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Daniela Hutter kommt ursprünglich aus der Modebranche, leitete in den Neunzigern einen Privatkindergarten in Wien, führt mit ihrem Mann heute eine Druckerei in Tirol und begleitet zudem als Seminarleiterin, Coach und Autorin Frauen auf ihrem Lebensweg.

Bäm!

Es gibt wirklich wenige Frauen in meinem Umfeld, die so unterschiedliche Facetten in sich tragen – und dennoch so in sich selbst ruhen wie Daniela. Als ich ihre Antworten las, war ich schon fast ein wenig neidisch auf so viel innere Stimmigkeit. Aber weil ich Daniela schon länger auch kenne, weiß ich auch: Sie ist wirklich so. Genau so. Angekommen und mit sich selbst im Reinen. Und ich finde, das sieht man auch.



Daniela Hutter, 47.

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Mein Berufsweg begann im Jahr 1985 mit Mode: Ich war im Innendienst zuständig für den Vertrieb von Herrenhosen – querelastisch und mit Autofahrerbund – aus dem Hause Rene Lezard für ganz Österreich. Vor allem durch die internen Schulungen lernte ich damals sehr viel über Stoffe, Farben, Schnitte, Qualität. Auch wenn ich längst nicht mehr in diesem Bereich arbeite: Das Interesse an Mode ist geblieben, natürlich für viel mehr als querelastische Herrenhosen.

Als sehr junge Nachwuchskraft war ich damals, was meinen eigenen Stil betraf,  allerdings relativ unsicher, zumal ich auch für eine italienische Sportfirma arbeitete. Dort war das Outfit – anders als im deutschen Modehaus – immer leger und sportiv, was auch eher der österreichischen Seele entspricht. Hier in Österreich gehen wir mit dem Thema Business-Outfit deutlich lässiger um als in Deutschland; Kostüm oder Hosenanzug trage ich heute kaum mehr, nur mehr auf sehr offiziellen Veranstaltungen.

Mein erster Ehemann war ebenfalls in der Modebranche und zwanzig Jahre älter als ich (ich war damals 21). Er übte viel Einfluss auf mein Outfit aus. Als leidenschaftlicher Einkäufer kam er oftmals mit Kleidung und Schuhen für mich nach Hause – nicht immer nach meinem Geschmack, wohl aber nach seinem und dem, was er für eine Frau an seiner Seite als passend empfand. Im Nachhinein betrachtet war es für mich eher Ver-Kleidung als Kleidung, und es verunsicherte mich während dieser Jahre sehr in meiner eigenen Auswahl.

Erst mit Scheidung und Berufswechsel fand ich mich selbst, auch modisch. Der Lebensalltag war danach stimmig, der Beruf auch – und ich drückte mich auch mit meiner Kleidung mehr und mehr als die aus, als die ich mich fühlte – und nicht länger als die ich sein sollte. Die Kleidung wurde schmeichelnder, zarter und weiblicher, die Farben heller und leichter, in gewisser Weise auch jugendlicher. Ich konnte es mir nun „leisten“ jung zu sein, musste ich mich doch nicht mehr altersmäßig an mein Umfeld anpassen, weder an das des Jobs, der Einkäufer und Kunden – noch an jenes des Ehemanns und seinen Freunden.


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Ich kleide mich gerne smart casual und durchaus auch modisch, aber ohne einem Diktat zu folgen. Meine Kleidung muss mein Ich widerspiegeln und unterstreichen: klassisch, zugleich modisch und mit dem gewissen Etwas. Dabei aber immer ohne Schnick-Schnack, ohne Chichi, keine Aufdrucke, kein Swarovski-Glitzer. Manchmal ist mein Stil sexy, manchmal erwachsen, manchmal auch mädchenhaft – aber immer meiner Linie treu.


1995: Kindergärtnerinnen-Outfit.

Letztlich entspricht genau das auch meinem Lebensgefühl. Ich bin mich heute, mit 47, in meinem Leben angekommen: beruflich wie privat. An jedem Tag bin ich ICH – und genauso ist auch mein Zugang zu Kleidung. Mein Kleiderschrank sieht nach mir aus. Selbst in den Geschäften hier vorort, in denen ich den Hauptteil meiner Kleidung einkaufe, wissen die Verkäuferinnen ganz genau, was ich will und begrüßen mich schon mal mit: „Frau Hutter, wir haben da was reinbekommen – das ist genau Ihr Stil“.


