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Auf dieses Interview freue ich mich schon seit Jahren. Allein: Es scheiterte bislang am Alter – die Dame war noch zu jung. Aber Gott sei dank hat sie mittlerweile die magischen 40 überschritten und ist heute hier zu Gast: Maren Lunkenheimer.

Maren ist tatsächlich einer der nettesten, zugewandtesten und achtsamsten Menschen, die ich kenne. Ja, ich möchte behaupten: Gäbe es mehr Marens auf der Welt – sie wäre eine schönere. Nach einem Gespräch mit Maren geht es einem immer besser, mindestens! Ich fühle mich sogar immer ein wenig so, als könne ich nun Bäume ausreißen und die ganze Welt „erobern“ – und nein, ich habe sie nicht als Coach gebucht (den Ausdruck mag sie übrigens genauso wenig wie ich), sondern ich unterhalte mich mit Maren „nur“ ganz privat.

Kein Wunder also, dass Maren mit Menschen arbeitet. Es ist wohl ihre Berufung, im wahresten Sinne des Wortes. Als studierte Kommunikationspsychologin hat sie es sich zur Mission gemacht, Menschen dazu zu inspirieren, das Schönste aus ihrem Leben zu machen. „Ich arbeite mit Frauen, die sich mehr Tiefe, mehr Sinn, mehr Erfüllung, mehr Genuss, mehr Gold im Leben wünschen – und Business und Seele verbinden wollen!“ WOW!

Maren Lunkenheimer. Gold von morgen.

Maren Lunkenheimer, 40. (Foto: Jennifer Bohne)

Und noch ein Wow: Maren ist die einzige Unternehmerin (und auch Unternehmer!), die ich kenne, die konsequent und verbindlich einen Teil ihrer Einnahmen spendet. „Wer mit mir arbeitet, soll nicht nur sich selbst etwas Gutes tun, sondern der ganzen Welt!“ – was für ein Ansatz! Ich sag’s ja: Es sollte mehr Marens auf dieser Welt geben.

 

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Mode ist für mich eine der schönsten Nebensachen im Leben. Das mit der Nebensächlichkeit war früher anders, da habe ich viel mehr Zeit, Gedanken und Energie in (Ver)Kleidung investiert. Heute habe ich einen anderen Blickwinkel auf Mode, aufs Leben, auf mich. Ich bin in allem bewusster. Ich weiß, was ich tragen mag, worin ich mich wohlfühle, was mir schmeichelt und was ich mir dazukaufen will.

Das Wort „zukaufen” drückt meine Haltung schon gut aus ... Vivienne Westwood bringt es perfekt auf den Punkt: Buy less, choose well, make it last. Mit diesem Bewusstsein habe ich auch über die Jahre einen anderen Anspruch entwickelt und mein Gespür sensibilisiert. Für Material und Stoffe, für Schnitte und Verarbeitung, für Qualitäten und Wertigkeit, für die Herstellung. Für die Philosophie hinter dem Produkt, die mich mittlerweile weitaus mehr anzieht als die Versalien berühmter Labels, und für die Liebe zu echtem Handwerk. Das Schöne an der Mode: Manchmal für einen Augenblick vorm Spiegel oder einen ganzen Abend lang in eine andere Identität zu schlüpfen. Oder mich für einen längeren Zeitraum neu zu erfinden und trotzdem ich selbst zu sein. 

Maren Lunkenheimer. Gold von morgen.

2016. (Foto: David Haase)

Was ist für dich Stil? Und was ist dein Stil? Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert?

Stil ist ein ästhetisches Gespür für das stimmige Ganze.  Stil ist nie zu übersehen, aber in sich immer leise, subtil und zwischen den Zeilen. Das gewisse Extra, dieses „Je ne sais quoi”, wenn mich ein Mensch fasziniert und ich seinen Zauber, seine Eigen-Art nicht direkt in Worte fassen kann. 

