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Ich bin kein ängstlicher Mensch. Sicher, ich würde nicht Bungee springen, ungesichert klettern und auch nicht Gleitschirm fliegen. Ich fahre vorsichtig Auto und bin immer froh, wenn ich nachts den Schlüssel im Schloss höre und weiß, dass meine Kinder nun sicher daheim sind.

Aber davon abgesehen habe ich schon einiges im Leben gewagt. Mit 15 zog es mich für ein Jahr als Austauschschülerin in die USA. Mit Mitte 20 bin ich, die Städterin, aufs platte Land gezogen, mit Anfang 30 habe ich mich aus einem sicheren Angestelltenverhältnis heraus selbstständig gemacht, mit Ende 30 noch ein drittes Kind gekriegt, obwohl ich bereits zwei gesunde und wunderbare Kinder hatte. Immer habe ich darauf vertraut, dass alles gut werden würde. Und es ist immer gut geworden. Mindestens.

Dennoch kenne ich das Gefühl von Angst (oder ihrer kleinen Schwester, der Unsicherheit) zu gut: bei jedem einzelnen Blogpost, den ich veröffentliche – bei diesem hier sogar ganz besonders! (Werden ihn meine Leserinnen mögen? Oder habe ich nur Unsinn von mir gegeben?) Bei jedem Auftrag, den ich annehme! (Kann ich das wirklich? Oder werde ich mich blamieren?) Ja, bei allem Neuen, das ich unternehme, ist auch immer eine gehörige Portion Angst dabei. Und Selbstzweifel.

Ach, es gibt so viele Dinge, die ich fast nicht getan hätte, so viele Chancen, die ich beinahe nicht ergriffen hätte. Weil ich Angst davor hatte. Vor dem Scheitern, vor Peinlichkeiten, vor Lächerlichkeit. Einen Lifestyle-Blog zu schreiben, obwohl ich Wirtschaftstexterin bin, zum Beispiel. Oder Modekolumnen. Oder Outfit-Fotos von mir zu veröffentlichen. Oder einen Buchvertrag zu unterschreiben. Oder oder oder. Ja, selbst die Fashionweek zu besuchen, hat mir neben all der Vorfreude auch ein klein wenig Angst gemacht.

Geh dorthin, wo deine Angst ist!

Gott sei dank habe ich mich nur selten von dieser Angst einschüchtern lassen. Im Gegenteil: Die Angst war mir sogar Motivation! Eine Herausforderung! Hey, Angst! Lass uns mal gucken, wer von uns beiden die Stärkere ist! Und dann haben wir ein wenig gerangelt – bis die Angst zu Boden ging. Puh.

Irgendwann – und das ist noch gar nicht so lange her – habe ich einen schlauen Satz gelesen: Geh dorthin, wo deine Angst ist. Was nichts Anderes bedeutet, als die eigenen Komfortzone zu verlassen und etwas zu wagen. Etwas, das wir, du und ich, vielleicht schon lange wollen – und uns einfach noch nicht getraut haben. Genau dafür könnte jetzt der richtige Zeitpunkt sein. Nein: Genau dafür ist jetzt der richtige Zeitpunkt.

Wir können das ganze Leben auf der Couch im Wohnzimmer verbringen ...

Natürlich können wir unser ganzes Leben auch innerhalb unserer Komfortzone verbringen und niemals die Couch verlassen, auf der wir es uns so gemütlich gemacht haben. Das ist die sichere und bequeme Variante. Wenn man mit 80 dann auf sein Leben zurückblickt, hat man es immer hübsch komfortabel und warm gehabt. Allerdings hat man auch nie mehr gesehen als das heimische Wohnzimmer. 

Oder man steht auf von der Couch und macht die Terrassentür auf. Kann natürlich sein, dass einem da ein kühles Lüftchen entgegenweht. Ja, vielleicht fröstelt man, will die Tür gleich wieder schließen und sich unter die kuschelige Decke auf der Couch retten. Aber vielleicht atmet man erstmal die frische Luft ein und spürt, wie der Sauerstoff belebt. Und dann sieht man den ewigen Himmel über sich und den weiten Horizont vor sich, und spürt die Unendlichkeit der Chancen und Möglichkeiten, die ein Leben außerhalb des Wohnzimmers der eigenen Komfortzone bietet.

