mode-lifestyle
 

Gesa Füßle ist schon seit sehr vielen Jahren meine Netzwerkkollegin. Man kennt sich, klar, aber – und das habe ich beim Lesen ihrer Antworten gemerkt – doch wieder nicht so gut. Okay, ich wusste (und hatte Gesa sehr dafür bewundert), dass sie und ihre Familie vor drei Jahren einen herzkranken Jungen aus Afghanistan für ein Vierteljahr aufgenommen hatte, damit er hier in Deutschland operiert werden konnte. Dass sie die Briefe ihrer Großmutter aus dem Sütterlin transkribiert und bei Hamburg wohnt. Vieles wiederum wusste ich nicht: Dass sie in sechs verschiedenen Ländern gewohnt hat und einen englischen Schulsabschluss hat. Dass sie ihren Master in Skandinavistik in Frankreich erworben hat, heute nicht nur als Lektorin, sondern auch als Ehrenamtskoordinatorin in der Flüchtlingshilfe arbeitet und auf Gesakram bloggt. Und dass sie in einem Reetdachhaus wohnt – oh, da bin ich jetzt aber neidisch.



Gesa Füßle, 40. (Foto: Maximilian Buddenbohm.)


Dafür liebe ich diese Montagsinterviews, dass ich langjährige Kolleginnen immer noch mal ganz neu kennenlernen darf!

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Veränderung gehört zum Leben dazu, und schon allein, weil Klamotten irgendwann auseinanderfallen, ist man ja gezwungen, sich ab und zu optisch zu verändern. Das beschreibt meine Einstellung zur Mode relativ gut. Ich habe zwar gern neue Klamotten, kaufe aber ungern im Laden ein. Daher bin ich Stammkundin bei Dawanda, wo ich mir auch mal ein Kleid oder einen Pulli maßschneidern lasse. Wenn ich doch mal in einen echten Laden gehe (was schon wohnortbedingt selten ist), verbringe ich dort, wenn es richtig schlecht läuft, maximal eine halbe Stunde. Ich habe auch schon in zehn Minuten eine Hose gekauft. Offenbar habe ich eine Durchschnittsgröße, vieles passt auf Anhieb. Ich beschäftige mich nicht mit den aktuellen Trends. Wenn nun aber trendbedingt plötzlich wieder Leggings in sind, wehre ich mich nicht dagegen. Trend, der mir gefällt, darf natürlich auch in meinen Schrank.

Was ist Stil für dich? Und was ist dein Stil? Wie hat er sich im Lauf deines Lebens verändert? Hast du modische Vorbilder?

Stil ist im Idealfall das, was eine Person besonders gut zur Geltung bringt. Der Stil sollte sich also der Person unterwerfen, und sie gleichzeitig auf Händen tragen. Das ist natürlich individuell verschieden, eigene Vorlieben und die körperlichen Gegebenheiten sind ja bei jeder Frau anders. Für mich heißt Stil: Unaufwendig und bequem bei maximaler Eleganz.


40.


Typisch für mich sind schwarze Kleidungsstücke. Ebenso typisch: Einfarbigkeit. Muster oder Schriftzüge an mir dran machen mich nervös. Kleine Applikationen lasse ich durchgehen. Die Einfarbigkeit pflegte ich schon zu Schulzeiten, damals hatte aber noch jedes Kleidungsstück eine andere Farbe. Also zum Beispiel grüne Hose, schwarzes Langarmshirt, gelbe Weste.

Oh, Langarmshirts. Mein meistbenutztes Kleidungsstück. Im Winter drunter, im Sommer drüber. T-Shirts habe ich sehr viel weniger, Pullis nur drei, die ich regelmäßig trage, Blusen habe ich nach der letzten Rümpelaktion ebenfalls noch drei, die behalte ich noch – für den Notfall. Wie auch immer der aussehen mag, ich habe ja schließlich Kleider, mit denen ich Mach-dich-mal-schnell-hübsch-Notfälle auffangen kann. Kleider trage ich erst seit ein paar Jahren gern, die habe ich früher gehasst. Mit Röcken habe ich angefangen, als ich etwa 16 war, vorher war auch das ein No-go für mich. Gern lang, inzwischen auch mal kurz. Die meisten meiner Kleider sehen etwa gleich aus: knielang, lange Ärmel, am liebsten mit Kapuze, meistens schwarz.

Mein Stil beinhaltet viel Jersey, einfache Schnitte, keine Rüschen, keine Schleifchen (ja, auch an Unterhosen schneide ich die sofort ab), keine unbequemen Schuhe – und viel Schwarz.

Modische Vorbilder habe ich an sich nicht. Aber ab und zu nehme ich Kleidung an Personen wahr, die mir gefällt. Wenn ich mir das merke, sich also ein Wunsch nach so einem Kleidungsstück entwickelt, beschaffe ich es mir. Das habe ich auch in meinen 20ern schon so gemacht – da sah ich mal die Talkshow „Nicole“. Und diese Nicole hatte ein Goth-T-Shirt an, das ich super fand. Im Abspann stand was von H & M, da bin ich am gleichen Tag noch hin. Das T-Shirt habe ich bis heute, trage es eigentlich nie (Schriftzugalarm!), aber es gefällt mir doch zu sehr, als dass ich es weggeben könnte.


37.


