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Aller guten Dinge sind bekanntlich drei: Mit Esther Langmaack habe ich (nach Silke und Verena) nun auch die dritte des Blogger-Trios von 40-Something.de im Interview. Wie schön!

Auch Esther ist eine Textfrau par excellence. Schon mit 13 wollte sie Journalistin werden – und die Welt sehen. „Mit 13 durfte ich alleine nach Dubai reisen und dort meine Oma besuchen. Die lebte da. Damals gab es in den Emiraten noch keinen Tourismus. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar und glaube, dass mein Dauer-Fernweh dort seinen Ursprung hat!” 42 Länder hat Esther bereits bereist – und die nächste Reise, nach Mauritius, ist bereits in Planung! Da sagte ich einfach mal „Wow!” und weiterhin gute Reise(n)!

Ihren journalistischen Berufsweg startete sie nach einem Studium der Anglistik, Kunstgeschichte und Ethonologie ganz klassisch mit einem Volontariat, danach folgten elf Jahre als festangestellte Redakteure. Seit 2006 ist Esther nun als Freie unterwegs, schreibt für Frauen- und Fernsehzeitungen und textet für Agenturen. Und dann ist da natürlich noch das Blogzine: „40-Something.de macht mir besonders viel Spaß – weil dort Raum ist für die Geschichten, die ich in Magazinen eben nicht unterbringen kann.“


Journalistin und Bloggerin Esther Langmaack im Gespräch mit Texterella

Esther Langmaack, 49. (Foto: Stig Bengston für Myway)

Und heute steht Esther mir Rede und Antwort ...

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Ich mag Mode, bin aber kein Fashion-Freak. Manchmal investiere ich etwas mehr in einzelne Klassiker wie einen Anzug von René Lezard, Schuhe und Taschen von Tory Burch, ein paar Teile von Liu Jo. Außerdem habe ich noch viel Stefanel und Boden im Schrank. Das finde ich sowohl für den Alltag als auch für Termine passend. Aufgefüllt wird das dann mit günstigen Sachen von H&M, Zara oder Promod. Es gibt mich aber auch extrem oft in Jeans und Sneakers. Als ich jünger war, trug ich kaum Farben. Fast alles war schwarz, grau, weiß oder beige. Inzwischen ist das anders. Ich laufe zwar oft komplett Dunkelblau oder Schwarz rum, habe aber viele farbige Highlights. Insgesamt ist vieles ähnlich geblieben. Ich mag es klassisch, sportlich und lege bei bestimmten Dingen wie Handtaschen oder Schuhen Wert auf gute Stücke. Das war mit zwanzig so und hat sich bis jetzt nicht geändert.

Was ist für dich Stil? Und was ist dein Stil? Welche Stilrichtung bevorzugst du?

Für mich bedeutet Stil, wenn die Kleidung zur Person und deren Lifestyle passt. Klar, muss jeder flexibel bleiben. Ich mag es sehr bei anderen, wenn es nur ein, zwei Highlights am Outfit gibt. Das kann eine besondere Tasche sein, ein außergewöhnliches Schmuckstück oder ein anderes Accessoire. Was ich nicht mag: Menschen, die meinen, sie hätten Stil, die aber tatsächlich nur mit einer „attitude“ durchs Leben laufen und andere Menschen nach Marken beurteilen. Wenn Taschen, Schuhe und Klamotten zum Statussymbol verkommen, steckt eine Haltung dahinter, die ich mich abstößt.


Journalistin und Bloggerin Esther Langmaack im Gespräch mit Texterella

2014.


