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Charis Stank. Als ich ihren Lebenslauf las, musste ich fast ein wenig schmunzeln: Erst die Lehre zur Damenschneiderin, dann ein Modedesign-Studium – ganz ähnlich hatten vor fast dreißig (huch!) Jahren auch meine beruflichen Träume ausgesehen. Nur mit dem Unterschied, dass ich mich (mangels ausreichend Talent) dann doch für einen anderen Weg entschieden habe.

Charis hingegen ist diesen Weg gegangen. Und es war oftmals kein einfacher Weg.

Geboren in der Oberlausitz und aufgewachsen in Sachsen, reiste sie mit ihrer Familie 1986 aus der DDR aus. Nach einigen Jahren in Celle und zwölf Jahren Mitarbeit bei einer Hamburger Modedesignerin, betreibt sie nun seit über vier Jahren ihren Onlineshop wohlgeraten. Mit dem hat sie ihre Leidenschaft für die Berge zum Beruf gemacht hat: Für Alpenliebhaber (und nicht nur für diese) gibt es hier alles, was das Leben und den Alltag fern von den Bergen verschönert. Übrigens macht Charis in ihrem Shop alles allein: von der Auswahl der Produkte über den Einkauf bis zur Photographie und den Texten. Wow.

Privat trifft man Charis oft beim Bergsteigen, Wandern und Reisen, mal ganz schlicht mit Zelt und Gasbrenner, mal in schönen Hotels der Alpenregionen, die sie in ihrem privaten Blog beschreibt. Hier gibt es nicht nur Hintergründe und Reisetipps, sondern auch Rezepte (besonders nett: Wie backe ich mir einen Traumprinz!? ), Restaurantempfehlungen und DIY-Anleitungen.



Charis Stank, 45.


Nach mehr als anderthalb Jahren nun also die erste gelernte Modedesignerin hier im Montagsinterview! Ich war gespannt auf Charis’ Antworten ....


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Ja. Ich antworte sofort mit „Ja“, denn alles hat sich verändert und alles ändert sich immer wieder. Die Mode selbst und die Einstellung dazu im Laufe des Lebens. Aus meiner Sicht ist das auch gut.

Für mich selbst ist es so: Trotz meines Berufes, ich wurde erst Damenmaßschneiderin und dann Modedesignerin, war ich nie wirklich modeverrückt. Meine Berufswahl war Zufall. Es ergab sich aus den Umständen und ich habe es nie bereut. In dieser Zeit nahm ich Mode ernster und war darauf bedacht, einen eigenen Stil zu entwickeln.

Heute hingegen gehört Mode für mich zu den schönsten Nebensachen der Welt. Es ist ein Glück, dass es sie gibt. Man kann damit viel Spaß haben, Verrücktheiten ausprobieren und Wandlungen vollziehen. Der Beruf der Modedesignerin ist wunderbar und ich habe ihn viele Jahre von Herzen gerne ausgeübt. Aber man sollte Mode nicht zu ernst nehmen. Im Leben hat es für mich immer wichtigere Dinge gegeben.


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Wer meint, als Bergverliebte würde ich in erster Linie Funktionskleidung tragen, irrt. Am liebsten trage ich sportlich-elegante Kleidung. Ab vierzig sind mehr Kleider dazu gekommen. Mein Modegeschmack ist weiblicher geworden. Das löst eine gern getragene, stark körperbetonende Linie der jüngeren Jahre ab. Stil heißt manchmal auch, auf lieb gewordenes verzichten.

Mein Kleiderschrank ist bunter geworden. Die Phase, in der ich fast ausschließlich schlichtes Schwarz und Weiß trug, liegt inzwischen viele Jahre hinter mir. Manchmal vermisse ich das, weil es so einfach war.



Must-have 1984: Jesuslatschen und Kamm in der Hosentasche!


Die Geburt meiner Tochter hat mich in mehr Farbigkeit eintauchen lassen. Manches daran mag ich, in anderen Bereichen tendiere ich wieder zum Uni-Look zurück. Er lässt sich leichter kombinieren und überhaupt finde ich, dass ein dunkel gehaltener Stil eine Spur edler wirkt.

