure Jeans damals eigentlich gar nicht leisten konnte. Und ich sie obendrein wegen der vielen Löcher von zuhause aus gar nicht tragen durfte! Sei’s drum: Ich kratze mein Geld zusammen, leistete mir eine teure Gebrauchte – und zog sie mir immer erst auf dem Schulklo an.

Später, als ich schon berufstätig war und ganz ordentlich verdiente, waren es dann die „7 for all Mankind“ Jeans, die man einfach haben musste, oder die Mandarina-Duck-Handtasche, die nicht fehlen durfte. Ich muss zugeben, dass ich mich dieser Statussymboljagd zeitweilig nicht entziehen konnte, wenngleich ich nie etwas gekauft hätte, nur weil es „in“ war. Gefallen mussten mir die Sachen schon!

Auch viele „Sünden“ habe ich mitgemacht. So trug ich in den 80ern jahrelang eine Dauerwelle und rühmte mich, die schönste Dauerwelle des Dorfes zu haben. Ich habe einfach viele Haare und da sieht so eine Welle noch mal ganz anders aus mit kleinen Kringeln. Es gab Mädchen, die zum Friseur gingen und dort nach „meiner“ Dauerwelle verlangten. Dorf eben. Ein Glück, dass ich die Haare zumindest niemals bunt gefärbt trug!


Die 80er: Erste Dauerwellenexperimente.

Oder die 90er: Damals habe ich lange überhaupt keine Jeans getragen, sondern vornehmlich weite dunkle Stoffhosen im Marlene-Schnitt und dazu klobige Schuhe. Frag nicht! Viele Jahre später wiederum trug ich nur bunte Klamotten, vor allem von Custo. Heute hingegen mag ich es farblich ein wenig zurückhaltender, leger, cool, praktisch, ohne fad zu sein, Sneakers, Boots, solche Dinge ... Rückblickend betrachtet war ich wohl in meinen Single-Zeiten am experimentierfreudigsten und am modischsten.


„Ich mag meine Fesseln nicht sonderlich!” – Warum? (2007)

Es ist für mich seit jeher eine Herausforderung,  zu meiner Figur passende Outfits zu finden, die mir außerdem noch gefallen . Ich habe zwar lange Beine, aber wenig Taille. Und um diese herum (zumindest gefühlt) immer ein paar Kilo zu viel. Es gibt jedoch immer wieder schmalere Phasen, in denen ich mich gerne sehr viel weiblicher gekleidet als sonst. Tatsächlich würde ich insgesamt gerne mehr Kleider oder Röcke tragen, tue es aber nicht. Ich mag meine Fesseln nämlich nicht besonders. Und habe außerdem ständig Angst, mir eine Laufmasche zu holen. ;-)


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Ich bin ein Kind der 80er, was modisch gesehen natürlich ganz schrecklich ist. Da habe ich aber wirklich jeden Unsinn mitgemacht: Hochgekrempelte Jeans, darunter schwarze (nicht blickdichte) Strumpfhose, dazu hohe, weiße adidas-Schuhe mit Klettverschluss. Pfui deibel. Aber hey – ich habe NIE Steghosen getragen und bin darauf sehr stolz.

Ein Stilvorbild habe ich nicht, aber unter den Models oder Stars mag ich den Stil der „coolen Kids“ ein bisschen mehr. Kate Moss fällt mir da ein, Sienna Miller – eher so die Jeans- und Lederjackenfraktion.

Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Ja, so was hatte ich immer wieder, seltsamerweise hauptsächlich Jacken.



Natürlich schön (2008).

Als Teenagerin hatte ich vom Lebensgefährten meiner Mutter eine knatschblaue Wildlederjacke „geerbt“. Das war eine Männerjacke und mir viel zu groß, aber ich trug sie tagein, tagaus und kam mir damit mächtig cool vor. Überhaupt trug ich gerne Sache von ihm auf, er war Einkäufer in einem Modeladen und hatte ein paar echt coole Klamotten.

Ende der Neunziger besaß ich einen dunkelroten Cordblazer, den ich nahezu ständig trug, wenn es sich irgendwie anbot.


Mal elegant ... (2007)

Aktuell ist das ein brauner Wollblazer, mit dem man immer „gekleidet“ ist, ohne „verkleidet“ zu sein. Ich trage ihn zu Jeans oder Stoffhosen und ausschließlich mit braunen Schuhen und Handtaschen. Kleidung, Accessoires etc. müssen für mich farblich einfach zusammenpassen. Und der braune Blazer geht meiner Meinung nach eben nur mit braunem Gürtel, braunen Schuhe und brauner Handtasche.


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Mit der Schwangerschaft bin ich modisch etwas „pragmatischer“ geworden. Ich betreibe deutlich weniger Aufwand, weil mir dazu oft Zeit und Geduld fehlen. Wobei ich ohnehin noch nie ein Mode- oder Schminkpüppchen war. Das Älterwerden spielt für mich modisch betrachtet überhaupt keine Rolle, ich habe mir noch nie überlegt, ob ich für ein Kleidungsstück zu alt sein könnte. Bestimmte Dinge (bauchfrei, sehr eng, etc.) hätte ich jünger genau so wenig getragen wie heute. Ich trage heute Jeans, Tunikablusen, Boots und Sneakers, Lederjacken – wie früher. Ein Unterschied ist allerdings, dass ich heute viel mehr im Schrank hängen habe und ich mir auch mehr leisten kann.


