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Meine Kollegin Andrea Behnke ist beruflich das, was ich als „bunten Hund” bezeichnen würde. (Ich darf das so flapsig sagen, denn ich bin ja auch einer.) Andrea ist, wie ich, in ganz unterschiedlichen Genres unterwegs. „Manchmal fühle ich mich ein bisschen wie Goethes Faust: Zwei oder sogar mehr Seelen schlagen in meiner Brust“, sagt sie dazu. Da ist zum einen die Politikwissenschaftlerin, die als Journalistin unterwegs ist, Artikel schreibt, Wissensthemen bearbeitet und auch anderen durch Lernmaterialien Wissen näherbringt. Und zum anderen die Anglistin, die gerne mit Sprache spielt und literarisch schreibt, in erfundenen Welten verschwindet ...

„Früher dachte ich immer, ich müsse mich beruflich für eine Seite entscheiden. Inzwischen finde ich: Das muss ich nicht! Ich habe eben viele Facetten.“ So arbeitet Andrea seit 16 Jahren freiberuflich als Journalistin und Autorin für Magazine, im Bereich Corporate Publishing, für Non-Profit-Einrichtungen, für Verlage und fürs Radio. Und schreibt außerdem Bücher, gerne für Kinder – aber nicht nur. Und dann bloggt sie auch noch, auf „Projekt 53” führt sie in Miniaturbildern und Fotos durch das Jahr.

Ihre erste Reaktion auf meine Interviewanfrage war im Übrigen: „Mode?! Davon verstehe ich aber gar nix ...“ Dafür ist das Interview ziemlich spannend geworden. :-)


Andrea Behnke, Autorin, Journalistin, 46

Andrea Behnke, 46.

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Mode ist so ein Wort, das ich eigentlich kaum benutze. Die Mode, also das, was gerade „Trend“ ist, ist mir ziemlich egal. Ich war noch nie die, die zu jedem Saisonbeginn erst einmal einkaufen geht, um die aktuelle Mode im Schrank zu haben. Das heißt aber nicht, dass mir mein Aussehen unwichtig ist. Ich würde vielleicht eher das Wort „Stil“ benutzen als „Mode“. Ja, das trifft es ganz gut.

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert?

Ich glaube, was die Zeit vom Teenageralter bis heute vereint, ist: Bequem muss es sein. Ich habe mich noch nie in irgendwelche Kleidungsstücke gezwängt und habe auch nie Schuhe getragen, in denen ich schlecht laufen konnte. In der Oberstufe und auch noch im Studium habe ich gerne Second-Hand-Klamotten getragen. In Münster, wo ich studiert habe, gab es damals einen tollen Flohmarkt entlang der Promenade, da habe ich nach 60er-Jahre-Jacken und -Oberteilen gesucht, gerne auch Männerklamotten. Im Studium hatte ich einen recht eigenen Stilmix aus Sixties, Öko und New Wave. Oben herum musste es schlabberig sein, an den Füßen hatte ich Creeps oder Doc Martins. Alles, was nach Konsum roch, hatte ich zu der Zeit verbannt; das hing auch mit meinem Studium zusammen, in dem ich mich vor allem mit Entwicklungspolitik beschäftigt habe.


Andrea Behnke, Autorin, Journalistin

„Kostüm und Hosenanzug? Passen nicht zu mir!” (1998)


Nach dem Studium landete ich dann, Kulturschock!, in einem recht konservativen Unternehmen mit traditioneller Kleiderordnung – die ich umging, wo immer ich konnte. Kostüm oder Hosenanzug habe ich nie getragen, obwohl man es gerne gesehen hätte. Ich kam mir vor wie eine kleine Rebellin. Damit habe ich mir das Leben schwerer gemacht als nötig. Meine Lehre: Ich passe nicht in ein solches Umfeld – das spiegelte die Kleidung wieder.

Meine nächsten festen Stellen in einer Redaktion und einem Verband ließen mir viel mehr kreativen Spielraum, das erleichterte mich dann. Dort tummelten sich Menschen, die alle sehr unterschiedlich aussahen. Das mochte ich. Mit Ende 20, Anfang 30 trug ich gerne Tücher in den Haaren und weite Hosen mit engen Oberteilen. Und ich bekam meine Brille, die für mich ein Accessoire ist, das ich sehr liebe.