Insgesamt hat sich mein Stil über die letzten 20 Jahre nicht übermäßig verändert, allerdings färbe ich meine Haare nicht mehr rot oder schwarz. Vielleicht bin ich einen Hauch (auf keinen Fall mehr als einen Hauch!) eleganter gekleidet. Bei meinen Kleidern kann ich die Hände mangels Hosentaschen nicht in diesen vergraben, das macht eine etwas weniger schluffige Haltung.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

1. Mein neuer Flauschpulli. Meinen alten Kapuzenflauschpulli musste ich altersbedingt neulich entsorgen, er ist jetzt ein Pantherkostüm. Flausch kann man einfach nicht genug haben.
2. Eins meiner schwarzen Kapuzenkleider. Weil es gut aussieht und ebenfalls noch ganz neu ist.
3. Das lange Kleid, das ich vor einem Jahr im Lafayette sah und unbedingt kaufen musste. Ich sollte auf mehr Gala-Veranstaltungen gehen. Es ist pflegeleicht UND hat einen umwerfenden Schnitt. Was will man da noch mehr?

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich stelle fest, dass ich Falten und graue Haare bekomme. Das grämt mich nicht übermäßig, denn damit habe ich gerechnet. Ich glaube, da hat sich nicht viel verändert, ich fand alte Leute noch nie eklig oder per se hässlich, insofern muss ich da jetzt nicht umdisponieren.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Wasser und Seife! Manchmal – besonders, wenn ich gerade in einem Drogeriemarkt stehe – glaube ich an die Möglichkeiten moderner Produkte. Dann kaufe ich mir Waschlotionen und Anti-Falten-Creme, benutze sie ein paar Tage oder Wochen, weil es irgendwie Spaß macht, und entsorge sie dann ein paar Jahre später wegen Ranzigkeit.

Vor zwei Jahren hat mir ein guter Freund eine stinkende Seife dagelassen, mit den Worten: „Das ist Seife aus Aleppo, das ist die beste, die es gibt.“ Ich war kritisch, zumal sie echt nicht gut riecht. Sie ist aus reinem Olivenöl, und was soll ich sagen, sie ist großartig. Die Haut wird glatt und man kann die Seife auch prima als Rasierschaum benutzen. Fürs Gesicht benutze ich einen Peelingwaschlappen, da nehme ich nur Wasser. Für die Haare habe ich inzwischen Haarwaschseife, die ist auch toll. Zum Cremen nehme ich fürs Gesicht eine einfache Tagescreme von Balea. Die drei Bodylotions, die im Bad stehen, sind noch nicht ranzig und dienen zur Vortäuschung falscher Tatsachen.


30. Im Hochzeitskleid.

Du bist auf Reisen und hast deinen Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Ich würde, wenn ich schon mal ohne Zeitdruck in eine Drogerie gehe, wahrscheinlich umgehend lauter Sachen kaufen, die ich nicht brauche, das kann ich nicht vorhersagen. Und ein Deo. Und einen braunen Kajal.

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Nichts wäre schlimmer für mich, als meine Augenbraue nicht mehr hochziehen zu können, Botox scheidet also aus. Künstlich gestraffte Haut möchte ich auch nicht haben. Also: nein.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ich versuche stets dafür zu sorgen, dass ich mehr Lach- als Zornesfalten bekomme. Das funktioniert ganz gut, wenn man sich mit netten und lustigen Menschen umgibt. Macht auch insgesamt ganz glücklich.

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Rein optisch jetzt? Herausfordernd ist, dass ich nicht wirklich beeinflussen kann, auf welche Weise und an welchen Stellen mein Körper zu welchem Zeitpunkt verfällt. Ich habe allerdings nicht vor, wegen (scheinbarer) optischer Mängel in Panik auszubrechen. Überrascht war ich, dass meine Brüste mit den Jahren immer kleiner wurden. Oder werden. Ich beobachte das nicht so genau.



25.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Je trubeliger es um mich herum ist, desto weiter lehne ich mich mit hinter dem Kopf verschränkten Armen zurück und warte ab, was passiert. „Wird schon“ trifft meine Lebenseinstellung wohl ganz gut. Gelassen bleiben. Nicht in Panik verfallen.

Liebe Gesa, ganz herzlichen Dank fürs Dabei sein! Und für die vielen Schmunzler beim Lesen! :-)

***

Hier gibt es noch mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen über 40, 50, 60 und über 70.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 22. Mai 2017, 06:00 Uhr
Kommentare: 4 | Aufrufe: 4284 | Kategorie: | Tags: schönheitmontagsinterviewmodelektorininterviewgesa füßlefrauen ab 40anti-aging
Das könnte auch interessant sein:
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Johanna Franziska Joy Kriks.
Das Montagsinterview mit Esther Langmaack.
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Sigi Lieb.
 

Kommentare

Schreibe einen Kommentar:
 
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
  • Name*
     
  • Email*
     
  • Website
     
  • Kommentar*
     
  • CAPTCHA*
      
  •  
  •  
  •  
 
 

Zum nächsten Beitrag: Vom Einatmen und Ausatmen: Was der Sonnenuntergang mit meiner Arbeit zu tun hat.

Zum nächsten Beitrag.

Zum vorherigen Beitrag: Uuuups. Adilette goes Barbie!

Zum vorherigen Beitrag.


Texterella per Mail abonnieren:







Herzblutdinge

Herzbluttexte




WERBUNG













KOOPERATIONEN




 
WERBUNG

© 2017 texterella.de | Susanne Ackstaller

Site by blogwork.de und Sibylle Zimmermann, hz-konzept.de