Meinen eigenen Kleidungsstil würde ich als puristisch beschreiben. Ich habe einen Faible für Fließendes und Layering. Jeans, Tuniken aus Seide und Leinen, dazu einen oversized Cardigan aus schwerer Wolle, einen Poncho oder einen Trenchcoat. Ein besonderer Akzent ist immer dabei, das kann ein Detail sein oder ein Stilbruch. Und ich mag asymmetrische Konturen. Meine Outfits sind in den letzten Jahren schmeichelnder, zarter und weiblicher geworden, die Farben heller – ich mag erdige Naturfarben, pudrige Farbtöne, weiß und mittwochs auch mal pink. Mit zwei Freundinnen hab ich den Pink Wednesday ins Leben gerufen (#onwednesdaywewearpink) – an sich sinnlos aber wir haben Freude dabei. Pink macht ziemlich viel gut im Alltagsgrau – und: Pink beruhigt. Das ist farbenpsychologisch erwiesen. Muster setze ich dezent ein und eher selten, in uni fühle ich mich wohler. Eine Vorliebe für uni hatte ich schon immer, und so habe ich – heute absolut unvorstellbar – von Anfang Zwanzig bis in meine Dreißiger schwarz getragen, ausnahmslos. Schuhe und Accessoires immer bunt dazu. Meine Schuhe können auch heute noch überraschen. Schuhe symbolisieren so schön, wie man steht. Vor allem zu sich selbst. Und das mag ich am liebsten kreativ und unkonventionell.

Maren Lunkenheimer. Gold von morgen. 

2013. (Foto: Jennifer Bohne)

 

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Einen Kimonopullover in greige, aus feinem Cashmere, den ich mir letztes Jahr aus Italien mitgebracht hab. Es war optisch Liebe auf den ersten Blick und haptisch eine der schönsten Umarmungen auf der Haut überhaupt. Reinschlüpfen = wohlfühlen. Vertrautheit geniessen. Egal was „draußen“ los ist…     

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun? 

Für mich hat sich die Auffassung von Schönheit um die Nuance Schönsein erweitert. Schönsein hat in meinem Verständnis nichts damit zu tun, was gesellschaftlich sanktioniert als schön gilt, sondern mit Ausstrahlung. Das Wort trägt in sich, was ich damit verbinde: von innen strahlen. Dazu gepflegte Echtheit, Charisma, Persönlichkeit, die Trias Körper – Seele – Geist.

Bei mir selbst hat sich in den letzten Jahren mein Augenmerk stärker auf das, was ich an mir schön finde, verschoben. Meine Aufmerksamkeit kreist nicht mehr so viel um das, was ich nicht habe, was ich nicht so besonders an mir finde und um das, wo ich mich körperlich „hinoptimieren“ könnte. Mittlerweile habe ich auch gelernt, den liebevollen Blick und das Wohlwollen, das ich einer Freundin schenke, mir selbst zu schenken. Ich glaube, das Älterwerden stimmt mich gütiger.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich glaube an die Möglichkeiten von Produkten mit natürlichen Inhaltsstoffen – ich benutze seit über 20 Jahren Naturkosmetik. Da gibt’s auch tolle Power-Wirkstoffe. Seit meinen Enddreißigern nehme ich eine Creme mit pflanzlicher Hyaluronsäure, die natürlich natürlich hergestellt wird, und laut Studien dem synthetischen Wirkstoff nicht nur ebenbürtig, sondern sogar überlegen ist. Gut(es) für Haut und Umwelt. Und da der Glaube ja bekanntlich Berge versetzt, auch bei der Hautalterung, hilft dazu noch positives Denken. 

Maren Lunkenheimer. Gold von morgen.

2004. (Foto: Kerstin Bänsch)

Du bist auf Reisen und hast deinen Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Ich liebe das Gesichtstonikum von Dr. Hauschka, das ist mein wirkliches Muss! Ansonsten wäre es mir bei einer Kurzreise fast egal. Dann würde ich noch einen Reiniger und eine Creme von Dr. Hauschka kaufen. Wenn ich länger weg wäre, den Carrot Butter Cleanser von The Organic Pharmacie und die Tagescreme von Susanne Kaufmann. Dekorative Kosmetik hat wenig Stellenwert für mich. Meistens bin ich ungeschminkt, manchmal benutze ich schwarze Mascara und noch manchmaler ein bisschen Bronzing Powder. Auf Schminke würde ich immer gut verzichten können. Auf die wärmende Fußcreme von Susanne Kaufmann weniger – warme Füße machen einen entspannten Teint. Und glücklich.