... oder auch mal die Terrassentür aufmachen und Frischluft schnuppern.

Immer wieder stehe ich in meinem Leben an dieser Terrassentür, bei kleinen und großen Entscheidung. Und ja, ich habe sie auch einige Male wieder geschlossen, weil mir die Luft doch zu frisch war. Aber meistens habe ich mich gefreut, wie sehr mich die frische, sauerstoffreiche Luft von draußen belebt.

Für diese Woche habe ich mir übrigens vorgenommen, die Terrassentür einmal wieder ganz weit aufzustoßen. Schon lange habe ich diese Sache im Kopf ... und habe mich bislang einfach nicht getraut, sie endlich anzugehen. Bis mir kürzlich bewusst wurde: Wenn ich nichts wage, werde ich auf jeden Fall scheitern. Nur wer wagt, gewinnt. So einfach – und ja, doch so schwer. Ich weiß.

Hab eine wundervolle Woche und ... vielleicht machst auch du deine Terrassentür ein Stück weit auf. Pläne und Vorhaben können schließlich nur gedeihen, wenn wir ihnen auch eine Chance geben – und die Luft zum Wachsen. Wenn du mir ein bisschen von deiner persönlichen Terrassentür erzählen magst ... ich würde mich außerordentlich freuen!

***

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Susanne Ackstaller, Montag, 29. Januar 2018, 06:00 Uhr
Kommentare: 9 | Aufrufe: 2380 | Kategorie: Lifestyle, Leben, | Tags: texterella persönlichmotivationlebeninspirationdie neue freiheit
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Kommentare

  • Bin durch Zufall auf Dich gestoßen und habe interessiert gelesen.

    ICH LEBE AUF DER TERRASSE –

    kann ich nur hinzufügen. Einfach machen und den Bauch statt Kopf entscheiden lassen. Der weiß immer(!), was gut für ihn und seine Umgebung ist (und das schreibt ein ausgesprochener Kopfmensch).

    Rodinmuse
    am Samstag, 03. Februar 2018 um 20:41 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Guten Abend, toller Beitrag. Stehe auch gerade an der offenen Terrassetür… wir haben unser ländlichens Haus verkauft und eine Stadtwohnung gemietet. Schwanke täglich zwischen Verzweiflung, Angst, Vorfreude und überhaupt! Das wird noch was werden…. aber wir haben es gewagt!

    marion
    am Freitag, 02. Februar 2018 um 21:02 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Hallo,
    ich habe in meinem Leben schon viele Terrassentüren aufgemacht. Und fast immer ist alles gut gegangen. Jetzt stehe ich vor einer geschlossenen Tür, und traue mich nicht einmal, die Klinke anzufassen. Es geht darum, ob ich mit meinem Partner, mit dem ich immerhin schon fast 5 Jahre liiert bin, zusammenziehen soll.
    Da krieg ich die Kurve einfach nicht…
    Liebe Grüße
    Birgit
    fortyfiftyhappy.de

    Birgit
    am Donnerstag, 01. Februar 2018 um 15:26 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susanne, das hast Du wunderschön geschrieben. Genauso empfinde ich es. Mir geht es geade mit meinem neu gegründeten Modelabel so. Der Vertrieb, also das mich, anpreisen, fordert mich ungemein. Und doch weiss ich, dass ich das tun muss und mich darin üben muss. Dein motivierender und ehrlicher Artikel mit dem feinen Humor wird mir glaube ich jetzt jedes Mal einfallen, wenn ich wieder „die Hosen voll” habe. Aber das Gefühl hinterher, wenn man es gewagt hat, es muss noch nicht mal so gut gelaufen sein, ist einfah befreiend. Herzlichen Dank für Deine Gedanken. Liebe Grüße Birgit

