mode-lifestyle
 

Wenn ich an Frauke Aretz denke, dann fällt mir als erstes das Wort „unkonventionell“ ein. Und als zweites „bunt“. Wenn ich mir dann ihren Lebenslauf anschaue, weiß ich, dass ich damit ziemlich richtig liege. Da sind so viele unterschiedliche Aspekte, Lebensphasen, auch Brüche, die vielleicht erstmal erstaunen, aber dann als großes Ganzes doch eine wunderbare, schillernde Einheit bilden: Da die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin, die mit 29 ihre erste eigenen Agentur gründete (und damit sehr erfolgreich war), dort die engagierte Feuerwehrfrau, die sich seit über zehn Jahren in diesem Ehrenamt engagiert. Hier die begeisterte Motorrad-Bikerin, dort die Frau, die konsequent jeden Tag Yoga macht und meditiert. Dazwischen einige Jahre als Pressereferentin bei einer Schwesternschaft des DRK, heute wieder leidenschaftlich selbstständig als Texterin, Konzeptioniererin, Beraterin und als Trainerin für Krisen- und Konfliktmanagement.


Frauke Aretz, 40. (Foto: Anika Freytag)

Bunt und unkonventionell ist auch Fraukes Look! Ich war deshalb besonders gespannt, was Frauke zum Thema Mode sagen würde ... und war überrascht, welchen Wandel ihr Stil im Laufe der Jahre vollzogen hat.

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Mode im Sinne von was ist gerade der neueste Trend, war mir nie wirklich wichtig. Kleidung unter dem Aspekt, mich damit auszudrücken, allerdings schon. Ich war früher sehr experimentell unterwegs und eigentlich bin ich es noch immer. Bis heute verstecken sich unterschiedliche Typen von Frauke in meinem Kleiderschrank. Der Wandel ist für mich das Faszinierende: Vamp, strenger Business-Look, weibliche Kleider, Punk, sportlich leger, Rock´n´Roll, Outdoor und Rockabilly – alle Aspekte finden auf meinen Kleiderstangen ihr Plätzchen. 

Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert? Was hast du in den 20ern/30ern/40ern getragen? Und welche Stilrichtung bevorzugst du heute?

Ich bin über die Jahre immer sportlicher in meinem Look geworden und habe meinen eigenen Stil hier gefunden. Früher habe ich besonders im Arbeitsumfeld sehr viel Wert auf Etikette gelegt und viel Anzug, hohe Schuhe, gerne auch Kostümchen getragen. In den 20ern habe ich glaube ich gar keine flachen Schuhe besessen. Und auch in der Freizeit war ich stets gestylt und habe sehr bewusst weibliche Kleidung getragen.


Frauke Aretz mit Mitte 30

Gestylt und bewusst weiblich ... (2001; Foto: Andreas Fischer)

Gerne zwar Hosen – das zieht sich so durch – aber dann eben kombiniert mit tief ausgeschnittenen Oberteilen oder mit eng anliegenden Stretchteilen. In den Dreißigern eroberte der flache Stiefel meinen Kleiderschrank. Viel mit den Kindern unterwegs, habe ich zu der Zeit die praktischeren Kleidungsstücke schätzen gelernt. Das war wohl auch die Zeit, in der die Outdoor-/Sportsmode bei mir Einzug gehalten hat und die Jeans für mich zur Arbeitsmode avancierte.



Southern Belle: Ein bisschen „Fackeln im Sturm” ... ;-)) (1991, Mississippi, USA)

Was modische Vorbilder angeht, haben mich als junges Mädchen immer die eleganten Frauen, besonders die Kommandeurs-Damen aus meiner Kindheit (mein Vater war Berufssoldat), fasziniert. Ich habe tatsächlich in den 20ern sehr damit gehadert, dass aus mir einfach keine elegante Dame werden wollte – meine Haare und mein Hang zu Hosen machten das einfach nicht mit. Wiederfinden kann ich mich in dem Modestil von Nena und Pink. Diese Frauen haben mich stets beeindruckt. Sie gehen ihren Weg – scheiß drauf, was die Welt dazu sagt – und so ist auch ihre Mode. Da bin ich dabei!

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Ich habe mir mit 16 meine erste Lederjacke gekauft. QUIETSCH-Bunt und ich habe sie geliiiebt. Tatsächlich hängt sie auch heute immer noch in meinem Schrank und wird manchmal einfach rausgeholt, damit ich mich jung und unbesiegbar fühle.


Frauke in ihrem Lieblingskleidungsstück: eine bunte Lederjacke

Die bunte Lieblingslederjacke (1990, Mississippi, USA).

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich habe früher ewig und drei Tage mit meinem Körper gehadert. Hier zu dick, da zu doof und eigentlich immer im Kampf mit dem Gewicht. Das hat sich erst in den letzten zehn Jahren gelegt und ging auch nicht von selbst. Ich habe mich intensiv mit meinem Selbstbild beschäftigt, als meine Tochter das erste Mal vor mir stand und mit 12 eine Diät machen wollte. Da war für mich SCHLUSS. Ich habe mir ab da vorgenommen, meinen Kindern nicht so einen Quark vorzuleben, musste aber erst mal lernen, mich selbst gern zu haben. Erfolg im Beruf, ein sehr wertschätzender Partner und das Älter werden haben mir dabei geholfen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Eindeutig: Ich bin eine Gläubige. Im Moment schwöre ich auf die Produkte von Chris Farrell. Ich reinige, öle, nutze Masken und tägliche Pflegecremes. Das wichtigste ist aber – dass die Produkte gut riechen. Glücklicherweise darf ich ein Kosmetikinstitut zu meinen Beratungskunden zählen. Da muss ich von Berufs wegen viel ausprobieren – sehr praktisch.