Ansonsten: Ich liebe Grün. Ich habe grüne Augen. Kleidung, die im Uniformstil gehalten sind und einen Olivton haben, ziehen mich magisch an. Und ich habe eine große Schwäche für Rosenmuster auf schwarzem Grund.


Hast oder hattest Du ein Lieblingskleidungsstück?

Lieblingskleidungsstücke hatte ich immer und werde ich immer haben. Ich trage diese grundsätzlich so lange, bis sie auseinanderfallen. Wenn es nicht mehr geht, werfe ich sie sofort in den Müll, weil ich den traurigen Anblick nicht ertrage. Und ich kann an Kleidungsstücken sehr lange hängen.



Lieblingskleid! (2013)


Derzeit ist mein Lieblingsstück ein schwarz-weißes Kleid mit einer seitlichen Raffung. Es macht eine super Figur, zeigt mein schönes Dekolleté und man muss es einfach nur überziehen und ist fertig. Ich mag es, wenn Kleidungsstücke unkompliziert sind. Schnickschnack ist nicht mein Ding.

Schmuck und Accessoires interessieren mich gar nicht. Ich trage stets nur einen einzigen Ring. Das war ein Geschenk an mich selbst. Taschen hätte ich – wie wahrscheinlich jede Frau – gerne mehr. Vielleicht auch ein paar Schuhe. Es gefällt mir allerdings nur äußerst selten etwas wirklich gut. Und meistens ist es dann so teuer, dass ich es mir nicht kaufen kann. Dann kaufe ich lieber gar nichts.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Schönheit hat viel mit der eigenen inneren Ausstrahlung und den Augen des Betrachters zu tun. Und man kann seinen Teil dazu beitragen. Durch ein Lachen und durch Unbefangenheit. Sich dann geliebt zu fühlen, trägt für mich in hohem Maße dazu bei, ein schöner Mensch zu sein.


Reist gerne – nicht nur in die Berge. (Jakarta, 1999)


Für mich ist wichtig, dass ein Mensch sich pflegt und Wert auf sein Äußeres legt. Ich mag das. Es ist allerdings nicht das Hauptkriterium, nach dem ich Menschen beurteile. Ich hatte einen Klassenkameraden, der sah „von Natur aus“ schmutzig aus, war unsportlich und ungepflegt. Dennoch war er ein von Herzen lieber Mensch, den ich mochte. Schönheit ist nett, aber kein Maßstab.

Was mich betrifft: Heute bin ich entspannter im Umgang mit Schönheit. Ich akzeptiere mich und ich finde mich temporär schön. Das Älterwerden bringt mit sich, dass sich Äußerlichkeiten ändern. Ich bin nicht mehr ganz so dünn, sondern etwas weiblicher. Etwas mehr Sport könnte eventuell die Dinge richten oder auf einem akzeptablen Level halten. In dieser Phase befinde ich mich. Schönheit ist auch Arbeit. Das ist okay. Eine gewisse Strenge zu mir selbst halte ich für zumutbar. Aber das würde ich nie zu einer allgemeinen Regel für alle machen wollen.


Zur Kosmetik: Bist Du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Kaltes, klares Wasser reicht mir durchaus. Ich wasche mich notfalls im Bach, unter einer Pumpe oder gieße mir eine Flasche Wasser über den Kopf. Zuhause oder in geeigneter Umgebung darf es jedoch gern deutlich mehr sein. Zeit ist mein kostbarstes Pflegeprodukt.



Wahre Worte: „Wer auf blankem Boden ebenso schlafen kann wie im 5-Sterne-Hotel, dem steht die Welt dazwischen offen.” (2011)


Ich nutze gute Kosmetik, mache mir aber auch ein Peeling aus Polenta und Honig. Gut bedeutet nicht unbedingt teuer.

Mit dekorativer Kosmetik, also dick anpinseln, hatte ich nie viel am Hut.

