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Es ist absurd. Wir müssen nicht hungern – und dennoch denken wir ständig an Essen. Nahrung ist eines der Themen unserer Zeit. Eines, das uns verunsichert, umtreibt, viele Fragezeichen hinterlässt. Ständig kommen neue, vermeintlich noch bequemere und einfachere Lebensmittel auf den Markt – und doch wird letztlich alles immer noch komplizierter.

Tagtäglich fragen wir uns, was wir essen dürfen, müssen, können. Weniger Fleisch? Oder lieber weniger Kohlenhydrate? Oder vielleicht mehr Sojaprodukte? Sollten wir uns vegan ernähren? Oder wenigstens vegetarisch? Wir rätseln, ob wir Nahrungsergänzungsmittel brauchen, denken darüber nach, ob Milch vielleicht doch ungesund ist und ob wir bio trauen können. Wir brauchen Google um Lebensmittel zu entschlüsseln, lesen Ratgeber, diskutieren in Foren, informieren uns im Internet.

Wer bewusst gesund und nachhaltig einkaufen, kochen und essen will, steht vor einer Aufgabe, die schier nicht zu bewältigen ist. Essen ist zu einer Alltagswissenschaft geworden, der wir uns nicht entziehen können. Je mehr wir uns um richtige Entscheidungen bemühen, je mehr wir nachdenken, je mehr wir uns informieren, desto schwieriger und verwirrender scheint es zu werden. Das berühmte Fass ohne Boden.

Oder geht das nur mir so?



Michael Pollan: „Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte.”

Zumindest Michael Pollan empfand wohl ähnlich. Und deshalb hat er ein Buch geschrieben. Einen Ratgeber: Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte. Genialer Titel.

Wer jetzt aber glaubt, es ginge in dem Buch um Kochen nach Großmutters Art, der irrt. Michael Pollan bringt auf den Punkt, woran unsere Ernährung krankt, und hat daraus 83 sehr einfache Regeln abgeleitet. Zum Teil kennen wir sie schon, vielleicht sogar von unserer Oma: Iss langsam, kaue gründlich. Iss nur am Esstisch. Trink vor dem Essen ein Glas Wasser. Iss bunt und nicht aus Langweile.



Es geht aber nicht nur um das Wie. Sondern zum überwiegenden Teil um das Was: Meide Nahrungsmittel, für die im Fernsehen geworben wird. Kaufe keine Nahrungsmittel, die behaupten gesund zu sein oder sich „light” oder „fettarm” nennen. Esse keine Lebensmittel, die nicht verderben können. Kaufe deine Lebensmittel jede Woche frisch ein. Koche selbst. Meide Produkte, deren Zutaten du googeln musst. Und solche die in Supermärkten in der Mitte stehen (dort stehen nämlich tatsächlich die stärker raffinierten Produkte. Ist dir das schon mal aufgefallen?) Und und und.

Was soll ich sagen: Ich bin begeistert. Die Regeln, die Pollan aufstellt, sind einfach, lebensnah und einleuchtend. Und wahr! Dabei sind sie nicht neu: Vieles weiß man schon oder ahnte es zumindest. Dieses Buch ist eher ein Repetitorium für im Informations-Overkill verlorengegangenes Wissen. Und eine klare Handlungsanweisung für den Alltag. Ein Buch, das Essen und Leben tatsächlich einfacher macht.



Zudem liest sich das Buch witzig und charmant – und ist absolut entzückend illustriert. Und das schönste: Es ist überhaupt nicht oberlehrerhaft. Denn die letzte Regel lautet: Brich ab und zu diese Regeln.

<3

***

Michael Pollan: Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte. Goldene Regeln für eine gute Ernährung.
2013 im Kunstmann-Verlag erschienen.

Bei Amazon* bestellen.

*Affiliate-Link

 
Susanne Ackstaller, Freitag, 25. Juli 2014, 16:34 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 10748 | Kategorie: Lifestyle, Essen & Wohnen, Lesen, | Tags: was ihre großmutter nicht als essen erkannt hätteratgebermichael pollanlebengesundessen sie nichtessenernährung
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Kommentare

  • @Eva: Genau für solche Fälle ist dieses Buch ideal. Wenn man vor lauter Wissen und Information das Gefühl für gute Ernährung verloren hat ...