Andrea Behnke, Autorin, Journalistin

Absolut bezaubernd! (1997)

Zu der Zeit war auf jeden Fall mehr „Schwarz“ in meinem Kleiderschrank als heute. Als ich kürzlich für einen kleinen Auftritt eine schwarze Hose brauchte, musste ich mir tatsächlich eine kaufen …

Ich glaube, seit Mitte 30 bin ich meinem Stil recht treu geblieben. Ich mag Farben – vor allem alle möglichen Grüntöne. Manche sagen, das wäre ein Tick von mir: dass immer farblich alles passen muss. Und ich liebe Brillen, die ruhig auffallen dürfen. Vor ein paar Jahren habe ich Röcke für mich entdeckt. Ich, die früher nie Röcke getragen hat. Und ich habe zum zweiten Mal in meinem Leben Haare bis zu den Schultern. Sonst waren sie zumeist recht kurz, höchstens Pagenkopflänge.


Andrea Behnke, Autorin, Journalistin

„Die meiste Zeit meines Lebens hatte ich kurze Haare!” (1994)

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Ich mag, ganz unspektakulär, Jeans. Und habe vor ein paar Jahren „meine“ Lieblingsjeans gefunden: eine Marlenehose, die mir, obwohl ich nicht so groß bin, gut steht. Ich kann sie überall zu tragen: einfach nur zum T-Shirt oder auch schicker mit Blazer. Vor ein paar Monaten habe ich sie noch einmal gefunden, auf einem Flohmarkt, in einer etwas anderen Färbung. Das hat mich sehr gefreut.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Seit mein Kind in dem Alter ist, dass ich nicht mehr aufpassen muss, irgendwo Brei abzubekommen und auch nicht immer einen Rucksack mit mir herumschleppen muss, habe ich wieder mehr Spaß am Anziehen. Das Älterwerden macht mir im Moment keine Probleme. Ich sah viele Jahre lang deutlich jünger aus als ich bin. Das hat mich gerade als Jugendliche arg genervt. Ich glaube, jetzt sehe ich endlich so alt aus wie ich bin, und das ist vollkommen okay.


Andrea Behnke, Autorin, Journalistin

Bei einer Lesung (2014; Foto: Birgit Ebbert)

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ganz klar: Wasser und Seife. Liegt vielleicht auch daran, dass ich bei den Texten für einen meiner Kunden oft hinter die vermeintlichen Schönheitsversprechen von Produkten gucken muss.

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Ich bin, obwohl ich weiß, dass das nicht gut ist, ein Fettstift-Junkie. Den brauche ich auf jeden Fall. Dann Creme fürs Gesicht. Und einen Deoroller.

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen

Ein ganz klares Nein von mir. Ich bin froh, dass ich nicht operiert werden muss. Da lege ich mich nicht freiwillig unters Messer …

Andrea Behnke, Autorin, Journalistin

Hach! :-) (1987)

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ich glaube, wenn man sich wohl fühlt, dann strahlt man das auch aus. Für mich ist die „frische Luft“ wichtig. Und die Abwechslung von Job und Familie, die ich im Moment im Flöte lernen gefunden habe. Außerdem stehe ich auf Natürlichkeit, also darauf, die Natur zu akzeptieren: Früher wollte ich meine Haare zum Beispiel glatt fönen. Seit ich akzeptiere, dass sie eben so sind wie sie sind, sieht’s einfach besser aus …

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Im Moment sehe ich das Älterwerden nicht als Herausforderung. Es passiert einfach, ich bin da recht pragmatisch. Zwei Ärzte (ein Augenarzt und ein Orthopäde) sagten kürzlich: „Zustand altersgemäß.“ Das hat mich kurz irritiert. Dann war ich aber einfach froh, dass es nur das ist.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Eines, noch aus Jugendzeiten: „I am what I am.“ Und: „Ich möchte immer in den Spiegel gucken können.“ Und das nicht wegen der Falten, die ich da entdecke.

Danke, liebe Andrea, für deine Antworten und die bezaubernden Fotos! Ich finde ja, du solltest viel häufiger Tuch tragen! :-)

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 16. November 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 2467 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitmontagsinterviewmodelebeninterviewfrauen ab 40anti-agingandrea behnkeälterwerden
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