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein

Wie gesagt, Duft ist mir wichtig. Wahrscheinlich kommt das von diversen Reisen, in denen ich auch mal in eher unwirtlichen Unterkünften untergekommen bin. Ich kann mit kalten Duschen, fragwürdigen Decken, spartanischen Zimmern zurecht kommen – aber einen guten Duft brauche ich. Deshalb würde ich sofort meine Bodylotion von Biotherm Lait Corporel Anti-Dessèchant kaufen. Außerdem unabdingbar: ein Eyeliner (gerne von Dior) und Mascara (gerne von Clinique). So fertig – jetzt kann ich überall hinreisen.


Frauke in klassischen Business-Klamotten

Die Dreißiger in klassischen Businessklamotten. (2005; Foto: Andreas Fischer)

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Nope – auf keinen Fall. Tatsächlich habe ich letztes Jahr die Probe aufs Exempel gemacht. Ich hatte einen schweren Fahrradunfall, seitdem habe ich eine unübersehbare Narbe an der Nasenspitze. Es hat einige Wochen gedauert, bis ich mich damit abgefunden hatte, dass die Narbe nun Teil von mir ist. Ich habe mich sogar von einem Schönheitschirurgen beraten lassen, aber irgendwie kam mir das schräg vor. Ich finde Narben, Eigenheiten, Besonderheiten unseres Körpers zeigen, wer wir sind (dazu gehören auch und besonders die nicht geliebten Stellen) – und das wollte ich für mich nicht ändern.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ja – Spaß am Leben und viel Lachen. Außerdem wenig Alkohol, kein Nikotin, ausreichend Schlaf, viel trinken, richtig atmen und mit dem Jahresrhythmus der Natur leben. Ich mache täglich Yoga, auch wenn es manchmal nur drei Morgengrüße (dauert zehn Minuten) sind. Diese Routine, mich jeden Tag in mir zu verankern und mich zu erden, gibt mir in meinem turbulenten Leben den richtigen Halt. Das stärkt meine Ausstrahlung und macht schön.

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Im Grunde habe ich ja mit dem Älter werden aufgehört, als ich 28 geworden bin. Das war ein super Alter und da bin ich einfach bei geblieben. Ansonsten halte ich es mit Astrid Lindgren: „Es gibt kein Verbot für alte Weiber, auf Bäume zu klettern.“



Forever 28! (2015, Foto: Anika Freytag)


Als schöne Begleiterscheinung der wiederkehrenden 28 empfinde ich die größere Gelassenheit und die größere Zufriedenheit mit mir selbst. In einem Seminar letztes Jahr sollten wir unsere Stärken und Schwächen aufschreiben – und was wir gegen die Schwächen tun wollen. Ich habe sehr gestutzt bei der Übung und dann gefragt, ob ich meine Schwächen nicht einfach behalten dürfe. Die mag ich nämlich – sehr.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Lebe so, dass Du jeden Abend sagen kannst: „Es ist gut so!“

Für mich selbst bedeutet das: Es ist nicht alles perfekt, es geht nicht immer nach Plan, aber ich habe nach besten Wissen und Gewissen gelebt. Ich habe keinem absichtlich geschadet und bin dem Leben, der Natur, den Menschen und den Tieren mit Respekt begegnet.

Danke, liebe Frauke, für deine spannenden Antworten, für deine Bekenntnis als Kosmetik-Addict und deinen unkonventionellen Chic! :-* Und vor allem: Danke für den Lindgren-Spruch „Es gibt kein Verbot für alte Weiber, auf Bäume zu klettern.“ Ich glaube, den brauche ich als Poster! :-)

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 12. Oktober 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 3 | Aufrufe: 2773 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, Leben, | Tags: montagsinterviewmodeinterviewfrauke aretzfrauen über 40beautyanti-aging
Das könnte auch interessant sein:
Frauen über 40: Das Montagsinterview mit Ulrike Bartos.
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Ines Knerr.
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Ricarda Nieswandt.
 

Kommentare

  • Hach – lauter Worte, die gut tun. Danke, Frauke und Susi!

    Jutta
    am Montag, 12. Oktober 2015 um 16:28 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Frauke, liebe Susanne,

    ein wunderbares Interview - wieder einmal!
    Man spürt die große Lebenskraft und Freude von Frauke zwischen jeder Zeile. Besonders beeindruckt mich, wie bunt Anika ihr Leben gestaltet und wie sehr sie gleichzeitig in sich selbst verankert bleibt. Sich selbst so anzunehmen, wie man ist, ist die große Übung des Lebens. So ein innerer Ruhepol ist Gold wert!

    Ich wünsche weiterhin alles, alles Gute und grüße Euch beide sehr herzlich!

    Stephanie alias die Modeflüsterin

    Stephanie
    am Montag, 12. Oktober 2015 um 12:28 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • So schön. So bunt. So sehr Frauke. Danke für das Interview - und für den wunderbaren Satz von Astrid Lindgren.

    Petra Berthold
    am Montag, 12. Oktober 2015 um 10:24 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar:
 
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
  • Name*
     
  • Email*
     
  • Website
     
  • Kommentar*
     
  • CAPTCHA*
      
  •  
  •  
  •  
 
 

Zum nächsten Beitrag: Rezension: „Einmal rundherum. Das Lesebuch für München und das Umland.”

Zum nächsten Beitrag.

Zum vorherigen Beitrag: Wochenend-Wow: Klare Ansage!

Zum vorherigen Beitrag.





Herzblutdinge

Herzbluttexte




WERBUNG













KOOPERATIONEN








 
WERBUNG

© 2017 texterella.de | Susanne Ackstaller

Site by blogwork.de und Sibylle Zimmermann, hz-konzept.de