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Modische Vorbilder hatte ich eigentlich nicht – wenngleich es durchaus modische Phasen gab, die heute eher fremd wirken. Da gab es blonde Haare, Pagenschnitt und später eine Kurzhaarfrisur mit geschorenem Nacken. Zeitweilig habe ich mich sogar an Madonna’s Outfit
à la „Like a virgin“ orientiert, so sehen zumindest Fotos von damals aus - die niemals an die Öffentlichkeit kommen, auch hier nicht :-). 

Wohl aber inspirieren mich andere Frauen, wie z. B. Sienna Miller oder auch der Stil von Caroline von Monaco (eigentlich klassisch, dennoch manchmal auch wieder völlig überraschend, ja, geradezu unberechenbar).


Typisch Daniela: Sienna-Miller-Stil und rote Handtasche.

Und: Ich liebe die Welt von Pinterest und Instagram, da hole ich mir viel Inspiration für Farben, Kombinationen und Trends – die ich dann auf meine Art umsetze.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Man glaubt es vielleicht nicht, aber meine aktuellen Lieblingsstücke sind meine Dirndl und die Lederhose – das bin „ich“, auch wenn ich sie im Alltag kaum trage, also weder im Büro noch zum Einkaufen.

Abgesehen davon mag ich Röcke und Kleider sehr gerne. Darin fühl ich mich einfach richtig als Frau. Wenn ich Hosen trage, dann immer mit Oberteilen, die feminin und weich sind. Der straighte Businesslook, der sich sehr am Maskulinem orientiert, ist gar nicht mein Ding.

Und weil auch Schuhe kleiden: Ich liebe High Heels und kann mit allen und in jeder Höhe richtig gut gehen. Das Geheimnis ist nämlich nicht die Absatzhöhe, sondern viel mehr der gute Schuhschnitt. Allerdings teilt mein Rücken diese Liebe nicht, und fordert Abwechslung in den Absätzen, auch mal in niedere Welten und ins Flachland. Und auch der berufliche Alltag und der Fliesenboden in der Druckerei machen es schwierig High Heels zu tragen. Deshalb trage ich sie doch nur für besondere Anlässe - die ich dann allerdings selbst definiere und wöchentlich einen auswähle.

Und sonst? Ich liebe Hüte, und deshalb auch die kalte Jahreszeit.

Und ich hab ein Faible für rote Taschen, immer schon gehabt.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Meine Geschichte war eine Ent-Wicklung: raus aus den Konzepten anderer. Und wie der Schmetterling der Raupe folgt, folgte meinen jungen Jahren heute ein Frau-Sein, indem ich mich einfach gut fühle, weiblich und auch sexy. Das drücke ich gerne mit der Wahl meiner Kleidung aus – im Gegensatz zu früher, wo ich mich eher verkleidete, um der Norm, die mich beruflich wie privat umgab, zu entsprechen. 


„Viel zu viel und viel zu große Muster für eine zierliche Frau ...” (Modesünde 2004)

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Nein, ein Wasser-und-Seife-Typ bin ich nicht.

Aber ich kaufe Kosmetika sehr bewusst und gezielt ein: Bioprodukte für die Pflege, zum Beispiel von Susanne Kaufmann: Tagescreme, Nachtpflege und natürlich meine Augencreme (ohne die geht’s gar nicht!)!

Meine Großmutter hat mit mehr als 90 Jahren immer noch eine fabelhafte Haut. Und ich hab wohl das Glück ihre Gene geerbt zu haben, so benütze ich kein Make Up, kein Concealer, kein Abdeckstift.

Bei dekorativer Kosmetik bin ich sehr treu. Stellt eine Linie eine bestimmte Farbe von Lidschatten oder Lippenstift ein, dann kann mich das schon mal ziemlich konsternieren. So trauere ich noch immer um einen bestimmten Lippenstift von Dior! Hätte ich gewusst, dass Dior die Farbe einstellt – ich hätte alle Vorräte aufgekauft. So suche ich eben eine neue Farbe, die sehr ähnlich ist und die wieder in Endlosschleife nachgekauft wird, bis … Produktmanager neue Ideen haben und aussortieren.


