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Was mich an den Montagsinterviews immer wieder besonders beeindruckt, sind die unterschiedlichen und faszinierenden Biographien, auf die meine Interviewpartnerinnen zurückblicken.

Ein weiteres Bespiel: Kirsten Wick. Sie ging als Teenager mit ihren Eltern vom Saarland nach Ägypten, lebte dort einige Jahre und besuchte die Deutsche Schule in Kairo. Mit 17 kehrte sie dann nach Hause zurück, um hier eine Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin zu machen. „Ägypten hat mich zu einem sehr weltoffenen Menschen gemacht, das prägt mich bis heute“, sagt Kirsten über diese Zeit.

Nach einigen Berufsjahren packte Kirsten dann die Lust „auf mehr“. Sie holte ihr Abitur nach und studierte im Anschluss Anglistik und Medienwissenschaften, davon ein Semester in Cambridge („Am liebsten wäre ich dort geblieben!“). 2010 packte Kirsten noch ein PR-Studium drauf und arbeitet heute als selbstständige PR-Beraterin.

Trotz ihrer Liebe zur weiten Welt hat es sie gemeinsam mit ihrem Mann vor rund elf Jahren wieder zurück ins kleine Saarland verschlagen – aber ist die Welt letztlich nicht immer genau so groß, wie man sie sich selber macht?


Modebloggerin Kirsten Wick, 44

Kirsten Wick, 44.


Ganz in diesem Sinne betreibt Kirsten seit Mitte 2014 ihr Mode- und Lifestyle-Blog The LIFB Issue: Hier geht es zweisprachig um Lifestyle, Interior, Fashion und Beauty, wunderschön von ihrem Mann Jörg fotografiert ((„Bevor ich anfing zu bloggen, hatte er übrigens absolut nichts mit Fotografie am Hut! Er bringt sich das alles selber bei!” – toll!) und meines Erachtens eines der ganz wenigen Ü40-Modeblogs, das diese Bezeichnung auch verdient.

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Für mich muss Mode Spaß machen, deshalb spiele ich damit. In meiner Jugend war ich recht mutig und immer sehr modebewusst. Dann gab es eine Zeit, da wollte ich nicht so auffallen und war eher spießig gekleidet. Das hat sich in den letzten Jahren total geändert, ich bin wieder mutig geworden und vor allem farbenfroh. Seit zwei Jahren habe ich eine andere Haarfarbe (ich war vorher immer sehr dunkel), mit der ich mich pudelwohl fühle. Den Schnitt hat meine liebe Friseurin letztes Jahr verändert. Und das spiegelt mich auch als Person wieder: ein bisschen verspielt, farbenfroh und lebenslustig.

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Ich würde meinen Stil als casual-verspielt bezeichnen, zum größten Teil zumindest. Klar mag ich es auch klassisch, wobei ich diesen Look meistens mit entsprechenden Accessoires auflockere, um ihn eher „edgy”, also nicht ganz so gefällig, zu machen. Zudem würde ich meinen Stil als alterslos bezeichnen: Ich versuche mich so zu kleiden, dass es zu mir und meinem Typ passt. Das halte ich für wichtig. Regeln, dass man sich ab einem gewissen Alter so oder so zu kleiden hat, gibt es für mich nicht, da viel zu viel von der Person selbst abhängt. Warum soll man denn ab 40 keinen Spaß mehr an Mode haben? Sehe ich überhaupt nicht so. Alter spielt da keine Rolle.


Kirsten Wick bloggt auf The LIFB Issue

„Mein Stil ist casual-verspielt.” (2015)


Zu einem ganz wichtigen Accessoire sind in den letzten zwei Jahren Hüte für mich geworden. Immer habe ich sie an anderen bewundert und mich selbst lange nicht herangewagt – dann aber doch! Dafür musste ich 42 Jahre alt werden ... Ich habe mir einfach gesagt: Wenn nicht jetzt, wann dann? Und so sehe ich es mittlerweile auch generell mit Mode: Man soll einfach das tun, worauf man Lust hat. Wenn man etwas mit Überzeugung trägt, wirkt man auch glaubwürdig.

Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Ich habe kein richtiges modisches Vorbild, um ehrlich zu sein. Klar gibt es ein paar Blogger, deren Stil ich absolut liebe, wie Blair von Atlantic Pacific oder Carrie von Wish Wish Wish. Persönlichkeiten wie Anna dello Russo faszinieren mich. Sie zieht an, was sie will, umgibt sich mit jungen Leuten, ist verrückt – aber ich finde es toll. Ich finde es großartig, dass sie sich nicht irgendwo reinpressen lässt, bloß weil sie über 50 ist. Die Zeiten haben sich geändert und das ist auch gut so. Deshalb faszinieren mich z. B. auch Pamela Skaist-Levy und Gela Nash-Taylor vom Label Pam & Gela, die sich selbst als die ältesten Teenager der Welt bezeichnen. Beide sind über 50 bzw. Gela bereits Anfang 60 aber sie machen trotzdem was sie wollen, haben einen lässigen Cali(fornia)-Stil und ich finde es große Klasse.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?
Tatsächlich habe ich ein Lieblingsaccessoire, und zwar einen Hut von Janessa Leone – es ist der Hut auf dem obersten Bild. Ich trage ihn oft, weil er zu vielem passt und irgendwie immer geht. Ich habe ihn extra aus den USA bestellt und war ganz gespannt. Als er dann geliefert wurde, habe ich etwas gebangt, ob er auch wirklich passen würde. Das tat er und ich mag ihn auch nicht mehr hergeben.