    Birgit Maier
    am Dienstag, 30. Januar 2018 um 22:11 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susanne,

    das ist der Grund, warum ich Deinen Blog
    so mag…. weil Du immer wieder die
    Terrassentür aufmachst und das in
    wunderbare Worte und Texte fasst! Und heute
    passen sie genau in meine eigene
    Auseinandersetzung! Herzlichen Dank
    und liebe Grüße, Kati

    katjen
    am Dienstag, 30. Januar 2018 um 10:13 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ja, ich glaube, diese Zweifel/Ängste kennen wir alle. Umso so schöner, wenn wir sie überwinden. Ich bin sehr gespannt, was das für ein tolles, neues Projekt ist.
    Liebe Grüße
    Heike

    Heike
    am Montag, 29. Januar 2018 um 21:49 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Guten Morgen liebe Susi,
    was für ein toller Beitrag - und gut dass du ihn geschrieben hast.
    Der Vergleich Couch und Tür ist sehr treffend.
    Ich habe schon oft meine Terrassentüre geöffnet und war immer froh, dass ich es getan habe, auch wenn dann sofort immer Zweifel mitgeflogen sind..
    Hast du das Richtige getan, wird alles gut gehen, hast du vielleicht zu arg gelüftet?
    Anfang Vierzig wollte ich es nochmal wissen und habe mich intern auf eine andere Stelle beworben, puh danach folgten schlaflose Nächte, werde ich das alles schaffen, und ich kann nur sagen:
    ich bin froh und glücklich, dass ich die frische Luft reingelassen habe!
    Mitte Vierzig mich zu einem Marathon angemeldet- ich, nicht gerade die Schnellste und kein typischer Läufer mit Fliegengewicht :-).. die Ängste und Zweifel immer wieder während des Trainings besiegt- durch meine eigene Motivation! Du schaffst das schon!
    Mein Motto:
    Vertrauen haben, zu sich und dem Leben :-)
    Hab eine ganz wunderbare Woche und ich wünsche uns, dass wir noch viele schöne, spannende Terrassentüren öffnen.
    Liebe Grüße
    Susi

    Pippa68
    am Montag, 29. Januar 2018 um 10:58 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • In deiner Beschreibung finde ich mich so richtig wieder und der Vergleich mit der Couch und der Tür ist total treffend.
    Ich kenne das Gefühl – „hier auf der Couch ist es so bequem“ und dazu die Gedanken:  wer weiß, was bei der Tür reinkommt; wer weiß, wie ich damit zurecht komme; wer weiß, ob ich zurück kann, wenn es mir nicht gefällt. Schlussendlich war es dann aber oft so, dass ich mich im Nachhinein geärgert habe, dass ich die Türe nicht geöffnet habe, dass ich mich nicht auf das Neue eingelassen habe. Es wäre vielleicht nicht genauso geworden, wie ich es erwartet hätte, es hätte vielleicht hin und wieder etwas schief gehen können, es hätte aber auch besser werden können. Auf jeden Fall wäre es horizonterweiternd gewesen, ein Austasten der eigenen Möglichkeiten, eine Vorstoßen in Neues.
    Daher mein Motto: Just do it!
    Ja wann, wenn nicht jetzt?!
    Ich wünsche dir eine wunderbare Woche und dass nur Wunderbares bei deiner Terrassentür hereinkommt.
    Alles Liebe Gesa

    Wonderful Fifty
    am Montag, 29. Januar 2018 um 08:06 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susanne, ein sehr, sehr schöner Beitrag und das Thema ist so was von mir aus dem Herzen gesprochen :-) Dieses sich bewusst zu sein, etwas zu wagen, um zu gewinnen oder sich darüber klar zu sein, dass, wenn man verliert, trotzdem gewonnen haben kann, wünsche ich sehr vielen Menschen. Denn im Nachhinein betrachtet, ist selbst dieses Gefühl des Verlierens gar nicht so schlimm und man merkt, dass einem „nicht gleich der Kopf abgerissen wird”. Immer getreu der Frage: Was kann mir schlimmstensfall passieren?
    Das Thema beschäfttigt/e mich so sehr, dass ich es zur Prämisse meines ersten Romans gemacht habe, den ich dabei bin, zu schreiben :-) Ich wünsche Dir (und mir ;-)), dass Du noch viele Terrassentüren aufstößt, um das Leben hereinzulassen. Liebe Grüße Katrin

    Heimatfinderin
    am Montag, 29. Januar 2018 um 06:44 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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