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Anette Göttlicher kenne ich seit einigen Jahren über Facebook. All die Jahre war sie für mich eine begnadete Fotografin, vor allem für Hochzeits- und Familienfotografie, – bis sie vor ein paar Monaten hier in Kirchdorf vorbeikam, um mir ein paar Coaching-Stunden zu geben. Natürlich kamen wir ins Reden, und es stellte sich erstens heraus, dass die liebe Anette in diesem Jahr 40 werden würde – bzw. mittlerweile wurde – und zweitens dass sie vor ihren Erfolgen als Fotografin bereits eine ganz andere Karriere hingelegt hatte: die als erfolgreiche Redakteurin u. a. der bei Cosmopolitan mit eigener Kolumne, aus der dann eine fünfteilige Roman-Reihe rund um Paul entstand (wer Bridget Jones mag, wird auch diese Bücher lieben, I promise!), die im sechstelligen Bereich verkauft, diverse Male neu aufgelegt und sogar ins Südkoreanische übersetzt wurde. Bäm! Eine Bestseller-Autorin, die bei mir in der Küche Fotos von mir machte! Ich war baff, entzückt (ob der wunderbaren Entwicklungen und Überraschungen, die das Leben bereithalten kann), sehr beeindruckt – und lud sie natürlich sofort zu meinen Montagsinterviews ein.


Anette Göttlicher. Fotografin, Journalistin, Schriftstellerin aus München.

Anette Göttlicher, 40.


Und hier ist sie nun: Anette Göttlicher. Fotografin, Journalistin, Schriftstellerin. Und Modeliebhaberin! :-)

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Mode war und ist mir immer wichtig, weil ich ein Mensch bin, der sehr viel Wert auf Ästhetik legt. Waage halt und Fotografin. Vor den Kindern war sie mir wichtiger als seit ich Mutter bin – bzw. lebe ich heute einen Teil meiner Modebegeisterung an meinen Kindern aus. Sie tragen ganz normale, einfache Sachen, aber dazu spezielle, auch mal teurere Einzelteile, gerne auch im Partnerlook, weil das auf den Fotos einfach gut aussieht.

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Was hast du in deinen Zwanzigern und Dreißigern getragen? Hattest du modische Vorbilder?

Ich mag einen schlichten, femininen, geradlinigen Look. Gerne auch weiblich-sportlich, gerne mit Stilbrüchen wie „Kapuze und Spitze“ oder Rock zu Flipflops.

Das war aber nicht immer so: Als Teenager wollte ich abwechselnd cool, sexy und beides zugleich sein. Ich fand mich zu dick, obwohl ich es damals nicht war, und trug deswegen gerne Schwarz. Als junge Frau zwischen 18 und 30 war mir Mode sehr wichtig. Sie durfte auf keinen Fall billig sein oder aussehen und musste weiblich sein. Ich liebte tiefe Ausschnitte und hohe Stiefel. Röcke und Kleider mussten – und müssen immer noch – bis zu den Knien gehen, damit man die (knubbligen) Knie nicht sieht. Was ich immer schon nicht mochte und was mir auch nicht steht, sind Blusen. Bis auf Dirndlblusen und die ein oder andere kragenlose Tunika besitze ich deswegen keine.


Blusenversuch. (1991)


Heute trage ich gerne Jeans, am liebsten mit geradem Bein oder mit Schlag, mag maritime Ringelshirts und die Farben Schwarz, Weiß, Hellgrau, Blau, kühles Rosa und blaustichiges Rot. Ich mag schlicht geschnittene, aber gerne auffällig gemusterte Kleider in A-Linie und hohe Schuhe, trage aber, seit ich Kinder habe, im Alltag nur noch Ballerinas, Turnschuhe, Flipflops oder flache Stiefel. Ich besitze unzählige Tücher und Schals, trage dafür bis auf meinen Ehering keinerlei Schmuck mehr. Modische Vorbilder waren bei mir immer eher Freundinnen, von denen ich mir Anregungen holte, als prominente Personen.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Ich habe einen Lieblingsrock aus einem maigrünen Stoff mit bunten Prilblumen darauf. Der Stoff war eigentlich für ein Kleid für meine Tochter gedacht, ihr war er aber zu mädchenhaft, deswegen nähte meine Freundin mir einen Rock daraus.