Kirsten Wick liebt Hüte.

„Ich liebe Hüte!” (2014)

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Hm, um ehrlich zu sein, ich denke wirklich, dass viel davon abhängt, wie man sich kleidet und was man ausstrahlt. Wenn ich verbiestert wirke, lässt es mich um Jahre altern. Ich habe einfach für mich entdeckt, dass Farben und eine gesunde Einstellung zu sich selbst mit einem gewissen Quantum an Humor ein tolles Rezept sind. Ich finde Frauen jeden Alters schön, Carmen Dell’Orefice bete ich geradezu an, weil sie so etwas Aristokratisches an sich hat. Wirklich jeder kann schön sein. Für mich sind das immer Menschen, die entspannt und zufrieden wirken, viel lachen.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich habe eine extrem sensible Haut, deshalb bin ich tatsächlich eher der Wasser- und-Seife-Typ. Ich habe schon so viele Cremes probiert – und ich lande immer wieder bei Nivea, schlichtweg, weil ich sie vertrage. Reinigung und Nivea und ich bin glücklich.

Kirsten Wick: All denim Look

Teenage-Jahre in Ägypten: All-denim-Look! (1986)

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Okay, zählt eine Pinzette als Kosmetik-Produkt? Wenn ja, dann hätten wir schon mal eins, denn ohne Zupfen werde ich verrückt. Meine Brauen wachsen nämlich sehr schnell und ich mag sie gerne in Form. Da bin ich pingelig. Außerdem wären eine leicht getönte Tagescreme und ein Augenbrauenstift toll.

Wenn du dir ein (noch nicht existierendes) Produkt von der Kosmetikbranche wünschen dürftest: Welches wäre das?

Graues Haar dauerhaft abzudecken wäre was. Ich habe schon mit Ende 20 meine ersten grauen Haare bekommen und färbe seitdem. Manchmal nervt es schon, da meine Haare so schnell wachsen und gleich ein Ansatz zu sehen ist, was wirklich nicht schön aussieht. Wenn graue Haare durch eine Behandlung für immer verschwinden würden, wäre das eine geniale Erfindung.


Kirsten Wick, Lifestyle-Bloggerin

Typische Lifestyle-Blogger-Pose (2014)

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Gründliches Abschminken ist für mich unerlässlich. Vor kurzem habe ich auch die Gesichtsmassage für mich entdeckt, Lisa Eldridge sei Dank. Ich habe mir von ihr ein Tutorial auf YouTube angesehen, es nachgemacht und mittlerweile ist es zur Routine geworden. Außerdem versuche ich regelmäßig Sport zu machen, da ich Bewegung liebe. Ich trainiere dreimal die Woche zu Hause und im Sommer fahre ich sportlich Fahrrad, was mir wirklich guttut. Zugleich bin ich aber auch eine Genießerin, ich esse gern und das lasse ich mir auch nicht nehmen.

Was würdest du in Sachen Schönheit gerne mal ausprobieren? (Haare rot färben, Botox, falsche Wimpern, Pixie-Schnitt ...)

Ich bin da gar nicht so experimentierfreudig, aber falsche Wimpern wären wirklich mal was – und vielleicht probiere ich das demnächst tatsächlich mal aus. Ich habe furchtbar kurze Wimpern und in Sachen Augenaufschlag läuft bei mir gar nichts ...


Modisch unterwegs in Äpypten

Modisch in Ägypten: Paisleyrock,Spitzenhandschuhe à la Madonna und vielen Armreifen. (1985)

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Stehenbleiben bedeutet Rückstand. Man muss immer offen für Neues bleiben, denn es gibt tolle Dinge zu entdecken.

Danke, liebe Kirsten, fürs Dabei sein und deine spannenden Antworten!

***
Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 08. Juni 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 3 | Aufrufe: 3005 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: the lifb issuemontagsinterviewmodeblogmodelifestylekirsten wickinterviewfrauen ab 40beautyälter werden
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Kommentare

  • Mit Kirsten habe ich definitiv die Liebe für England gemeinsam - auf diese Weise hatten wir unsere Blogs vor einiger Zeit glaube ich sogar gefunden ;-)

    Ich finde es klasse, wenn jemand einen unverwechselbaren Stil hat und der schwarze Hut ist einfach genial!

    LG
    Annette | Lady of Style

    Annette
    am Dienstag, 09. Juni 2015 um 13:56 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ah, die Kirsten! Ich liebe ihren Stil. Er ist so unverwechselbar und originell und hat einen so hohen Wiedererkennungwert - einfach großartig. Ich bewundere oft ihren Mut für gewagte Muster- und Farbkombinationen und bin dann immer ganz begeistert, wie stilvoll das aussieht!

    Ich wünschte, ich hätte auch so einen Signature-Look. Bitte weiter so und mehr davon, liebe Kirsten.

    Liebste Grüße
    Valérie

    Valérie
    am Montag, 08. Juni 2015 um 09:33 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Das ist so ein wundervolles Kompliment liebe Valérie, ich freu mich so darüber. Ich freue mich einfach, wenn mein Stil gefällt. Tausend Dank und liebste Grüße :) Kirsten

      Kirsten Wick
      am Montag, 08. Juni 2015 um 18:41 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

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