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Barbara Brecht-Hadraschek gehört zu den Frauen, die mein WorldWideWeb quasi vom ersten Tag an bereicherten. Ich kenne sie gefühlt ewig, auf jeden Fall aber schon ein ganzes Internet lang. Ebenso wie ich, lebt und arbeitet sie quasi seit Anfang an im virtuellen Raum.

Dabei hatte alles ganz anders angefangen: Zunächst die Banklehre (wegen der Vernunft), gefolgt vom Studium der Geschichte, Politik und evangelischen Theologie im französischen Brest, in Wien und in Heidelberg, um - aus Liebe zu verschütteter Geschichte und vergessenen Geschichten - Archivarin zu werden. Statt ins Archiv kam Barbara dann aber erst zum Fernsehen und landete im Jahr 2000 schließlich als Leiterin in einer Online-Redaktion. Das Internet war dann auch ihre große berufliche Liebe - neben der privaten, wegen derer es Barbara dann von Karlsruhe nach Berlin verschlug. Ach, erwähnte ich schon das Barbara Routinen hasst?


Barbara heute: Die 43 Jahre stehen ihr gut!

Seit mehr als zehn Jahren - seit 2002 - ist Barbara selbstständig. Sie arbeitet als Texterin und als Schreibtrainerin, gerade auch für Online-Texte.

Privat ist Barbara sinnfreudig und liebt die schönen Dinge des Lebens: gutes Essen, guten Wein, in der Sonne liegen, Faulenzen, Lesen, Lesen, Lesen.

Auch Mode? Ich war gespannt ...

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert? Welche Stilrichtung bevorzugst du?

Ich liebe Mode. Früher habe ich stundenlang die Fotostrecken der Modeschauen durchgeblättert, später die Marie Claire und was weiß ich alles abonniert. Leider standen zwischen dem, was ich cool fand, und dem, was ich tragen konnte, oft 2 bis 3 Kleidergrößen und ein leerer Geldbeutel :). Deshalb habe ich kleidermäßig dann doch eher mein eigenes Ding gemacht, mir aus den Trends ‘rausgepickt, was mir gefiel und passte. In Anbetracht dessen, dass ich meine trendigste Phase in den 80ern hatte, kann man sich vorstellen, wie das manchmal aussah. Nur die Schulterpolster habe ich immer entfernt.

Anfang 20 – also in den 90ern – hatte ich übrigens eine eher rebellische Haltung gegenüber dem ganzem Mainstream-Modechichi und eine recht wilde, rabenschwarze Phase: raspelkurze, teilweise ausrasierte, schwarz gefärbte Haare, schwarze Jeans, schwarze T-Shirts, schwarze Rollkragenpullis. Schwarze Lederjacke. Doc Martins. Chucks. Natürlich alles mit Bedacht gewählt. Dunkelblau läutete da quasi den bunten Frühling ein.

Am häufigsten hat sich, glaube ich, im Laufe meines Lebens meine Frisur geändert: schulterlang, kurz, asymmetrisch (das war in den 80ern irgendwann mal totschick), seitlich Muster ausrasiert (die 90er), mit Pony, ohne Pony, Scheitel hier, Scheitel da, mit (Natur-)Locken – dann ohne Locken (auch Natur, die habe ich mit der Schwangerschaft verloren) rot, schwarz, blau, blond.

Uff!

Blond und Glatt habe ich sie jetzt schon ziemlich lange. Meine Haare werden sesshaft:). Oder ich habe endlich meinen Stil gefunden.

Kleider müssen sich heute einfach gut anfühlen und gut sitzen. Ich trage jetzt viel mehr Farben, von Schokoladenbraun bis Pink ist alles drin, wenn ich Lust drauf habe. Wenn ich meinen Kleiderschrank öffne, sehe ich viele Basics, einfache Rollis, einige Tunikas, viele Röcke, knielang und schmal geschnitten, einige Strickkleider, unanständig viele Strickjacken, außerdem Hoodies (ich habe Hoodies schon als Jugendliche geliebt!). Insgesamt alles sehr casual. Ich trage fast nie Schmuck und auch sonst neige ich nicht zu „chichi“.

