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Würde man mich fragen, was ich mit Christa Goede verbinde - ich müsste nicht lange überlegen: Geradlinigkeit, Offenheit, Lebensfreude. LACHEN! Ein Mensch, der für seine Überzeugungen einsteht und sich nicht verbiegen lässt. Dass sie außerdem noch ein Blümchentattoo trägt, ist ein irgendwie überaus reizendes Tüpfelchen auf dem I ihres bunten Charakters - und das sage ich, obwohl sonst durchaus Vorurteile gegenüber tätowierten Menschen pflege. :-)

Warum sie als Politologin dann Werbetexterin wurde? Weil das Schreiben immer schon eine ihre Leidenschaften wahr - und die nackte Wahrheit (des Journalismus zum Beispiel) für sie schlichtweg zu wenig bunt war. In diesem Jahr hat sie - mit 43 - eine akademische Weiterbildung zur Social Media Managerin gemacht und steckt ihr Herzblut und ihre Begeisterungsfähigkeit seitdem verstärkt auch in Social-Media-Projekte.

„Ich bin ein Sonntagskind - vielleicht scheint in meinem Leben deshalb meistens die Sonne”, sagt sie von sich selbst. Und ich glaube, es ist genau dieser positive Blick aufs Leben, der mich (neben einer gemeinsamen Taschenliebe) mit Christa verbindet und das, was ich an ihr so besonders mag. Dass diese Attitude Falten fernhält, nun, ich glaube, das sieht man ...



(Foto: beckstage)

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert? Welche Stilrichtung bevorzugst du?

Ich pflege seit meinem 14. Lebensjahr einen etwas eigensinnigen Stil: In dieser Zeit entdeckte ich Haarfarben und Secondhand-Läden. Ich colorierte mir die Haare blond oder bunt und kaufte alte Herren-Pyjama-Hosen (für 2 Mark das Stück). Die Hosen färbte ich schwarz und kombinierte sie mit riesigen Nietengürteln und spitzen Schnallenstiefeln. Dazu schwarze Lederhandschuhe mit abgeschnittenen Fingern und schwarzer Lippenstift – fertig war der Christa-80er-Jahre-Chic! Meine Eltern fanden das nicht immer toll. Sie haben mir aber nie verboten, mich so zu frisieren oder zu kleiden, wie ich das wollte.


Christa mit 19 und Tolle. (Die Haarspray-Marke würde mich dann doch mal interessieren. ;-))

In der Schulzeit verbrachte ich die Sommerferien oft in London – ich sollte vernünftig Englisch lernen. Und ich wollte auf der Kings Road oder dem Camden Market Punker kennenlernen und tolle Läden angucken! Eine irre Quelle der Inspiration – denn dort gab sprichwörtlich alles!

Später machte ich optische Ausflüge in Richtung Psychobilly und gehörte viele Jahre zur linken Skinhead-Szene. Mit 30 lies ich mir gemeinsam mit einer Freundin die Haare wachsen und färbte sie rot – so sind sie bis heute. Ich merke gerade, dass ich in diesem Punkt tatsächlich modische Kontinuität entwickelt habe. ;-)

Hast du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Im Laufe der Jahre hatte ich einige: Zu Abiturzeiten war es zum Beispiel eine Jeans-Latzhose mit Domestos-Flecken und ganz vielen Löchern, die ich von innen mit rotem Karostoff ausgekleidet hatte. Diese Hose war ein echtes Unikat, sah toll aus und war irre bequem!

Heute ist meine Kleidungswahl etwas „sanfter“. Zurzeit liebe ich meine schwarze Bluse im Polka-Dot-Muster. Oder eine Strickjacke im Leoparden-Look. Was nur selten fehlen darf: Jeans. Ich bin ein absoluter Jeans-Fan! Allerdings mag ich die mit den künstlichen Flecken oder Löchern nicht – am liebsten sind mir die, die dunkelblau sind. Seit etwa 3 Jahren trage ich auch hin und wieder mal einen Rock. Zu Hosen und Röcken ziehe ich meist klobige Bikerstiefel oder Chucks an. Du siehst: „Schick“ kommt in meinem Kleiderschrank so gut wie nicht vor.


Ein Kunstworkshop! Mit 17.

Schräge Accessoires hingegen schon: Man sieht mich selten ohne mein dickes Silber-Armband im Oldschool-Tattoo-Style. Da ich Blümchen liebe, habe ich Schmuck im Blümchen-Look und bunte, gut gelaunte Blümchen-Tätowierungen am linken Arm. Außerdem habe ich einen Handtaschen-Tick – ich besitze etwa 30 verschiedene Exemplare: sportliche, bunte, kleine, große. Und welche mit Totenköpfen drauf. Seit einiger Zeit sehr beliebt ist aber auch die edle Tastatur-Handtasche von Kate Spade, zu deren Kauf ich mich von dir inspirieren ließ, liebe Susi. Diese Tasche ist meine Berufsbekleidung, sozusagen.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert?