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Abgesehen von Zahnbürste und -pasta: Hautcreme (vorzugsweise von Susanne Kaufmann oder Korres), Wimperntusche (Lancome Hypnose), Lippenstift (Chanel 67 deauville oder Dior addict 535).

Wobei ich gerade überlege, ob ich den Lippenstift zugunsten des Haarshampoos (John Frieda, Brilliant brunette) eintauschen soll – und die Wimperntusche gegen mein Körperöl (Olive-Sole-Öl von Maque). Hmmmm, jetzt komm ich ins Grübeln ...


Hast du ein Schönheitsgeheimnis? Wenn ja, welches?

Ich liebe mich (tatsächlich und wirklich). Das sage ich mir auch täglich, wenn ich in den Spiegel sehe, und ich fühle es auch. Außerdem gefalle ich mir, immer schon, und ich finde mich damit nicht „eingebildet“, sondern genieße diese Haltung und Beziehung mit mir.


Irgendwann in den Achtzigern: Pagenkopf und rote Handtasche. (Ist das wirklich dieselbe Frau? :-))

Wenn ich mich schminke, dann mit dem Gefühl, dass ich meine Schönheit „zelebriere“. Ich schmücke mich, ich ehre mich – das gibt mir schon morgens eine aufgerichtete innere Attitude.

Ganz praktisch und alltäglich: Ich lebe sehr bewusst und im Einklang mit meinem Körper. Ich rauche nicht, esse kaum Fleisch, Alkohol selten, achte auf mein Gewicht (wobei das Gewicht ohnehin auf mich achtet und da kaum Anlass für Handlung gibt), sorge für ausreichend Schlaf und Ausgleich zur vielen Arbeit – dennoch ist mein Leben ein Fest, das ich auch zu feiern weiß.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Es ist weniger ein Mantra als viel mehr die innere Haltung von Achtsamkeit, Wertschätzung, Dankbarkeit und Zufriedenheit – sie macht mich gelassen und entspannt.

Ebenso wichtig sind mir Spontanität und Flexibilität. Es macht mir Spaß, dass ich Pläne ändern darf, der Tag sich doch anders gestaltet, die Erwartungen und Vorstellungen sich eben nicht erfüllen und stattdessen etwas ganz anderes sein darf. Das hält offen und lebendig.

Und ich bin überzeugt, dass es die innere Schönheit ist, die zu einer äußerlich sichtbaren Schönheit führt.

Danke, liebe Daniela, für deine spannenden Antworten - und für dein Bekenntnis „Ja, ich mag mich! Ich gefalle mir!”. Das hat sehr viel Potenzial zum Nachmachen!

***
Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hier: Click and enjoy!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 04. November 2013, 08:00 Uhr
Kommentare: 4 | Aufrufe: 9860 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitmontagsinterviewmodeinterviewfrauen ab 40daniela hutter
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Kommentare

  • Tolle Antworten,tolles Interview! Die Rubrik gefällt mir sehr gut, bin gerade auf diesen Blog gestoßen. Kompliment!

    groschenroman
    am Dienstag, 05. November 2013 um 21:17 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Schon wieder eine „Lieblingsfrau” von mir :) Ich danke euch beiden für dieses ehrliche und inspirierende Interview!

    LG Simone

    Simone Happel
    am Dienstag, 05. November 2013 um 17:32 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ein sehr schönes Interview und eine inspirierende Frau.

    Ivana
    am Montag, 04. November 2013 um 10:03 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ganz ganz wunderbare Antworten - wieder mal dickes DANKE an Susanne und heute an Daniela! Das in-sich-ruhen strahlt in der Tat jede Zeile aus. Und Daniela: Deine Augen sind wirklich unfassbar schön!!

    Und: Oooh ja, das kenn ich und nehms regelmäßig persönlich, wenn MEINE Farbe oder MEIN Produkt unter 30 oder 40 aus dem Sortiment genommen wird. Grrr!

    Euch einen entspannten Start in eine gut gelaunte Woche,
    herzlichst Bettina

    Bettina Stackelberg
    am Montag, 04. November 2013 um 09:05 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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