Vor allem zeugt mein aktueller Kleiderschrank auch von dem stetigen Auf und Ab meines Gewichts. Ich habe von Kleidergröße 42 bis 46 ein breites Spektrum an wunderschönen Sachen – und vieles, was mir gut gefällt, passt mir leider gerade nicht.


Mitte 20: Ein bisschen Marlene, ein Hauch von Garbo ...

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Ja, zwei sogar – und ich hoffe, dass ich in nächstes Jahr wieder reinpasse (fragt nicht!). Ein schwarzes Jerseykleid von manomama, das einfach hammermäßig aussieht und locker eine Kleidergröße wegretuschiert – und einen schwarzen Strickmantel von Gudrun Sjöden, den ich hoffentlich im Herbst wieder tragen kann.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich bin definitiv entspannter als mit 20, was meine Pfunde angeht. (Und bei mir drehte sich immer alles um genau diese, wenn es um mein Aussehen ging.) Es ist in meinem Alter einfach normal, ein wenig mehr Gewicht zu haben. Aber cool bin ich gewichtsmäßig nicht. Immer noch nicht. :) Dennoch: Viiiel entspannter.

Meine Lebenserfahrung sagt mir dazu: Für tiefe Liebe ist das gängige Schönheitsideal irrelevant. Das Gefühl, geliebt zu werden, geborgen zu sein, speist sich nicht aus dem Gefühl, schön zu sein – sondern es ist genau umgekehrt. Nur wer geliebt wird, fühlt sich schön. Und geliebt werden, sich selbst lieben lernen (eine Kunst, die ich wahrlich nicht perfekt beherrsche, aber mich darin immer weiter übe), sich verlieben, Freunde haben, Geborgenheit spüren, das hört doch nie auf. Das geht noch mit 80. Also – alles wird gut:).


Mitte 20: mehr Brille als Barbara im Gesicht. :-)

Und mit den Fältchen muss ich halt klarkommen, wenn sie dann kommen. Es gibt schlimmeres im Leben (und ja, ganz ehrlich, natürlich auch schöneres, aber darüber kann ich mich dann aufregen, wenn es soweit ist :)).

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte? Hast du eine Lieblingsmarke?

Mehr als Wasser und Seife, definitiv, aber auch kein Glaube an teure Wundertigelchen. Wenn es um Cremes und Lotionen geht, probiere ich aber gerne immer wieder Neues aus. Wichtig ist mir eher Duft und Konsistenz. Es muss sich gut anfühlen, an Zauberingredienzen glaube ich nicht. Ich mag’s einfach, wenn es um mich herum gut riecht und sich gut anfühlt:).


Ein bisschen verwegen und very Neunziger!

Zum Lieblingsprodukt: Seit zwei Jahren bin ich sehr zufrieden mit der Sanddornpflege von Alva, habe aber durch die Glossybox letztes Jahr Bekanntschaft mit der 24h-Stunden-Gesichtscreme mit Johanniskraut von Sans Soucis gemacht, die werde ich mir definitiv nachkaufen. Die ist absolut klasse. Ich nutze sie zur Zeit immer nach dem Duschen im Fitnessstudio. Ich liebe außerdem den Duschschaum von Rituals, ein wunderbares Gefühl, wie er sanft die Haut umschmeichelt. Hach! Bei Bodylotions verwende ich mal dies, mal das – zur Zeit ist mein Favorit Magic Touch von Rituals (mit Reismilch und Kirschblüten).


Auch mit 17 schon: ziemlich viel Brille auf der Nase!