Eigentlich hat sie sich nicht verändert. Ich finde es nach wie vor toll, dass Menschen NICHT alle gleich aussehen. Mein Blick auf der Straße gilt den Typen – also den Menschen, die eine ganz eigene Note mit ihrer Kleidung, ihrer Frisur und/oder in ihren Accessoires zeigen. Es gibt Leute, die einen sehr eleganten und trotzdem sehr eigenen Stil haben. Oder die, die wild alles und jeden Stil miteinander mixen und daraus etwas ganz Eigenes entwickeln. Wichtig ist für mich eher, dass die Menschen sauber und gepflegt aussehen – ganz egal, welche Kleidung sie tragen.

Ich mag Gesichter, die Geschichten erzählen: Falten können wunderschön und spannend sein! Mit Sorge beobachte ich, dass es immer mehr Frauen und auch Männer gibt, die Idealen hinterherrennen, die im realen Leben nicht existieren – da werden Mädchen und Jungen schon mit 14 magersüchtig. Kinder, deren Eltern kein Geld für Markenklamotten ausgeben (wollen oder können), werden in der Schule gemobbt. Frauen und Männer lassen sich Hautstücke wegschneiden oder Gesichtsmuskeln lähmen …. fürchterlich finde ich das. Ich bin froh, dass wir nicht alle gleich aussehen wie die Klone!

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte? Hast du eine Lieblingsmarke?

Eindeutig Wasser-Seife. Einziger Kompromiss: eine Bodylotion, weil ich ziemlich trockene Haut habe und jeden Tag mindestens ein Mal dusche. Die Bodylotion packe ich mir dann auch gleich ins Gesicht. Ich mag die Balea-Produkte der dm-Drogerie, denn sie werden ohne Tierversuche hergestellt und sind kostengünstig.

Schminke verwende ich sparsam – Kajalstift, Wimperntusche, ganz selten mal Make-up oder Lippenstift. Nur mit meinen Haaren bin ich pingelig: Ich kann es nicht leiden, wenn die Farbe raus wächst. Deswegen coloriere ich spätestens alle sechs Wochen und gönne mir auch öfter mal eine Haarkur.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Die Klassiker: Glück und Zufriedenheit. Und ein wildes Leben: Ich gehe bis heute gerne auf Konzerte, feiere Partys und komme manchmal erst im Morgengrauen nach Hause.
Auch wichtig: meine Freundinnen und Freunde. Wir sehen uns zwar nicht jeden Tag, aber wir sind immer in Kontakt, zum Beispiel über Facebook. Zusammen haben wir mächtig viel Spaß und lassen es manchmal ziemlich krachen. Gleichzeitig sind wir aber füreinander da und unterstützen uns in Zeiten, in denen es jemanden mal nicht so gut geht. Diese Menschen halten mich jung und sorgen dafür, dass sich meine Mundwinkel eher nach oben als nach unten ziehen –wir lachen gerne und viel! Danke dafür, ihr Lieben!

Hast du ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

„Bunt ist das Leben. Und granatenstark.“ Nach diesem Motto lebe ich und hoffe, dass ich mir weiterhin den offenen Blick auf die Welt bewahre.

Danke für deine Zeit, liebe Christa, und die tollen Fotos!

***

Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hier: Click and enjoy!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 26. November 2012, 09:00 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 6871 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: textstilsocial mediaschönheitmodefrauen ab 40christa goede
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Kommentare

  • Christa gehört zu den Leuten, bei denen schon der Anblick ihres Fotos gute Laune macht!

    Und dann erst in Echtigkeit!!!!!

    Danke für das Interview!

    Michaela
    am Montag, 26. November 2012 um 19:55 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich hab’s auch nicht so mit Tatoos. Aber Christias Blümchen finde ich toll, genau wie die Frau, die sie zieren.

    Petra Berthold
    am Montag, 26. November 2012 um 11:54 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Fantastisch, Christa! Das ist ein interessantes Interview. Und ich mag das ja besonders, wenn jemand es gar nicht nötig hat, im Mainstream mitzuschwimmen!

    Katja
    am Montag, 26. November 2012 um 10:30 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ach, Christa, deine Worte strahlen genau wie du. Und ich entdecke einige Schnittmengen (die Herrenpyjamas z. B.).

    Birgit
    am Montag, 26. November 2012 um 10:29 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • „und gehörte viele Jahre zur linken Skinhead-Szene.”

    Das ist ein Interview nach meinem Geschmack ;-)
    Irgendwo müssen sie ja sein, die ganzen Punks, Waver, Grunge-Girlies, Sharp-und Redskin-Girls aus der Jugendzeit. Es kann ja unmöglich mit allen „ein schlechtes Ende genommen haben”.

    Liebe Grüße,
    Alice

    Alice
    am Montag, 26. November 2012 um 10:23 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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