Lieblingsrock! Mit Prilblumen! (2015; Foto: Christian Scheja)

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich habe weniger Zeit, mich um mein Äußeres zu kümmern und mir Gedanken zu machen. Ich weiß, dass ich mit 20 und 30 besser aussah als jetzt mit 40, fühle mich aber jetzt schöner als damals. Ich habe gelernt, dass Ausstrahlung wichtiger ist als Aussehen und fühle mich deswegen an Tagen schön, an denen es mir gut geht, und hässlich an Tagen, die nicht meine Freunde sind. Und natürlich gibt es auch alles dazwischen.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich benutze keine Creme außer Sonnencreme, glaube da eher an die Kraft der Gene, an Wasser von innen und an mehr als fünf Stunden Schlaf pro Nacht. Aber ich schminke mich täglich. Ohne Mascara bekommt mich nicht mal der DHL-Bote zu sehen.


Cosmopolitan-Praktikantin mit Blondhaar und Perlenkette! (1997)

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

- Mascara: Maybelline Jade, Volum’ Express The Colossal 100% Black
- Puder: L’Oréal Paris Perfect Match Compact Puder
- Eyeshadow: Greystone Eye Palette von Bobbi Brown
(Deo bräuchte ich erst ab einer Woche, denn ich habe bei Dove endlich eines gefunden, das so lange hält.)

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Nicht mehr. Als junge Frau wollte ich mir immer die Nase verkleinern lassen, sobald ich das Geld zusammen hätte, aber dann bin ich damit doch lieber nach Neuseeland und Australien geflogen.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Mehr als fünf Stunden Schlaf, flüssiges Make-up von Shiseido und Pouderrouge von Bobbi Brown an den richtigen Stellen.

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Die größte Herausforderung ist, dass (höchstwahrscheinlich) weniger Jahre vor mir liegen als hinter mir und dass die Zeit immer schneller und schneller vorbei rast. Da ich zwar ein fröhlicher, aber gleichzeitig auch melancholisch veranlagter Mensch bin, erlebe ich dadurch Berg- und Talfahrten wie ein Teenager.

„Ich liebe Tücher!” (2015; Foto: Christian Scheja)

Die schönste Überraschung? Ich kann heute viel besser im Hier und Jetzt leben als früher. Ich habe erfahren, wie kurz das Leben ist, selbst wenn man das Rentenalter erreicht, und ich verschwende keine Zeit mehr. Wenn ich etwas tun möchte, mache ich es einfach. Ich bleibe mir treu, auch wenn ich dadurch vielleicht nicht immer allen anderen treu sein kann.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

„Im Allgemeinen macht man viel zu wenig Schmarrn im Leben.“
(Gibt es hier als Postkarte und Poster.)

Liebe Anette, herzlichen Dank für deine wundervollen Fotos und deine Bücher, die mich zum Lachen gebracht haben! Und natürlich: Danke, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast! :-*

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 23. November 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 4 | Aufrufe: 2926 | Kategorie: Mode, Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, Leben, | Tags: modelebenjournalistinfrauen ab 40fotografiebeautyautorinanti-aginganette göttlicherälterwerden
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Kommentare

  • „Ich weiß, dass ich mit 20 und 30 besser aussah als jetzt mit 40, fühle mich aber jetzt schöner als damals.” Mein Lieblingssatz. Richtig schönes Interview!

    Anja
    am Montag, 23. November 2015 um 22:30 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Eine sehr sympathische Frau, mir ihren Einstellungen kann ich mich gut identifizieren und musste daher an einigen Stellen nickend lachen ;-)

    Ich habe eben weitergeklickt und möchte bei einem meiner nächsten England-Besuche unbedingt nach Castle Combe!! Die Fotos sind wirklich wunderschön.

    LG
    Annette | Lady of Style

    Annette
    am Montag, 23. November 2015 um 20:59 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Spannend! Gerne gelesen und viele Grüße an die wunderbare Anette!

    christine.finke
    am Montag, 23. November 2015 um 09:08 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Herzlichen Dank für das Interview mit einer sehr sympathischen Frau. Die Fragen haben mir sehr gut gefallen - angenehm anders.

    Liebe Grüße

    Claudia

    Claudia Münster
    am Montag, 23. November 2015 um 07:13 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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