Völlig verrückt bin ich übrigens nach Parfüms. Ich bin regelmäßig in Parfümerien unterwegs, schnuppere alle neuen und auch älteren Düfte durch und wechsle immer mal wieder den Duft, je nach Jahreszeit und Stimmung. Lange Jahre habe ich nur Allure (ein Hauch von Vanille und Jasmin) von Chanel getragen. Zur Zeit ist es Insolence (duftet erst ganz beerig, dann kommt hauchzart Sandelholz und Moschus) von Guerlain. Doch wenn der Frühling naht, habe ich sicher wieder Lust auf Fleurs de Cerisiers (riecht traumhaft nach Kirschblüten!) von L’Occitane.

Ein toller Duft und etwas Farbe auf den Lippen – das ist Barbara, ausgehbereit :).

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Viel lesen. Bücher! Das entspannt und macht schön:).

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Hm, ich bin nicht so der Mantra-Typ.:) Ich versuche, möglichst viel Gelassenheit und Ruhe in meinem Leben zu haben. Emotionale Ausgeglichenheit ist mir sehr wichtig für mein persönliches Wohlfühlbefinden. Insofern: In der Ruhe liegt die Kraft, das passt glaube ich zu mir sehr gut.

Danke, Barbara, fürs Dabeisein und deine Duftinspirationen - denn ich liebe die Kombination aus Vanille und Jasmin!

Mit diesem Interview geht die Reihe erstmal in die Sommerpause. Mitte September gibt es dann neue Interviews mit weiteren tollen 40plus-Frauen! Bis dahin könnt ihr hier über 30 (!!) spannendes Interviews lesen: Click and enjoy!

 

 

 

 
Susanne Ackstaller, Montag, 24. Juni 2013, 09:00 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 8545 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitmodekosmetikinterviewsfrauen ab 40barbara brecht-hadraschek
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Kommentare

  • Ach sehr schön, Barbara. Und wie wandelbar du warst, ich hätte dich ohne das Interview Drumherum auf manchen Fotos gar nicht erkannt. Auch die Marlene-Nummer ist sehr apart. Mein Favourite ist die intellektuelle Depeche-Mode-Look-alike-Contest-Geschichte! Das Hightlight sind die wunderbaren Nicht-Mantren.

    Birgit
    am Freitag, 28. Juni 2013 um 16:38 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wie klasse. Natürlich lese ich ab sofort nicht nur die Interviews „vor mir”, sondern auch die „nach mir”.
    Eine Parfum Liebhaberin + Texterin. Und die Fotos. Great. Besonders mag ich das Foto „im Depeche Mode Style”...man achte auf nur einen Ohrring!! Alles Gute…

    Dolly
    am Donnerstag, 27. Juni 2013 um 08:31 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Oh. Danke Petra <3. Großes Hach!:) Und Martina: Zitronig? Da muss ich zu Hause mal schnuppern gehen. Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Wie spannend. Es hat sicher seinen Grund, dass ich auch Wein sehr liebe:)). Die Vielfalt an Aromen ist einfach überwältigend – und es macht Spaß und ist spannend, immer wieder Neues zu entdecken und zu lernen, diese Aromen auch wahrzunehmen.:)

    Barbara
    am Dienstag, 25. Juni 2013 um 12:12 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Curly girly Barbara - so schön aber auch! ;-) Ich mag Allure auch sehr gerne und neble mich am Flughafen immer damit ein. Zuhause trag ich nur nature pure, sans allure (avec und douche des temps en temps). Das nächste Mal werde ich meine Nase auf den Vanille-Part ansetzen. Ich hab es als zitronig abgespeichert. Danke für die Erweiterung meines Weltbildes, meines sprachlichen Duftspektrums!

    Martina
    am Montag, 24. Juni 2013 um 23:30 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Merci für so viel Weisheit, wunderbare Schönheitstipps à la „Bücher und Liebe machen schön” und die kultigen Frisurenfotos aus 3 Jahrzehnten. Barbara, mit deiner Einstellung kannst du ziemlich happy 100 werden - und genau das wünsch ich dir!

    Petra
    am Montag, 24. Juni 2013 um 16:23 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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