Was ich trage, richtet sich vor allem danach, was ich gerade mache. Im Alltag trage ich oft Jeans und Sneakers, weil ich viel mit dem Rad unterwegs bin. Auf Terminen darf es dann auch etwas Weiblicheres sein. Ich bin aber nie ausgefallen modisch unterwegs. Besonders gern mag ich Jumpsuits. Die lassen sich sportlich und elegant stylen. Mit meiner Kleidung halte ich es wie mit meinen Urlauben: Von Backpacking und Camping bis 5-Sterne-Hotel ist alles drin. Jeans und Flip Flops oder das Seidenkleid – je nach Anlass.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Ich trage immer schon häufig Jeans. Oft in der klassischen Kombi mit Bluse und/oder Blazer, aber gern dann auch noch mit Sneakers. Und ich liebe Seidenblusen. Lieblingsstücke müssen für mich in erster Linie bequem und angenehm zu tragen sein. Ich bin nicht der Typ, der sich aus optischen Gründen in eine unbequeme Klamotte quetscht. Meine anderen wichtigen Lieblingsstücke sind Taschen. Momentan gerade eine braune von Tory Burch.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Eigentlich hat sich gar nicht viel verändert. Ich finde grundsätzlich, dass Schönheit viel mehr mit einem inneren Strahlen, mit Charisma zu tun hat. Wie oft habe ich schon wunderschöne Menschen kennengelernt, die dann merkwürdig flach wirkten. Andere, die vielleicht ein paar Kilo zu viel hatten, eine riesige Nase oder keine makellose Haut dagegen nahmen den ganzen Raum für sich ein. Das ist Schönheit für mich. Meine Oma sagte früher über schlechte, böse Leute immer: Das ist ein hässlicher Mensch. Ich finde, sie hatte Recht. Nur gute Menschen können wahrhaft schön sein.


Journalistin und Bloggerin Esther Langmaack im Gespräch mit Texterella

2010.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich glaube schon, dass eine regelmäßige Hautpflege oder Besuche bei der Kosmetikerin die Haut ebenmäßiger und jünger erscheinen lassen, obwohl die Gene natürlich eine wichtige Rolle spielen. Meine Haut reagiert leider sensibel auf viele Produkte. Ich benutze daher für die regelmäßige Pflege meist Kosmetik aus der Apotheke wie Avène, Aderma oder für die Haare Phyto. Das sind alles Marken, die ich seit langer Zeit nutze, schon bevor ich mich beruflich mit Beauty beschäftigt habe. Manchmal probiere ich Neues aus, was allerdings öfter mal mit Pickelchen oder Ausschlägen quittiert wird. Das beste Anti-Aging-Mittel ohne Hautreizung für mich: viel und laut lachen. 

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Ich brauche unbedingt irgendetwas für meine trockene Haut. Eine kleine Dose Nivea reicht. Damit könnte ich mir das Gesicht eincremen, die Hände und zur Not meine trockenen Haare bändigen. Und dann bräuchte ich noch Mascara. Meine blassen Wimpern brauchen einfach einen Anstrich.


Journalistin und Bloggerin Esther Langmaack im Gespräch mit Texterella

2000.

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Botox habe ich tatsächlich vor ein paar Jahren mal probiert. Da der Effekt von allein nachlässt, fand ich das unproblematisch. In meinem Gesicht hat das aber was Komisches bewirkt. Irgendwie sackten die Augenbrauen leicht ab. Das, in der Kombi mit meinen schweren Schlupflidern, sah schon merkwürdig aus. Müde. Meine dolle Denkerfalte an der Nasenwurzel war zwar weg, aber leiden mochte ich mich so dennoch nicht. 

Inzwischen bin ich kritischer, was solche Eingriffe betrifft. Zu oft sehe ich Gesichter, in denen etwas „gemacht” wurde, die nicht jünger, sondern merkwürdiger aussehen. Manchmal reichen schon Unterspritzungen oder Botox. Oft wirkt es ein wenig wie in einem bekannten Filmchen von der Sesamstraße: Eins von diesen drei Dingen passt nicht zu den anderen. Auf Beauty-Eingriffe übertragen: Ein glattgebügeltes Gesicht betont dann vielleicht alte Hände oder Falten am Hals

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ich schwöre weniger auf besondere Produkte als auf regelmäßige Rhythmen im Leben. Dazu gehört aber auch die gründliche Reinigung der Haut. Mit Schminke gehe ich nie ins Bett. Ansonsten gilt: genügend Schlaf, dreimal am Tag etwas essen, mindestens zweimal pro Woche Sport, regelmäßige Treffen mit Freunden. Besonders viele Komplimente bekomme ich, wenn ich häufig zum Yoga gehe und mir genügend Schlaf gönnen kann. Schlaf ist mir insgesamt wichtig.

Journalistin und Bloggerin Esther Langmaack im Gespräch mit Texterella

1996.