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich kaufe gerne und viel teure Kosmetika. Und ja, ich glaube daran. Aber letztlich steht vieles davon dann doch nur herum, weil die Anwendung zu kompliziert ist oder zu lange dauert. Oder zu anstrengend ist.


... mal „cool kid”. (Miami, 1996)

Grundsätzlich schwöre ich auf eine gute Tagescreme (von Clarins). Auch das bisschen Make-up, das ich verwende, darf gerne ein Markenprodukt sein. Ich besitze vor allem Bobbi Brown, MAC und benefit, aber tatsächlich benutze ich nur Puder, Wimperntusche und ein bisschen Rouge. Vor kurzem war ich in der benefit Brow Bar, dort werden einem die Brauen weggewachst statt gezupft. Und seitdem verwende ich zum Finish ein Wachs („Brow zings“) und ein Gel („Gimme brows“). Mein Nagellackfach ist voll mit O.P.I.-Lacken – nur zum Lackieren komme ich viel zu selten! Und: I’m in love with Sephora.


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Hakle feuchtes Toilettenpapier „cottonfresh“. Klingt komisch, aber ohne kann ich ganz schlecht. Dann eine Handcreme gegen trockene Hände von L’Occitane. Ich benutze nicht oft Handcreme, finde es aber schlimm, wenn keine da ist, wenn ich dringend welche benötige. Und schließlich mein Parfum, „Annayake Myabi Woman”, weil ich die Vorstellung zu stinken, ganz schrecklich finde – und das wirklich toll riecht


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Nein, habe ich nicht. Ich betreibe wenig Aufwand und ernähre mich eher gesund als ungesund, aber das ist auch schon alles. Ich wünschte, ich könnte an dieser Stelle etwas von meinem ausgedehnten Sportprogramm erzählen. ;)


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Kein Mantra, aber ein Gedicht von Robert Frost „The Road Not Taken“, und darin der folgende Teil:

[...]
Two roads diverged in a wood, and I –
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.


Danke, liebe Melanie, fürs Dabeisein! Und ich bin sicher: So bezaubernd wie ich dich kennen gelernt habe, musst du dir übers Älterwerden gar keine Gedanken machen ...

***
Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 31. März 2014, 09:00 Uhr
Kommentare: 7 | Aufrufe: 19193 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: montagsinterviewmellcolmmelanie voßinterviewfrauen ab 40anti-agingälterwerden
Das könnte auch interessant sein:
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Nic Hildebrandt.
Das Montagsinterview mit Alexandra Graßler.
Das Montagsinterview mit Andrea Adamczyk.
 

Kommentare

  • Die Seite ist echt erfrischend…tolle Frauen und wunderschön geschrieben…. Glg Amela

    Amela
    am Mittwoch, 16. April 2014 um 16:34 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke, liebe Margret. Das von Dir zu lesen, freut mich wirklich sehr! Du warst aber auch eine tolle Lehrerin , ohne die ich NIEMALS auf die Idee gekommen wäre, Mathe im Abi zu nehmen!

    Melanie
    am Mittwoch, 02. April 2014 um 22:47 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Meli
    ich finde es toll zu lesen was aus meiner ehemaligen Schülerin geworden ist. Du warst schon als Schülerin eine ganz natürliche nette junge Frau. Das scheint so geblieben zu sein. Kompliment

    Sagorski
    am Mittwoch, 02. April 2014 um 22:42 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke für die lieben Komplimente, angesichts derer ich mich gleichermaßen freue und erröte.

    :)

    Melanie
    am Montag, 31. März 2014 um 22:02 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liest sich toll.

    Und die Bilder sind hinreißend!

    Manchmal ... nur manchmal hatte ich den Verdacht, wenn ich solche Fotos von wunderbaren Menschen sehe, es seien alles nur „Katalogmodels” - aufwändig gestylt und vor allem eines: Fotogen!

    Deine Interviews, Susi, zeigen aber, dass es tatsächlich Frauen gibt, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern auch noch was zu sagen haben!
    Und die offenbar wirklich „echt” sind, denn du kennst sie ja persönlich! ;-)

    Michaela Pelz
    am Montag, 31. März 2014 um 15:29 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Eine bildschöne Frau.

    Biggi
    am Montag, 31. März 2014 um 14:18 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susanne,

    das ist wieder einmal ein herrlich entspanntes Interview! Melanie scheint eine unkomplizierte, natürliche und bodenständige Frau zu sein, die Mode nicht zu wichtig nimmt, aber dennoch hübsch aussehen möchte. Wie so viele Frauen, die mitten im Leben stehen!
    Allerdings hat mich dann doch etwas verwundert, dass Melanie ihre Fesseln nicht schön findet??? Völlig unverständlich! Und ein bisschen Selbstkritik an der eigenen Figur habe ich auch zwischen den Zeilen gelesen… Warum müssen tolle, gesunde, erwachsene Frauen nur immer so über-kritisch sein, wenn es um die Figur geht? Ein bisschen gerade Taille? Ein bisschen Bauch? Was soll’s? Mit ein paar Fashion-Tricks bekommt sie das doch spielend in den Griff. Und für Außenstehende sieht sie absolut makellos aus. Viele vermeintlichen Schwächen sieht man doch nur selbst…
    Ich finde Melanie auf jeden Fall großartig und wunderschön. Punkt.

    Liebe Grüße von
    Stephanie alias die Modeflüsterin

    Stephanie
    am Montag, 31. März 2014 um 13:35 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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