    @Daniela: Eben. In dem Buch steht wenig, was wir nicht schon wüssten - aber es erinnert uns daran!

    Susi
    am Montag, 28. Juli 2014 um 12:55 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke für diese Buchentdeckung, denn diese Tipps hören sich wirklich vernünftig an. „Iss nichts, was im Fernsehen beworben wird” - stimmt! Und trotzdem, das auf den Punkt zu bringen, darauf muss man einmal kommen! :)

    Daniela
    am Montag, 28. Juli 2014 um 09:14 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Das hört sich nach einem guten Buch an! Ich fühle mich auch allmählich fast terrorisiert ;-) Vor allem, weil ich bisher zu denjenigen gehörte, die dachten, man muss sich nur gut und gründlich informieren und dann kristallisiert sich schon die richtige Haltung heraus. Pustekuchen! Es nimmt überhand, wird lästig und und am Schlimmsten: Fast vergeht einem der Spaß am Essen. Glücklicherweise nur fast ...
    Und was Oma ja auch immer sagte: „Iss, und denk an die armen Kinder in Afrika”. Da kommt einem die hochraffinierte Esskultur und Analyse in unseren reichen Ländern noch arroganter vor. Ich meine hier nicht die Freude an Lebensmitteln und am kreativen Kochen. Wichtig allerdings finde ich, dass es nicht der Industrie erlaubt sein sollte, alles mögliche ins Essen reinzupanschen. Da bin ich froh über unsere relativ strengen Regeln in Deutschland. Danke für die Buchrezension :)

    Eva Brandecker
    am Freitag, 25. Juli 2014 um 18:47 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • KLAR!! Das ist kein Diätbuch! Und auch kein Buch, um Krankheiten zu heilen. Es ist einfach nur ein Buch, um Essen einfacher zu machen.

    Es kommt auch aus den USA, wo vieles ja noch viel krasser ist als bei uns ...

    Susi
    am Freitag, 25. Juli 2014 um 18:38 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Das sieht wirklich sehr nett aus! Man sollte meinen, vieles ist selbstverständlich, aber wenn das nicht schwarz auf Weiß steht, denkt irgendwie kaum jemand dran, nicht wahr.

    Ich lese derzeit allerdings Dr. Jacobs Weg des genussvollen Verzichts, was ein saudummer Titel für ein geniales Fachbuch ist. Fällt mir nicht leicht im Mittelteil durchzukommen mit den Erklärungen zur Funktionsweise des Organismus in Verbindung mit Insulin, Hormonem usw. Dafür wurden weit über 1000 Studien ausgewertet, sehr spannend ist dabei das Gebiet Okinawa, wo die Menschen besonders alt werden.
    Jedenfalls ist mir damit absolut klar, dass ich mich überwiegend vegan ernähren muss. Ich habe vor 3 Wochen angefangen und bereits deutliche Verbesserungen gemerkt. Meine seit Monaten unruhige Haut und irgendwie hormonelle Unreinheiten werden immer besser, unglaublich. Meine extreme Müdigkeit der letzten Monate (Dank Hashimoto und vielem anderen) geht zurück und ich fühle mich ernsthaft leistungsstärker.
    Ich dachte auch immer Low Carb ist die Antwort auf Gewochtsprobleme und Insulinresistenz, aber mit der Lektüre muss ich mir selbst einen auf die Birne hauen. Tierische Proteine und Fette wirken viel wilder auf die Insulinausschüttung als komplexe Kohlenhydrate…

    Na ja, ich denke grundsätzlich: wer keine gesundheitlichen Probleme hat, normal wiegt und sich gut fühlt, sollte auch nur die groben Regeln weiterhin beachten. Wer sich jahrelang abmüht mit Gewicht und Krankheiten, der sollte hinterfragen und recherchieren.

    beautyjungle
    am Freitag, 25. Juli 2014 um 18:34 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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