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Nein. Ich mag’s gern echt und ehrlich. Es gibt auch nichts in meinem Gesicht, das ich nicht mag. Mit der Himmelfahrtsform meiner Nasenspitze hab ich mich arrangiert, die Querfalte auf meiner Stirn ist ein guter Stress-Indikator für Lieblingsmenschen, Stichwort: nonverbale Kommunikation. Kleinen Fältchen um die Augen sind für mich wie Sonnenstrahlen, ich mag Gesichter damit fast noch mehr.       

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ausreichend Schlaf; für mich sind das acht Stunden. Viel Wasser – warmes von innen, kaltes von außen. Mindestens einmal am Tag schwitzen. Reichlich Glückshormone. Jeden Tag ein bisschen Zeit für mich. Und Zeit in der Stille. Das (!) zaubert einen besonderen Glow, im Gesicht und auf der Seele. Luft, Licht und Liebe. Und Schokolade :-)

Maren Lunkenheimer. Gold von morgen.

1998.

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Die schönste Überraschung ist das Älterwerden per se. Ich empfinde momentan keine Herausforderung dabei – ganz im Gegenteil: Mit jedem Jahr werde ich unbefangener, gelassener, mit mir selbst, mit anderen. Das entspannt vieles und ungemein. Ich fühle mich wohler. Angekommener und angenommener. Mittlerweile kann ich mich auch selbst gut so annehmen, wie ich bin. Meinen Körper mit seiner Eigenwilligkeit und in Größe 44 akzeptieren, lieb haben, schön finden. Auch eine tolle Überraschung!     

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Mich begleiten phasenweise immer unterschiedliche Mantren – mein All time favorite: Hör auf dein Herz. Und geh ran, wenn es dich anruft. Das allerwichtigste: in Verbindung bleiben. Dann haben wir Zugang zu uns selbst UND zur ganzen Welt.

Liebste Maren, danke fürs Dabei sein und Freundsein – und für deine Inspirationen!

***

Hier gibt es noch mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen über 40, 50, 60 und über 70.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 21. November 2016, 06:00 Uhr
Kommentare: 4 | Aufrufe: 4320 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitmontagsinterviewmodemaren lunkenheimerinterviewfrauen ab 40älterwerden
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Kommentare

  • Liebe Susanne, deine Eröffnungsworte könnten es wohl nicht besser treffen:„Maren ist tatsächlich einer der nettesten, zugewandtesten und achtsamsten Menschen, die ich kenne. Ja, ich möchte behaupten: Gäbe es mehr Marens auf der Welt – sie wäre eine schönere. Nach einem Gespräch mit Maren geht es einem immer besser, mindestens!”...
    Vielen Dank für das Interview, das mir den Start in den Dienstag opimiert <3
    Herzensgruß Nicole

    Nicole
    am Dienstag, 22. November 2016 um 08:16 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Danke für einne schönen puristischen Blick auf Kleidung. Und für „greige”, mein „word of the day”: Ich google gerade nach Farbskalen mit „greige”, sehr nett. Damit wird auf jeden Fall die Beige-Sensibilität in diesem Blog hier umgangen. Great colour, greige! ;-)

    Martina
    am Montag, 21. November 2016 um 16:04 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • „Gäbe es mehr Marens auf der Welt – sie wäre eine schönere. Nach einem Gespräch mit Maren geht es einem immer besser, mindestens!”

    Diese Sätze stimmen ganz eindeutig, ich kann das absolut bestätigen! Wunderbares Interview, da will man doch fast auch schon 40 sein :-)

    Paula
    am Montag, 21. November 2016 um 14:43 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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