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Die größte Herausforderung ist tatsächlich gesund und fit zu bleiben. Falten finde ich zwar nicht toll, aber die stören mich nicht so sehr. Wichtig für mich: Ich liebe Sport und bewege mich viel. Im Sommer cruise ich fast nur mit dem Rad durch Hamburg. All das bedeutet mir viel. Wenn ich mal krank bin und deshalb keinen Sport machen kann, ahne ich, was es bedeutet, wenn man irgendwann nicht mehr bei so guter Gesundheit ist. Davor habe ich ehrlich gesagt etwas Angst. Und ja, es nervt mich auch, dass es schwerer ist, die Figur einigermaßen zu halten. Vor zwanzig Jahren fiel es mir deutlich leichter.

Die schönste Überraschung am Älterwerden? Das ist für mich, die neue Freiheit in meinem Job zu genießen – dank Digitalisierung. Als Schreiberin konnte ich problemlos von Portugal aus arbeiten, als ich dort mal eine Weile länger unterwegs war, oder eben auch von meinen vielen Reisen aus. Ich erinnere mich auch gernean meine Reise auf die Philppinen. Dort saß ich am Traiumstrand von Boracay und schrieb nebenbei einen Text für die „Freundin”. Darüber hinaus habe ich dank 40-something.de eine neue große Schreib-Spielwiese gewonnen. Kleine Fundstücke, Randnotizen, für die es sonst nirgends Platz gab, kann ich hier unterbringen, weil wir keine strenge Rubrizierung wie Printtitel haben. Mein Traum ist es, irgendwann bald mal für ein paar Monate unterwegs zu sein. Da ich ziemlich viele Meilen angesammelt habe, kriege ich bald ein World-Ticket zusammen. Ich würde so gerne mal drei bis sechs Monate rund um die Welt fliegen und von unterwegs aus arbeiten.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Als ich 1988 ein Jahr in Boston lebte, hörte ich den Satz: What goes around comes around. Auf Deutsch heißt das in etwa: Was man in die Welt hinausschickt, kommt zu einem zurück. Daran glaube ich fest. Auch deshalb bin ich oft hilfreich, unterstütze andere gern –  allerdings ohne dafür etwas zu erwarten. Irgendwann meint es jemand anderes besonders gut mit mir. Das weiß ich, und das ist auch schon oft passiert. Inzwischen ergänze ich oft: What goes around comes around ... allerdings oft aus einer anderen Ecke.


1996.

Und dann ist da noch ein zweites Mantra, das mir am Herzen liegt: Bis hierhin haben wir es immerhin ziemlich unbeschadet geschafft, das Glück hat nicht jeder. Wenn Menschen oder ich selbst zu sehr im Jammer-Modus unterwegs sind, sich ständig benachteiligt fühlen oder über Nichtigkeiten lammentieren, sage ich diesen Satz, weil es wichtiger ist, das große Ganze zu betrachten und auch mal dankbar für etwas zu sein, das viele als selbstverständlich erachten. Ich war im letzten Jahr auf der Beerdigung einer Freundin. Sie wurde nur 49 und hatte einen 9-jährigen Sohn. Das ist schlimm, und es relativiert vieles.

Danke, dass du heute hier warst, liebe Esther! Die Freiheit der Digitalisierung liebe ich übrigens auch. Und plane bereits ein mehrwöchiges bis -monatiges Work & Travel, sobald die Kinder mal außer Haus sind! :-)

***

Hier gibt es noch mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen über 40, 50, 60 und über 70.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 20. Februar 2017, 06:00 Uhr
Kommentare: 1 | Aufrufe: 3033 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitmontagsinterviewmodeinterviewfrauen ab 40esther langmaackbeautyanti-agingälter werden
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Kommentare

  • Ein tolles Interview! Ich mag’ ganz besonders deine Lebens-Philosophien, liebe Esther ... genauso sehe ich das auch. Nicht über das Älter werden lamentieren, sondern glücklich darüber sein, dass man es ganz gut bis hierher geschafft hat. Das unterschreibe ich sofort.

    Als ich vor ein paar Jahren meinen Bruder an seinem 50sten gefragt habe „Na, und wie ist es Fünfzig zu werden?” hat er – mit dem uns eigenen norddeutschen Humor – nur ganz trocken geantwortet: „Es ist besser, als nicht Fünfzig zu werden!” So einfach kann es sein.

    Ich freue mich, dass wir uns kürzlich in Hamburg auf der BLOGST kennen gelernt haben und grüße herzlich. Natürlich euch beide: Susi und Esther!

    herzlichst Katrin / soulsister meets friends

    Katrin / soulsister meets friends
    am Montag, 20. Februar 2017 um 09:26 Uhr

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