Ich bin in vieler Hinsicht sehr treu: Wenn mir etwas gefällt, dann nutze ich es über Jahre. Mein Make-up, eine Foundation von Grimas in zwei Farbnuancen (für Sommer bzw. Winter), ist daher seit 25 Jahren dasselbe. Ich besitze stets ein und dieselbe Lippenstiftfarbe und einen einzigen Nagellack in einem tiefdunklen Rotton, den ich aber nur an den Fußnägeln und niemals an den Händen ertragen könnte. Mit denen muss ich jederzeit fest zupacken können. Als besonders typisches Beispiel meiner Spezies würde ich mich eher nicht bezeichnen …


Du bist auf Reisen und hast Deine Waschbeutel vergessen. Welche drei Kosmektikprodukte kaufst Du sofort?

Shampoo, Wimperntusche und ein Deo. Je funktioneller das Produkt, umso besser. Marken oder zusätzlicher Schnickschnack sind mir egal.


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Eine ausgewogene Ernährung ist mir wichtig, viel Obst und Gemüse. Nur weil es Trend ist, werde ich weder Vegetarier noch Veganer. Ich esse von Zeit zu Zeit gern ein ordentliches Stück Fleisch. Fisch sowieso.

Bewegung und frische Luft sind mir wichtig. In den Bergen fühle ich mich immer ein gutes Stück gesünder. Schöner auch, weil glücklicher.



„Berge machen mich glücklich!” (2010)


Schlaf ist wichtig. Zeit für sich selbst nehmen. Beides gönne ich mir nach Möglichkeit und ich lasse es auch gern zu, dass man mich verwöhnt.

Vermutlich ist das Geheimnis wahrer Schönheit auch eine große Portion Liebe.


Gibt es ein Mantra, das dich durchs Leben begleitet?

Ich mag einen Satz aus der Bergpredigt:

„Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Körper hell sein.“

Wenn ich mit einem gesunden, offenen Blick in die Welt schaue, kommt sehr viel Gutes zu mir zurück. Eine auf Wohlwollen ausgerichtete Sichtweise macht den Menschen schön!

Danke, liebe Charis, für deine Zeit, fürs Dabeisein und für deinen positiven Blick auf die Welt! Den ich teile, im Übrigen!

***
Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 16. Juni 2014, 08:59 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 6804 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitmontagsinterviewmodeinterviewfrauen ab 40charis stank
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Kommentare

  • I can also remember that when I had any test in sochol, for me to remember some of the answers on the test,since I didnt do well in some subjects and since mom was a sochol teacher she would drill the answers in my head as if I was in the army. And she would also write on little slips of paper all the answers to all questions and tape each one all over the house , even the bathroom ,that system must have worked because I always got a good grade on the test. I was so thankful the Lord gave me Godly parents who loved the Lord and served him everything they did and raised their chilren to serve and love as well. and I miss them both very much.

    Manjar
    am Dienstag, 29. Juli 2014 um 22:02 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Eine ausgesprochen ansehnliche Frau mit bodenständiger und sympathischer Ausstrahlung. Gefällt mir sehr gut!
    Danke für das interessante Interview!
    Bianca

    Bianca von Kleidungs-Stück
    am Montag, 16. Juni 2014 um 17:22 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wunderbares Interview! Tolle Frau mit einer bodenständigen Eleganz, die mir gut gefällt!

    Anke von Heyl
    am Montag, 16. Juni 2014 um 15:54 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Charis, wir hoffen Du machst auf einer Deiner nächsten Bergtouren mal wieder Station in München und besuchst uns.

    Raimund
    am Montag, 16. Juni 2014 um 11:00 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ach wie schön! Oh ja… das mit dem blanken Boden und die Welt steht einem offen - stimmt und seh ich auch so.
    Danke für das Interview. Nun ist dieser Montag nicht mehr so schlimm, wie ich zuerst dachte :-)

    Farbenfreundin
    am Montag, 16. Juni 2014 um 10:37 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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